Kariesbehandlung: Karies entfernen mit und ohne Bohren

Bei der Kariesbehandlung nutzen Zahnärzte verschiedene Ansätze, um Karies zu entfernen. Ob die Behandlung mit oder ohne Bohren sein muss, hängt vom Härtegrad der Karies ab. Erfahre jetzt mehr über Behandlungsmethoden, Alternativen und Co.

Inhaltsverzeichnis

Eine Karies-Behandlung macht den wenigsten Spaß. Oft fragst du dich, wieso du sie überhaupt über dich ergehen lassen musst – Schmerzen hast du ja noch keine. Wie sieht ein Loch im Zahn aus? Was ist Karies genau? Und wer geht schon gerne zum Arzt? Die Wahrheit ist: sobald du Schmerzen verspürst, ist die Karies in der Regel schon ins Innere deines Zahns vorgedrungen. Da wäre es doch besser vorzusorgen und sie aufzuhalten, bevor sie größeren Schaden anrichten kann. Bei einer Karies-Behandlung verlässt du die Praxis in den meisten Fällen mit einer dieser Zahnfüllungen wieder.

Ablauf der Kariesbehandlung

1. Diagnose

Der Zahnarzt schaut sich die Stelle ganz genau an, trocknet sie und macht meistens ein Röntgenbild. Circa alle drei Jahre werden sogenannte Bissflügelaufnahmen gemacht – ein Status von deinem Gebiss. Karies, die sich in den Zahnzwischenräumen befindet, ist normal nicht zu erkennen und wird leider oft übersehen.


2. Beratung

Gemeinsam besprichst du mit dem Zahnarzt das Füllungsmaterial. Es ist abhängig von der Größe des Lochs im Zahn, den finanziellen Möglichkeiten und dem Zahn an sich. Handelt es sich um einen Backenzahn oder einen Frontzahn? Das Material, das sehr häufig zum Einsatz kommt, ist Amalgam. Es schimmert Silber, ist lange haltbar, gut zu verarbeiten und gerade für größere Defekte im Seitenzahnbereich geeignet. 

Übrigens: auch wenn Amalgamfüllungen wegen des Quecksilberanteils medial in Verruf geraten ist – mit dem Verzehr einer Thunfischpizza hast du mehr Quecksilber aufgenommen. Und: das Quecksilber wird nicht beim Legen der Füllung, sondern beim Entfernen freigesetzt. 

Nachteil ist dennoch die Farbe, viele Patienten wünschen sich einfach etwas Ästhetisches und Natürliches. Im Frontzahnbereich sind zahnfarbene Kunststofffüllungen die erste Wahl. 

Vorsichtig solltest du bei sogenannten Zementfüllungen sein, die als kostenlose Alternative zur Amalgamfüllung angeboten werden. Sie halten nicht lange und schließen vor allem nicht dicht zum Zahn ab – die Folge: Karies bildet sich unter der Füllung.


3. Betäubung

Wenn nötig, bekommst du jetzt eine Betäubung für den Zahn. Ein kurzer Piks, der dir das, was danach folgt, erleichtern wird.


4. Karies entfernen

Mit dem Bohrer wird die Karies entfernt, nichts davon darf zurückbleiben. Gar nicht so einfach, nicht immer unterscheiden sich gesunde Zahnsubstanz und Karies klar voneinander. Kariesreste unter der neuen Füllung wären allerdings fatal. Sie würden sich mit der Zeit unbemerkt ausbreiten. Und zwar in die Tiefe, da, wo dein Zahn-Nerv sitzt.


5. Fertig fürs Füllen 

Ist alles entfernt und versäubert, wird der Zahn vorbereitet für das Füllungsmaterial. Das kann für Amalgam die entsprechende Form oder bei Kunststoff der richtige „Kleber“ sein.


6. Schön sauber machen

Ist die Füllung drin und alles dicht, wird anschließend versäubert. Es dürfen keine Kanten oder Ränder abstehen, es muss sich alles glatt anfühlen. Zusätzlich wird die Höhe kontrolliert: fühlt sich beim Zubeißen alles so an wie vorher? Ist es noch zu hoch? Wenn alles passt, wird die Füllung ordentlich poliert. Bei einer Kunststofffüllung sieht man im besten Fall keinen Unterschied mehr zum echten Zahn.


7. Zum Schluss der Schutz 

Den Abschluss bildet ein schützender Fluoridlack.

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Zahnarzt Dr. Jens Gottschalk zum Thema "Kariesbehandlung"

Die meisten Patienten wünschen sich heutzutage eine zahnfarbene, praktisch unsichtbare Füllung. Diesen Wunsch kann ich als Zahnarzt in praktisch jedem Fall erfüllen. Dazu stehen mir moderne Kunststoffe oder Keramik zur Verfügung. 

Hierbei ist es aber sehr wichtig, dass beim Einbringen des Füllmaterials in dein Loch im Zahn, dieser Bereich absolut trocken ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich Zahn und Füllmaterial nicht richtig miteinander verbinden und es erneut zur Kariesbildung an den Rändern deiner neuen Füllung kommen kann. Das scheint im Mund eine fast unmögliche Bedingung zu sein.

Eine sichere Möglichkeit zu verhindern, dass Spucke während der Behandlung auf deinen Zahn kommt, bietet der sogenannte Kofferdam. Das ist ein Spanntuch aus Gummi, welches über deine Zähne gelegt wird und nur noch den betreffenden Zahn freigibt. Damit ist er, während der ganzen Zeit, vor Speichel aus deinem Mund geschützt und eine sichere und dauerhafte Befestigung deiner neuen Füllung garantiert. Außerdem entfällt dabei das für dich oft lästige Wechseln der Watterollen in deinem Mund und macht so die ganze Behandlung für alle Beteiligten gleich viel angenehmer.

Mehr in seinem Podcast "Schöne Zähne - gutes Gefühl".

Großflächige Karies entfernen

Ist das Loch im Zahn sehr groß – und das betrifft vor allem die Backenzähne – ist in einigen Fällen eine klassische Füllung nicht mehr ausreichend. Das Material ist nicht stabil genug, um die Kaukräfte, die hier wirken, auszuhalten. Es droht die Gefahr, der Zahn könnte noch weiter wegbrechen und das, obwohl oder gerade, weil schon so viel Substanz verloren gegangen ist. Hier kommen dann Inlays, Teilkronen und Kronen zum Einsatz.  

Ein Inlay oder eine Teilkrone bestehen meist aus Keramik, der Ablauf ähnelt am Anfang dem einer Füllung, ist aber zeitintensiver und auch teurer. Dafür ist das Material härter und langlebiger. 

In einigen Praxen wird das einzusetzende Keramikteilchen statt im Labor direkt am Stuhl mit einem Computerprogramm erstellt. Mit einer Kamera wird dein vorgebohrter Zahn eingescannt und anschließend passgenau ein Teilchen designt, das anschließend aus einem Block gefräst wird. Ziemlich coole Technik, die dahintersteckt! Das Ganze wird dann noch eingeklebt, versäubert und poliert. Und schon hast du es überstanden!  

Möglichkeiten der Karies-Entfernung ohne Bohren

Remineralisation bei Inititalkaries

Je früher eine Zahn-Karies entdeckt wird, desto einfacher ist es, sie zu behandeln. Befindet sich eine Karies ganz oberflächlich in der äußeren Schicht, dem Zahnschmelz, und ist noch nicht weiter zum Dentin vorgedrungen, spricht man von einer Initialkaries. Sie erscheint meist matt-weiß, ist mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, dafür aber im Röntgenbild sichtbar.  

Die gute Nachricht hierbei ist: es muss nicht gleich gebohrt werden. Manchmal kann es ausreichen, die Wiedereinlagerung der Mineralien (Remineralisation) des Zahns zu fördern, indem ein Fluorid-Lack oder Gel aufgetragen wird. 

Heute wartet man eher ab, anstatt wie früher gleich rigoros vorzugehen. Es soll so viel Zahnsubstanz wie möglich geschont werden. Während der Vorsorgeuntersuchung wird der verdächtige Zahn in deiner Kartei zur Beobachtung markiert, beim nächsten Mal kann man dann gut kontrollieren, inwieweit sich die Karies weiter ausgebreitet hat oder zum Stillstand gekommen ist. Das wäre ideal! 

Fuellung Karies Behandlung

Kariesinfiltration

Über Füllungen weiß jeder – ohne Bohren klappt es nicht. Genau das macht dir aber Sorgen. Eigentlich wünschst du dir eine Methode, bei der das nicht notwendig ist. Die kariösen Zähne ignorieren kommt für dich aber nicht infrage. 

Eine neuartige Methode ist die Kariesinfiltration, eine beginnende Karies soll damit aufgehalten werden. Die porösen Stellen des betroffenen Zahnes werden mit einem hochflüssigen Kunststoff aufgefüllt, der anschließend ausgehärtet wird. Dieser wirkt dann als Blockade, als hätte man die Karies eingefroren. Die Karies wird damit zwar nicht entfernt, aber am Ausbreiten gehindert.  

Hier sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig. Alles wird genauestens dokumentiert, im Röntgenbild ist der Kunststoff nämlich nicht sichtbar. 

Solltest du deinen Behandler wechseln, ist es für ihn sehr wichtig, von deiner Infiltrations-Behandlung zu erfahren. Ansonsten könnte er davon ausgehen, dass es sich um eine „normale“ Karies handelt. 

Es gibt also eine Vielzahl an Möglichkeiten, Karies zu behandeln. Du weißt jetzt ziemlich gut Bescheid. Und wenn bei dir demnächst eine Kariesbehandlung ansteht, kannst du mit deinem Zahnarzt ganz informiert alle Optionen durchsprechen.  

Dr. Jens Gottschalk
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Dr. Jens Gottschalk

Dr. Jens Gottschalk ist seit 1997 Zahnarzt und praktiziert seit 2003 in seiner eigenen Praxis im Herzen Münchens. Er betreut seine Patienten in allen Belangen der Zahnheilkunde und ist spezialisiert auf die ästhetische und funktionelle Versorgung komplexer Zahnsituationen

Marie-Theres Rüttiger
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Marie-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin für Gesundheits- und Versicherungsthemen bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über (E-)Health und Innovation, die das Leben besser machen

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