Kinderkrankengeld: Welche Regelungen gibt es in der PKV?

Dein Kind ist krank und du bist zu Hause? Wir erklären, ob du von deiner Krankenversicherung Kinderkrankengeld erhältst oder eine Lohnfortzahlung bekommst. Außerdem erfährst du, ob auch Privatversicherte Anspruch auf Kinderkrankengeld haben.

Hast du das Gefühl, dass dein Kind ständig krank ist? Acht bis zehn Infektionen pro Jahr sind bei Kleinkindern tatsächlich normal, denn das Immunsystem ist noch unerfahren. Doch wie sind die Kinderkrankentage und erhalten auch Privatversicherte Kinderkrankengeld?

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld ist im fünften Sozialgesetzbuch geregelt (SGB V). Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen gesetzlich Versicherten 90 Prozent des Nettolohns ab dem ersten Krankheitstag des Kindes. Bei sehr gutem Verdienst greift allerdings eine Deckelung: Mehr als 112,88 Euro pro Tag ist aktuell nicht drin. Pro Elternteil und Kind werden laut SGB V maximal 10 Kinderkrankentage angerechnet, wenn gerade keine Pandemie das Land beherrscht oder anderweitige Sonderregelungen beschlossen wurden.

Haben Privatversicherte Anspruch auf Kinderkrankengeld?

Nicht jede private Krankenversicherung übernimmt die Regelung der Kassen. Manche erstellen ein eigenes Regelwerk. Möglich ist zum Beispiel eine Pauschale, die Eltern kranker Kinder ab einem bestimmten Krankheitstag gezahlt wird.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann es auch nur zahlen, weil sie Zuschüsse vom Bund bekommt. Also sind es die Steuerzahler, die am Ende für das Kinderkrankengeld aufkommen, nicht die Versicherten selbst. Die privaten Krankenversicherungen erhalten keine entsprechenden Zuschüsse und bieten das Kinderkrankengeld daher meist nicht an.

Aber wie es so schön heißt, gibt es keine Regel ohne Ausnahme. Vereinzelt gibt es durchaus PKV-Tarife, die Kinderkrankentagegeld oder eine ähnliche Leistung quasi als Extra vorsehen.

Wenn du oder dein Kind privat versichert ist, machst du dich also am besten schlau, wie es seine private Krankenversicherung mit dem Kinderkrankengeld hält. Im Folgenden erklären wir, wann du Kinderkrankengeld bei der PKV beantragen kannst.

Wie ist das Kinderkrankengeld in der PKV geregelt?

Die wenigen privaten Krankenversicherungen, bei denen du Kinderkrankengeld beantragen kannst, haben ganz individuelle Regelungen. Manche orientieren sich an den gesetzlichen Kassen.

Private Krankenversicherungen zahlen, wenn:

Mutter gesetzlich, Vater privat versichert: Wer zahlt, wenn das Kind krank ist?

Ob du Anspruch auf Kinderkrankengeld hast, kommt ganz drauf an. Schauen wir uns zwei Beispiele an.

Frisörin Sabine ist gesetzlich versichert, genauso wie ihr Sohn Leo. Vater Florian ist Rechtsanwalt und hat sich für die Leistungen einer privaten Krankenversicherung entschieden. Da das Kind gesetzlich versichert ist, erhält Sabine Kinderkrankengeld von der Kasse, wenn sie es zu Hause betreut.

Allerdings sieht das Szenario oft anders aus: Wenn ein Elternteil privat versichert ist, ist es häufig auch das Kind. Schließlich sind die Kindertarife oft sehr günstig und Papa und Mama möchten die besten Leistungen für ihren Nachwuchs. Wie sieht es dann mit Kinderkrankengeld aus – bekommen privat Versicherte Leistungen für die Betreuung ihres kranken Kindes?


Kinderversicherung in der PKV

So funktioniert’s


Kind privat versichert, Mutter gesetzlich: Was passiert bei einer Krankschreibung?

Nehmen wir an, Vater Fritz ist Lehrer und schon seit 10 Jahren in der PKV. Seine Frau Stefanie ist angestellte Sachbearbeiterin und in der gesetzlichen Krankenkasse versichert. Haben sich die beiden nun entschieden, ihre Tochter Paula privat zu versichern, zahlt die GKV kein Kinderkrankengeld.

Allerdings bekommt Stefanie in diesem Fall eventuell von anderer Stelle Unterstützung. Unter Umständen greift ihr der Arbeitgeber unter die Arme.

Gibt es eine Lohnfortzahlung, wenn das Kind krank ist?

Wenn das Kind krank ist, hängt die Lohnfortzahlung meist davon ab, was mit dem Arbeitgeber vereinbart wurde. Beim Verdienstausfall ist es weniger entscheidend, ob du gesetzlich oder privat versichert bist.

Angestellte

Grundsätzlich haben angestellte Eltern, die ihr krankes Kind zu Hause betreuen müssen, Anspruch auf Freistellung. Die Regelung gilt für Kinder unter 12 Jahren und für maximal 10 Arbeitstage pro Jahr. Bei mehreren Kindern sind es 25 Tage. Wenn du in diesem Zeitraum zu Hause bleibst, um dein Kind zu pflegen, bekommst du weiterhin dein Gehalt. Die Lohnfortzahlung bekommst du für die Pflege deines Kindes unabhängig davon, ob du gesetzlich oder privat versichert bist. Schließlich ist dein Arbeitgeber dafür zuständig.

Es gibt allerdings einen Haken: In vielen Arbeitsverträgen ist dieses Ideal-Szenario ausgeschlossen. Dann steht so etwas im Vertrag wie: „Die Zahlung des Arbeitsentgelds erfolgt nur für tatsächlich geleistete Arbeit.“ Klingt erstmal nett, meint aber, dass du keinen Cent von deinem Arbeitgeber siehst, wenn du statt zu arbeiten dein krankes Kind betreust. Gesetzlich Versicherte erhalten in diesem Fall Kinderkrankengeld von der Kasse. Die meisten privat Versicherten bekommen dann nichts.

Dein Arbeitgeber könnte die Lohnfortzahlung übrigens auch nach eigenem Gutdünken gestalten. So könnte er sie beispielsweise auf einen bestimmten Betrag begrenzen. Auch ob du Anspruch auf unbezahlte Freistellung hast, ist individuell geregelt. Rede am besten mit deinem Arbeitgeber oder schau am besten nach, was in deinem Vertrag steht.

Selbstständige

Da Selbstständige keinen Arbeitgeber haben, gibt es natürlich auch niemanden, der im Krankheitsfall Lohn zahlen könnte. Eine Ausnahme sind coronabedingte Schulschließungen – hier springt Vater Staat ein. Selbstständige, die nicht in der PKV, sondern freiwillig gesetzlich versichert sind, haben übrigens Anspruch auf Krankengeld für ihr Kind von der Kasse.

Beamte

Bundesbeamt*innen und Richter*innen des Bundes können maximal vier Tage Sonderurlaub für die Betreuung des Kindes nehmen. Ähnliches gilt für viele Landesbeamt*innen. Schau am besten in die Verordnung, die in deinem Bundesland gilt. Im Zweifel frag einfach bei der Personalstelle nach und mach dich schlau.

Gibt es aufgrund der Corona-Pandemie Sonderregelungen?

Ja, wenn Betreuungseinrichtungen pandemiebedingt geschlossen sind. Diese Regelungen gelten teilweise nur für gesetzlich, teilweise aber auch für privat Versicherte. Schauen wir uns die Details an.

Lohnfortzahlung

Die Sonderregelungen gelten dann, wenn das Kind aufgrund eines Lockdowns während der Corona-Pandemie aus Gründen des Infektionsschutzes nicht zur Kita oder zur Schule kann. Sitzt Mama oder Papa nun zu Hause, kann nicht im Homeoffice arbeiten und muss das Kind betreuen, zahlt Vater Staat eine Verdienstausfallentschädigung aufgrund des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte haben Anspruch. Du bekommst 67 Prozent deines Nettoeinkommens, wenn dein Kind unter 12 Jahre alt ist und Kita oder Schule geschlossen haben. Maximal sind es 2.016 Euro pro Monat. Insgesamt kann jeder Elternteil 10 Wochen in Anspruch nehmen. Bei Alleinerziehenden sind es 20 Wochen.

Kinderkrankentage

Im Jahr 2021 haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf 30 Krankentage pro Kind und können eine Freistellung von der Arbeit beantragen. Bei Alleinerziehenden sind es 60 Tage pro Kind. Bei mehreren Kindern kannst du insgesamt maximal 65 Kinderkrankentage nehmen (bei Alleinerziehende sind es 130). So soll es Eltern leichter gemacht werden, ihre Kinder zu betreuen, wenn Schule und Kita schließen und der Zugang zum Kinderbetreuungsangebot eingeschränkt ist.


PKV für Familien

Das sind die Vorteile


Zusammenfassung: Wer zahlt, wenn das Kind privat versichert und krank ist?

Die ganzen Regelungen sind etwas kompliziert. Fassen wir also kurz zusammen, mit welcher Unterstützung du rechen kannst.

Privat Versicherte bekommen für die Betreuung ihres kranken Kindes Geld, wenn:

Ein krankes Kind ist für die meisten Eltern eine Herausforderung. Schließlich müssen sie unter Umständen auch noch ihren Job und den Haushalt auf die Reihe kriegen. Eine gute Gelegenheit, sich in Gelassenheit zu üben und sein Zeitmanagement zu verbessern.

Jeannette Stowasser
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Jeannette Stowasser

Jeannette ist Online-Redakteurin für Gesundheit und schreibt seit 2011 Artikel, E-Books und Whitepaper zu den verschiedensten medizinischen Themen.

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