Gesundheitssysteme im Vergleich: China vs. Japan

Die globalen Gesundheitskrisen der letzten Jahre haben gezeigt, wie essenziell ein leistungsfähiges Gesundheitssystem für ein bevölkerungsreiches Land wie China ist. Doch vor welchen Aufgaben steht die medizinische Versorgung dort heute und wie weit ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen bereits vorangeschritten? Erfahre, welche Besonderheiten das chinesische Modell prägen, was es mit dem Gesundheitssystem in Japan gemeinsam hat und welche wertvollen Impulse wir hier in Deutschland von diesen Entwicklungen lernen können.

Aktualisiert am 22. April 2026
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Inhalt des Ratgebers

Aufbau des Gesundheitssystems in China

Rund 1,4 Mrd. Menschen leben in China, welches damit gemeinsam mit Indien zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde zählt. In China ticken die Uhren etwas anders, auch, was die Medizin betrifft. Die traditionelle chinesische Medizin, die sich in der langen Geschichte des Landes entwickelt hat, hat bis heute einen festen Platz in der Gesundheitsversorgung.

Besonders Mitte des 20. Jahrhunderts waren es die sogenannten Barfußärzte, die in traditioneller chinesischer Medizin ausgebildet waren und mit ihrem Wissen die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten aufrechterhielten. Im Laufe der Zeit verschwanden die Barfußärzte dann allerdings allmählich – und damit auch der für viele auf dem Land lebenden Menschen einzige Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Wer sich heute in China behandeln lassen will, geht in der Regel direkt ins Krankenhaus: 90 % aller Behandlungen finden in chinesischen Kliniken statt. Chinas Gesundheitswesen besteht vor allem aus Krankenhäusern und Facheinrichtungen, die sich die Basisbetreuung einerseits und spezielle Fälle andererseits teilen sollen. Ländliche Regionen sind im Gegensatz zu urbanen Gegenden oft noch unterversorgt. Auf der anderen Seite herrscht in städtischen Krankenhäusern oftmals Ärztemangel, im Schnitt etwa 30 %

Krankenversicherung in China

Das chinesische Gesundheitssystem basiert auf einer weitgehend flächendeckenden staatlichen Absicherung, die gemeinschaftlich durch die Regierung, die Arbeitgeber und die Versicherten finanziert wird. Inzwischen verfügen rund 96% der Bevölkerung über eine medizinische Grundversorgung. Die Krankenversicherung gliedert sich in drei zentrale Säulen, die sich je nach Beschäftigungsverhältnis und Wohnort unterscheiden:

  1. Krankenversicherung für städtische Arbeitnehmer (Urban Employee Basic Medical Insurance - UEBMI)
  2. Krankenversicherung für städtische Einwohner (Urban Resident Basic Medical Insurance - URBMI)
  3. Krankenversicherung für die ländliche Bevölkerung (New Rural Cooperative Medical Scheme - NRCMS)
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Finanzierung des chinesischen Gesundheitssystems

Viele Hürden, die heute noch im Weg zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung stehen, sollen nun nach und nach abgebaut werden. Dafür hat die Regierung der Volksrepublik China in den letzten Jahren Reformen auf den Weg gebracht, um allen Chinesen den Zugang zu einer gesundheitlichen Grundversorgung zu ermöglichen. Auslöser dafür war der Ausbruch des Sars-Virus im Jahr 2003. Dass die Reformierung des Gesundheitssystems Chinas noch längst nicht abgeschlossen ist, zeigt sich während des erneuten Ausbruchs eines Coronavirus im Jahr 2020.

Unter dem Titel „Gesundes China 2030“ hat sich die Regierung im Jahr 2016 dazu verpflichtet, mehr Geld in den Gesundheitsmarkt zu investieren, den Zugang zu medizinischer Versorgung insbesondere auf dem Land zu verbessern und die Patienten finanziell zu entlasten. So soll die Gesundheit in China langfristig verbessert werden.

Auch wenn die Volksrepublik China in einigen Bereichen als restriktiv gilt, ist sie der Digitalisierung gegenüber positiv eingestellt. So unterstützt die Regierung Digital-Health-Projekte und Start-up-Inkubatoren. Mit gelockerten Regeln für Telemedizin will die Regierung außerdem die Chancen der Digitalisierung für den ländlichen Raum nutzen – und ist damit fortschrittlicher als Deutschland.

Unterstützung bekommt das Gesundheitssystem Chinas auch von Unternehmen: Der eCommerce-Riese Alibaba bietet seinen Nutzern beispielsweise eine private Krankenversicherung, wenn sie seinen Bezahldienst nutzen. Daneben bietet das Unternehmen seinen Kunden eine Plattform für Medikamente und Online-Sprechstunden mit Ärzten an.

Auch das chinesische Internetunternehmen Tencent hat gesundheitsbezogene Produkte und Dienstleistungen im Angebot. 2019 wagte es einen Vorstoß in Richtung KI-basierte Diagnostik. Neben den KI-Services in Krankenhäusern bietet das Unternehmen weitere Online-Dienste für Patienten an.

Aufbau des Gesundheitssystems in Japan 

Auch im nicht weit entfernten Japan ist Digitalisierung ein zentrales Element der Entwicklungen im Gesundheitssystem. Die Herausforderungen und Strukturen des japanischen Gesundheitssystems haben Gemeinsamkeiten mit Chinas Gesundheitswesen, aber auch mit unserem.

So stellen der demografische Wandel und die hohe Lebenserwartung der Japaner besonders die älteren Patienten in den Fokus des Gesundheitswesens. Die Patienten in Japan sind im Krankheitsfall bestens versorgt – wie in Deutschland besteht auch dort eine Versicherungspflicht.

Krankenversicherung in Japan

Das deutsche Sozialversicherungssystem, das auf Otto von Bismarck zurückgeht, war Vorbild für Japans eigenes Sozialsystem. Während du aber in Deutschland die Wahl hast, ob du dich privat oder gesetzlich versichern möchtest, wird den Japanern die Entscheidung abgenommen: Sie haben keine Wahlfreiheit, sondern sind über ihren Arbeitgeber oder den Staat in einer Art Bürgerversicherung abgesichert.

Eine Gemeinsamkeit, die die beiden asiatischen Länder und Deutschland verbindet, ist der Selbstbehalt: Japaner müssen ihn wie die Chinesen immer zahlen – auch in Japan liegt er bei etwa 30 %. Hierzulande musst du ihn zwar nicht für jede Gesundheitsleistung und für jeden Arztbesuch zahlen; trotzdem ist das Konzept gerade in der privaten Krankenversicherung und bei Rezepten in der gesetzlichen Krankenkasse auch in Deutschland bekannt

Finanzierung des japanischen Gesundheitssystems

Die Finanzierung des japanischen Gesundheitssystems stützt sich maßgeblich auf staatliche Steuermittel und Sozialversicherungsbeiträge. Ein fester Prozentsatz dieser Beiträge wird gemeinschaftlich von Arbeitgebern getragen, wobei die genaue Höhe je nach Wohnort, Einkommen und Vermögen des Versicherten variiert.

Gesundheitsausgaben in China und Japan

Die Patientenversorgung erfolgt in Japan ähnlich wie beim großen Nachbarn China überwiegend in Krankenhäusern. Auch auf der asiatischen Insel lässt die Versorgung außerhalb von Städten noch immer zu wünschen übrig. Allerdings investiert Japan im Verhältnis viel mehr in sein Gesundheitssystem als die Volksrepublik: So lagen die Pro-Kopf-Ausgaben 2023 bei rund 3.638$ in Japan und bei nur knapp 763$ in China (umgerechnet rund 3.143 Euro und 660 Euro). 

Die hohen Ausgaben in Japan hängen unter anderem mit der alternden Bevölkerung zusammen. Um mehr Effizienz in das System zu bringen, ist auch der Inselstaat offen gegenüber digitalen Projekten im Gesundheitswesen.

Fazit zu Chinas und Japans Gesundheitssystemen

Obwohl die politischen Systeme in Japan und China stark variieren, stehen beide Länder vor denselben Hürden:

Während Japan auf ein am Bismarck-Modell orientiertes Solidarsystem setzt, das durch hohe Pro-Kopf-Investitionen die Versorgung sichert, befindet sich China in einem Transformationsprozess hin zu digitalen Innovationen.

Die asiatische Agilität bei der Digitalisierung bietet wertvolle Impulse für Deutschland. Denn die Vision bleibt dieselbe: Mit moderner Technik die Lebensqualität und Gesundheit der Menschen nachhaltig zu sichern.

FAQs zu Chinas und Japans Gesundheitssystemen

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist in China nach wie vor tief verwurzelt, besonders in ländlichen Regionen, aber auch in den Städten. Gleichzeitig hat sie sich im Westen als feste Größe etabliert.

Die fortschreitende Überalterung der Gesellschaft und die damit verbundenen Kostensteigerungen führen zu einem massiv erhöhten Bedarf an stationären und ambulanten Pflegekapazitäten.

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HIER SCHREIBT Sabrina Quente

Sabrina ist freie Autorin für Versicherungs- und Digitalisierungsthemen. Sie war Redakteurin bei Fachzeitschriften und lernte als Content Editor bei ottonova die vielen Facetten der Versicherungswelt kennen.

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