Milliardendefizit der GKV: Gründe & Bedeutung für dich

Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben bei Krankenkassen wird größer. Die Krankenkassen geben mehr Geld aus als sie einnehmen und ihre Reserven schrumpfen. Was heißt das für gesetzlich Versicherte?

GKV Defizit

Wer knapp bei Kasse ist und sich trotzdem etwas gönnen möchte, kann das kleine Defizit in der Regel schnell wieder ausgleichen. Ganz so einfach ist es für die Krankenkassen in Deutschland jedoch nicht. Trotzdem haben die 105 gesetzlichen Kassen mehr Geld ausgegeben als sie eingenommen haben – 2023 erwarten Experten und Expertinnen ein Defizit von etwa 17 Milliarden Euro.

Dieses soll durch einen steigenden Zusatzbeitrag sowie einen Bundeszuschuss in Höhe von 2 Milliarden Euro ausgeglichen werden. Außerdem soll der Gesundheitsfond einspringen. Auch die Extra-Honorierung für Neupatienten und Neupatientinnen soll wieder abgeschafft werden, um so Kosten im Gesundheitswesen zu senken.

Defizit der Krankenkassen bedeutet steigende Beiträge

Nachdem der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2022 nicht angehoben wurde und wie 2021 weiterhin bei 1,3 Prozent lag, muss nun 2023 aufgrund des hohen Defizits nachkorrigiert werden. Er wird um 0,3 Punkte auf ingesamt 1,6 Prozent steigen. 

Der Gesamtbeitrag für gesetzliche Versicherte wird sich somit 2023 auf durchschnittlich 16,2 Prozent erhöhen. Die Sozialbeiträge, die von Angestellten gezahlt werden müssen, überschreiten damit erstmals seit 2012 wieder die 40-Prozent-Marke. 

Etwa fünf Milliarden Euro des GKV-Defizits sollen die höheren Kassenbeiträge ausgleichen.

Hinzukommt eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf 59.850 Euro brutto jährlich, wodurch auch der Höchstbeitrag zur GKV deutlich steigen wird und voraussichtlich die 800-Euro-Marke pro Monat knackt.

Warum schwanken die Einnahmen der GKV?

Im August 2020 meldeten die Krankenkassen für das erste Halbjahr noch einen Einnahmenüberschuss von rund 1,3 Milliarden Euro. Grund für die positive Entwicklung bei den Krankenkassen war ausgerechnet die Corona-Pandemie.

War nicht von großer finanzieller Belastung des Gesundheitssystems durch die Corona-Krise die Rede? Tatsächlich kostet das Virus viel Geld, das aber vor allem den Gesundheitsfonds belastet. Zudem konnten die Kassen an anderer Stelle sparen: Aufgrund der rasanten Verbreitung des Corona-Virus sind die Menschen weltweit zu Hause geblieben. Besuche beim Arzt waren zwar erlaubt, allerdings fürchteten viele sich vor Ansteckung – auch im Wartezimmer. Deshalb sind viel weniger Patienten und Patientinnen in die Arztpraxis und ins Krankenhaus gegangen als in den Jahren davor. Die Ausgaben der Krankenkassen hat das in vielen Bereichen 2020 drastisch reduziert. Das änderte sich aber in den darauffolgenden Jahren wieder.

Der Rückgang vieler Kosten während der bundesweit geltenden Ausgangsbeschränkungen sei nämlich ein Sondereffekt gewesen, der sich so nicht wiederholen werde, so der GKV-Spitzenverband. Vielmehr sei auf lange Sicht von einem weiteren Anstieg der Kosten für die medizinische Versorgung auszugehen.

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Was passiert, wenn Krankenkassen ins Minus rutschen? 

Selbst bei fehlenden Einnahmen können die gesetzlichen Krankenversicherungen ein Defizit über ihre Finanzreserven abfedern. Gesetzlich vorgeschrieben für jede einzelne Krankenkasse ist eine Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben. Die Krankenkassen sollen zum Ausgleich des Defizits bis zu 4 Milliarden Euro aus ihren Finanzreserven verwenden.

Allerdings gehen Experten davon aus, dass sich die Schere 2023 zwischen Einnahmen und Ausgaben zu groß ist und die Finanzreserven nicht ausreichen, um das Defizit auszugleichen. Die Regierung diskutiert deshalb über einen erneuten finanziellen Bundeszuschuss in Höhe von 2 Milliarden Euro für die Krankenkassen, um damit unter anderem positive Signale an die Versicherten und die Arbeitgeber zu senden. Auch der durchschnittliche Zusatzbeitrag soll 2023 um 0,3 Prozent auf 1,6 Prozent angehoben werden.

Deshalb fehlt den Kassen so viel Geld 

Die GKV-Beiträge von Versicherten und Arbeitnehmern fließen in den Gesundheitsfonds, der dann auf die Kassen verteilt wird. Mit diesem Geld und den Zusatzbeiträgen müssen die Kassen haushalten. Allerdings steigen die Ausgaben der Kassen. 

Schuld daran ist zum einen der demografische Wandel, zum anderen steigen die Preise für medizinische Leistungen. Ein Grund dafür sind laut GKV-Spitzenverband Reformen wie das Terminservice- und Versorgungsgesetz. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit wegen der Coronapandemie spielen laut Experten und Expertinnen ebenso eine Rolle.

Defizit Millionen GKV

Was bedeutet ein Defizit für Versicherte? 

Mit dem Bundeszuschuss für 2023 sollte zunächst die Liquiditätssituation des Gesundheitsfonds sichergestellt werden. Wie sich die Einnahmen entwickeln werden, lässt sich aber nicht genau voraussagen.

Defizit treibt den Beitrag in die Höhe

Es zeichnet sich tendenziell ab, dass ein neues Defizit für die GKV in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen ist. Im Gegenteil: Die Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass sich das Defizit bis zum Jahr 2040 auf fast 50 Milliarden Euro erhöhen könnte.

Das sind die Ergebnisse einer Studie zum Defizit in der GKV:

So schützt du dich vor steigenden Beiträgen

Damit es nicht so weit kommt, empfiehlt die Bertelsmann-Stiftung, Kostendämpfungspolitik zu betreiben und beispielsweise ineffiziente Strukturen abzubauen, die vor allem im stationären Bereich zu finden sind. Auch ein höherer Bundeszuschuss kann helfen, die Kosten zu dämpfen.

Wenn du Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung bist und die Voraussetzungen erfüllst, um dich privat zu versichern, kannst du dich unabhängig vom Milliardendefizit in der gesetzlichen Krankenversicherung machen. Denn in der PKV zahlst du einen individuellen Beitrag, der dich vor den Auswirkungen des demografischen Wandels schützt. Zwar steigen die Beiträge auch in der PKV, allerdings entwickeln sie sich weitaus moderater als in der GKV.

Beitragsentwicklung PKV GKV

Wenn du noch besser verstehen willst, weshalb die Beiträge in PKV und GKV unterschiedlich kalkuliert werden, findest du die Antworten auf alle deine Fragen in unserem großen Vergleich der Systeme. Du willst auf den Euro genau wissen, wie sich dein PKV-Beitrag im Vergleich zur GKV entwickelt? Mit unserem Spar-Rechner findest du es heraus und kannst das Ergebnis an deine persönliche Lebensplanung anpassen.

ottonova Magazin Autor
HIER SCHREIBT Sabrina Quente

Sabrina ist freie Autorin für Versicherungs- und Digitalisierungsthemen. Sie war Redakteurin bei Fachzeitschriften und lernte als Content Editor bei ottonova die vielen Facetten der Versicherungswelt kennen.

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