Beitragserhöhung Krankenversicherung: Deine Optionen?

Alle Jahre wieder erhöhen Krankenkassen ihre Beiträge und auch Privatversicherten steht ab und an eine Anpassung ihrer Beiträge ins Haus. Hier erfährst du, warum Beiträge steigen und was du tun kannst, wenn du betroffen bist.

„Heute informieren wir Sie darüber, dass wir zum 1. Januar 2020 Ihren Beitrag anpassen müssen.“ Oder: „Wir informieren Sie heute über die anstehenden Beitragsänderungen zum Jahreswechsel.“ Kommt dir das bekannt vor? Egal ob du gesetzlich oder privat versichert bist – früher oder später macht jeder einmal eine Beitragserhöhung mit. Je nach Versicherungssystem gibt es dafür unterschiedliche Gründe – und verschiedene Möglichkeiten für dich, damit umzugehen.

Beitragsanpassung B

Warum steigen die Beitragssätze der Krankenkassen?

Bist du gesetzlich versichert, bestimmt der Gesetzgeber, wie viel von deinem Einkommen du monatlich für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zahlen musst. Der allgemeine Beitragssatz liegt derzeit bei 14,6 %. Trotzdem sind einige Krankenkassenbeiträge 2019 zum Teil höher – denn jede Krankenkasse darf einen individuellen Zusatzbeitrag erheben. Damit kann sie Defizite ausgleichen, wenn die finanziellen Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, voraussichtlich nicht ausreichen.

Beitragssätze Krankenkassen: Das ändert sich 2020 in der GKV

• Beitragssatz Krankenversicherung (GKV): 2019:  14,6 % ; 2020:  14,6 %
• Durchschnittlicher Zusatzbeitrag Krankenkasse: 2019:  0,9 % ; 2020:  1,1 %
• Durchschnittlicher Beitragssatz: 2019:  15,5 % ; 2020: 15,7 %

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur Krankenkasse wird 2020 von 0,9 auf 1,1 % erhöht. Damit steigen auch insgesamt die Beitragssätze der Krankenkassen von 15,5 auf 15,7 %.

Für Gutverdiener kommt ein weiterer Faktor hinzu: der Höchstbeitrag. Er hängt von der Beitragsbemessungsgrenze ab und deckelt den GKV-Beitrag, so dass dieser ab einem bestimmten Einkommen nicht mehr mit deinem Gehalt steigt. Allerdings wird die Beitragsbemessungsgrenze Jahr für Jahr angehoben. Als Gutverdiener zahlst du in der GKV also regelmäßig drauf.

Arbeitgeberanteil Krankenversicherung: Einfluss auf die PKV

Was gutverdienende Kassenpatienten ärgert, freut privat Versicherte: Steigt die Beitragsbemessungsgrenze in der GKV, steigt auch der Zuschuss, den privat Versicherte von ihrem Arbeitgeber zu ihrem Beitrag bekommen. Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach dem Arbeitgeberanteil und der Beitragsbemessungsgrenze in der GKV.

Krankenkasse Beitragserhöhung – das kannst du tun:

Du hast keine Lust, ständig mehr zu zahlen bei gleichbleibenden oder weniger Leistungen? Die gute Nachricht ist, dass du eine Erhöhung der Krankenkassenbeiträge nicht hinnehmen musst. Denn unter bestimmten Voraussetzungen eröffnen sie dir die Möglichkeit, von deinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen.


Greift das Sonderkündigungsrecht bei dir?

So kündigst du deine gesetzliche Krankenkasse



Gut zu wissen:

  1. Der Zusatzbeitrag deiner Krankenkasse steigt? Dann muss sie dich darüber informieren – und zwar spätestens einen Monat bevor der neue Zusatzbeitrag zum ersten Mal fällig wird.
  2. Die Mitteilung über die Erhöhung deines Zusatzbeitrags muss schriftlich erfolgen. Außerdem muss dich deine GKV über dein Sonderkündigungsrecht informieren.
  3. Damit du als Versicherter umfassend informiert bist, muss in dem Schreiben ein Hinweis auf die aktuellen Beitragssätze aller Krankenkassen enthalten sein.
  4. Deine GKV muss dich auf den aktuellen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz hinweisen.
  5. Du möchtest dein zweimonatiges Sonderkündigungsrecht nutzen? Dann musst du dies spätestens bis zum Ende des Monats tun, in dem der neue Zusatzbeitrag fällig wird.

Beitragsanpassung PKV: Das steckt dahinter

Bist du privat versichert, wird dein Beitrag ganz individuell kalkuliert. Er richtet sich nach deinem Gesundheitszustand und deinem Alter bei Eintritt und danach, welchen Tarif du für deine persönlichen Bedürfnisse auswählst. Steht dein Beitrag fest, beeinflussen weder dein Alter noch dein Gesundheitszustand in Zukunft deinen Beitrag.


Warum kommt es dann trotzdem vor, dass Beiträge in der PKV angepasst werden müssen? 

Die Berechnung von PKV-Beiträgen ist eine komplexe Angelegenheit. Hier gelten strenge gesetzliche und mathematische Regeln. Basis ist das Äquivalenzprinzip. Das bedeutet: Beiträge werden entsprechend dem persönlichen Risiko des Versicherten erhoben.

Im Grunde muss die PKV mithilfe statistischer Daten schätzen, wie viele Gesundheitskosten im Laufe deines Lebens anfallen werden und deinen Beitrag entsprechend berechnen. Um die Dinge etwas zu vereinfachen, wird dabei ein Kollektiv gebildet, in dem gleichaltrige Versicherte zusammengefasst sind.

Beitragsanpassung Krankenversicherung (PKV): Die Gründe

Trotz Mathematik und Statistik kann niemand die Zukunft zu 100 % voraussagen. Da stets Entwicklungen eintreten können, die zu Versicherungsbeginn nicht bekannt waren, müssen Beiträge regelmäßig geprüft werden. Unter anderem können folgende Punkte dazu führen, dass die Ausgaben höher sind, als im Beitrag kalkuliert:

  • Der medizinische Fortschritt bringt neue Diagnose- oder Behandlungsmethoden hervor.
  • Medizinische Leistungen werden viel öfter in Anspruch genommen als kalkuliert.
  • Die Lebenserwartung der Versicherten verändert sich.
  • Durch die Niedrigzinsphase können geplante Zinseinnahmen eventuell nicht erreicht werden.

Weichen die Ausgaben der privaten Krankenversicherung um einen bestimmten Betrag von der Kalkulation ab, darf die PKV ihre Beiträge anpassen. 

Allerdings sieht das Gesetz dafür bestimmte Schwellenwerte vor, an die sich die Versicherungen halten müssen: Erst wenn die Kosten der PKV die kalkulierten Ausgaben um 10 % übersteigen oder die Sterbewahrscheinlichkeit um 5 % abweicht, ist eine Beitragsanpassung möglich. Deshalb bleibt der Beitrag oft über Jahre stabil und steigt dann sprunghaft.


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Beitragserhöhung Krankenversicherung: Deine Optionen

Steht eine Beitragsanpassung an, hast du in der PKV verschiedene Möglichkeiten und oft stehen dir mehr Türen offen als in der GKV. Das kannst du tun:

  1. Da du in der PKV Altersrückstellungen aufbaust und diese bei einem PKV-Wechsel in der Regel verlierst, solltest du zunächst darüber nachdenken, deinen Beitrag bei deinem Anbieter anzupassen. Einige Beitragskomponenten wie der Selbstbehalt lassen sich anpassen und können so den Beitrag senken.
  2. Wenn du eine PKV abschließt, entscheidest du dich für einen Tarif, der zu dir passt. Vielleicht hat deine PKV mittlerweile einen Tarif entwickelt, der noch besser zu deinem Leben passt und dir eventuell ein wenig Beitrag spart? Bei einem Tarifwechsel bei deiner PKV bleiben deine Altersrückstellungen erhalten.
  3. Wenn du noch jung und erst seit kurzem bei einer PKV versichert bist, eröffnet dir die Beitragserhöhung ein zweimonatiges Sonderkündigungsrecht. Es gilt ab dem Zeitpunkt, an dem dich deine PKV über die Beitragsanpassung informiert.

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Beitrag Krankenversicherung 2019/ 2020: Wie geht es weiter?

Das Vorurteil, die Beiträge würden in der PKV stärker steigen, als in der GKV, hält sich hartnäckig. Tatsächlich zeigt ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre ein anderes Bild.

Entwicklung Beitraege B

Das Wissenschaftliche Institut der PKV hat analysiert, dass die PKV-Beiträge von 2009 bis 2019 langsamer gestiegen sind, als in der GKV. Auch bei den Ausgaben stehen private Versicherungen besser da als Krankenkassen.

Im Schnitt haben die Beiträge in der PKV um 2,8 % jährlich zugelegt & in der GKV um 3,3 %.

Gesundheit geht vor Beitrag!

Bei all der Rechnerei darfst du nicht vergessen, dass es am Ende des Tages um deine Gesundheit geht. Die Beiträge können in beiden Systemen steigen. In der GKV können gleichzeitig Leistungen gestrichen werden. Die Leistungen, die du in der PKV bekommst, kann dir allerdings niemand mehr nehmen.


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