Private Krankenversicherung und Kurzarbeit

Viele Unternehmen können ihre Mitarbeiter aufgrund der Corona-Krise nicht mehr Vollzeit beschäftigen und beantragen Kurzarbeitergeld. Was heißt das für deinen Schutz als PKV-Versicherter? Kann man trotz Kurzarbeit in der privaten Krankenversicherung bleiben und verändert sich die Beitragshöhe? Der folgende Artikel klärt rund um das Thema PKV und Kurzarbeit auf.

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Was bedeutet Kurzarbeit und wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Trotz Kurzarbeit in der PKV versichert sein – geht das?

Kurz gesagt: Ja. Denn wenn du nur für eine kurze Zeit unter die Versicherungspflichtgrenze von 64.350 Euro fällst, musst du nicht von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. Das ergäbe wenig Sinn, schließlich ist davon auszugehen, dass die Kurzarbeit mittelfristig vorbei ist und man schon bald wieder dein gewohntes Einkommen erhält.

Laut dem GKV-Spitzenverband gibt es übrigens keine starren Zeitgrenzen, wie lange man unter die Versicherungspflichtgrenze fallen darf. Meist gehen die Versicherer jedoch davon aus, dass die Kurzarbeit nicht länger als drei Monate dauert. 

Was ist das Transferkurzarbeitergeld?
 Es wird dann gezahlt, wenn dauerhafte Arbeitsausfälle anstehen, zum Beispiel im Zuge eines Insolvenzverfahrens. Der Staat übernimmt die Zahlung des Transferkurzarbeitergeldes, damit die Beschäftigten nicht arbeitslos werden und möglichst direkt in den nächsten Job wechseln können. Weil die Stelle also abgebaut wird, ist nicht automatisch anzunehmen, dass der Betroffene in Zukunft dasselbe Gehalt wie bisher haben wird. Wer Transferkurzarbeitergeld erhält, kann deshalb nur in der privaten Krankenversicherung bleiben, wenn sich sein Einkommen immer noch über der Versicherungsgrenze befindet.

Ist es möglich auf Wunsch von der PKV in die GKV wechseln?

Nein, es ist nicht möglich, aufgrund von Kurzarbeit in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln, auch wenn man temporär unter die Versicherungspflichtgrenze fällt. Denn die Kurzarbeit wird als Übergangslösung angesehen und berührt daher die gängigen Regelungen des Versicherungswechsels nicht. 

Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur in Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel wenn Angestellte dauerhaft unter 64.350 Euro verdienen oder Selbstständige in ein Angestelltenverhältnis wechseln.

Ist man dagegen freiwillig oder pflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, ändert sich nichts. Man ist somit weiterhin gesetzlich versichert.

Wie verändern sich die PKV-Beiträge & Zuschuss während der Kurzarbeit?

Man könnte meinen, dass die gängige Berechnung der Beiträge zur privaten Krankenversicherung auch bei Kurzarbeit greift: Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die PKV-Beiträge jeweils zur Hälfte. Dem ist jedoch nicht so. Die Regelungen sind etwas komplexer.

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber zahlt einen Zuschuss zur Krankenversicherung auf Basis des Kurzlohns, jedoch zusätzlich einen weiteren, der sich an einem fiktiven Einkommen orientiert. Es ist fast so hoch wie das normale Gehalt des Arbeitnehmers. So viel sei an dieser Stelle schon verraten: Summa Summarum erhält man einen größeren Zuschuss als sonst!

Was bedeutet das genau? Wir haben ein fiktives Beispiel.

Beispiel zur Berechnung der Beiträge während der Kurzarbeit

Nehmen wir an, Max Müller verdient normalerweise 7.000 Euro brutto und bekommt jetzt 3.500 Euro Kurzarbeitergeld. Wie hoch sind dann seine PKV-Beiträge?

Dieser Betrag entfällt also auf das IST-Entgeld, auf den Lohn, den Max Müller während der Kurzarbeit tatsächlich erhält. Hier sind wir allerdings noch nicht am Ziel. Denn für die schlussendliche Beitragsberechnung muss außerdem der Fiktivlohn ermittelt werden.

Der Fiktivlohn beträgt 80 % des Unterschieds zwischen dem normalen Bruttolohn bei Vollzeitbeschäftigung und dem Einkommen während der Kurzarbeit.

Bei Max Müller berechnet sich der Fiktivlohn so:

Bruttogehalt in Vollzeit

7.000 €

Unterschied zwischen Vollzeitgehalt und Kurzarbeiterlohn

3.500 €
(7.000 € - 3.500 €)

Davon 80 % (Fiktivlohn)

2.800 €

Zur weiteren Berechnung müssen wir IST-Lohn und Fiktivlohn addieren:

IST-Lohn

3.500 €

Fiktivlohn

2.800 €

Summe

6.300 €

Die Summe liegt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze von 4.837,50 Euro. Davon wird nun der IST-Lohn abgezogen:

Beitragsbemessungsgrenze

4.837,50 €

IST-Lohn

- 3.500,00 €

Differenz

1.337,50 €

Dieser Betrag ist es, mit dem der Zuschuss auf den Fiktivlohn berechnet wird. Dafür wird der volle Beitragssatz verwendet. Er beträgt 15,7 %.

Differenz zur Beitragsbemessungsgrenze

1.337,50 €

Beitragssatz

* 15,7 %

Zuschuss auf Fiktivlohn

209,9 €

Der Höchstzuschuss besteht aus den Zuschüssen aus fiktivem Entgeld (209,9 Euro) und IST-Lohn (274,75 Euro) und beträgt in diesem Fall 484,65 Euro.

Max Müllers PKV-Beitrag liegt bei 600 Euro, von denen der Arbeitgeber also 484,65 Euro übernimmt. Das sind 80,77 %! Und damit deutlich mehr als Max Müller sonst zahlen würde, nämlich 50 %. Statt 300 Euro entfallen auf Max Müller nur 115,35 Euro. Die niedrigeren Beiträge zur privaten Krankenversicherung entlasten ihn während der Kurzarbeit natürlich sehr.

Selbstständig und in der PKV – was tun bei Einkommenseinbrüchen?

Viele Solo-Selbstständige hatten während der Corona-Krise zu kämpfen. Wenn die Einnahmen wegbrechen, ist es möglich, staatliche Hilfe zu beantragen. Mit einmaligen Zuschüssen und erleichterten Zugängen zu Krediten unterstützt der Staat Selbstständige und Freiberufler dabei, ihre laufenden Kosten zu decken.

Bei ottonova gibt es die Möglichkeit für drei oder sechs Monate in einen günstigeren Tarif zu wechseln ohne, dass eine Gesundheitsprüfung ansteht, wenn man danach wieder in einen höheren Tarif wechseln möchtest. 

Gesetzliche Vorgaben regeln, wie in der privaten Krankenversicherung mit ausbleibenden Zahlungen umzugehen ist, an die sich auch ottonova hält. Als Versicherter in der privaten Krankenversicherung nimmt man am besten Kontakt zu der Versicherung auf und erfragt die Möglichkeit einer Stundung der Beiträge.

Sollte der Lebensunterhalt auf dem Spiel stehen, weil das Geld für Miete, Lebensmittel und Co. knapp wird, kann man einen Antrag auf Grundsicherung bei der Bundesagentur für Arbeit stellen.

Fazit:

Ob Angestellter oder Selbstständiger – für den Lebensunterhalt und den Gesundheitsschutz ist gesorgt. Auch wenn es finanziell eng wird! Ist man Angestellter und die eigene Firma muss früher oder später doch Insolvenz anmelden, gibt es auch einen Weg. Häufig können auch Arbeitslose privat versichert bleiben.

FAQ Kurzarbeit

Ja. Denn wenn man nur für eine kurze Zeit (ca. 3 Monate) unter die Versicherungspflichtgrenze fällt, muss man sich nicht von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

Da die Kurzarbeit als Übergangslösung angesehen wird, ist es nicht möglich, aufgrund von Kurzarbeit in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln, auch wenn man temporär unter die Versicherungspflichtgrenze fällt. Die Kurzarbeit berührt daher die gängigen Regelungen des Versicherungswechsels nicht.

Soweit Beiträge für Kurzarbeitergeld zu zahlen sind, trägt der Arbeitgeber den vollen Beitrag zur Krankenversicherung als Zuschuss.

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