Zähneknirschen (Bruxismus): Ursachen & Behandlung

Der Kopf tut weh, der Nacken schmerzt. Du wachst morgens auf und alles ist angespannt. Wieso, das weißt du nicht genau. Vielleicht hat es etwas mit deinen Zähnen zu tun? Ein kurzer Blick auf sie verrät: ja, du bist Knirscher. Warum es sich jetzt für dich lohnt, zu entspannen.

Inhaltsverzeichnis

In Deutschland ist jeder Fünfte von Bruxismus (englisch: Bruxism) – so nennen Zahnmediziner bzw. die Zahnmedizin das Knirschen mit den Zähnen oder das Aufeinanderpressen der Kiefer – betroffen. Wachbruxismus tritt dabei nahezu doppelt so häufig auf wie Schlafbruxismus. Es ist keine Krankheit, sondern vielmehr ein Verhalten und ein Symptom verschiedener Ursachen. 


Bruxismus? Was versteht man darunter genau? 

Es handelt sich dabei um wiederholte, unbewusste Kaumuskelaktivität in Form von Anspannungen (bzw. Pressen) der Kaumuskulatur im Kiefer und Knirschen der Zähne. Das kann einhergehen mit Zähnepressen und Zähneknirschen oder ohne Kontakt der Zähne. Lange wurde Bruxismus von Zahnärzten und in der Kieferheilkunde als "Parafunktion" bezeichnet, über die das menschliche Bewusstsein kein Kontrolle hat. Solche Bewegungsmuster und vermehrte Muskelaktivität weichen von der üblichen Norm ab und waren demnach eine Überfunktion des Kausystems. 

Geschätzt ein Drittel der Bevölkerung (jeder fünfte Mensch) zeigt Bruxismus, wobei deutlich mehr Frauen als Männer betroffen sind. Je nachdem, ob Bruxismus bei dir während du schläfst oder wach bist auftritt, unterscheidet man zwischen Wach- und Schlafbruxismus. Am häufigsten betroffen sind Menschen zwischen 20 und 40, wahrscheinlich befindest du dich mitten in der Knirscher-Hochphase. Übrigens: Je älter du wirst, desto weniger knirschst du. 

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Ursachen: Wo kommt das Zähneknirschen her? 

Das ist so ziemlich die schwierigste Frage, die es zu beantworten gibt. Früher ist man davon ausgegangen, dass fehlerhafte Zahnkontakte verantwortlich für Bruxismus sind. Auch Störungen der Atmung während des Schlafes werden als Ursache des Zähneknirschens diskutiert. 

Eine weitere Theorie, die bisher jedoch nicht bestätigt werden konnte, stellten in Zahnlücken kippende Zähne, neue Zahnfüllungen oder Zahnersatz dar. Heute stehen andere Faktoren für Zusammenhänge im Vordergrund, von psychischen Belastungen bis zu einer mangelnden Versorgung mit Zahnersatz. (1) Außerdem zählen dazu:

  • Angststörungen

  • Emotionaler Stress: bei vielen Erwachsenen ist eine Stressreaktion oder das Verarbeiten seelischer Probleme im Schlaf der Auslöser für Zähneknirschen.

  • Schlafstörungen

  • Sodbrennen

  • Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum zählen zu den Risikofaktoren.

  • obstruktive Schlafapnoe (OSA)

  • Genetische Faktoren (Veranlagungen) können eine Rolle spielen.

  • Nebenwirkungen von Medikamenten

Angst vor Knirschen des Zahns

Jetzt bist du sicher etwas verwundert, so ziemlich jeder könnte sich unter diesen Punkten wiederfinden. Und wahrscheinlich trifft auch eins davon auf dich zu. Woher kommt dieser Zusammenhang? Du hast es bestimmt schon oft an dir beobachtet: stehst du unter Stress, spannst du unwillkürlich deine Muskulatur an. Das betrifft den Kiefer- und Gesichtsbereich, deinen Nacken, die Schultern und strahlt bis in den Rücken aus. Zur Entspannung eine Zigarette oder ein Bier? Keine gute Idee. Substanzen, die erregend auf das zentrale Nervensystem wirken, könnten Zähneknirschen zur Folge haben. Dazu gehören Alkohol, Nikotin, Koffein, Drogen und Medikamente. 


Bruxismus muss nicht immer schlecht sein 

Ab und zu mal die Zähne zu pressen oder zu knirschen, ist nicht ungewöhnlich. In einigen Fällen ist es sogar ganz nützlich, zum Beispiel bei Sodbrennen, Atmungsschwierigkeiten oder zur Stressbewältigung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen tatsächlich, dass durch Zähneknirschen Stresshormone im Gehirn abgebaut werden. Wird das Pressen und Knirschen jedoch zu einer Angewohnheit, die dauerhaft auftritt, kann das für dich Risiken für deine Gesundheit mit sich tragen.  

Die Folgen von Zähneknirschen: Deine Zähne nutzen sich schneller ab, es entstehen Schädigungen an Füllungen, Kronen und Implantaten. Die Kaumuskulatur steht unter Dauerbelastung und spiegelt sich in Kopfschmerzen, Kiefergelenksschmerzen und Gesichtsbeschwerden wider. Alles wirkt hart und angespannt. Das kann auch die Wangen, Schläfen und Ohren betreffen. 


Diagnostik: So erkennst du, ob du knirschst 

Tatsächlich bemerken viele gar nicht, dass sie knirschen oder pressen. Meist macht der Partner sie darauf aufmerksam, weil ihn die Knirschgeräusche auf der anderen Seite des Betts in der Nacht wecken. Selbst merkt man jedoch meist nichts, außer ein Druckgefühl auf den Zähnen in der Früh.

Achte auf folgende Symptome: Die deutlichsten Auswirkungen zeigt Bruxismus an der Zahnsubstanz. Der übermäßige Druck auf die Zähne führt zu Verschleißreaktionen, wie Risse und Löcher am Zahnschmelz, lockere Füllungen und wegebrechende Ecken. Ist der Zahnschmelz erstmal angegriffen, nehmen auch weitere Zahnprobleme wie Karies und empfindliche Zähne/ Zahnfleisch zu.Außerdem splittern die Kanten der Schneidezähne ab, da sie besonders dünn und anfällig sind. Irgendwann bilden sich sogar Schliffflächen, die Rückschlüsse darauf geben können, wie deine Knirschbewegungen aussehen.

Aber nicht nur die Zähne zeigen Belastungserscheinungen – auch die Kaumuskeln. Durch die starke Aktivität werden sie größer und kräftiger. Und ja, das ist auch von außen zu erkennen. Einen weiteren Hinweis kann deine Zunge geben. Genau, richtig gehört: Wer mit den Zähnen presst, hat oft Zahnabdrücke am Zungenrand. Vielleicht hast du dich ja schon immer einmal gefragt, wo diese komischen Abdrücke und weißen Linien an der Wange denn herkommen… 

Zähneknirschen bei Kindern und Babys

Kindern knirschen auch häufig mit ihren Zähnen. (2) Dies schadet in der Regel jedoch im Gegensatz zu Erwachsene nicht dem Gebiss, auch wenn deutliche Spuren am Milchgebiss sichtbar sind. Nach dem Durchbruch der bleibenden Zähne, sollten das Knirschen aufhören.

Kindlicher Bruxismus kann auch ein Ausdruch psychischer Belastungen (z.B. Ängste oder Stress) des Kindes sein. Eltern sollten versuchen dies möglichen Stressfaktoren und Stresssituationen im Alltag der Kinder abzubauen.

Übrigens: Etwa die Hälfte aller Babys beginnt schon im Alter von 10 Monaten mit dem Zähneknirschen.

Typisch Nacht- oder Tagknirscher?


Schlafbruxismus

= Zähneknirschen in der Nacht. Bei dieser Form knirschen und pressen die Betroffenen ihre Zähne und Kiefer unbewusst während des Schlafens aufeinander. Dies erfolgt mit bis zu 800N Kraft im Kauzentrum und Phasen von bis zu 20 Minuten Dauer (Vielfaches des normalen Kaudrucks) und ist somit anstrengend für Körper und Psyche.

Je nach Ursache unterscheidet man drei verschiedene Formen: (2)

  1. Primärere Schlafbruxismus: bei fehlen einer klaren Ursache
  2. Sekundärer Schlafbruxismus: Mediziner sprechen davon, wenn eine Zusammenhang mit einer Reihe von Erkrankungen erkennbar ist.
  3. Latrogener Schlafbruxismus: durch Medikamente verursacht


Anzeichen: Schläfenkopfschmerzen, Probleme bei der Kieferöffnung am Morgen 


Wachbruxismus  

= Zähneknirschen am Tag. Betroffene stehen unter so enormer Anspannung, dass sie hellwach, aber meist unbewusst Zähneknirschen. Stress, psychische Belastungen, Spannungen und Fehlbiss sind die Ursachen.

Anzeichen: Überempfindliche Zähne und Ermüdungserscheinungen der Kaumuskulatur im Verlauf oder am Ende des Tages

Gut zu wissen:

Bruxismus hat Auswirkungen auf den gesamten Körper, den Zahnhalteapparat, die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk.

Folgen von Zähneknirschen

Durch die zusätzliche Belastung des Kiefergelenks geht Bruxismus oftmals mit Verspannungen, Nackenproblemen, Migräne und Rückenschmerzen einher. Die Kaumuskulatur schmerzt und es kann außerdem zu Funktionseinschränkungen der Kieferbewegung kommen. Auch vermehrtes Knacken im Kiefergelenk ist nicht selten. Es wird sogar Tinnitus in Zusammenhang mit Zähneknirschen gebracht.

Weitere Folgeschäden von Bruxismus. Es kann zu..

Was tun bei Zähneknirschen und Kieferpressen?

Das macht der Zahnarzt 

Du glaubst, dass du zu den Knirschern gehört? Um etwas dagegen zu unternehmen, empfiehlt sich der Gang in eine Zahnarzt-Praxis. Ziel ist es, die Zähne vor Überbelastung zu schützen, Schmerzen zu vermeiden und Schäden zu reparieren. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.

Tipp: Unsere Zusatzversicherungen für Zähne gibt es schon ab 8,73 EUR im Monat.

Therapie bei Bruxismus

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Studien zufolge leiden 20-30 Prozent der Patienten mit Schlafbruxismus auch unter Mund- und Gesichtsschmerzen. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, dass eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zugrunde liegt. (4) Dies ist ein Sammelbegriff für alle Arten von Fehlfunktionen (schmerzhafter Fehlregulationen des Kauapparates) die Beschwerden des Kiefergelenks und in Kaumuskulatur betreffen und umfasst unterschiedliche Symptomatiken im Gesichtsbereich (z.B. Mundöffnungsstörungen; Knacken im Kiefergelenk oder Ohr-, Kopf- und Gesichtsschmerzen, Schmerzen beim Kauen etc.). Die Ursachen der Fehlfunktion können die selben wie beim Bruxismus sein oder darüber hinausreichen und sollten mit einem Arzt abgeklärt werden.

Das kannst du außerdem tun

Manchmal genügt es schon, mit Stress richtig oder anders umzugehen. Ihn zu vermeiden, wäre natürlich am besten. Probiere es doch mal mit autogenem Training, einer Ausgleichsbeschäftigung, progressiver Entspannung oder Sport. Wichtig ist es die Suche nach der Ursache des Bruxismus nicht frühzeitig aufzugeben.

Du beißt vor allem nachts die Zähne zusammen? Dann achte besonders auf deine Schlafhygiene – schlafe in kühler, ruhiger und dunkler Umgebung. Stehe immer zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende, und verschiebe das Sportprogramm lieber vom Abend auf morgens oder tagsüber. Abends stattdessen mit einem heißen Bad zu entspannen kann Wunder wirken.  

Vor dem Schlafengehen sind tabu: 

Einen kleinen Trick gibt es noch

Was viele nicht wissen, ist dass die Zähne bei geschlossenem Mund normalerweise keinen Kontakt haben. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde empfiehlt, einen kleinen Post-it oder Aufkleber auf verschiedene Alltagsgegenstände, wie Monitor, Uhr, Rückspiegel zu kleben. Immer wenn du den Punkt siehst, kontrolliere die Stellung deiner Zähne. Haben sie Kontakt, dann öffne den Mund und schließe ihn entspannt. Die Zähne dürfen sich nicht berühren, die Lippen bleiben geschlossen und die Zähne auseinander.

FAQ Zähneknirschen

Die Folge des Phänomen Zähneknirschens ist, dass sich die Zähne schneller abnutzen, Schäden an Füllungen, Kronen und Implantaten entstehen. Außerdem kann der abgenutzte Zahnschmelz auch andere Krankheiten wie Karies und Zahnschmerzen begünstigen.

Der Zahnhalteapperat verschleißt aufgrund von Überbelastung, was auch Kiefergelenk, Kaumuskulatur und andere Muskelgruppen, die zur Stabilisierung des Kopfes angespannt werden, schädigt.

Die Kaumuskulatur steht demnach unter Dauerbelastung und spiegelt sich in Kopfschmerzen, Kiefergelenksschmerzen und Gesichtsbeschwerden wider. Alles wirkt hart und angespannt. Das kann auch die Wangen, Schläfen und Ohren betreffen.

Bei dauerhaften Kiefergelenksproblemen ist eine Analyse des gesamten Kauapperats insbesondere der Bewegungen sinnvoll.

Wartet man zu lange, sind schwere Zahnschäden, bis hin zu Zahnverlust möglich.

Betroffene erkennen, dass sie viel knirschen, weil sie übermäßig abgenutzte Zähne aufweisen. Die Kanten der Schneidezähne splittern ab, sie sind besonders dünn und anfällig. Irgendwann bilden sich Schliffflächen, die Rückschlüsse darauf geben können, wie deine Knirschbewegungen aussehen.

Auch die Funktion der Kaumuskeln zeigen Belastungserscheinungen auf. Durch die starke Aktivität werden sie größer und kräftiger. Einen weiteren Hinweis kann deine Zunge geben.

Folgende Möglichkeiten können dabei helfen dein Zähneknirschen zu mildern oder langfristig zu heilen:

  • Aufbissschiene: Beugen einen Abrieb des Zahnschmelzes vor und minimieren das Risiko für Folgeschäden.
  • Physiotherapie
  • Biofeedback
  • Verhaltenstherapie
  • autogenem Training
  • Zahnreparatur

Folgende Faktoren können für Zähneknirschen verantwortlich sein:

  • Angststörungen
  • emotionaler Stress
  • Schlafstörungen
  • Sodbrennen
  • Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum
  • Schlafapnoe
  • genetische Faktoren
  • Nebenwirkungen von Medikamenten

Quellen und weiterführende Literatur:

(1) Bernhardt, O.: Bruxismus: Ein Überblick über Ursachen, Diagnostik und Therapie, In: Der Freie Zahnarzt, Bd. 49, 2015, S. 78-84.

(2) Schmoeckel, Julian/ Meyer, Georg/ Bernhardt, Olaf: Bruxismus bei Erwachsenen und Kindern, In: der junge Zahnarzt, Bd. 9, 2018, S. 14-27.

(3) Wolowski, Anne/ Peroz, Ingrid: Bruxismus: Definition, Prävalenz, Ätiologie, Diagnostik und Behandlung, In: Der Freie Zahnarzt, Bd. 62, 2018, S. 66-72.

(3) Peroz, Ingrid: Bruxismus und kraniomandibuläre Dysfunktionen, In: wissen kompakt, Bd. 12, 2018, S. 17-26.

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Mare-Theres Rüttiger
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Mare-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über E-Health, InsurTech und digitale Innovation, die das Leben besser machen.

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