PKV oder GKV – ein Navigator durch das deutsche Gesundheitssystem

In Deutschland gibt es zwei Versicherungssysteme - die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die private Krankenversicherung (PKV). Dieser Artikel liefert einen verständlichen Vergleich der beiden Systeme. Du erfährst, was die Eigenschaften und Unterschiede konkret für dich und deine Gesundheit bedeuten.

Krankenversicherung kann verwirrend sein. Freunde, Kollegen, Familie, die Medien – alle haben eine Meinung dazu. Du stehst in der Mitte zwischen Ideologie und Wahrheit und kämpfst um eine klare Sicht. Hier findest du alle relevanten Fakten so verständlich und neutral wie möglich dargestellt. Egal, ob du dich nur mal informieren möchtest oder konkret überlegst, zu wechseln – nach dem Lesen weißt du über das deutsche Krankenversicherungssystem Bescheid. Und kannst dir selbst eine Meinung bilden. Investiere 20 Minuten deiner Zeit, triff eine Entscheidung und profitiere ein Leben lang davon.

Wir können dir die Wahl deiner Krankenversicherung nicht abnehmen. Darum steht am Ende keine klare Empfehlung für das eine oder gegen das andere System. Wir geben alles, um dir eine informierte, bewusste Entscheidung zu ermöglichen.

PKV vs. GKV auf einen Blick

GKV
PKV
GKV
System:
  • Die Jungen und Gesunden finanzieren die Alten und Kranken – demografischer Wandel beeinflusst Beitragssteigerungen.
  • Niemand kann aufgrund seines Gesundheitszustandes abgewiesen werden.
  • Beruht auf dem Generationenvertrag und ist nach den Prinzipien des Sozialstaates gestaltet.
PKV
System:
  • Versicherte sorgen mit ihren Beiträgen für ansteigende Gesundheitskosten im Alter vor – unabhängig vom demografischen Wandel.
  • Das Versicherungskollektiv wird durch die Risikoprüfung vor übermäßiger Belastung geschützt.
  • Am Individuum orientiert – trotzdem besteht Solidarität zwischen Gesunden und Kranken.
GKV
Beiträge:
  • Beiträge orientieren sich am Einkommen.
PKV
Beiträge:
  • Beiträge sind abhängig vom gewählten Tarif, Eintrittsalter und Gesundheitszustand.
GKV
Leistungen
  • Leistungen sind vom Gesetzgeber festgelegt und können jederzeit geändert werden.
  • Abrechnung von Leistungen zwischen Arzt und GKV.
PKV
Leistungen:
  • Leistungen sind vertraglich festgelegt und gelten ein Leben lang. Wenn du Leistungen erweitern willst, wird eine erneute Gesundheitsprüfung fällig.
  • Abrechnung von Leistungen zwischen Arzt und dir.


So triffst du deine eigene Entscheidung

Welches System ist für dich das optimale? Das hängt stark von dir persönlich und der Frage ab: Worum soll es in deinem Leben gehen? Je nach Einkommen und Berufsstatus kannst du frei zwischen PKV und GKV wählen und solltest vor einer Entscheidung die folgenden Faktoren sorgfältig abwägen:

  • Die Kosten für deine Gesundheit
  • Die Leistungen, die deine Versicherung dir bietet
  • Die Zukunftssicherheit deiner Wahl


So findest du die beste Entscheidung

Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Mit der Wahl deiner Krankenversicherung triffst du aber eine Entscheidung für dein ganzes Leben. Wie soll das gehen? Gerade bei der Krankenversicherung lohnt es sich, die eigenen Möglichkeiten zu kennen. Fang am besten da an, wo du dich gut auskennst: bei dir. Beginne mit der Frage: Was habe ich in meinem Leben vor? Um die wichtigsten Punkte abzustecken, kannst du für deine Notizen diese Fragensammlung nutzen:

Familie:

  • Bist du bekennender Single? Oder liebäugelst du mit einer Großfamilie?
  • Wie viele Kinder hast du oder hättest du gerne?
  • Ist gerade ein Kind unterwegs?
  • Wirst du als Mutter oder Vater bei deinem Kind zuhause bleiben oder weiterarbeiten?
  • Bist du alleinerziehend?

Beruf & Einkommen:

  • Bist du schon in der Berufswelt angekommen oder noch im Studium?
  • Arbeitest du selbstständig, angestellt oder verbeamtet?
  • Wie hoch ist dein Einkommen jetzt und wie ist die Prognose in Zukunft?
  • Wie sicher ist dein Job?
  • Hast du Rücklagen?
  • Wie viel gibst du momentan für Krankenversicherung und Gesundheit aus?
  • Wie wird sich deine Rente zusammensetzen? Was tust du bereits für deine Altersvorsorge?

Prioritäten:

  • Wie setzt du die Prioritäten in deinem Leben?
  • Wie wichtig ist dir deine Gesundheit?
  • Willst du im Krankheitsfall die beste Behandlung für dich und deine Familie oder reicht die medizinische Basisversorgung?
  • Hast du ein hohes Sicherheitsbedürfnis?
  • Wie wichtig ist dir Geld? Liebst du das Abenteuer oder verläuft dein Leben gut planbar?
Check: Habe ich eine Bestandsaufnahme meiner persönlichen Situation gemacht? Eine ungefähre Vorstellung reicht. Keine Panik, wenn du dir bei einigen Punkten unsicher bist.

Fünf Faktoren, die du kennen solltest

Faktor 1: Deine Kosten

GKV
PKV
GKV
Beitrag:
  • Einkommensabhängig – 14,6 % des Einkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 56.250 €.
  • 3,05 % vom Einkommen für Pflegepflichtversicherung, die immer mit dabei ist; Kinderlose zahlen mit 3,3% etwas mehr.
  • Der Arbeitgeber zahlt die Hälfte des Beitrags.
  • Zusätzlich individuelle Zuschläge (im Schnitt 1,1 %), die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber
PKV
Beitrag:
  • Einkommensunabhängig – Beitrag für Krankenversicherung und Pflegepflichtversicherung wird auf Basis von Gesundheitszustand und Alter bei Eintritt.
  • Arbeitgeber zahlt die Hälfte des Beitrags – maximal so viel wie für einen gesetzlich Versicherten. (max. 367,97 € für Kranken- und max. 71,48 € für Pflegeversicherung).
  • Beiträge von Angehörigen und Kosten für die zusätzliche Beitragsentlastung im Alter werden bis zu dieser Grenze bezuschusst. Solidarität zwischen Gesunden und Kranken.
GKV
Familie:
  • Ehepartner mit geringem Einkommen (bis 450 €) und Kinder sind kostenfrei mitversichert.
PKV
Familie:
  • Unabhängig von Alter und Beruf eigener Beitrag für jedes Familienmitglied – Ehepartner und Kinder sind selbstständig versichert.
  • Kinder zahlen deutlich weniger als Erwachsene.

Fakt ist:

  • Liegt dein Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze, zahlst du in der gesetzlichen Krankenversicherung im Monat etwa 890 €, wovon etwa die Hälfte dein Arbeitgeber zahlt.
  • Zusammengerechnet gibt ein Deutscher durchschnittlich in seinem Leben 250.000 € an Beiträgen aus. Viel Geld welches man vor allem im Alter gut gebrauchen könnte.

Angesichts dieser Summe erscheint es verrückt, die Wahl der Krankenversicherung dem Zufall zu überlassen. Wo du viel ausgibst, da kannst du viel sparen.

Wäge gut ab, wie du für dein Geld das Optimum für dich herausholen kannst. „Optimal“ nicht im Sinne von günstig um jeden Preis, sondern im Sinne von wirklich gut und sinnvoll für dich. Denn gerade bei der Gesundheit geht es um mehr als nur Geld.

In der GKV stellt die Beitragsbemessungsgrenze die Obergrenze für die Berechnung des Beitrags dar.

In der GKV ist der Beitrag abhängig vom Gehalt und wird prozentual vom Einkommen berechnet. Die Beitragsbemessungsgrenze deckelt diesen Betrag jedoch.


Was kostet die gesetzliche Krankenversicherung?

Wer wenig verdient, zahlt auch wenige Beiträge.

Für wen ist das interessant?

Das ist praktisch, wenn du nicht genau weißt, was du in den nächsten Jahren verdienen wirst: Dein Krankenkassenbeitrag passt sich eventuellen Schwankungen im Gehalt an. Auch wenn du eine Großfamilie mit vielen Kindern hast oder planst, kann die GKV – finanziell gesehen – eine gute Wahl sein: Aufgrund der Familienversicherung kosten Kinder und nur geringfügig verdienende Lebenspartner nicht extra. Endet die Familienversicherung deiner Kinder oder deines Lebenspartners, weil sie einer eigenen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen, reduziert sich dadurch dein Beitrag nicht. Ausschlaggebend für deinen Beitrag sind deine Einnahmen bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 56.250 €.

Der Beitrag in der GKV ist auf einen Höchstsatz begrenzt, der aktuell inklusive Zusatzbeitrag bei rund 890 € liegt.

Dieser verhältnismäßig hohe Betrag gleicht die niedrigeren Beiträge der Einkommensschwachen und der kostenlos Familienversicherten aus, damit am Ende das Geld für die gleiche Behandlung beim Arzt ausreicht.

Gut zu wissen:

  • In der GKV musst du mit Eigenbeteiligungen rechnen – Medikamente, Heil- und Hilfsmittel sind zuzahlungspflichtig. Nicht verschreibungspflichtige Medikamente musst du in der GKV immer ganz aus eigener Tasche bezahlen, außer für Kinder bis 12 Jahren. Vor allem bei einer langwierigen Krankheit kann sich das schnell summieren.
  • Viele gesetzlich Versicherte entscheiden sich für eine private Zahnzusatzversicherung, weil ihnen der gesetzliche Schutz nicht ausreicht. Gerade um eine Zahnzusatzversicherung kommt eigentlich niemand mehr herum, seit die GKV nur noch etwa 50 % einer Regelversorgung trägt. In der Praxis wird aber eher eine gleichartige oder andersartige Versorgung mit Zahnersatz gewählt. Dadurch kann der Eigenanteil deiner Rechnung schnell auf 70 bis 80% steigen.
  • Auch eine Krankenhauszusatzversicherung ist sinnvoll. Denn damit hast du die freie Wahl unter allen Spezialisten – das muss nicht immer der Chefarzt sein – und kannst dir auch das Krankenhaus aussuchen. Damit verbunden ist natürlich auch die angenehmere Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer. Die Kosten für diese Extra-Versicherungen kommen noch zum normalen GKV-Beitrag hinzu.

Rechenbeispiel für einen alleinstehenden Angestellten oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze:

GKV & Pflegepflichtversicherung Beitrag (Eigenanteil):
450 €
Zusatzversicherung Zahn:
28 €
Leistungen im Krankenhaus:
46 €
Total:
524 €

Was kostet die private Krankenversicherung?

Dein Beitrag in der PKV hängt nicht vom Einkommen ab, sondern von Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und gewünschtem Leistungsumfang.

Für wen ist das interessant?

Verdienst du gut und würdest somit in der GKV den Höchstsatz zahlen, kannst du in der PKV viel sparen. Auch mit zwei Kindern kann eine PKV noch interessant sein. Weil für jedes Familienmitglied gesonderte Beiträge fällig werden, solltest du mit einer kinderreichen Familie die Kosten zwischen GKV und PKV vergleichen. Dazu eignet sich unser Spar-Rechner.

In der PKV gleicht jeder sein individuelles Risiko selbst aus. Deshalb schätzt die PKV im Rahmen einer Gesundheitsprüfung, wie viele Kosten du – statistisch gesehen – durchschnittlich verursachen wirst. Ist aufgrund von Vorerkrankungen mit erhöhten Kosten zu rechnen, können diese gegen einen Risikozuschlag mitversichert werden. Bei gravierenden Erkrankungen oder Risikojobs, kann ein Versicherer es auch ablehnen, ein Angebot zu machen.

Wie viel die PKV kostet, lässt sich pauschal nicht sagen. Es gibt Preismodelle vom Billig- bis hin zum Premium-Tarif. Der Preis hängt stark von der Leistung ab. Auch die Risikopolitik des Versicherers spielt eine Rolle, denn viele kranke Menschen innerhalb eines Tarifes belasten das Versicherungskollektiv vermehrt und das erhöht den Preis für alle.

Gut zu wissen:

  • Bei auffallend günstigen Tarifen sollten deine Alarmglocken läuten – so etwas ist nur durch hohe und eventuell versteckte Selbstbehalte oder drastische Lücken im Versicherungsschutz möglich. Und was bringt es dir, wenn du zwar monatlich wenig zahlst, aber im Krankheitsfall auf einem Großteil der Kosten sitzen bleibst? Auch Beitragssteigerungen können über die Jahre in solchen Tarifen drastisch ausfallen.
  • Jede PKV ist dazu verpflichtet, einen Basistarif anzubieten. Er kostet so viel wie der Höchstsatz der GKV und bietet genau die Leistungen der GKV.
  • Arbeitet eine PKV profitabel, weil weniger Versicherte krank geworden sind oder sie gut gewirtschaftet hat, kommt das den Versicherten zu Gute. Es werden zum Beispiel höhere Rückstellungen für das Alter gebildet, die Beitragsstabilisierung finanziert oder du kannst Beitragsrückerstattungen erhalten.

Rechenbeispiel für einen alleinstehenden Angestellten oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze:

PKV & Pflegepflichtversicherung Beitrag (Eigenanteil):
287 €
Zahnbehandlung:
inklusive
Leistungen im Krankenhaus:
inklusive
Total:
287 €

Beitragssteigerungen: Kann es immer so weitergehen?

Beitragsentwicklung Pkv Gkv B

In Zukunft werden wahrscheinlich die Beiträge sowohl in der GKV als auch in der PKV steigen müssen – dieser Trend zeichnet sich bereits jetzt ab.

Gründe für Beitragssteigerungen:

  • Allgemeine Inflation
  • Medizinischer Fortschritt und immer bessere,aber zum Teil teurere Behandlungen und Arzneimittel
  • In der GKV: demografischer Wandel aufgrund der Alterszusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland müssen die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung zwangsläufig steigen. Es wird nicht günstiger für den Beitragszahler, wenn die Last einer alternden Gesellschaft auf den Schultern von immer weniger Erwerbstätigen verteilt wird.
Check:
  • Wie viel gibst du zurzeit für deine Krankenversicherung aus?
  • Gibt es Familienmitglieder, für die du aufkommen musst?
  • Was ist dir deine Gesundheit wert?
  • Möchtest du unabhängig vom demografischen Wandel bleiben?

Faktor 2: Das Alter & die Zukunft

Zukunftsprognosen sind oft mit Vorsicht zu genießen. Der demografische Wandel ist jedoch keine Prognose, sondern eine mathematische Gewissheit. Deshalb solltest du vor einer so bedeutenden Lebensentscheidung wie der Wahl der Krankenversicherung einen kritischen Blick in die Zukunft werfen.

Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:

GKV
PKV
GKV
Beiträge im Rentenalter:
  • Pflichtversicherte Rentner zahlen halben Beitragssatz (derzeit 7,3 %) plus den halben Zusatzbeitrag (ca. 0,55 %) auf gesetzliche Rente. Auf Versorgungsbezüge (Pensionen, Betriebsrente, Direktversicherung durch Gehaltsumwandlung) wird der komplette Beitragssatz fällig (14,3 und 1,1 %). Ab 2020 werden Betriebsrentner entlastet – sie müssen nur noch Beiträge für Einkommen aus Betriebsrenten zahlen, das 159 € übersteigt.
  • Freiwillig versicherte Rentner zahlen darüber hinaus 14% zuzüglich 1,1% auf alle anderen Einkünfte, insbesondere Einkünfte aus privaten Rentenversicherungen, Lebensversicherungen, Vermietungen und Verpachtungen, Kapitalerträge, Zinsen und Dividenden.
  • Pflegeversicherung: Beitrag ist vom Rentner in voller Höhe alleine zu zahlen.
PKV
Beiträge im Rentenalter:
  • Die Beiträge werden wie bisher fortbezahlt.
  • Rentenversicherung zahlt einen Zuschuss in Höhe von 7,85 % auf die bezogene Altersrente – Sie übernimmt ab jetzt die Rolle deines Arbeitgebers.
  • Mit dem 60. Lebensjahr endet der gesetzliche Beitragszuschlag von 10%. Dadurch reduziert sich der Beitrag. Mit diesem Zuschlag werden Mittel aufgebaut, die Beiträge im Rentenalter stabil halten.
  • Krankentagegeld wird ab Rentenbeginn nicht mehr benötigt und endet in der Regel mit dem Renteneintritt: Der Wegfall reduziert den Beitrag.
  • Jetzt profitieren Versicherte, die in jungen Jahren eine Beitragsentlastungskomponente abgeschlossen haben vom vereinbarten Reduktionsbetrag.
GKV
Vorsorge:
  • Innerhalb der GKV kann niemand gezielt für die Beiträge im Alter vorsorgen.
  • Die nachfolgende, jüngere Generation muss für die höheren Gesundheitskosten der Älteren aufkommen.
PKV
Vorsorge:
  • Verzinste Alterungsrückstellungen wirken dem steigenden Bedarf an Gesundheitskosten entgegen.
  • Diese werden von jeder Generation selbst finanziert.
  • Niedrigere Beiträge im Alter durch Beitragsentlastungstarif, Höhe frei wählbar.
GKV
Demografischer Wandel:
  • Belastet das System.
  • Immer weniger jüngere Menschen müssen für die Gesundheitskosten von immer mehr älteren Menschen aufkommen.
PKV
Demografischer Wandel:
  • Belastet das System nicht.
  • Jeder kommt durch die gebildeten Rückstellungen für sich selbst auf.

Aktuell gibt es zwei Szenarien: Entweder zahlst du als pflichtversicherter Rentner einen reduzierten oder als freiwillig Versicherter den vollen Beitragssatz.

Pflichtversichert

  • Warst du in der zweiten Hälfte deines Erwerbslebens mindestens 9/10 der Zeit gesetzlich versichert, bist du als Rentner normalerweise in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner (KVdR) pflichtversichert.
  • Beiträge zahlst du auf deine Einkünfte aus der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Auf Versorgungsbezüge aus deiner Betriebsrente (ggf. über Freibetrag) oder deiner Pension wird der volle Beitrag fällig.


Freiwillig versichert:

  • Reicht die Vorversicherungszeit nicht aus, etwa weil du im Ausland oder privat versichert warst, kannst du dich nur freiwillig gesetzlich krankenversichern.
  • Beiträge zahlst du auch hier auf deine Einkünfte aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Die gesetzliche Rentenversicherung übernimmt auf Antrag die Hälfte des regulären Beitragssatzes und des Zusatzbeitrags, insgesamt also 7,85 %.
  • Aber: Alle deine Einkünfte – also auch private Rentenversicherungen, Vermietungen oder Verpachtungen – sind beitragspflichtig.
  • Bei diesen Einkünften gibt es keinen Zuschuss – du zahlst den ermäßigten Beitragssatz von 14% zuzüglich 1,1% Zusatzbeitrag auf all diese Einkünfte selbst.
  • Auch Kapitalauszahlungen aus der Lebensversicherung sind dann beitragspflichtig – aber: deine Beiträge sind in jedem Jahr durch die geltende Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt.
Das Älterwerden kommt nicht überraschend. Du kannst jetzt gezielt Vorsorge treffen. Mach dir darüber frühzeitig Gedanken, denn:
  • Ab 55 ist der Wechsel von der PKV in die GKV in der Regel nicht mehr möglich.
  • Für einen Wechsel von der GKV zur PKV sind im Alter meist die höheren Einstiegsbeiträge und der Gesundheitszustand die limitierenden Faktoren.

Der demografische Wandel

Was die Zukunft bringt, ist für die GKV kaum absehbar. Deutschland überaltert, der demografische Wandel wird das Umlageprinzip (Jung und Gesund finanziert Alt und Krank) einer Zerreißprobe unterziehen. Das Bewusstsein für die Problematik ist in der Öffentlichkeit noch nicht angekommen – im Gegensatz zur Diskussion um die gesetzliche Rente. Kaum ein junger Arbeitnehmer setzt jetzt noch auf die gesetzliche Rente alleine, sondern sichert sich mit privaten Rentenversicherungen und Vermögensaufbau ab.

Nach der Faktenlage gibt es wenig Gründe, bei der Krankenversicherung zuversichtlicher zu sein. Du zahlst jetzt mit deinem Geld die Krankheitskosten der älteren Mitbürger. Aber wer zahlt für dich, wenn du alt bist und wie groß wird dein Leistungsumfang dann sein?

Bevölkerung nach Altersgruppen

Demografischer Wandel B Abb. Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland bis 2030 (Quelle: Statista)

So könnte dein GKV-Beitrag in der Rente aussehen:

(ohne Berücksichtigung von Beitragssatzanpassungen)

Deine gesetzliche Rente pro Monat:
2.400 €
GKV-Beiträge (7,85 %)
188,40 €
Soziale Pflegeversicherung
79,20 €
Betriebliche Alterversorge:
500,00 €
GKV-Beitrag (15,7 %)
53,50 €
Soziale Pflegeversicherung (3,3 %)
16,50 €
Zu zahlende monatliche Beiträge:
337,60 €

Was ändert sich in der Rente, wenn du privatversichert bist?

Als privatversicherter Rentner ändert sich formal erst einmal wenig – du zahlst weiterhin deinen Beitrag unabhängig von der Höhe deiner Einkünfte.

Allerdings ist dieser jetzt anders zusammengesetzt:

  • Zusatzkosten, wie der Beitrag für den gesetzlichen Zuschlag und das Krankentagegeld, fallen weg.
  • Hast du eine Beitragsentlastungskomponente vereinbart, hast du in jungen Jahren monatlich immer etwas mehr bezahlt, als du verbraucht hast. Diesen Überschuss hat deine PKV angelegt und dämpft jetzt deine Beiträge.
  • Gemeinsam mit dem Rentenantrag kannst du auch einen Zuschuss für die PKV beantragen. Danach läuft es ähnlich ab wie bei einem Arbeitgeberzuschuss: Der Rentenversicherungsträger übernimmt die Hälfte deiner PKV-Kosten, bis maximal zu dem Betrag, den du für die GKV bezahlen würdest.

So könnte dein PKV-Beitrag in der Rente aussehen:

(ohne Berücksichtigung von Beitragssatzanpassungen)

Deine gesetzliche Rente pro Monat:
2.400 €
Dein PKV-Monatsbeitrag (bei Eintritt mit 32 Jahren)
573,03 €
Ab dem 60. Lebensjahr abzgl.:
 
- 10 % ges. Zuschlag
- 40,82 €
Ab Renteneintritt abzgl.:
 
- Krankentagegeld
- 31,80 €
Ab 67 mit Leistung BEK:
 
- Beitragsentlastung
- 200 €
Zuschuss Rentenversicherung
 
- 50 % Zuschuss (max. 188 €)
- 129,48 €
Zu zahlende monatliche Beiträge:
170,93 €
Die PKV ist im Alter unbezahlbar?

Das Vorurteil, die Beiträge in der PKV würden im Alter so stark steigen, dass sie niemand mehr bezahlen kann, hält sich hartnäckig. Dem widerspricht die Aussage der Bundesregierung auf die offizielle Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN vom 30.05.2016: Nur 0,5 % aller Rentner zahlen in der PKV mehr als den Höchstbeitrag der GKV. Somit ist auch aktuell die Belastung der Rentner durch die PKV-Beiträge nicht so dramatisch hoch, wie häufig suggeriert.


Der wesentliche Unterschied zwischen GKV und PKV

  • In der PKV sorgt jede Generation für ihr Alter selbst vor. Es können sich dadurch schwerer unvorhergesehene Lücken in der Finanzierung auftun.
  • Dafür sparen Privatversicherte über die Jahre Alterungsrückstellungen an: Ihr Beitrag wird so berechnet, dass er in jungen Jahren höher ist als für die tatsächlichen Aufwendungen notwendig. Die PKV legt das überschüssige Geld an und gleicht die steigenden Kosten im Alter aus. Alterungsrückstellungen können zu einem großen Teil auch bei einem Wechsel in eine andere PKV mitgenommen werden.
  • Zusätzlich hält der gesetzliche Zuschlag die Beiträge im Alter stabiler. Er wurde im Jahr 2000 eingeführt. Er erhöht die Beiträge zu Beginn einer Versicherung, sorgt aber für mehr Stabilität im Verlauf der Jahre.


    Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:

    PKV

    Die PKV hat das Problem des demografischen Wandels nicht – hier zahlt nur Gesund für Krank, nicht aber Jung für Alt. Auch sie muss ihre Beiträge aufgrund von Inflation und medizinischem Fortschritt anheben. Zudem stellt das niedrige Zinsniveau ein Kostenrisiko für die etablierten privaten Krankenversicherer dar. Die Verzinsung ist für den Aufbau von Altersrückstellungen besonders wichtig. In den schon länger bestehenden Verträgen sind höhere Zinsen eingerechnet, als derzeit erwirtschaftet werden können.

    GKV

    Der demografische Wandel wird sich entweder in steigenden Beiträgen oder in einer Kürzung der Leistungsausgaben niederschlagen. Insbesondere erscheint es wahrscheinlich, dass heute junge GKV-Mitglieder im Rentenalter deutlich stärker für ihre GKV zur Kasse gebeten werden, als heutige Rentner. Darüber hinaus muss die GKV ihre Beiträge anheben, um die Inflation und den medizinischen Fortschritt auszugleichen.

    Rücklagen und Rechnungszins bei ottonova

    Leistungen und Beiträge in der PKV sind unabhängig vom demografischen Wandel. Dafür spielt die Verzinsung eine größere Rolle. Um die Beiträge auch im Alter stabil halten zu können, nutzen die privaten Versicherungen einen Rechnungszins.

    Ältere Verträge wurden mit einem höheren Zins (bis zu 3,5 %) berechnet als er im Moment zu erwirtschaften ist, das heißt: In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase werden die Alterungsrückstellungen niedriger verzinst als eingerechnet. Der kalkulierte Zins wurde mehrfach reduziert und ist deshalb mitursächlich dafür, dass PKV-Beiträge zum Teil stärker angestiegen sind als in der GKV.


    PKV ist nicht gleich PKV:

    Informiere dich beim Vergleichen der Angebote auch darüber, welche Rücklagen die Versicherung bildet und wo und wie diese angelegt werden. ottonova bildet beispielsweise hohe Rücklagen für dich. Wir legen rund 50 % deines Beitrags an – und zwar konservativ: ottonova geht von einer Verzinsung von 1,25 % pro Jahr aus – und liegt damit ungefähr 1,5 % unter dem Marktdurchschnitt.

    Hätten wir den gleichen Rechnungszins wie andere Anbieter, wäre dein Beitrag heute zwar um etwa 15 % günstiger. Langfristig bist du so aber unabhängig vom Finanzmarkt und der Finanzpolitik. Und wir kalkulieren, dass sich der ottonova Rechnungszins in fünf bis zehn Jahren dem Durchschnitt angenähert hat. Wenn dieser Wandel vollzogen ist, wird der Kostenvorteil von 15 % spürbar.

    Wenn du dich für die PKV entscheiden, gibt es einen wichtigen Grundsatz für ein entspanntes Älterwerden: Billigtarife lohnen sich nicht. Denn spätestens im Alter, wenn du öfter krank bist, treiben die Leistungslücken dieser Tarife deine Kosten in schwindelerregende Höhen. Außerdem werden bei solchen Tarifen weniger Rückstellungen fürs Alter gebildet. Wenn du jetzt nicht anderweitig Geld zur Seite gelegt hast oder nicht zurück in die GKV kannst, bleibt dir als Ausweg nur noch der Basistarif. Dieser kostet maximal so viel wie der Höchstbeitrag zur GKV. Durch Anrechnung der Alterungsrückstellungen bei einem Wechsel in den Basistarif liegt der Beitrag dennoch unter dem Höchstbeitrag in der GKV. Das Internet ist voll von solchen Horrorgeschichten, die du jedoch leicht vermeiden kannst, indem du dich nicht von solchen Blender-Angeboten hinters Licht führen lässt.

PKV Durschnittsverzinsung und ottonova-Verzinsung im Vergleich

Durchschnittsverzinsung B

Mit der PKV sorgst du fürs Alter vor

Du willst in die PKV und im Alter sparen? Wir haben zwei Tipps für dich:

1. Wechsle in jungen Jahren in die PKV

  • Je früher du wechselst, desto früher beginnst du, dir zusätzlich ein Polster für das Alter anzulegen, von dem deine PKV-Beiträge im Alter mitbezahlt werden. Denn in der Regel hast du im Ruhestand insgesamt geringere Einnahmen als während deiner aktiven Berufszeit.

2. Wähle als Vertragsbestandteil bei der PKV die Beitragsentlastungskomponente (BEK):

  • Das funktioniert so: Du zahlst eine bestimmte Summe zusätzlich zu deinem Beitrag. Die Versicherung legt das Geld an und garantiert dir einen reduzierten Beitrag ab einem vereinbarten Zeitpunkt im Alter. Du bestimmst selbst, wie viel weniger du im Alter zahlen möchtest.
  • Der große Vorteil: Für Angestellte bezuschusst der Arbeitgeber auch die BEK bis zum maximalen Arbeitgeberzuschuss. Und für Selbstständige wirkt sich die steuerliche Anrechenbarkeit der BEK besonders günstig aus. Du betreibst also Altersvorsorge durch deine PKV, mit einer Rendite, die außer mit einer Basis-Rente durch die genannten Rahmenbedingungen nicht so einfach anderweitig erreichbar ist.
Dein Check zum Älterwerden
  • Wie sieht es mit deiner Altersvorsorge aus?
  • Möchtest du auch mit der Wahl deiner Krankenversicherung fürs Alter vorsorgen?
  • Rechnest du mit wenig Rente und könntest daher von den einkommensabhängigen Beiträgen in der GKV profitieren?
  • Hast du eine zukunftsfähige Krankenversicherung, die deine Beiträge klug anlegt?
  • Hast du alle Maßnahmen ergriffen, um den Beitrag im Alter stabil zu halten?

Faktor 3: Das System.

Die Besonderheiten der beiden Versicherungssysteme in Deutschland lernst du in diesem Kapitel kennen.

Das duale Versicherungssystem in Deutschland:

  • GKV: Leistungen sind im Wesentlichen im Sozialgesetzbuch (SGB V) geregelt.
  • PKV: Für das Leistungsangebot ist gesetzlich nur ein grober Rahmen gesetzt – die Krankenversicherer legen die Leistungen in ihren Tarifen selbst fest.

Im Jahr 2019 gab es in Deutschland 109 gesetzliche und rund 45 private Krankenversicherungen.

Die zwei Systeme, deren Nutzen und Zukunftschancen für die Gesellschaft kontrovers diskutiert werden, sind recht unterschiedlich.

Aber eines haben sie gemeinsam:

Jede Versicherung funktioniert nach dem „Prinzip des großen Topfes”. Alle Versicherten zahlen einen monatlichen Beitrag in diesen Topf ein. Wird jemand krank, kommt die Gemeinschaft mit dem Vermögen im Topf für die Kosten auf. Die Gesunden finanzieren die Kranken. Versicherungen sind also immer solidarisch für ihr Kollektiv.

GKV
PKV
GKV
Sachleistungsprinzip:
  • Das ärztliche Fachpersonal rechnet mit der Kasse ab.
  • Die versicherte Person ist in der Regel nicht beteiligt und sieht keine Rechnung.
  • Leistungsumfang über Satzungsrecht geregelt, daher jederzeit änderbar.
PKV
Kostenerstattungsprinzip:
  • Das ärztliche Fachpersonal rechnet mit der versicherten Person ab.
  • Die PKV erstattet den Rechnungsbetrag auf Antrag des Versicherten.
  • Leistungsumfang vertraglich garantiert. Änderbar nur auf Wunsch des Kunden.
GKV
Umlageprinzip:
  • Jung und Gesund finanziert Alt und Krank.
  • Die aktuellen Kosten werden auf alle Mitglieder umgelegt.
  • Wer mehr verdient, zahlt auch mehr.
PKV
Kapitaldeckungsprinzip:
  • Gesund finanziert Krank.
  • Jede Generation sorgt selbst für das Alter vor.
  • Unabhängig vom Einkommen.

Besonderheit Nr. 1: Kosten im Alter

Das Kostenrisiko für ein Kollektiv hängt nicht nur von der Gesundheit ab, sondern auch vom Alter: Im Alter verursacht ein Mensch sehr viel mehr Kosten als in jungen Jahren.

Was bedeutet das in der GKV?

In der GKV gilt das Umlageprinzip: Jüngere Erwerbstätige kommen für die Gesundheitskosten der Älteren in der Gesellschaft auf. Ähnlich wie bei der gesetzlichen Rente ist die Basis ein Generationenvertrag. Der demografische Wandel in Deutschland stellt das Umlageprinzip schon jetzt und zukünftig noch mehr auf den Prüfstand.

Was bedeutet das in der PKV?

In der PKV gilt das Kapitaldeckungsprinzip. Jeder gleicht jeder das Risiko seiner steigenden Kosten im Alter selbst aus. Dafür sparen Privatversicherte über die Jahre Alterungsrückstellungen an.

Das Prinzip der Alterungsrückstellungen

Alterungsrueckstellungen B Abb.: Zusammenhang zwischen Alterungsrückstellungen und dem PKV-Beitrag

Besonderheit Nr. 2: Die Abrechnung

Die verschiedenen Prinzipien, auf denen die private und die gesetzliche Krankenversicherung beruhen, zeigen sich nicht erst im Alter, sondern auch im Alltag.

Wie wird in der GKV abgerechnet?

Gehst du als GKV-Mitglied zum Arzt, erhältst du keine Rechnung für die Kassenleistungen. Damit hast du keinen organisatorischen Aufwand und dein Geldbeutel bleibt zunächst unangetastet. Der Arzt wendet sich direkt an die kassenärztliche Vereinigung und bekommt von ihr eine genau festgelegte Summe pro Quartal und Patient. Du bist bei der Abrechnung außen vor. (Zu-)zahlen musst du erst, wenn du zum Beispiel mit einem Rezept zur Apotheke gehst und Leistungen in Anspruch nimmst, die eine Eigenbeteiligung vorsehen, wie Medikamente, Krankenhausaufenthalte oder Zahnersatz.

Wie wird in der PKV abgerechnet?

Als Privatpatient stehst du persönlich mit dem Arzt in einer Abrechnungsbeziehung. Er stellt Rechnung direkt an dich. Du hast dann 14 Tage Zeit, um deine Rechnung zu bezahlen. Das bedeutet: Du kannst die Rechnung zunächst bei einer Krankenversicherung einreichen und musst sie erst nach Erstattung bezahlen. Du musst also in der Regel nicht in Vorleistung gehen, bist dafür aber genau über die erbrachten Leistungen informiert. Und du bist rechtlich bessergestellt als ein GKV-Patient: Während dieser kein direktes Vertragsverhältnis mit seinem Behandler hat, gehst du als Privatpatient mit deinem Arzt einen Dienstleistungsvertrag ein. Kommt es zu einem Behandlungsfehler kannst du den Arzt direkt verklagen. Bei der Behandlung von Privatpatienten sind Ärzte deshalb oft viel aufmerksamer.

Warum sind Privatpatienten für Arztpraxen so attraktiv?

Ob oder in welchem Umfang deine PKV das Geld zurückerstattet, weiß der Arzt nicht. Er wird seine Leistungen nach der jeweils geltenden Gebührenordnung direkt mit dir abrechnen und verdient in der Summe wesentlich mehr – häufig 50 bis 100 % – als durch die Behandlung eines gesetzlich versicherten Patienten. Ärzte unterliegen bei der Abrechnung von Leistungen gegenüber gesetzlich Versicherten Budgets und Leistungsbeschränkungen. Diesen Einschränkungen unterliegen sie nicht bei der Behandlung und Abrechnung von Privatpatienten.

Dein Check zum Faktor System:
  • Reichen die Leistungen der GKV für dich aus?
  • Wie wichtig ist dir die Unabhängigkeit vom demografischen Wandel im Alter?
  • Was für eine Leistungsbeziehung möchtest du zu deinem Arzt haben?
  • Bist du froh, wenn du dich bei der Abrechnung um nichts kümmern musst oder willst du das selbst machen und dafür genau informiert sein?

Faktor 4: Der persönliche Spielraum.

Jeder, der in Deutschland lebt, muss sich per Gesetz krankenversichern. Aber nicht jeder hat die Freiheit, sein Krankenversicherungssystem selbst zu wählen. Hier erfährst du, wer sich wie versichern kann.

GKV
PKV
GKV
Für wen?
Grundsätzlich für alle. Angestellte mit einem regelmäßigen Einkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze, im Jahr 2020 entspricht dies 62.550 €, müssen in die GKV.
PKV
Für wen?
Angestellte mit einem regelmäßigen Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze, sowie Selbstständige, Beamte, Studierende und Kinder, wenn die Eltern in der PKV sind, unabhängig vom Einkommen.
GKV
Gesundheitszustand relevant?
Nein, keine gesundheitlichen Voraussetzungen.
PKV
Gesundheitszustand relevant?
Ja, Gesundheitsprüfung erforderlich. Nicht für Neugeborene im Rahmen der Kindernachversicherung.
GKV
Altersbeschränkung bei Wechsel?
Wechsel zurück zur GKV nur bei Eintritt von Versicherungspflicht und in der Regel ab dem 55. Lebensjahr nicht mehr möglich.
PKV
Altersbeschränkung bei Wechsel?
Wechsel zur PKV theoretisch in jedem Alter möglich, aber im höheren Alter meist sehr teuer.

Wer genießt in Deutschland Versicherungsfreiheit?

Diese Personen können sich freiwillig gesetzlich versichern oder die PKV wählen:

  • Angestellte, deren Einkommenregelmäßig über der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 62.550 € (5.212,50 € pro Monat) brutto liegt
  • Beamte und Personen in Beamtenanwärterschaft
  • Selbstständige
  • Geistliche
  • Richter

Wer ist in der GKV versicherungspflichtig?

Diese Personen unterliegen der Krankenversicherungspflicht:

  • Angestellte, die 5.212,50 € brutto pro Monat oder weniger verdienen
  • Studierende
  • Menschen im Rentenalter, die der 9/10-Regelung unterliegen
  • Arbeitslose
  • Landwirte und Gärtner
  • Seeleute
Gut zu wissen:

Ob du dich privat versichern kannst, hängt außerdem von den privaten Krankenversicherern selbst ab. Sie sind nicht verpflichtet, Interessierte aufzunehmen und können diese ablehnen, um das Versicherungskollektiv zu schützen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine gravierende Vorerkrankung und damit ein erhöhtes Gesundheitsrisiko vorliegt. Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Aufnahme in den Basistarif möglich.

Ausnahme:

Die Kindernachversicherung. Wenn du seit mindestens drei Monaten privat versichert bist und dann ein Kind bekommst, muss dieses bei Anmeldung innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt ohne Gesundheitsprüfung rückwirkend aufgenommen werden.

Wann kannst du dich von der Versicherungspflicht befreien lassen?

  • Wenn du unter die Versicherungspflichtgrenze gefallen bist, weil der Gesetzgeber sie anhebt
  • Wenn du in Elternzeit oder Altersteilzeit gehst (bei einer PKV-Zugehörigkeit von 5 Jahren)
  • Jeweils zu Beginn des Studiums, der Rente oder der Arbeitslosigkeit (bei Bezug von Arbeitslosengeld und einer PKV-Zugehörigkeit von 5 Jahren)

Bestimmte Personengruppen sind von der Versicherungspflicht grundsätzlich ausgenommen, wie zum Beispiel Selbstständige.

Dein Check zum Faktor persönlicher Spielraum:
  • Welche berufliche Laufbahn planst du und wie passt deine Krankenversicherung dazu?
  • Bist du aktuell verpflichtend oder freiwillig in der GKV?
  • Könntest du dich befreien lassen?
  • Lassen dein Beruf, dein Alter und dein Einkommen den Wechsel in die PKV zu?

Faktor 5: Die Leistung

Dank der Versicherungspflicht, die in Deutschland herrscht, bekommst du im Krankheitsfall Hilfe und wirst mit den Kosten nicht alleine gelassen. Die Frage ist, was du für dein Geld bekommst.

Behandlungen, Verbände, Medikamente, Physiotherapie, Reha – was du zum Gesundwerden brauchst, kostet Geld. Deshalb schließt du ja eine Krankenversicherung ab. Die entscheidende Frage ist:

Welche Leistungen bekommst du im „worst case”?

Darüber solltest du dir Gedanken machen, solange du noch gesund bist. Denn wenn du krank bist, ist es für einen Wechsel in die private Krankenversicherung meist zu spät.

Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:

GKV
PKV
GKV
Gesetzliche Grundlage:
  • Versicherten werden ausreichende, zweckmäßige und notwendige Leistungen gemäß dem fünften Sozialgesetzbuch erstattet.
  • Leistungen vom Gesetzgeber festgelegt; folgen dem Wirtschaftlichkeitsgebot.
  • Angestrebtes Ergebnis muss durch die Behandlung effizient zu erreichen sein.
PKV
Vertragliche Grundlage:
  • Erstattete Leistungen abhängig vom abgeschlossenen Vertrag.
  • Große Bandbreite an Tarifen – vom geringen Leistungsangebot bis hin zum umfassenden Premiumschutz.
GKV
Leistungssicherheit:
  • Durch Gesetzesänderungen kann der Leistungsumfang verändert werden.
PKV
Leistungssicherheit:
  • Umfang der Leistungen ist vertraglich garantiert.

Welche Leistungen bekommst du in der GKV?

In Deutschland genießen gesetzlich Versicherte grundsätzlich ein hohes Versorgungsniveau. Bist du GKV-Mitglied, legt der Gesetzgeber fest, welche Leistungen du erhältst. Im Wesentlichen sind diese kassenübergreifend für alle Versicherten gleich. Eine Pflegepflicht- und eine Krankengeldversicherung für Angestellte ist immer enthalten.

Medizinische Neuerungen kommen nur langsam bei gesetzlich Versicherten an. Die Kassen prüfen lange und ausgiebig, ob die neuen Diagnostik- und Therapieverfahren ihren Grundsätzen entsprechen und ob sie wirtschaftlich sind.

Dein Handlungsspielraum:

  • Bei Zusatzleistungen wie Osteopathie oder Akupunktur haben die Kassen etwas Spielraum. Hier lohnt es sich, zu vergleichen. Aber: Zusatzleistungen können jederzeit wieder gestrichen werden.
  • In der GKV kannst du den gesetzlichen Basisschutz durch eine private Zusatzversicherung ergänzen oder Behandlungen, die das Kassenniveau übersteigen, selbst bezahlen.

Ein Beispiel: Die plastische Füllung in der Zahnmedizin

Bei Zahnbehandlungen bevorzugen viele Patienten Kunststoff als Füllmaterial, weil es schön natürlich aussieht und keine gesundheitlichen Bedenken vorliegen. Amalgam ist günstiger und deshalb die Füllung, die die GKV in voller Höhe übernimmt, wenn die Stelle nicht im Frontzahnbereich liegt und keine Allergie vorliegt. Noch ist strittig, inwiefern Amalgam schädlich ist. Sicher ist es aber lange haltbar, effizient und ästhetisch zumutbar. Es ist nicht die beste Lösung, aber eben ausreichend und wirtschaftlich im Sinne des Gesetzes. Willst du mehr, zum Beispiel die Kunststofffüllung, musst du aus eigener Tasche zuzahlen.

Gut zu wissen:

Die GKV sichert laut Gesetz die Grundversorgung mit ausreichenden, wirtschaftlichen und zweckmäßigen Leistungen, die das notwendige Maß nicht überschreiten dürfen. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr darfst du von ihr erwarten.

Welche Leistungen bekommst du in der PKV?

In der PKV können die Leistungen deines Vertrages weder vom Staat noch von der Versicherung gekürzt werden. Was hier festgeschrieben steht, gilt für die gesamte Vertragsdauer und genießt rechtlichen Schutz. Wenn dir Sicherheit und Beständigkeit wichtig sind, bist du in der PKV gut aufgehoben.

Behandlungsoptionen

Oft stehen Privatpatienten mehrere Behandlungsoptionen offen und sie haben Zugang zu modernen Verfahren. Es gibt Tarife, die stationäre Wahlleistungen, Privatkliniken und Chefärzte mit viel Erfahrung bezahlen. Der Wert dieser Leistungen lässt sich kaum in Geld bemessen. Der Nutzen ist höchst individuell und kann für den Einzelnen gesundheitsentscheidend sein.

„In der PKV gibt es immer die besseren Leistungen.“

Diese Aussage ist so nicht korrekt – die Leistung hängt von deinem Tarif ab. Es gibt Einsteigertarife, die unterm Strich ein weit schlechteres Leistungsniveau als das der GKV bieten. Bevor du dich von günstigen Tarifen locken lässt, prüfe unbedingt die vertraglichen Leistungen. Leider sind viele Tarife so kompliziert geschrieben, dass ein Laie nur bedingt verstehen kann, was er da unterschreibt. Hier ist eine Beratung sinnvoll.

Gut zu wissen:

Privatpatienten bekommen bei manchen Fachärzten schneller Termine, müssen im Schnitt weniger im Wartezimmer sitzen und können sich über weitere Annehmlichkeiten freuen. Ärzte nehmen sich gerne und länger Zeit für sie. In diesem Zusammenhang werden Privatpatienten leider auch öfter einmal zu viel behandelt. Einer solchen Überbehandlung versuchen private Krankenversicherer unter anderem mit Ärztekooperationen entgegenzuwirken. Außerdem bieten sie Patienten die Möglichkeit, eine Diagnose oder eine empfohlene Behandlung durch eine Zweitmeinung verifizieren zu lassen.

Dein Handlungsspielraum

  • Der Vorteil der PKV ist das breite Spektrum an Angeboten. Die Versicherer bieten unterschiedliche Verträge an. Wenn du auf bestimmte Leistungen besonderen Wert legst, wählst du einen Tarif, der hier stark ist.
  • Anders als in der GKV ist Krankentagegeld für Angestellte nicht automatisch mitversichert. Vielmehr kann jeder wählen, ob und in welchem Umfang er diesen Schutz in Anspruch nehmen möchte. Besonderer Vorteil für PKV-Versicherte: Hier kannst du dein komplettes Nettoeinkommen absichern. In der GKV ist das Krankengeld stets niedriger als das Nettoeinkommen. Das heißt: Je höher das Einkommen, desto größer die Lücke.
  • Innerhalb deiner Versicherung kannst du zwischen den Tarifen wechseln, wenn sich deine Bedürfnisse ändern.

Achtung: Für einen Tarif mit mehr Leistung kann eine erneute Gesundheitsprüfung nötig werden.

Dein Check zum Faktor Leistung:
  • Wie wichtig sind dir die Leistungen deiner Krankenversicherung?
  • Möchtest du die beste Versorgung und das ohne lange Wartezeit?
  • Wie zufrieden bist du mit der aktuellen Situation?
  • Reicht es dir zu wissen, dass du dich immer auf eine staatliche Grundversorgung verlassen kannst oder möchtest du dein Leistungspaket individuell zusammenstellen?

Wie entscheidest du dich?

Jetzt kennst du die wichtigsten Fakten zu Krankenversicherungen – und weißt, dass viele Vorurteile gegenüber der PKV bei näherer Betrachtung nicht haltbar sind. Gerade wenn du Wert auf ausgezeichnete Leistungen für deine Gesundheit legst, unabhängig vom demografischen Wandel sein willst und beruflich eine große Karriere oder dein eigenes Business planst, ist die PKV für dich eine gute Wahl. Ist dir etwas unklar, kannst du dich kostenlos von unseren Versicherungsprofis zurückrufen lassen.

Alternativ kann es sich auch lohnen, Geld für einen Honorarberater auszugeben. Diese haben den Vorteil, dass sie – anders als die klassischen Versicherungsvermittler – keine Abschlussprovisionen von Versicherungen erhalten. Sie sind daher neutraler und können so objektiver helfen, die beste Lösung für dich zu finden.

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