Milliardendefizit der GKV: Gründe & Bedeutung für dich

Es ist ein Auf und Ab: Anfang des Jahres meldeten die Krankenkassen Milliardenverluste, nun haben sie einen Überschuss. Warum schwanken die Ausgaben aktuell so stark und wie entwickeln sich die Kosten in Zukunft?

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Wer knapp bei Kasse ist und sich trotzdem etwas gönnen möchte, kann das kleine Defizit in der Regel schnell wieder ausgleichen. Ganz so einfach ist es für die Krankenkassen in Deutschland jedoch nicht. Trotzdem haben die 105 gesetzlichen Kassen Anfang des Jahres viel mehr Geld ausgegeben als sie eingenommen haben – in den ersten drei Monaten 2020 waren es insgesamt 1,3 Milliarden Euro mehr, so die Angaben des Bundesgesundheitsministeriums. 

Wenige Monate später folgt dann eine Überraschung: Im August meldeten die Krankenkassen für das erste Halbjahr einen Einnahmenüberschuss von rund 1,3 Milliarden Euro. Nur der Gesundheitsfonds verbucht noch ein Defizit, das bei 7,2 Milliarden Euro liegt. Grund für die positive Entwicklung bei den Krankenkassen ist ausgerechnet die Corona-Pandemie. Allerdings bedeutet das nicht, dass für die GKV nun alle Sorgen vergessen sind.

Für die GKV-Mitglieder wird es 2021 wieder teurer, wie im September bekannt wurde. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag legt um 0,2 Punkte zu und wird auf 1,3 % steigen. Der Gesamtbeitrag würde sich 2021 somit also von derzeit 15,7 Prozent auf 15,9 Prozent erhöhen.

Warum schwanken die Einnahmen der GKV?

War nicht von großer finanzieller Belastung des Gesundheitssystems durch die Corona-Krise die Rede? Tatsächlich kostet das Virus viel Geld, das aber vor allem den Gesundheitsfonds belastet. Zudem konnten die Kassen an anderer Stelle sparen: Aufgrund der rasanten Verbreitung des Corona-Virus sind die Menschen weltweit zu Hause geblieben. Besuche beim Arzt waren zwar erlaubt, allerdings fürchteten viele sich vor Ansteckung – auch im Wartezimmer. In der ersten Jahreshälfte sind deshalb viel weniger Patienten zum Arzt und ins Krankenhaus gegangen als in den Jahren davor. Die Ausgaben der Krankenkassen hat das in vielen Bereichen drastisch reduziert. 

So hat Corona die Ausgaben gesenkt

  • planbare Leistungen bei den Krankenhausausgaben -2,4 % 
  • Vorsorge- und Reha-Maßnahmen -15,2 %
  • zahnärztliche Behandlungen -3,6 Prozent
  • Zahnersatz -9,0 %
  • Heilmittel -1,8 %

Grund zur Freude hat der GKV-Spitzenverband auch angesichts solcher Zahlen allerdings nicht. Er warnt davor, dass sich aus den Zahlen bis Juli noch längst keine Prognose für das Gesamtjahr ableiten lasse. Der Rückgang vieler Kosten während der bundesweit geltenden Ausgangsbeschränkungen sei ein Sondereffekt, der sich so nicht wiederholen werde. Vielmehr sei auf lange Sicht von einem weiteren Anstieg der Kosten für die medizinische Versorgung auszugehen.

Was passiert, wenn Krankenkassen ins Minus rutschen? 

Selbst bei fehlenden Einnahmen können die gesetzlichen Krankenversicherungen ein Defizit über ihre Finanzreserven abfedern. Ende März 2020 betrugen diese Reserven rund 18,3 Milliarden Euro, im Durchschnitt entspricht das 0,83 Monatsausgaben. Gesetzlich vorgeschrieben für jede einzelne Krankenkasse ist eine Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben. Bis Ende Juni sind die Finanzreserven der Krankenkassen wieder auf rund 20,8 Milliarden Euro gestiegen.

Aufgrund der noch unklaren Auswirkungen der anhaltenden Corona-Krise und der Tatsache, dass ein Impfstoff nach wie vor fieberhaft gesucht wird, ist von einer Trendwende aktuell dennoch nicht auszugehen. Hinzu kommt, dass die Krankenkassen bereits im vergangenen Jahr ein Defizit verzeichnen mussten – und zwar zum ersten Mal seit 2015. Im Jahr 2019 betrug das Defizit 1,5 Milliarden Euro.

Bereits damals sprach die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, von alarmierenden Zahlen. Jens Spahn dagegen zeigte sich optimistisch angesichts der Finanzlage: „Die Beitragszahler profitieren von niedrigeren Zusatzbeiträgen, weil Krankenkassen endlich ihre übermäßig hohen Finanzreserven abbauen“, so der Gesundheitsminister. Aufgrund der schwierigen konjunkturellen Situation sind die Reserven heute jedoch wichtiger denn je.

Das Bundesgesundheitsministerium erwartet erst für den Herbst belastbare Prognosen. Allerdings gehen Experten schon jetzt davon aus, dass sich die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben wieder vergrößern wird. Die Regierung hat deshalb bereits im Sommer einen finanziellen Bundeszuschuss in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für die Krankenkassen beschlossen, um damit unter anderem positive Signale an die Versicherten und die Arbeitgeber zu senden.

Deshalb fehlt den Kassen so viel Geld 

Die GKV-Beiträge von Versicherten und Arbeitnehmern fließen in den Gesundheitsfonds, der dann auf die Kassen verteilt wird. Mit diesem Geld und den Zusatzbeiträgen müssen die Kassen haushalten. Allerdings steigen die Ausgaben der Kassen. Schuld daran ist zum einen der demografische Wandel, zum anderen steigen die Preise für medizinische Leistungen. Ein Grund dafür sind laut GKV-Spitzenverband Reformen wie das Terminservice- und Versorgungsgesetz.


Was kostet das deutsche Gesundheitssystem?

Zusammenhänge und Zahlen im Überblick


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Was bedeutet ein Defizit für Versicherte? 

Mit dem Bundeszuschuss für 2020 sollte zunächst die Liquiditätssituation des Gesundheitsfonds sichergestellt werden. Die Bundesregierung hatte sich im zweiten Quartal außerdem zur Entlastung von Arbeitnehmern und Unternehmen darauf verständigt, dass die Sozialversicherungsabgaben bis einschließlich 2021 eine Grenze von 40 Prozent der Löhne und Gehälter nicht überschreiten sollen.

Wie sich die Einnahmen entwickeln werden und wie mit einem neuen Defizit nach Corona umzugehen wäre, muss sich aber erst noch zeigen. Für Experten steht jedoch fest, dass unter anderem Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit bereits in den kommenden Monaten schon wieder zu fehlenden Einnahmen führen könnten.

Defizit treibt den Beitrag in die Höhe

Es zeichnet sich tendenziell ab, dass ein neues Defizit für die GKV in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen ist. Im Gegenteil: Die Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass sich das Defizit bis zum Jahr 2040 auf fast 50 Milliarden Euro erhöhen könnte.

Das sind die Ergebnisse einer Studie zum Defizit in der GKV:

  • Um hohe Ausgabensteigerungen aufzufangen, müsste in Zukunft der GKV-Beitragssatz deutlich steigen. 
  • Bis 2040 müsste er von heute 14,6 Prozent schrittweise auf 16,9 Prozent angehoben werden. 
  • Sollten die Preise im Gesundheitswesen überdurchschnittlich ansteigen, müsste der Beitragssatz 2040 sogar bei 18,7 Prozent liegen.

So schützt du dich vor steigenden Beiträgen

Damit es nicht so weit kommt, empfiehlt die Bertelsmann-Stiftung, Kostendämpfungspolitik zu betreiben und beispielsweise ineffiziente Strukturen abzubauen, die vor allem im stationären Bereich zu finden sind. Auch ein höherer Bundeszuschuss kann helfen, die Kosten zu dämpfen.

Wenn du Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung bist und die Voraussetzungen erfüllst, um dich privat zu versichern, kannst du dich unabhängig vom Milliardendefizit in der gesetzlichen Krankenversicherung machen. Denn in der PKV zahlst du einen individuellen Beitrag, der dich vor den Auswirkungen des demografischen Wandels schützt. Zwar steigen die Beiträge auch in der PKV, allerdings entwickeln sie sich weitaus moderater als in der GKV.

Beitragsentwicklung Pkv Gkv B

Wenn du noch besser verstehen willst, weshalb die Beiträge in PKV und GKV unterschiedlich kalkuliert werden, findest du die Antworten auf alle deine Fragen in unserem großen Vergleich der Systeme. Du willst auf den Euro genau wissen, wie sich dein PKV-Beitrag im Vergleich zur GKV entwickelt? Mit unserem Spar-Rechner findest du es heraus und kannst das Ergebnis an deine persönliche Lebensplanung anpassen.

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