15. Juni 2020

Schutzimpfung Corona: Wo stehen wir & warum dauert es so lange?

Schutzimpfungen da – Corona weg? Leider sieht der Weg zurück in die Realität etwas komplizierter aus als diese Gleichung. Der Forschungsstand zur Corona-Impfung ist vielversprechend, wirft aber auch Fragen auf. Was zum Beispiel, wenn gar kein Impfstoff gefunden wird?

7 min

„Wir können uns nicht sicher sein, dass es überhaupt einen Impfstoff gegen Covid-19 geben wird - und wenn es einen geben wird, ob er alle Tests auf Wirksamkeit und Sicherheit überstehen wird.“

Jetzt twittern

So fasste Dr. David Nabarro, Professor für globale Gesundheit am Imperial College in London, die aktuelle Situation zusammen. Einen Impfstoff zu entwickeln kann Jahre dauern – egal, wie wichtig er ist und egal wie viel Geld in die Forschung fließt. Ob ein wirksamer Impfstoff gegen das Corona-Virus gefunden werden kann und ob dieser zugelassen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Wir haben uns den Status Quo angesehen – und möchten dir zeigen, wie es weitergeht.

Schutzimpfungen gegen Corona – Darf man ein Wunder erwarten?

Während einzelne Wissenschaftler sich zuversichtlich zeigen, dass bereits in diesem Jahr mit Schutzimpfungen zu rechnen sein könnte, zeigen sich vor allem Politiker eher verhalten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beispielsweise schließt nicht aus, dass es mehrere Jahre dauern könnte, eine Impfung gegen SARS-CoV-2 möglich zu machen. Und damit ist er nicht allein.

Generell wird davon ausgegangen, dass frühestens Mitte 2021 mit wirksamen Schutzimpfungen für Corona gerechnet werden kann – und selbst das nur im Rahmen von Studien. Denn selbst, wenn Impfstoffe entwickelt wurden, bedeutet das noch nicht, dass sie sofort flächendeckend eingesetzt werden dürfen. Bevor Schutzimpfungen zugelassen werden, geht ein gründlicher Prozess der Wirkungs- und Qualitätsprüfung voran. Gerade in einer Ausnahmesituation wie dieser muss unbedingt sichergestellt werden, dass die Risiken der Impfstoffe minimal sind und bei der Prüfung jede Richtlinie eingehalten wird – sollten unzureichend geprüfte Impfstoffe zugelassen werden, kann dies schwerwiegende Folgen haben.


Corona hat einen großen Einfluss auf die Gesundheitspolitik

Alles über neue Gesetze und Verordnungen im Gesundheitswesen 2020 erfährst du hier


Forschungsstand Corona-Impfung: Wo stehen wir gerade?

Wie genau es um den Forschungsstand zur Corona-Impfung genau bestellt ist, lässt sich schwer bewerten und ist in schnellen Wandel begriffen – schließlich arbeitet nicht nur ein Team an den Schutzimpfungen, sondern zahlreiche Unternehmen und Forschungsinstitute zur selben Zeit. 

Update Juli 2020: 

Laut der WHO (World Health Organization) werden momentan 23 Kandidaten für einen Impfstoff gegen das Coronavirus in klinischen Studien getestet. Drei haben bereits Phase III erreicht, was bedeutet dass ein Medikament oder Impfstoff in einer groß angelegten Studie an tausenden Probanden getestet wird. Als erster AZD1222, an dem in Oxford geforscht wird. Darauf folgte der brasilianische Impfstoff CoronaVac von Sinovac LS. 

In den USA gäbe es außerdem fünf weitere aussichtsreiche Impfstoffkandidaten. Einer dieser fünf soll laut der US-Biotech-Firma Moderna noch im Juli auch in die Phase III eintreten. Auch die von Pfizer und Mainzer Biotech-Unternehmen BioNTech entwickelten RNA-Impfstoffe BNT 162b1 und BNTb2 sollen laut der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA beschleunigt geprüft werden und baldmöglichst in Phase II eintreten. 

Die ersten Immunabwehr-Reaktionen

Der in China in einer klinischen Studie an 108 gesunden Patienten getestete Impfstoff Ad5-nCoV hat im Mai 2020 weltweit erstmals eine Immunabwehr-Reaktion auf das Virus Sars-CoV-2 des Immunsystems bei Menschen hervorgerufen wie im im Journal „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Ob der Impfstoff allerdings auch eine Infektion mit dem Virus verhindere, müssen weitere Tests zeigen. In etwa sechs Monaten sei mit der finalen Auswertung der Doppelblindstudie zu rechnen.

Eines der vielversprechendsten deutschen Projekte kommt aus Erlangen. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig sowie dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen arbeiten die Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Universitätsklinikum Erlangen an monoklonalen Antikörpern. Mit dieser passiven Impfung könnte zum Beispiel medizinisches Fachpersonal geimpft werden. Die Immunität würde nur etwa zwei bis drei Monate bestehen und müsste dann wiederaufgefrischt werden, stellt aber eine gute Alternative dar, bis ein aktiver Impfstoff gefunden wird. Am Israel-Institut für biologische Forschung sollen solche monoklonalen Antikörper nach Aussagen des Verteidigungsministers Naftali Bennet bereits positiv getestet worden sein.

Nach Angaben von "The Lancet" würde weltweit an mehr als 100 möglichen Impfstoffen geforscht, wichtige Forschungsstandorte sind dabei unter anderem China, die USA, Großbritannien und Deutschland. Denn in diesen vier Ländern laufen bereits klinische Prüfungen für mögliche Impfstoffe. Seit dem 22. April können in Deutschland solche klinischen Tests durchgeführt werden, insgesamt sollen innerhalb dieses Jahres noch weitere drei Prüfungen folgen, also vier insgesamt. In dieser frühen Phase soll zunächst festgestellt werden, wie wirksam und verträglich die Impfstoffe sind. Um die beste Wirksamkeit mit dem geringsten Risiko zu erlangen, muss dann eine gute Dosis gefunden werden. 

Am 15. Juni gab die Bundesregierung bekannt, dass sie sich mit einer Investition von 300 Millionen Euro am Impfstoffhersteller CureVac beteilige, das ebenfalls nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus sucht.

Obwohl bei der Forschung ein gewisser Wettbewerb entsteht, arbeiten viele Staaten und Institutionen länderübergreifend gemeinsam an der Entwicklung des Impfstoffes. Auch finanziell halten die Staaten bisher zusammen: Um die Forschung, Entwicklung, Produktion und Verbreitung zu fördern, wurden bei einer internationalen Geberkonferenz insgesamt 7,4 Milliarden Euro gesammelt – Deutschland beteiligte sich mit 525 Millionen.

Damit eine Impfung gegen SARS-CoV-2 effizient und flächendeckend eingesetzt werden kann, sind wir nicht nur auf wirksame Impfstoffe angewiesen, sondern auch darauf, dass diese in sehr großen Massen produziert und verteilt werden können. Die Kapazitäten dafür werden jetzt schon geschaffen. Unter anderem plant beispielsweise die Bill & Melinda Gates Foundation, mehrere Milliarden Dollar in Produktionsanlagen zu investieren, in denen nach einer Testphase mit sieben Impfstoffen die beiden produziert werden sollen, die am meisten Erfolg versprechen. 

Auch in Deutschland bereiten sich Hersteller auf die Produktion von großen Mengen vor. Bleibt zuletzt noch die Kostenfrage für den Verbraucher: Über die Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen entschiedet für gewöhnlich die G-BA.

Was, wenn die Impfung gegen Corona nicht möglich ist?

Dass eine Schutzimpfung für Corona gefunden wird, ist leider nicht selbstverständlich. Das Beispiel Aids zeigt, dass jahrzehntelang intensiv an Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten geforscht werden kann, nur um an Ende ohne großen Erfolg dazustehen. Natürlich gibt es bereits Fortschritte und die Hoffnung auf eine wirksame Impfung gegen Corona ist hoch. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass kein „Gegenmittel“ gefunden wird. 

In diesem Fall gibt es zwei Alternativen: Zum einen die Entwicklung eines wirksamen Medikaments. Dieses könnte die Sterberate deutlich verringern und das Gesundheitssystem entlasten. Bereits jetzt ist in den USA das Medikament Remdesivir, das ursprünglich als Gegenmittel für Ebola entwickelt wurde, per Eilverfahren auch für Corona zugelassen worden. Bei einer Studie des National Institute of Allergy and Infectious Disease mit 1.000 Patienten zeigte sich unter anderem eine im Durchschnitt vier Tage kürzere Erholungszeit der Infizierten, die mit Remdesivir behandelt wurden. Die Euphorie sollte sich jedoch auch hier in Grenzen halten. Denn wem und wie das Medikament wirklich hilft, ist bisher noch nicht völlig klar und viele Studien, die eine Wirkung belegen sollen, sind nicht repräsentativ.

Sollte kein Gegenmittel gefunden werden, bliebe nur noch ein Leben mit Corona. Um dieses möglich zu machen, müsste vor allem auf umfangreiche Testverfahren und die Nachverfolgung von Infektionsketten gesetzt werden. Die Selbstisolation bei Symptomen, Social Distancing im Alltag und im Beruf sowie der besondere Schutz von Risikogruppen würden noch sehr lange das öffentliche Leben bestimmen.

Corona Schutzimpfung B@2X

So funktionieren Schutzimpfungen 

Ob gegen Pneumokokken, Masern oder Röteln, für Infektionskrankheiten existieren verschiedene Arten von Impfungen. Einige Schutzimpfungen werden mit Lebendimpfstoffen durchgeführt, andere mit Totimpfstoffen oder genbasierten Impfstoffen. Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (vfa) sind diese drei Arten von Impfungen diejenigen, die für Corona-Impfstoffe in Frage kommen. 

Lebendimpfstoffe:

Beim Impfen mit Lebendimpfstoffen werden sogenannte Vektorviren genutzt, die dem Körper suggerieren, dass er an der Infektionskrankheit, in diesem Fall Covid-19, erkrankt ist. Die Vektorviren an sich sind harmlos, dennoch bildet das Immunsystem Antikörper dagegen. Bei einer echten Infektion „erinnert“ sich der Körper daran und produziert diese Antikörper erneut. Der Antikörper-Aufbau steht zum Beispiel in der Forschung von Johnson & Johnson im Mittelpunkt, sowie in den Projekten der University of Oxford und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF).

Totimpfstoffe:

Ein Totimpfstoff enthält entweder abgetötete Krankheitserreger oder Teile davon. Diese werden wiederum vom Körper erkannt und der Antikörper-Aufbau beginnt. Da sich die toten Erreger nicht vermehren können, kann keine Krankheit ausbrechen. Momentan forschen zum Beispiel Novavax oder das Beijing Institute of Biological Products an dieser Form des Impfschutzes.

Genbasierte Impfstoffe:

Bisher ist noch kein genbasierter Impfstoff für Schutzimpfungen auf dem Markt. Das Prinzip jedoch ist vielversprechend: Einzelne Gene des Coronavirus sollen in den Körper injiziert werden. Diese sollen dort Virusproteine bilden und das Immunsystem aufbauen, ohne dabei dem Körper zu schaden. Die Herstellung dieser Art von Impfstoff geht besonders schnell und könnte eine gute Versorgung gewährleisten. Erforscht wird er in Bezug auf Corona unter vielen anderen von CureVac, BioNTech und Moderna.

Auch Impfungen, die nicht spezifisch gegen Corona entwickelt wurden, können unterstützend wirken. So ist es möglich, dass die bereits bewährte Pneumokokken-Impfung einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf von Covid-19-Patienten haben könnte. Dies hängt damit zusammen, dass Pneumokokken bakterielle Lungenentzündungen auslösen – zusammen mit Covid-19 wäre dies eine noch größere Belastung. Eine Impfung gegen Lungenentzündung kann also sinnvoll sein. Da diese Erkenntnis zu einer erhöhten Nachfrage und damit zu einer Knappheit des Impfstoffes geführt hat, wird eine Pneumokokken-Impfung von der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts (RKI) nun lediglich für die Risikogruppe der über 70-jährigen, Menschen mit Atemwegserkrankungen oder mit geschwächtem Immunsystem empfohlen.


Eine Corona-App könnte die Pandemie eindämmen

Doch wie sieht es eigentlich mit der Sicherheit deiner Daten aus?


Schutzimpfung Corona: Wird sie Pflicht?

Außer Frage steht, dass es eine Covid-19 Impfempfehlung geben wird, sobald ein Impfstoff gefunden und zugelassen ist. Doch wird auch die Impfpflicht kommen? Bereits die Pflicht zur Impfung gegen Masern hatte zuletzt große Diskussionen mit Impfgegnern ausgelöst. Nicht anders sieht es aus, wenn es um die Covid-19 Impfempfehlung geht. Bisher steht nicht fest, ob eine Impfung gegen Corona Pflicht werden könnte.

„Es wäre auch absurd, eine Impfpflicht im Bundestag zu beschließen, wo es doch bisher überhaupt keinen Impfstoff gibt.“

Jetzt twittern

Das sagt SPD Fraktions-Vize Bärbel Bas. Diese Aussage schließt jedoch nicht aus, dass dies diskutiert werden könnte, sollte eine Impfung gegen SARS-CoV-2 gefunden werden. Bayerns Ministerpräsident Söder betont, dass es aus seiner Sicht bei einer Covid-19 Impfempfehlung bleiben sollte und betont damit die Wichtigkeit einer freiwilligen Schutzimpfung. 

Wie am Ende entschieden wird, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Momentan geht die Tendenz jedoch in Richtung der Covid-19 Impfempfehlung und weg von der Impfpflicht.


Impfen oder nicht impfen – das ist hier die Frage

Ob du dich impfen lassen solltest und was passiert, wenn du es nicht tust


Bis Impfungen gegen Corona für alle zugänglich sein werden, könnte es noch ein langer Weg werden. Doch auch über andere Wege kannst du dich gegen eine Infektion schützen, bis es so weit ist. Hier erfährst du, wie das geht:

Testimonial

Auch deine Krankenversicherung soll dein Partner rund um deine Gesundheit sein?

Wechsle zur besten digitalen privaten Krankenversicherung – ottonova

Share
Du nutzt einen älteren Browser, der nicht unterstützt wird.

Für eine fehlerfreie Darstellung und mehr Sicherheit empfehlen wir dir auf einen modernen Browser umzusteigen.

Unsere Empfehlungen