Für wen und wann ist eine Anwartschaft sinnvoll?
Es gibt verschiedene Lebenssituationen, in denen eine Anwartschaft in der privaten Krankenversicherung (PKV) sinnvoll sein kann:
- Auslandsaufenthalt (Freelancer, Digital Nomads, Auszeit): Wer für mehrere Monate oder Jahre ins Ausland geht und seinen Schutz in Deutschland vorübergehend nicht nutzt, aktiviert ihn bei bei geplanten Rückkehr ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder.
- Jobwechsel & Einkommensänderung (Angestellte & Selbstständige): Wechselt ein Privatversicherter in ein Angestelltenverhältnis mit Gehalt unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) oder nimmt wegen beruflicher Neuorientierung ein geringes Gehalt in Kauf, wird er gesetzlich versicherungspflichtig. Die Anwartschaft friert den PKV-Tarif für eine spätere Wiederaufnahme ein.
- Studierende: Wer im Studium privat versichert ist, aber beim Berufseinstieg zunächst unter der Gehaltsgrenze (JAEG) verdient und in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln muss, hält sich so die Tür für eine günstigere spätere Rückkehr ohne erneute Gesundheitsprüfung in die PKV offen.
- Freie Heilfürsorge (Polizisten, Feuerwehr, Bundeswehr): Während aktiver Dienstzeiten übernimmt der Dienstherr für bestimmte Beamte und Beamtinnen in einigen Bundesländern die gesamten Gesundheitskosten. Mit einer Anwartschaft können sie jedoch einen vorläufigen PKV-Vertrag abschließen und so sicherstellen, dass sie bei einem Wegfall des Heilfürsorgeanspruchs, beispielsweise im Ruhestand, in die PKV zu den ursprünglichen Konditionen wechseln können.
- Angehende Beamte: Auch für angehende Beamte, die in absehbarer Zeit verbeamtet werden, kann eine Anwartschaft sinnvoll sein. Sie können ihren PKV-Vertrag frühzeitig abschließen und die Anwartschaft nutzen, um sich günstige Konditionen zu sichern. Sobald sie verbeamtet sind und Anspruch auf Beihilfe haben, müssen sie keine erneute Gesundheitsprüfung durchlaufen.
Was ist eine Anwartschaftsversicherung?
Die Anwartschaftsversicherung ermöglicht es Versicherten in der privaten Krankenversicherung (PKV), ihren bestehenden Vertrag vorübergehend zu pausieren, wenn sie in die gesetzliche wechseln müssen und einen späteren Rückwechsel in die PKV planen. Dabei bleibt der ursprüngliche Versicherungsschutz erhalten und ermöglicht die erneute Aktivierung des Vertrags ohne erneute Gesundheitsprüfung.
Wichtig: Die Anwartschaftsversicherung selbst bietet keinen aktiven Krankenversicherungsschutz. Während der Anwartschaft muss der Versicherte anderweitig abgesichert sein, beispielsweise über die gesetzliche Krankenversicherung.
Warum friert man den Gesundheitszustand in der PKV ein?
Neu diagnostizierte Krankheiten, Allergien oder chronische Leiden führen bei einer Neuaufnahme in die PKV oft zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung. Das Einfrieren des Gesundheitszustands stellt sicher, dass der Versicherer den Vertrag bei der Reaktivierung zu den ursprünglichen gesundheitlichen Bedingungen wieder aufnimmt. Später aufgetretene Diagnosen oder Behandlungen während der Anwartschaftszeit spielen somit für den PKV-Tarif keine Rolle mehr.
Welche Faktoren sichert die Anwartschaft?
Um die Vorteile einer Anwartschaft besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Faktoren, die bei der Aufnahme in eine private Krankenversicherung (PKV) eine Rolle spielen:
Je älter man beim Eintritt in die PKV ist, desto höher ist das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen, was wiederum zu höheren Beiträgen führen kann. Eine Anwartschaftsversicherung schützt genau vor diesem Nachteil: Sie friert den Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des ursprünglichen Vertragsabschlusses ein. Bei einer großen Anwartschaft wird zudem auch das Eintrittsalter eingefroren.
Ohne Anwartschaft würde eine Unterbrechung der privaten Krankenversicherung dazu führen, dass bei einer späteren Rückkehr höhere Beiträge aufgrund gesundheitlicher Veränderungen fällig werden. Mit der Anwartschaft bleibt jedoch der frühere Gesundheitsstatus erhalten. Die große Anwartschaft schützt auch vor höheren Beiträgen aufgrund des höheren Alters beim Rückwechsel in die private Krankenversicherung.
Auch deine bisherigen Versicherungszeiten werden angerechnet. Das bedeutet, dass diese gespeichert und bei einer erneuten Aktivierung berücksichtigt werden, was beispielsweise Wartezeiten wie bei Zahnbehandlungen (Zahnstaffel) verkürzt. So fängst du nicht von vorne an, denn die Anwartschaftszeiten zählen als Versicherungszeiten.
Unterschied kleine und große Anwartschaft
Bei der Anwartschaftsversicherung wird zwischen einer kleinen und einer großen Anwartschaft unterschieden.
Ist ein Wechsel von kleiner in große Anwartschaft möglich?
Sofern eine PKV-Gesellschaft den Wechsel anbietet, ist es möglich von kleiner in die große Anwartschaft ohne Gesundheitsprüfung zu wechseln.
Kosten der Anwartschaftsversicherung
Die Kosten richten sich nach dem gewählten Tarif und dem monatlichen regulären Beitrag der Vollversicherung:
- Kleine Anwartschaft: Ca. 5% des regulären Tarifbeitrags
- Große Anwartschaft: Ca. 30 - 60% des regulären Tarifbeitrags
Wie viel die Anwartschaftsversicherung kostet, hängt also von dem ursprünglichen Beitrag ab.
Gibt es eine Anwartschaft für Kinder?
Ja, auch für Kinder und Jugendliche kann der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung sinnvoll sein, insbesondere in folgenden Situationen:
- Vorübergehender Wechsel in die GKV: War das Kind bisher privat versichert und muss etwa durch Einkommensänderungen der Eltern vorübergehend in die kostenfreie Familienversicherung der GKV wechseln, garantiert die Anwartschaft die spätere Rückkehr in die PKV ohne erneute Gesundheitsprüfung.
- Auslandsaufenthalte während Schule oder Studium: Bei längeren Phasen im Ausland (z.B. Highschool-Jahr oder Auslandssemester) ruht der deutsche PKV-Schutz. Die Anwartschaft erhält den Vertrag aufrecht.
- Frühzeitige Gesundheitssicherung: Chronische Erkrankungen sind bei Kindern selten, doch Allergien oder Kieferfehlstellungen treten häufig im Jugendalter auf. Mit einer Anwartschaft sichern Eltern ihrem Kind dauerhaft den Zugang zu PKV-Tarifen im Erwachsenenalter - unabhängig von künftigen Diagnosen.
Pflegeversicherung und Anwartschaft
Die Pflegepflichtversicherung ist in Deutschland gesetzlich an die Krankenversicherung gekoppelt. Wenn du deine PKV in eine Anwartschaft umwandelst, stellt sich die Frage nach der Pflegepflichtversicherung:
- Nahtlose Weiterversicherung Pflicht: In Deutschland gilt die Pflegeversicherungspflicht. Wechselst du in die GKV, wirst du dort automatisch gesetzlich pflegeversichert. Deine private Pflegepflichtversicherung kannst du in diesem Fall kündigen oder ebenfalls über eine Anwartschaft sichern, um spätere Rechte zu wahren.
- Anwartschaft auf die private Pflegepflichtversicherung: Wenn du ins Ausland ziehst und keinen deutschen GKV-Schutz hast, kannst du auch für die private Pflegepflichtversicherung eine Anwartschaft abschließen. Das stellt sicher, dass du bei deiner Rückkehr nach Deutschland sofort wieder lückenlos pflegepflichtversichert bist.
Anwartschaft oder ruhender Vertrag: Was ist der Unterschied?
Auch wenn der Vertrag in der Anwartschaft pausiert, ist er kein ruhender Vertrag, da weiterhin Beiträge gezahlt werden. Von einem ruhenden Vertrag spricht man nur, wenn keine Beiträge zu zahlen sind.
Bei ottonova etwa ruht das Krankentagegeld während der Elternzeit und ist somit in dieser Zeit beitragsfrei.