Demografischer Wandel: Folgen für das Gesundheitswesen

Wir werden immer älter – und wir werden immer weniger. Der demografische Wandel in Deutschland hat einen Impact auf die Gesellschaft und das Gesundheitswesen. Was das für dich persönlich bedeutet und warum E-Health jetzt wichtiger ist denn je.

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Der demografische Wandel erklärt – was steckt dahinter?

Der Blick auf die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland hinterlässt gemischte Gefühle. Die gute Nachricht lautet einerseits: Wir werden immer älter. Die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen liegt bei 83,5, für Männer bei 78,6 – das sind 40 Jahre mehr als 1881, das Jahr, in dem Bismarck die gesetzliche Krankenversicherung eingeführt hat.

Die schlechte Nachricht: Die Geburtenrate stagniert und unterschreitet bereits seit 1973 die Sterberate. In Deutschland liegt sie bei 1,54 – statistisch gesehen hat also jede Frau 1,54 Kinder. Immerhin: Ohne Zuzüge von Menschen aus anderen Ländern wäre die Bevölkerungszahl in Deutschland heute viel niedriger. Bei der aktuellen Entwicklung ist jedoch abzusehen, dass die Sterberate weiter zu- und die Geburtenrate noch weiter abnehmen wird. Unsere Gesellschaft wird also älter, allerdings schrumpft sie immer mehr.

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Die Alterspyramide für Deutschland zeigt, dass immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen, während immer weniger Kinder geboren werden.

Das sind Ursachen des demografischen Wandels 

  • Die Familienpolitik ist nicht nachhaltig genug.
  • Lebensmodelle haben sich verändert, Familien haben heute weniger Kinder als früher.
  • Die medizinische Versorgung wird immer besser. 
  • Die Menschen legen mehr Wert auf einen gesunden Lebensstil.
  • Es werden weniger Ehen geschlossen.

Gut zu wissen:

Der demografische Wandel ist kein rein deutsches Phänomen. So sind auch andere Industrienationen in Europa und weltweit betroffen. Ein prominentes Beispiel ist Japan. Das Land hat mit 84 Jahren die zweithöchste Lebenserwartung der Welt – nur noch übertroffen durch Hong Kong – und eine der niedrigsten Geburtenraten mit 1,43.

Welche Folgen hat der demografische Wandel?

Wir stecken bereits seit den 1970er Jahren mitten im Wandel der Bevölkerungsstruktur. Eine immer älter werdende Gesellschaft mit immer weniger jungen Menschen bringt verschiedene Probleme mit sich. Einige Auswirkungen zeigen sich bereits heute deutlich. So hat die zunehmende Alterung der Bevölkerung einen Fachkräftemangel ausgelöst, der besonders kleine und mittlere Unternehmen trifft. 

Demografischer Wandel: Folgen für das Gesundheitswesen

Die Folgen des demografischen Wandels werden langfristig vor allem das Gesundheitswesen treffen. Die kritischsten Bereiche fassen wir im Folgenden für dich zusammen.

Die GKV-Beiträge werden steigen

Mit dem steigenden Alter der Menschen in Deutschland steigt auch die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Chronische Krankheiten, Demenz oder das Auftreten von mehreren Krankheiten zur gleichen Zeit (Multimorbidität) verursachen immer mehr Kosten, die das Gesundheitswesen zunehmend belasten werden.

Die gesetzliche Krankenversicherung baut auf dem Solidaritätsprinzip auf: Junge und gesunde Versicherte finanzieren die kranken und älteren Versicherten. Doch wer finanziert die Gesundheitskosten, wenn es immer weniger junge Versicherte und damit insgesamt weniger Betragszahler gibt? Experten gehen davon aus, dass den Krankenkassen in den kommenden Jahrzehnten Milliardendefizite entstehen werden. Diese lassen sich nur mit langfristig steigenden Beiträgen abfedern.

Steigende GKV-Beiträge bekommen junge Versicherte schon heute zu spüren. Gleichzeitig müssen sie künftig steigende Kosten und Leistungskürzungen befürchten. Mit der privaten Krankenversicherung schützt du dich vor den direkten Auswirkungen des demografischen Wandels. Denn mit deinem Beitrag sorgst du durch Altersrückstellungen selbst fürs Alter vor und bist weniger abhängig von der Zahl an jungen Versicherten.

Demografischer Wandel beeinflusst die Medizin

Ein positiver Aspekt des demografischen Wandels: Er ist Beweis dafür, dass sich die medizinische Versorgung immer weiter verbessert hat. Der sich fortsetzende Wandel wird auch dazu führen, dass der Fokus der Versorgung sich verschiebt. Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die regelmäßig die Gesundheit im Alter untersucht, empfiehlt beispielsweise, bereits vorhandene Präventionsmöglichkeiten und Rehabilitationspotenziale noch stärker zu nutzen.

Engpässe in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Praxen

Durch die demografische Alterung wird die Zahl der Pflegebedürftigen bundesweit steigen. Von 1999 bis 2017 ist sie laut Statistischem Bundesamt von 2,0 auf 3,4 Millionen gestiegen. Bis 2050 wird sie schätzungsweise auf weit über 5 Millionen steigen. Gleichzeitig fehlt der Nachwuchs, um das Personal in Pflegeeinrichtungen entsprechend aufzustocken. 

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Deshalb erfordert der demografische Wandel in der Pflege Konzepte und Modelle, um dieser Entwicklung zu begegnen. Das gleiche gilt für das Personal in Krankenhäusern. In strukturschwachen Regionen droht zusätzlich noch ein Mangel an niedergelassenen Ärzten. Was können wir tun, um die medizinische Versorgung in Zukunft zu sichern?

Unsere Chance: Innovative Angebote am Gesundheitsmarkt

Der demografische Wandel stellt uns vor große Herausforderungen. Doch zum Glück sind wir nicht völlig machtlos. Im Zuge der Corona-Krise hat das Thema E-Health massiv an Bedeutung gewonnen. E-Health-Anwendungen bietet nicht nur eine große Chance für Deutschlands Wirtschaftskraft, sondern geben uns auch die Chance, die Folgen des demografischen Wandels zu mildern. So können sie helfen:

Arztbesuche per Videosprechstunde

Der Ärztemangel ist schon heute ein Problem und trifft besonders ältere Menschen in ländlichen Regionen, die oft große Strecken für einen Arztbesuch zurücklegen müssen. Videosprechstunden, wie ottonova sie anbietet, schließen Lücken in der medizinischen Infrastruktur. Nebenbei ersparen telemedizinische Ansätze den Patienten viel Stress und senken das Infektionsrisiko im Wartezimmer.

Prävention per App 

Für Digital Natives ist die Nutzung von Smartphones, Activity-Trackern und Apps heute selbstverständlich. Neben der Überwachung von Vitaldaten ist es damit auch möglich, verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden wie Burnout vorzubeugen. In Zukunft könnten digitale Helfer noch stärker auf Krankheitsprävention ausgerichtet werden und die Selbstversorgung der heutigen Millennials im Alter unterstützen. 

Pflege per Roboter

Roboter können Pflegekräften in Zukunft viel Arbeit abnehmen. Physisch belastende Aufgaben sind damit kein Problem mehr und das Pflegepersonal kann sich voll und ganz auf das psychische Wohlbefinden der Pflegebedürftigen konzentrieren. Es gibt bereits Ansätze, die Potenzial bieten. Sie allein werden jedoch nicht ausreichen werden, um den Pflegenotstand vollständig zu beheben.


Wie gelingt E-Health in der Praxis?

Diese Länder machen es uns vor


Schaffen wir die Wende?

Die medizinische Versorgung in Deutschland ist mittlerweile so ausgereift, dass unsere Lebenserwartung so hoch ist wie nie zuvor. Allerdings fehlen in Zukunft die Beitragszahler in der gesetzlichen Krankenversicherung, um den Fortschritt weiterhin zu finanzieren.

Die demografische Alterung wird voraussichtlich ab 2030 an Dynamik gewinnen und einen Höhepunkt erreichen: Dann erreichen die Babyboomer, die zwischen 1959 und 1968 geboren sind, das Rentenalter und sind auf die Unterstützung der geburtenschwachen Jahrgänge angewiesen. Diese können jedoch Finanzierung und Pflege nicht vollständig allein tragen.

Die Digitalisierung und insbesondere E-Health-Angebote können das Problem nicht vollständig lösen. Sie leisten jedoch einen Beitrag dazu, dass Versicherte wie du, die heute noch jung sind, ihr langes Leben so gesund und sorgenfrei wie möglich genießen können.

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