Gesundheitssystem in Indien: 7 überraschende Fakten

Gibt es auch in Indien Krankenkassen? Ist der Aufbau des Gesundheitssystems mit Deutschland vergleichbar? Wir erklären es dir!

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Inhaltsverzeichnis

1. Indiens Krankenversicherung ist die größte der Welt.

Rund 80 Prozent der Inder haben keine berufliche Krankenversicherung, etwa weil sie Tagelöhner oder Taxifahrer sind. Für diese Menschen ist die staatliche Krankenversicherung gedacht, die rund 500 Millionen Inder in Anspruch nehmen können. Sie stellt kostenfreie Programme zum Beispiel gegen HIV, Dengue-Fieber und Malaria zur Verfügung. Außerdem werden Mütter und Kinder umsonst geimpft.

Erst vor etwas mehr als zehn Jahren hat die indische Regierung mit dem Aufbau der staatlichen Krankenversicherung begonnen, dies übrigens mit deutscher Hilfe. Heute ist die staatliche Krankenversicherung Indiens die größte der Welt.

Es gibt allerdings auch private Krankenversicherungen in Indien. Doch sie kommen nur für die städtische, wohlhabende Bevölkerungsschicht infrage, die über das nötige Kleingeld verfügt.

Gesundheitssystem Indien Im Gesundheitssystem Indiens werden Mütter und Kinder umsonst geimpft

2. Gesundheit in Indien: Die meisten lassen sich lieber privat behandeln.

Indien ist ein Land der Widersprüche. Einerseits strotzen die Städte vor Hightech und modernen Annehmlichkeiten, andererseits sind rund 60 Prozent der indischen Kinder körperlich unterentwickelt. Diese Widersprüche finden sich auch im staatlichen Gesundheitssystem Indiens.

Dem öffentlichen Gesundheitssystem mangelt es an Ärzten, Krankenschwestern und technischen Mitarbeitern. Vor allem auf dem Land fehlt es an Personal, denn die gut ausgebildeten Ärzte leben doch lieber in den modernen Städten. Manche gehen auch ins Ausland, vor allem in die Golfstaaten und nach Südostasien, weil sie dort besser bezahlt werden. Die Folge: Auf dem Land gibt es häufig nur eine rudimentäre Grundversorgung. Frauen beispielsweise bringen ihre Kinder oftmals zu Hause auf die Welt, manchmal sogar ohne Hebamme.

Wer es sich leisten kann, lässt sich privat behandeln. Tatsächlich gibt es mehr private Krankenhäuser in Indien als staatliche. Aktuell finden 62 Prozent der städtischen Krankenhausbehandlungen in privaten Einrichtungen statt. Einer der Gründe für die große Beliebtheit der privaten Krankenhäuser ist auch der Qualitätsunterschied zu staatlichen Einrichtungen: Privateinrichtungen sind besser ausgestattet als staatliche und verfügen auch über besser ausgebildetes Personal.

Private Gesundheitsdienstleistungen sollen die Lücken der staatlichen Versorgung schließen. Es gibt private Praxen, Diagnosezentren und Pflegeheime und dank ausländischer Investoren sogar private Kinderwunschkliniken. Somit mangelt es nicht an spezialisiertem Angebot. Nur bezahlen können es die wenigsten. Jedenfalls nicht, ohne in größte finanzielle Schwierigkeiten zu kommen.

Tatsächlich treibt die Not ebenso arme Inder in die privaten Kliniken, auch wenn es ihr Budget eigentlich übersteigt. Aber wer würde nicht alles dafür geben, das Leben eines Angehörigen zu retten?

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3. Von zwei Millionen nötigen Herzoperationen werden nur 150.000 durchgeführt.

Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Offenbar kommt die staatliche Krankenversicherung nicht für lebensnotwendige Operationen auf, was für die arme Bevölkerungsschicht fatal ist.

„Zwei Millionen Inder brauchen jährlich eine Herzoperation – aber nur 150.000 bekommen eine. Der Rest stirbt einfach“, so Dr. Shetty im Deutschlandfunk. Der indische Herzchirurg hat eine Krankenhauskette gegründet, die nach dem Discounterprinzip arbeitet. Großeinkäufe senken die Preise und die volle Auslastung der technischen Geräte macht sie bezahlbar. So sollen immer mehr Inder in den Genuss moderner Medizin kommen.

4. Mangelmedizin in Indien: Während der Corona-Krise ging Indien der Sauerstoff aus.

Corona stellte Indien vor große Herausforderungen und zeigte anschaulich die Mängel des staatlichen Gesundheitssystems. Der Ansturm auf die Krankenhäuser überforderte das Land völlig: Wo Personal und Ausstattung sowieso schon knapp waren, fehlten sie nun an allen Ecken und Enden. Auch deshalb starben so viele Inder an COVID-19.

Ein indischer Corona-Patient berichtet: „Ich sah Menschen, die nicht genug Luft bekamen und Sauerstoffflaschen in irgendwelchen Geschäften kauften, um sie mit ins Krankenhaus zu nehmen. Es rufen mich sogar Leute an und fragen, ob ich Sauerstoff habe oder von irgendwo besorgen könne. Gefragt wird auch nach Medikamenten, die jetzt sehr teuer geworden sind. Oft haben sich die Preise verdoppelt.“

Indien verzeichnete bislang 414.000 Corona-Tote (Stand: Juli 2021). Es könnten allerdings noch viel mehr sein: US-Forscher gehen von mehreren Millionen aus, die an COVID-19 gestorben sind. Diese verheerenden Zahlen haben die Regierung bewogen, den Ausbau des indischen Gesundheitssystems voranzutreiben.

5. Die Regierung plant gigantisches Programm zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in Indien.

Im Februar 2021 hat die indische Regierung beschlossen, das Gesundheitssystem drastisch auszubauen. Rund 28.800 Gesundheitszentren sollen in den nächsten Jahren im ganzen Land entstehen. Es soll auch mehr Möglichkeiten für intensivmedizinische Betreuung, mehr Laboratorien und mehr Virologie-Institute geben. Die Stoßrichtung dieses Programmes ist offensichtlich: Die Bevölkerung soll künftig besser versorgt werden – auch im Hinblick auf Corona.

6. Deutsches und indisches Gesundheitssystem im Vergleich: Deutschland hat 8-mal mehr Krankenhausbetten!

1. Sicherheitsnetz:

2. Gesundheitsausgaben:

3. Versorgungslage:


Das deutsche Gesundheitssystem

Wo kommt es her? Wo will es hin?


7. Eine Indien-Reise ohne Auslandskrankenversicherung kann teuer werden.

Wenn du während deines Indien-Urlaubs krank wirst, möchtest du dich sicher nicht in einem staatlichen Krankenhaus behandeln lassen. Privatärztliche Behandlungen oder gar der Rücktransport nach Deutschland sind allerdings teuer. Die gesetzlichen Kassen kommen dafür nicht auf. Ohne Auslandskrankenversicherung müsstest du also tief in die Tasche greifen.

Jeanette Stowasser
HIER SCHREIBT Jeannette Stowasser

Jeannette ist Online-Redakteurin für Gesundheit und schreibt seit 2011 Artikel, E-Books und Whitepaper zu den verschiedensten medizinischen Themen.

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