Kariesinfiltration (Kariesbehandlung ohne Bohren): Kosten & Ablauf

Mit der mikroinvasiven Kariesinfiltration, auch Icon-Methode genannt, lässt sich Karies sanft behandeln. Der Vorteil der Methode: Die Kariesinfiltration wird vollständig ohne Bohren durchgeführt und ist schmerzfrei. Wir zeigen, wie das funktioniert, wann das Verfahren angewendet werden kann und wer die Kosten dafür übernimmt.

Inhaltsverzeichnis:

Karies ohne Bohren behandeln

Bei chronischen Erkrankungen steht Karies laut der Studie Global Burden of Disease weltweit an erster Stelle (1). So verbreitet Karies ist, so groß ist auch der Respekt vieler Menschen Respekt vor einer Kariesbehandlung mit Bohren. Dennoch sollte diese wahrgenommen werden und so früh wie möglich erfolgen. Fortgeschrittene Karies führt ansonsten dazu, dass Löcher entstehen. Wird die Karies nicht entfernt, droht sogar der Verlust des betroffenen Zahns.

Neben der Kariesbehandlung mit dem Bohrer und einer anschließenden Füllung werden heute in der Zahnmedizin alternativ sanftere Methoden eingesetzt. Neben der Remineralisation des Zahns gehört dazu auch die auch die sogenannte Kariesinfiltration. Zwar lässt sich die Karies damit nicht entfernen. Dennoch kann der Zahn vor Schäden geschützt werden, ohne dass Zahnsubstanz verloren geht.


Definition „Mikroinvasive Kariesinfiltration“

Karies wird durch Bakterien verursacht, die den Zahnschmelz angreifen und den Zahn von innen heraus zerstören. Bei einer klassischen Kariesbehandlung entfernt der Zahnarzt oder die Zahnärztin die Karies mit einem Bohrer und füllt die kariösen Stellen mit Füllungsmaterial auf.

Die mikroinvasive Kariesinfiltration ist dagegen eine innovative Methode, bei der die porösen Stellen angegriffener Zähne mit einem speziellen Gel – einem hochflüssigen Kunststoff – behandelt werden.

Ziel des Verfahrens

Nach dem Aushärten hält der Kunststoff die Karies davon ab, sich weiter auszubreiten. Die Kariesinfiltration stellt deshalb keine Kariesentfernung dar, stattdessen wird die Karies gestoppt.

Mit der Behandlungsmethode werden auch sogenannte White Spots auf den Zahnoberflächen entfernt. Diese Farbschattierungen treten auf, wenn Karies im Anfangsstadium die glatte Oberfläche von Zähnen angreift. Außerdem lassen sich mit dem Verfahren kariöse Stellen in Zahnzwischenräumen problemlos erreichen.

Die Behandlung von Zahnoberflächen nennt man vestibuläre Methode, bei Zahnzwischenräumen spricht man von der approximalen Methode. (2)


Hintergrund der Methode

Entwickelt wurde die neuartige Kariesbehandlung ohne Bohren vor rund zehn Jahren von der Berliner Charité und der Universität Kiel. Man spricht auch vom „Infiltration Concept“, kurz Icon. Das Verfahren gilt als mikroinvasiv, da es schonender ist als Bohren und die Zahnsubstanz weniger angreift.


Vorteile und Nachteile der Kariesinfiltration

Vorteile der Kariesinfiltration

Nachteile der Icon-Methode

Vorteile der Kariesinfiltration

kein Bohren und keine Betäubung nötig

Nachteile der Icon-Methode

junges Verfahren ohne Langzeituntersuchungen

Vorteile der Kariesinfiltration

innovative Behandlung ohne Schmerzen

Nachteile der Icon-Methode

kein Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen

Vorteile der Kariesinfiltration

gesunde Zahnsubstanz wird geschont und bleibt erhalten

Nachteile der Icon-Methode

nicht für jede Karies geeignet

Vorteile der Kariesinfiltration

ästhetisches Ergebnis

Nachteile der Icon-Methode

Anwendungsfälle für die Kariesinfiltration

Bietet eine Zahnarztpraxis die Kariesinfiltration als Leistung an, gibt es verschiedene Anwendungsfälle, in denen Patienten von den Vorteilen der Icon-Methode profitieren können (3):


Beginnende Karies

Eine beginnende Karies lässt sich mit der Kariesinfiltration wirksam aufhalten. Der Zahnschmelz muss dafür noch intakt sein.


Gesunde Zahnsubstanz

Wer gesunde Zahnsubstanz langfristig erhalten und auf eine Füllung verzichten will, kann kleinere Kariesherde mit regelmäßigen Kontrollen und einer Infiltration im Anfangsstadium eindämmen. Geschieht dies rechtzeitig, muss keine Zahnsubstanz entfernt werden und größere Behandlungen am Zahn lassen sich auf lange Zeit verhindern.


Angstpatient:innen

Besonders Patientinnen und Patienten, die Angst vor einer Betäubung und dem Bohren haben, können Karies mit der Icon-Methode schmerzfrei und wirksam stoppen. Auch für Kinder ist diese Behandlung geeignet.

Wann ist das Verfahren nicht geeignet?

Bei einer fortgeschrittenen Karies, die den Zahnschmelz bereits stark geschädigt hat, bleibt nur noch die Entfernung mit dem Bohrer. Auch bei Wurzelkaries, der bereits in das Zahnbein (Dentin) eingedrungen ist, kann die Kariesinfiltration nicht als Behandlungsmethode eingesetzt werden.

Der Grund: Dentin lässt sich nicht mit Hilfe einer Infiltration mit flüssigem Kunststoff behandeln, da der Wasseranteil im Zahnbein höher ist als im Zahnschmelz.


Ablauf: Das passiert bei der Kariesinfiltration


Schritt 1: Vorbereitung

Zunächst stellt der Zahnarzt mit einer Röntgenaufnahme der Bissflügel fest, in welchem Stadium sich die Karies befindet und ob eine Behandlung mit der speziellen Icon-Methode überhaupt möglich ist. Besonders in den Zwischenräumen ist Karies im Frühstadium oft nur schwer festzustellen. Spezielle Kameras helfen heute dabei.


Schritt 2: Icon-Methode (4)

Der betroffene Zahn wird gereinigt und mit einem Spanngummi vom restlichen Mundraum abgeschirmt. Bei einer approximalen Behandlung der Zahnzwischenräume nutzt der Zahnarzt vor der Behandlung einen Zahnkeil, um die betroffene Stelle besser erreichen zu können. Der Zahnarzt stellt noch einmal sicher, dass kein Loch vorhanden ist.

Um den Zahn auf die Infiltrationsbehandlung vorzubereiten, verwendet der Zahnarzt ein spezielles Gel zum Anätzen der geschädigten Stelle . Befindet sich die zu behandelnde Stelle – auch Läsion genannt – zwischen zwei Zähnen, wird zur Applikation des Gels eine hauchdünne Folie verwendet.

Welches Gel kommt für die Kariesinfiltration zum Einsatz?

Bei dem verwendeten Ätzgel handelt es sich um ein 15%-iges Salzsäuregel. Es ist so entwickelt worden, dass es nur die Karies angreift. Zähne und Zahnfleisch bleiben davon unbeschadet. Das Gel verbleibt etwa zwei Minuten lang auf der porösen Stelle des Zahns.

Nach dem Anätzen erfolgt als nächstes eine gründliche Reinigung und Trockenlegung des Zahnes. Anschließend wird ein flüssiger Kunststoff, das sogenannte Infiltrat, auf die vorbereitete Stelle aufgetragen. Dort zieht es einige Minuten lang in das poröse Gewebe des Zahnschmelzes ein.

Nach dem Einwirken des Infiltrats werden Überschüsse entfernt und der Kunststoff unter Licht ausgehärtet. Durch die Aushärtung wird das Porensystem verschlossen, damit keine schadhaften Säuren mehr in den Zahn eindringen können. Die Karies ist jetzt „eingefroren“ bzw. wird sie daran gehindert, sich weiter auszubreiten.

Gegebenenfalls werden das Auftragen des Infiltrats und die Lichthärtung wiederholt, bis das gewünscht Ergebnis erreicht und das Porensystem sicher verschlossen ist.


Schritt 3: Abschluss der Behandlung

Nach etwa 20 bis 30 Minuten ist die Behandlung des kariösen Zahnes abgeschlossen – ohne Bohrer, Füllung und Schmerzen für den Patienten. Die beginnende Karies ist fürs Erste gestoppt und greift die Zahnoberfläche nicht weiter an. Optisch unterscheiden sich behandelte Zähne nicht von gesunden Zähnen, da beide das Licht in ähnlicher Weise reflektieren.

Patienten und Patientinnen, die eine Kariesbehandlung ohne Bohren in Anspruch genommen haben, erhalten von ihrer Zahnarztpraxis ein Patientenheft als Beleg. Das ist besonders bei einem Wechsel in eine andere Praxis wichtig: So sieht der neue Zahnarzt oder die neue Zahnärztin, dass die Karies bereits behandelt ist und keine Füllungen notwendig sind.

Gewissenhafte Prophylaxe und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt oder der Zahnärztin sorgen dafür, dass der Erfolg der Behandlung lang anhält.

Kosten und Erstattung für die Kariesbehandlung ohne Bohren

Für eine Kariesbehandlung ohne Bohren fallen pro behandelter Zahnoberfläche Kosten in Höhe von etwa 80 bis 100 Euro an. Mit rund 120 Euro fallen die Preise für eine Behandlung im Zahnzwischenraum etwas aus.

Welche Krankenversicherung übernimmt die Kosten?

FAQ zum Thema Kariesinfiltration

Die Kariesinfiltration eignet sich dazu, Karies frühzeitig zu stoppen und große Schäden an Zahnschmelz und Zahnsubstanz zu verhindern. Statt zu bohren und eine Füllung zu setzen, überziehen Zahnärzt:innen die betroffenen Zähne mit einem speziellen Gel. Dieses schützt den Zahnschmelz vor dem Eindringen schädlicher Säuren.

Oft wird diese Behandlungsmethode fälschlich als Kariesentfernung ohne Bohren bezeichnet. Tatsächlich wird die Karies nicht entfernt, sondern davon abgehalten, tiefer in die Zahnsubstanz einzudringen.

Wird Karies frühzeitig erkannt, kann sie beim Zahnarzt mit der Icon-Methode aufgehalten werden. Anstatt die Karies zu entfernen, wird der poröse Zahnschmelz schmerzfrei mit einem speziellen Gel geschlossen.

Die Kariesinfiltration erfolgt mikroinvasiv, es geht keine Zahnsubstanz verloren und die Zähne können ohne Schmerzen und ohne Betäubung behandelt werden. Deshalb eignet sich die Kariesinfiltration auch für Kinder bzw. Menschen, die Angst vor Schmerzen haben oder das Geräusch eines Bohrers als unangenehm empfinden. Ein weiterer Anwendungsfall ist die Beseitigung von Initialkaries im Frontzahnbereich, denn das optische Ergebnis kommt dem natürlichen Aussehen von Zahnschmelz sehr nah.

Voraussetzung ist, dass die Karies noch nicht fortgeschritten ist. Hat sie allerdings das Zahnbein (Dentin) erreicht, bleibt nichts anderes übrig, als eine Kariesentfernung mit dem Bohrer vorzunehmen und die Zahnsubstanz anschließend mit einer Füllung zu ersetzen.

Soll die Oberseite des Zahns mit Spezialgel behandelt werden, fallen Kosten von etwa 80 bis 100 Euro an, etwas teurer ist die Infiltrationsbehandlung von Zahnzwischenräumen.

Da bisher nur wenige Zahnzusatzversicherungen die Kosten übernehmen und die Krankenkassen keine Zuschüsse gewähren, müssen die meisten Patientinnen und Patienten die Kosten gegenüber der Zahnarztpraxis selbst tragen.

Es kann sich dennoch lohnen, einen Zahn mittels Kariesinfiltration behandeln zu lassen, denn dadurch können teure Behandlungen durch eine fortgeschrittene Karies vermeiden werden.

Quellen:

(1) Global, regional, and national incidence, prevalence, and years lived with disability for 354 diseases and injuries for 195 countries and territories, 1990–2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017, in: The Lancet, 2018, www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)32279-7/fulltext (abgerufen am 29.10.21).

(2) PD Dr. Paris, Sebastian/ Prof. Dr. med. dent. Dörfer, Christof/ Prof. Dr. Meyer-Lückel, Hendrik: Die Kariesinfiltration, in: zm online, 2011, www.zm-online.de/archiv/2011/24/zahnmedizin/die-kariesinfiltration/ (abgerufen am 29.10.21).

(3) Kariesbehandlung - auch ohne Bohren, in: Zahnarzt Dr. Bialluch in Hennef, www.zahnarzt-hennef.de/kariesbehandlung-ohne-bohren/ (abgerufen am 29.10.21).

(4) PD Dr. Paris, Sebastian/ Prof. Dr. Meyer-Lückel, Hendrik: Kariesinfiltratio, in: Zahnmedizin up2date,Nr. 4, 2011, 331.

(5) Kommentierung der PKV zur Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ): Kommentierung praxisrelevanter Analogabrechnungen, in: Verband der Privaten Krankenversicherung e.V., 2021, www.pkv.de/fileadmin/user_upload/PKV/b_Wissen/PDF/GOAE-GOZ/Kommentierung_praxisrelevanter_Analogabrechnungen_GOZ_01.pdf (abgerufen am 29.10.21).

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