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23. Juli 2019

Zähne zusammenbeißen – was Zähneknirschen mit Stress zu tun hat

Der Kopf tut weh, der Nacken schmerzt. Du wachst morgens auf und alles ist angespannt. Wieso, das weißt du nicht genau. Vielleicht hat es etwas mit deinen Zähnen zu tun? Ein kurzer Blick auf sie verrät: ja, du bist Knirscher. Warum es sich jetzt für dich lohnt, zu entspannen. 

4 Min.

In Deutschland ist jeder Fünfte von Bruxismus – so nennen Zahnmediziner das Knirschen mit den Zähnen – betroffen. Wachbruxismus tritt dabei nahezu doppelt so häufig auf wie Schlafbruxismus. Es ist keine Krankheit, sondern vielmehr ein Verhalten und ein Symptom verschiedener Ursachen. 

Bruxismus? Was versteht man darunter genau? 

Es handelt sich dabei um wiederholte Anspannungen der Kaumuskulatur. Das kann einhergehen mit Zähnepressen und Zähneknirschen oder ohne Kontakt der Zähne. Je nachdem, ob Bruxismus bei dir während du schläfst oder wach bist auftritt, unterscheidet man zwischen Wach- und Schlafbruxismus. Am häufigsten betroffen sind Menschen zwischen 20 und 40, wahrscheinlich befindest du dich mitten in der Knirscher-Hochphase. Übrigens: Je älter du wirst, desto weniger knirschst du.  

Ursachen: Wo kommt das Zähneknirschen her? 

Das ist so ziemlich die schwierigste Frage, die es zu beantworten gibt. Früher ist man davon ausgegangen, dass fehlerhafte Zahnkontakte verantwortlich für Bruxismus sind. Heute stehen andere Faktoren im Vordergrund. Dazu zählen: 

Angst Knirschen B
  • Angststörungen

  • emotionaler Stress

  • Schlafstörungen

  • Sodbrennen

  • Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum

  • Schlafapnoe

  • genetische Faktoren

  • Nebenwirkungen von Medikamenten

Jetzt bist du sicher etwas verwundert, so ziemlich jeder könnte sich unter diesen Punkten wiederfinden. Und wahrscheinlich trifft auch eins davon auf dich zu. Woher kommt dieser Zusammenhang? Du hast es bestimmt schon oft an dir beobachtet: stehst du unter Stress, spannst du unwillkürlich deine Muskulatur an. Das betrifft den Kiefer- und Gesichtsbereich, deinen Nacken, die Schultern und strahlt bis in den Rücken aus. Zur Entspannung eine Zigarette oder ein Bier? Keine gute Idee. Substanzen, die erregend auf das zentrale Nervensystem wirken, könnten Zähneknirschen zur Folge haben. Dazu gehören Alkohol, Nikotin, Koffein, Drogen und Medikamente. 

Bruxismus muss nicht immer schlecht sein 

Ab und zu mal die Zähne zu pressen oder zu knirschen, ist nicht ungewöhnlich. In einigen Fällen ist es sogar ganz nützlich, zum Beispiel bei Sodbrennen, Atmungsschwierigkeiten oder zur Stressbewältigung. Wird das Pressen und Knirschen jedoch zu einer Angewohnheit, die dauerhaft auftritt, kann das für dich gesundheitliche Risiken mit sich tragen.  

Die Folgen von Zähneknirschen: Deine Zähne nutzen sich schneller ab, es entstehen Schäden an Füllungen, Kronen und Implantaten. Die Kaumuskulatur steht unter Dauerbelastung und spiegelt sich in Kopfschmerzen, Kiefergelenksschmerzen und Gesichtsbeschwerden wider. Alles wirkt hart und angespannt. Das kann auch die Wangen, Schläfen und Ohren betreffen. 

So erkennst du, ob du knirschst 

Tatsächlich bemerken viele gar nicht, dass sie knirschen oder pressen. Meist macht der Partner sie darauf aufmerksam, weil ihn die Knirschgeräusche in der Nacht wecken. Wer viel knirscht, weist allerdings schon bald übermäßig abgenutzte Zähne auf. Die Kanten der Schneidezähne splittern ab, sie sind besonders dünn und anfällig. Irgendwann bilden sich sogar Schliffflächen, die Rückschlüsse darauf geben können, wie deine Knirschbewegungen aussehen.  

Aber nicht nur die Zähne zeigen Belastungserscheinungen – auch die Kaumuskeln. Durch die starke Aktivität werden sie größer und kräftiger. Und ja, das ist auch von außen zu erkennen. Einen weiteren Hinweis kann deine Zunge geben. Genau, richtig gehört: Wer mit den Zähnen presst, hat oft Zahnabdrücke am Zungenrand. Vielleicht hast du dich ja schon immer einmal gefragt, wo diese komischen Abdrücke und weißen Linien an der Wange denn herkommen … 

Typisch Nacht- oder Tagknirscher?

Schlafbruxismus

Zähneknirschen in der Nacht

Anzeichen: Schläfenkopfschmerzen, Probleme bei der Kieferöffnung am Morgen 

Wachbruxismus  

Zähneknirschen am Tag 

Anzeichen: Überempfindliche Zähne und Ermüdungserscheinungen der Kaumuskulatur im Verlauf oder am Ende des Tages

Was tun bei Zähneknirschen? 

Das macht der Zahnarzt 

Du glaubst, dass du zu den Knirschern gehört? Um etwas dagegen zu unternehmen, empfiehlt sich der Gang zum Zahnarzt. Ziel ist es, die Zähne vor Überbelastung zu schützen, Schmerzen zu vermeiden und Schäden zu reparieren. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. 

Sie werden nachts auf die Zähne aufgesetzt und schützen sie so vor weiterer Abnutzung. Eine spezielle Gestaltung ermöglicht es, Kiefermuskulatur- und Gelenke zu entlasten. 

Sie hilft dabei, die Muskulatur zu entspannen und die Beweglichkeit der Kiefergelenke zu verbessern. 

Die Methode ist geeignet bei Schlafbruxismus (Zähne knirschen im Schlaf), hierbei wird die Muskulatur stimuliert. 

Der Vorteil beim Wachbruxismus ist, dass du lernen kannst, ihn zu vermeiden. Im Fokus steht die Selbstbeobachtung. 

Mit bestimmten Kunststoffen, Kronen und Teilkronen können die Zähne teilweise wiederhergestellt werden. 

Das kannst du tun

Manchmal genügt es schon, mit Stress richtig oder anders umzugehen. Ihn zu vermeiden, wäre natürlich am besten. Probiere es doch mal mit autogenem Training, einer Ausgleichsbeschäftigung, progressiver Entspannung oder Sport. 

Du beißt vor allem nachts die Zähne zusammen? Dann achte besonders auf deine Schlafhygiene – schlafe in kühler, ruhiger und dunkler Umgebung. Stehe immer zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende, und verschiebe das Sportprogramm lieber vom Abend auf morgens oder tagsüber. Abends stattdessen mit einem heißen Bad zu entspannen kann Wunder wirken.  

Vor dem Schlafengehen sind tabu:

  • TV

  • Alkohol

  • Kaffee

  • Tee

  • Schokolade

  • schweres Essen

Stop Knirschen B

Einen kleinen Trick gibt es noch

Was viele nicht wissen, ist dass die Zähne bei geschlossenem Mund normalerweise keinen Kontakt haben. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde empfiehlt, einen kleinen Post-it oder Aufkleber auf verschiedene Alltagsgegenstände, wie Monitor, Uhr, Rückspiegel zu kleben. Immer wenn du den Punkt siehst, kontrolliere die Stellung deiner Zähne. Haben sie Kontakt, dann öffne den Mund und schließe ihn entspannt. Die Zähne dürfen sich nicht berühren, die Lippen bleiben geschlossen und die Zähen auseinander. 

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