Private Krankenversicherung & Arzneimittel: Starkes Team für Innovation

Studien belegen, dass die private Krankenversicherung Arzneimittel stärker fördert als die GKV. Wir zeigen dir, warum die PKV dadurch Innovationen vorantreibt und weshalb am Ende alle Menschen in Deutschland von dem Fortschritt profitieren.

Private Krankenversicherung & Arzneimittel: Starkes Team für Innovation

Alle Jahre wieder fordern SPD, Linke und Grüne eine Bürgerversicherung. Als Argumente führen sie den Abbau der „Zwei-Klassen-Medizin“ und gleiche Leistungen für alle Versicherten an.

Ein schwerwiegendes Gegenargument ist die Rolle der privaten Krankenversicherung als Innovationsmotor für die Medizin. Was Arzneimittel damit zu tun haben und wie die private Krankenversicherung Innovationen darüber hinaus vorantreibt, liest du hier.

Welche Medikamente bezahlt die PKV und was übernimmt die GKV?

Um die Rolle der privaten Krankenversicherung für medizinische Innovationen verstehen zu können, ist es zunächst einmal wichtig, den Status quo bei der Finanzierung von Arzneimitteln zu kennen.

Warum zahlt die PKV mehr Arzneimittelkosten als die GKV?

In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt das Gebot der Wirtschaftlichkeit. Das bedeutet: Medizinische Behandlungen und Medikamente müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Deshalb kann die GKV viele Leistungen nicht erstatten, für andere Leistungen gibt es nur Festbeträge. Die Zuzahlungen zu Arzneimitteln und verschiedenen Leistungen sollen die Krankenkassen zusätzlich finanziell entlasten.

In der PKV gilt dagegen: Medizinische Leistungen werden immer dann erstattet, wenn sie medizinisch notwendig sind. Die Erstattung von Kosten für deine Gesundheit hängt also in erster Linie davon ab, ob eine Behandlungsmethode wissenschaftlich anerkannt und dazu geeignet ist, deine Krankheit zu heilen oder zu lindern.

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Wer bezahlt neue Medikamente?

Zahlt die private Krankenversicherung Medikamente auch dann, wenn sie noch neu sind? Ja! Eine aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hat herausgefunden, dass Privatpatient:innen häufiger als gesetzlich Versicherte neue Präparate erhalten. (1) Außerdem werden ihnen öfter Originalpräparate verschrieben, während in der GKV mehr Generika verordnet werden.

Fast jedes vierte Arzneimittel, das Privatversicherten verschrieben wird, ist ein noch patentgeschütztes und damit neues Medikament:

Der Anteil liegt bei 27,2 Prozent – in der GKV beträgt er dagegen nur 6,6 Prozent.

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Keine Kostenexplosion durch Arzneimittel

Mehr Originale, mehr innovative Medikamente – die Ausgaben für Arzneimittel sind aus diesen Gründen in der PKV höher als in der GKV. Trotzdem zeigt ein Vergleich der langfristigen Beitragsentwicklung bei PKV und GKV, dass die Kosten dadurch insgesamt in der PKV nicht explodieren: Zwischen 2011 und 2021 lag der Anstieg der Beiträge in der PKV bei 3,0 und in der GKV bei 3,3 Prozent.

Wie macht die private Krankenversicherung Arzneimittel schneller für Versicherte zugänglich?

PKV-Versicherte erhalten schneller Zugang zu neuen Medikamenten, weil in beiden Versicherungssystemen unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen bestehen. So gibt es in der GKV zahlreiche Steuerungsinstrumente, um zu hohe Kostenanstiege bei Arzneimittelausgaben zu verhindern. WIP-Leiter Dr. Frank Wild erklärte in einem Interview mit dem PKV-Verband dazu: (2)

„Da bei neuen Medikamenten diese Instrumente noch angepasst werden, verhalten sich Ärztinnen und Ärzte bei der Verordnung an GKV-Versicherte in den ersten Jahren meist abwartend. Zudem sind neue Medikamente in der Regel auch teurer als ältere Präparate, sodass ökonomisch motivierte Steuerungen eher greifen.“


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Warum Innovationen in der PKV früher ankommen


In der PKV sind die Hürden für die Erstattung neuer Medikamente und innovativer Behandlungsmethoden dagegen sehr niedrig. Solange eine medizinische Notwendigkeit besteht, werden neue Arzneimittel sowie Untersuchungs- und Behandlungsmethoden erstattet.

Da Ärzt:innen in der Wahl einer passenden Therapie für Privatversicherte große Freiheiten genießen, steht bei der Entscheidung über medizinische Notwendigkeit immer die zu behandelnde Person im Mittelpunkt.

Wodurch fördert die PKV medizinische Innovationen?

Auch wenn Versicherte in der privaten Krankenversicherung Arzneimittel wesentlich schneller verordnet bekommen, profitieren am Ende alle Versicherten in Deutschland davon. Das zeigt sich eindrücklich am Beispiel onkologischer Medikamente – das sind Arzneimittel, die in der Krebsmedizin eingesetzt werden.

Laut der WIP-Studie stehen solche Medikamente den deutschen Krebspatient:innen im Schnitt schon 82 Tage nach der europäischen Zulassung zur Verfügung. Deutschland ist damit absoluter Spitzenreiter.

In den Niederlanden müssen Patient:innen 163 Tage warten, in der Schweiz 309 Tage und der EU-Durchschnitt liegt bei 445 Tagen. Darüber hinaus sind in Deutschland so viele neue onkologische Medikamente auf dem Markt wie in keinem anderen europäischen Land. (3)

Schneller Zugang zu Krebsmedikamenten

Die private Krankenversicherung ist jedoch nicht nur bei Arzneimitteln ein Türöffner für Innovationen. Auch in der ambulanten Versorgung erstattet die private Krankenversicherung medizinische Innovationen oft deutlich früher als die gesetzliche.

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Lesetipp: Studie PKV-Innovationen

Eine weitere WIP-Studie analysiert, wie neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden den Weg in die GKV finden. Ein Ergebnis der Studie: Die Genehmigung neuer Methoden für die GKV-Versorgung kann bis zu 18 Jahre dauern.

📖Studie als E-Paper lesen (4)

3 Gründe, warum die PKV Innovationsmotor ist:

PKV stärkt das gesamte Gesundheitssystem Mehrumsatz und Leistungsausgaben von Privatversicherten 2019 (5)

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Duales System sichert Vorreiterrolle

Auch wenn sich nicht jede:r in der PKV versichern kann oder möchte, übernimmt die PKV doch eine wichtige Rolle im Hinblick auf den medizinischen Fortschritt in Deutschland. Mit Einführung der Bürgerversicherung würde ein großer Innovationstreiber verlorengehen.

Wenn du dich tiefergehend mit der spannenden Diskussion über das Thema Bürgerversicherung beschäftigen möchtest, empfehlen wir dir unser aktuelles Statement zum Entwurf von Bündnis 90/Die Grünen.

Quellen:

(1) Jacke, Christian O./ Hagemeister, Sonja/ Wild, Frank: Arzneimittelversorgung von Privatversicherten 2020: Zahlen, Analysen, PKV-GKV-Vergleich, Berlin: Medizinisch Wirtschaftliche Verlagsgesellschaft.

(2) Betz, Christina/ Härtel, Patrick/ Wegner, Jens: Was uns bewegt, 2021, www.pkv.de/verband/presse/meldungen-2021/privatversicherte-werden-ueberproportional-mit-neuen-medikamenten-versorgt/ (abgerufen am: 11.10.2021).

(3) Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.: PKV ist bei Arzneimitteln Türöffner für Innovationen, www.pkv.de/verband/presse/meldungen-2020/pkv-ist-bei-arzneimitteln-tueroeffner-fuer-innovationen/ (abgerufen am: 11.10.2021).

(4) Walendzik, Anke/ Abels, Carina/ Wasser, Jürgen: Umsetzung neuer Untersuchung- und Behandlungsmethoden, Berlin: Medizinisch Wirtschaftliche Verlagsgesellschaft, 2021.

(5) Wissenschaftliches Institut der PKV: Neue WIP-Analyse "Mehrumsatz und Leistungsausgaben von PKV-Versicherten - Jahresbericht 2021", 2021, www.wip-pkv.de/de/oeffentlichkeit/pressemitteilungen/detail/neue-wip-analyse-mehrumsatz-und-leistungsausgaben-von-pkv-versicherten-jahresbericht-2021.html (abgerufen am: 11.10.2021).

Sabrina Quente
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Sabrina Quente

Sabrina ist freie Autorin für Versicherungs- und Digitalisierungsthemen. Sie war Redakteurin bei Fachzeitschriften und lernte als Content Editor bei ottonova die vielen Facetten der Versicherungswelt kennen.

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