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22. September 2020

Gesundheit neu gedacht mit Dr. Franz Goss - CardioCoach: die App fürs Herz

Im Interview mit dem Kardiologen Dr. Franz Goss geht es ums Herz. Was du jetzt schon für deine Herzgesundheit tun kannst und wie der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen mit der App CardioCoach versucht, Patientenversorgung digital zu gestalten.

5 min

„Gesundheit beginnt und endet mit Wohlbefinden.“

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In der Münchner Kardiologie-Praxis von Dr. Franz Goss stehen immer frische Blumen. „Die Patienten sollen sich wohlfühlen“, sagt er. Das ist der erste Schritt in jeder Therapie. Wir sprechen mit ihm in der fünften Folge des ottonova Podcasts "Gesundheit neu gedacht" über Herzgesundheit und wie sie digital funktionieren kann.

Am Anfang stand die Notwendigkeit, Prozesse schneller zu machen. Eine Möglichkeit zur strukturierten und möglichst einfachen Zugänglichkeit und Erfassung von medizinischen Informationen im Bereich der Kardiologie war bisher noch nicht gegeben. Weder im Arzt-Patienten-Kontakt, noch in der Konsultation zwischen Arzt und Arzt.

Das nahm der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen dann 2018 kurzerhand selbst in die Hand und entwickelte die App CardioCoach, eine digitale Lösung zur Patientenversorgung. Dies ist es auch, was die App besonders macht: Es ist eine kostenlose App direkt von Kardiologen für ihre Patienten. Sie wurde seit 2018 30.000 mal heruntergeladen.

Informationen gehen im Behandlungsprozess verloren

Im Behandlungsprozess gehen immer wieder Informationen verloren, sagt Dr. Goss. Eine kardiologische Therapie erfordert aber meist eine Vielzahl an wichtigen Dokumenten wie beispielsweise den Medikationsplan, Laborwerte oder andere Untersuchungsergebnisse. An einer kardiologischen Therapie sind ja oftmals mehrere Ärzte aus dem ambulanten und Klinik-Bereich beteiligt. 

Für eine optimale Diagnostik und Behandlung ist es deshalb wichtig, dass Informationen zur rechten Zeit am richtigen Ort sind. Im medizinischen Alltag ist es aber oftmals so, dass der Facharzt sich erst einmal die notwendigen Informationen vorangegangener Behandlungen beschaffen muss. Das verlangsamt die Versorgungs-Prozesse erheblich. 

Dr. Goss fasst das Problem prägnant zusammen: „Natürlich hat nicht jeder immer und überall seinen Leitz-Ordner dabei. Stellen Sie sich vor, der Patient ist auf Reisen und es treten Herzprobleme auf?“

Dieses Problem löst die App CardioCoach. Sie macht eine einfache Dokumentation aller wichtigen Informationen an einem Ort möglich und bietet schnellen Zugang zu diesen. Ganz ähnlich wie die ottonova App für deine Krankenversicherungsunterlagen.

Die gesamte Erfassung und Verwaltung der Dokumentation liegt dabei aus Datenschutzgründen beim Patienten. Denn Datenschutz ist ein ganz zentraler Punkt, um Akzeptanz für digitale Angebote zu schaffen.

Der Patient allein entscheidet, welche Daten gespeichert und abgerufen werden können. Zudem hat er hat auch die Möglichkeit Vitaldaten einzugeben und sich ein Stück weit selbst zu überprüfen. 

„Die App folgt einem patientenorientierten Ansatz. Das ist ein ganz zentraler Punkt“, sagt der Kardiologe im Gespräch mit uns. Die Informationen können dann mit allen, die am Genesungsprozess beteiligt sind, ausgetauscht werden. Im Falle älterer, weniger digital affiner Patienten können beispielsweise auch Angehörige über Zugang zu Informationen entscheiden.

Wie funktioniert CardioCoach?

„Wir wollen den Patienten dazu bringen, sich selbst eigenverantwortlich um seine Gesundheit zu kümmern.“

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Aber wie genau funktioniert nun die Informationsübertragung mit CardioCoach?

Cardio Coach App Smartphone Hand B@2X
Cardio Coach Funktionen B@2X

Der Patient hat die Möglichkeit, verschiedene Daten wie etwa Informationen zur Medikation, zu Befunden und Arztterminen in der App abzulegen. Außerdem kann er - wie oben bereits erwähnt - seine Vitaldaten wie Blutdruckwerte oder Gewicht erfassen und kann auf ihn abgestimmte Trainingspläne erhalten.

Will der Arzt auf die Patienteninformationen zugreifen, kann der Patient einen Visitencode, der für 30 Minuten gültig ist, generieren. Diesen kann der Arzt dann auf der CardioCoach Website eingeben und erhält so Zugriff auf die vom Patienten gespeicherten Daten.

Wichtige Dokumente wie Ausweise oder Arztbriefe können ganz einfach fotografiert und in die App geladen werden.

Cardio Coach Module B@2X
Cardio Coach Dashboard B@2X

Mehr als nur eine Datensammelstelle

CardioCoach ist nicht nur eine Plattform, um Informationen zur Verfügung zu stellen, sondern kann auch Instrument für Vorsorge und Prävention sein. 

Informationen zu Herzgesundheit, Empfehlungen und Anleitungen zu einer gesünderen Lebensweise sollen in Zukunft über CardioCoach patientenindividuell verfügbar sein. Dazu braucht es aber die Klassifizierung als Medizinprodukt. CardioCoach befindet sich im Moment im Zertifizierungsprozess als Medizinprodukt. Dies sei aber ein sehr aufwändiger und kostenintensiver Prozess, sagt Dr. Goss.

Denn nur als klassifiziertes Medizinprodukt ist es rechtlich möglich, Informationen zu Gesundheit geben zu können und Ratschläge zur Gesundheitsführung zu erteilen. Nach der Zertifizierung soll die App in Zukunft dann auch Informations-Plattform sein, die verschiedene Arten von Vorsorge und Beratungscontent zur Verfügung stellt.

„Wir wollen dem Patienten möglichst valide Informationen zur Verfügung stellen. Bei Google bekommen sie 250.000 Antworten auf Ihre Fragen. Aber welche ist die korrekte?“

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Was braucht der Patient? Was braucht der Arzt?

Die Ausgangsfrage war: Wie kann im Dialog zwischen Arzt und Patient eine bessere Grundlage geschaffen werden? Also muss man sich fragen: Was braucht denn eigentlich der Patient? Und auch: Was braucht der Arzt?

„Es können mit digitalen Anwendungen auch Probleme generiert werden, die gar keine sind.“

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Für eine gelingende digitale Zukunft im Gesundheitswesen ist nicht nur das technische Know-How nötig, sondern vor allem die Zusammenarbeit von medizinischem Personal und technischen Entwicklern unerlässlich. Bisher gäbe es noch zu wenig Netzwerke, erklärt Dr. Goss.

„Das E-Rezept ist ein Beispiel für einen Ansatz, den der Ingenieur wählt und nicht der Arzt.“

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Dr. Goss sieht die jüngsten Entwicklungen in der Gesundheitspolitik wie etwa die beschlossene elektronische Patientenakte, Apps auf Rezept und das E-Rezept positiv. „Das Gesundheitsministerium ist jetzt endlich aus dem Wachkoma erwacht“, sagt er.

Allerdings ist etwa das E-Rezept ein Beispiel dafür, wie etwas aus technischer Sicht und nicht aus Patientensicht entwickelt wird. Er sagt, es würde oft der „Verhinderungsansatz“ gewählt, wenn es um Digitalisierung ginge. Datenschutz würde als Totschlagargument genutzt. 

In Schweden und anderen skandinavischen Ländern gibt es das E-Rezept seit 20 Jahren, bemängelt der Kardiologe. Weiterhin gibt es dort im Gegensatz zu Deutschland auch das Jahresrezept und die Mortalität ist dort sogar niedriger als in Deutschland.

Dr. Goss plädiert dafür, auf Eigenverantwortung zu setzen und die Bürger nicht zu bevormunden. „Die Patienten sollen selbst entscheiden, welche digitalen Anwendungen sie nutzen möchten und welche nicht.“ Es müsse eine öffentliche Diskussion zur Digitalisierung des Gesundheitswesens geführt werden. Denn es brauche mehr digitale Edukation auf allen Seiten und ein offeneres Mindset zur Eigenverantwortlichkeit.

Katastrophale digitale Infrastruktur in den Arztpraxen

„Bei Datenschutz wird mit zweierlei Maß gemessen.“

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Um die Digitalisierung des Gesundheitswesens endlich zukunftsfähig umsetzen zu können, brauche es vor allem eine bessere digitale Infrastruktur. Diese sei in vielen Arztpraxen und Kliniken bisher noch lange nicht auf dem Stand, den es bräuchte, um in eine digitale Zukunft zu denken. Manche Arztpraxen operieren noch mit veralteten Betriebssystemen und viele Kliniken mit dem Faxgerät. „Wo ist da der Datenschutz?“, fragt Dr. Goss im Interview.

Es werde, was den Schutz von Patientendaten betrifft, mit zweierlei Maß gemessen: analog und digital. „Wenn Sie sich jetzt einen Kittel anziehen und nach meiner Patientenakte fragen, werden Sie diese höchstwahrscheinlich bekommen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Was du für deine Herzgesundheit tun kannst

Wir haben mit Dr. Goss aber auch über Vorsorgemöglichkeiten gesprochen. Er ist der festen Überzeugung: Verbesserung der Gesundheit und Anreize zur eigenen Fürsorge können nur über positive Motivation kommen. Dafür braucht es einfache Botschaften, die jeder versteht.

Das beste Rezept ist so einfach wie effektiv: ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung. Ganz nach dem viel zitierten Motto: Du bist, was du isst. Und das am besten schon von Kindesbeinen an.

Diese fünf Empfehlungen gibt der Kardiologe uns mit auf den Weg:

  1. In der Ruhe liegt die Kraft (auch im Berufsleben): Höhere Produktivität braucht Ruhephasen. Dies muss auch in der Arbeitswelt wieder ankommen.
  2. Mindset der Eigenverantwortlichkeit und Fürsorge: sich jeden Tag ins Gedächtnis rufen, dass wir unsere Gesundheit selbst beeinflussen können
  3. Stressreduktion: Zeiten der Nichterreichbarkeit einführen, etwa in der Mittagspause
  4. Digitale Hilfsmittel wie Fitnessapps können als kleines Memo eine gute Ergänzung sein, aber nur, wenn die Motivation für Fürsorge intrinsisch ist.

Wer ist Dr. Franz Goss?

Dr. Franz Goss praktiziert als Facharzt für Innere Medizin in München und ist Lehrbeauftragter der Ludwig-Maximilians-Universität. Außerdem ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverband niedergelassener Kardiologen e.V. 2018 hat er die App CardioCoach mitgegründet.

Blog Autor
ÜBER DEN AUTOR

Marie-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über E-Health, InsurTech und digitale Innovation, die das Leben besser machen. 

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