Krankenkassen mit Defizit: Gründe & Bedeutung für dich

Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben bei Krankenkassen wird größer. Die Krankenkassen geben mehr Geld aus als sie einnehmen und ihre Reserven schrumpfen. Was heißt das für gesetzlich Versicherte?

Aktualisiert am 30. Dezember 2025
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Inhalt des Ratgebers

Die Beitragseinnahmen der gesetzlichen Krankenkassen stiegen 2025 zwar um rund 5,3 %, doch die Leistungs- und Verwaltungsausgaben wuchsen mit etwa 7,8 % deutlich stärker als die Einnahmen. Hohe Kosten im Krankenhausbereich – etwa durch steigende Vergütungen und mehr Behandlungen – trugen maßgeblich dazu bei. 

Prognosen des GKV-Schätzerkreises deuten auf mögliche Defizite in zweistelliger Milliardenhöhe ab 2027 hin.

Hohe Ausgaben der Krankenkassen bedeuten steigende Beiträge

Der Zusatzbeitrag wird nun 2026 das vierte Jahr in Folge angehoben. Nachdem der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2024 auf von 1,6 Prozent auf 1,7 Prozent und 2025 erneut um 0,8 Prozent auf 2,5 Prozent gestiegen ist, muss er nun 2026 aufgrund des hohen Defizits erneut nach oben korrigiert werden. Er steigt um 0,4 Punkte und liegt nun bei 2,9 Prozent.

Die Sozialbeiträge, die von Angestellten gezahlt werden müssen, überschreiten schon 2024 die 40-Prozent-Marke und steigen in diesem Jahr erneut an. 2026 liegt der Gesamtbeitrag für gesetzliche Versicherte somit bei durchschnittlich 17,5 Prozent. 

Außerdem gab es eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf 69.750Euro brutto jährlich, wodurch auch der Höchstbeitrag zur GKV deutlich gestiegen auf ist und mit 1.017,18 Euro deutlich die 1.000-Euro-Marke pro Monat knackt. Hinzu kommt noch der Beitrag für Pflegeversicherung, wodurch der Gesamthöchstbeitrag über 1.200 Euro liegt.

Warum schwanken die Einnahmen der Krankenkassen?

Im August 2020 meldeten die Krankenkassen für das erste Halbjahr noch einen Einnahmenüberschuss von rund 1,3 Milliarden Euro. Grund für die positive Entwicklung bei den Krankenkassen war ausgerechnet die Corona-Pandemie. Besuche beim Arzt waren zwar erlaubt, allerdings fürchteten viele sich vor Ansteckung – auch im Wartezimmer. Deshalb sind viel weniger Patienten und Patientinnen in die Arztpraxis und ins Krankenhaus gegangen als in den Jahren davor. Die Ausgaben der Krankenkassen haben sich somit in vielen Bereichen 2020 drastisch reduziert. 

Der Rückgang vieler Kosten während der bundesweit geltenden Ausgangsbeschränkungen sei nämlich ein Sondereffekt gewesen, der sich so nicht wiederholen werde, so der GKV-Spitzenverband. Das änderte sich in den darauffolgenden Jahren wieder. 

Während die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2022 noch einen Überschuss von rund 385 Millionen Euro verzeichnen konnte, befinden sich die Zahlen seit 2023 durchgehend im negativen Bereich – mit einer zunehmenden Verschlechterung von Quartal zu Quartal.

Auf lange Sicht ist von einem weiteren Anstieg der Kosten für die medizinische Versorgung auszugehen.

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Wie wird der Zusatzbeitrag ermittelt?

Der GKV-Schätzerkreis hat die Aufgabe eine Prognose zur Entwicklung der Versichertenzahlen, der Ausgaben und der Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung für das laufende und das kommende Jahr vorzulegen. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gibt daraufhin unter Berücksichtigung der Schätzerkreis-Ergebnisse den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz bekannt geben, der die Ausgaben für das kommende Jahr deckt.

Was passiert, wenn Krankenkassen ins Minus rutschen? 

Es gibt Mechanismen, die greifen, wenn die Krankenkassen ins Minus rutschen und mehr Ausgaben als Einnahmen haben. 

Krankenkassen müssen gesetzlich vorgeschrieben eine Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben bilden, um so selbst bei fehlenden Einnahmen und steigenden Gesundheitskosten ein Defizit über ihre Finanzreserven abfedern zu können. Das bedeutet, dass die Krankenkassen ausreichend finanzielle Mittel vorhalten müssen, um ihre laufenden Ausgaben für etwa zwei Wochen decken zu können. 

Doch die Finanzreserven der Krankenkassen lagen trotz eines Gesamtüberschusses von 3,6 Milliarden Euro 2025 weiterhin unter dem gesetzlich vorgesehenen Mindestniveau. Die Überschüsse fließen in erster Linie in den Aufbau der gesetzlich geforderten Rücklagen. Ende des dritten Quartals lagen die Finanzreserven der Krankenkassen bei rund 5,4 Milliarden Euro. Das entspricht lediglich 0,19 Monatsausgaben und damit noch nicht dem vorgesehenen Mindestwert von 0,2 Monatsausgaben.

Und die Ausgaben steigen weiterhin. Um diese Situation zu bewältigen, bleibt den Krankenkassen mittlerweile nur die Erhöhung der Zusatzbeiträge. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag musste allerdings im letzten Jahr um weitere 0,8 Prozent und 2026 nochmal um 0,4 Prozent erneut angehoben werden.

Deshalb fehlt den Krankenkassen Geld 

Die GKV-Beiträge von Versicherten und Arbeitnehmern fließen in den Gesundheitsfonds, der dann auf die Kassen verteilt wird. Mit diesem Geld und den Zusatzbeiträgen müssen die Kassen haushalten. Allerdings steigen die Ausgaben der Kassen.

Die Ursache für diese Entwicklung liegt in der seit Jahren wachsenden finanziellen Belastung der GKV durch den demografischen Wandel, ausgabensteigernde Gesetze wie das Terminservice- und Versorgungsgesetz oder die Krankenhausreform und den staatlich vorgegebenen Abbau von Rücklagen. Selbst übliche Schwankungen bei Einnahmen und Ausgaben werden aufgrund fehlender finanzieller Polster zunehmend schwieriger auszugleichen.

Gründe für das GKV-Defizit:

Was bedeutet ein Defizit für Versicherte? 

Wie sich die Einnahmen und Ausgaben genau entwickeln werden, lässt sich nicht genau voraussagen. Es zeichnet sich tendenziell ab, dass ein neues Defizit für die GKV in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen ist. Im Gegenteil: Die Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass sich das Defizit bis zum Jahr 2040 auf fast 50 Milliarden Euro erhöhen könnte, was zu deutlichen Beitragssteigerungen für gesetzlich Versicherte führen würde.

Das sind die Ergebnisse einer Studie zum Defizit in der GKV:

Damit es nicht zu weiteren immensen Beitragssteigerungen kommt, empfiehlt die Bertelsmann-Stiftung den Krankenkenkassen, Kostendämpfungspolitik zu betreiben und beispielsweise ineffiziente Strukturen abzubauen. Auch ein höherer Bundeszuschuss könne helfen, die Kosten zu dämpfen.

So schützt du dich vor steigenden Beiträgen

Wenn du Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung bist, solltest du die Beiträge und Leistungen der einzelnen Krankenkassen genau vergleichen. Durch einen Wechsel lassen sich unter Umstände mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.

Erfüllst du Voraussetzungen, um dich privat zu versichern, kannst du dich aber ganz unabhängig vom Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenkassen machen. Denn in der privaten Krankenversicherung (PKV) zahlst du einen individuellen Beitrag, der dich vor den Auswirkungen des demografischen Wandels schützt. 

Zwar steigen die Beiträge auch in der privaten Krankenversicherung, allerdings sind die PKV-Beiträge in den letzten 10 Jahren moderater gestiegen als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Liniendiagramm zeigt Beitragsentwicklung der privaten Krankenversicherung (PKV) und gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland von 2005 bis 2025, mit einem durchschnittlichen Anstieg von 3,1 Prozent pro Jahr bei PKV und 4,0 Prozent pro Jahr bei GKV, ohne Bundeszuschuss. In der PKV erfolgt die Beitragsentwicklung moderater als in der GKV

Wenn du noch besser verstehen willst, weshalb die Beiträge in PKV und GKV unterschiedlich kalkuliert werden, findest du die Antworten auf alle deine Fragen in unserem großen Vergleich der Systeme. Du willst auf den Euro genau wissen, wie sich dein PKV-Beitrag im Vergleich zur GKV entwickelt? Mit unserem Beitragsrechner findest du es heraus und kannst das Ergebnis an deine persönliche Lebensplanung anpassen.

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Marie-Theres ist Online Redakteurin für Gesundheits- und Versicherungsthemen bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über (E-)Health und Innovation, die das Leben besser machen. 

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