12. Juli 2019

Die Karies-Behandlung: Geht das eigentlich auch ohne Bohren?

Eigentlich willst du den Zahnarztbesuch so schnell wie möglich überstehen. Doch fällt das Stichwort Karies-Behandlung, hast du tausend Fragen. Statt mit deinem Zahnarzt die Basics durchzukauen, informiere dich doch kurz hier. So kannst du gezielt über Alternativen, Materialien und Co. sprechen – viel entspannter!

4 MIN.
Zahn Karies Behandlung A

Eine Karies-Behandlung macht den wenigsten Spaß. Oft fragst du dich, wieso du sie überhaupt über dich ergehen lassen musst – Schmerzen hast du ja noch keine. Wie sieht ein Loch im Zahn aus? Was ist Karies genau? Und wer geht schon gerne zum Arzt? Die Wahrheit ist: sobald du Schmerzen verspürst, ist die Karies in der Regel schon ins Innere deines Zahns vorgedrungen. Da wäre es doch besser vorzusorgen und sie aufzuhalten, bevor sie größeren Schaden anrichten kann. Bei einer Karies-Behandlung verlässt du die Praxis in den meisten Fällen mit einer Füllung wieder.

1. Diagnose
Der Zahnarzt schaut sich die Stelle ganz genau an.
2. Beratung
Gemeinsam besprichst du mit dem Zahnarzt das Füllungsmaterial.
3. Betäubung
Wenn nötig, bekommst du jetzt eine Betäubung für den Zahn.
4. Karies entfernen
Mit dem Bohrer wird die Karies entfernt, nichts davon darf zurückbleiben.
5. Fertig fürs Füllen
Ist alles entfernt und versäubert, wird der Zahn vorbereitet für das Füllungsmaterial.
6. Schön sauber machen
Ist die Füllung drin und alles dicht, wird anschließend versäubert.
7. Zum Schluss der Schutz
Den Abschluss bildet ein schützender Fluoridlack.

1. Diagnose

Der Zahnarzt schaut sich die Stelle ganz genau an, trocknet sie und macht meistens ein Röntgenbild. Circa alle drei Jahre werden sogenannte Bissflügelaufnahmen gemacht – ein Status von deinem Gebiss. Karies, die sich in den Zahnzwischenräumen befindet, ist normal nicht zu erkennen und wird leider oft übersehen. 

2. Beratung

Gemeinsam besprichst du mit dem Zahnarzt das Füllungsmaterial. Es ist abhängig von der Größe des Lochs im Zahn, den finanziellen Möglichkeiten und dem Zahn an sich. Handelt es sich um einen Backenzahn oder einen Frontzahn? Das Material, das sehr häufig zum Einsatz kommt, ist Amalgam. Es schimmert Silber, ist lange haltbar, gut zu verarbeiten und gerade für größere Defekte im Seitenzahnbereich geeignet. 

Übrigens: auch wenn Amalgam wegen des Quecksilberanteils medial in Verruf geraten ist – mit dem Verzehr einer Thunfischpizza hast du mehr Quecksilber aufgenommen. Und: das Quecksilber wird nicht beim Legen der Füllung, sondern beim Entfernen freigesetzt. Nachteil ist dennoch die Farbe, viele Patienten wünschen sich einfach etwas Ästhetisches und Natürliches. Im Frontzahnbereich sind zahnfarbene Kunststofffüllungen die erste Wahl. Vorsichtig solltest du bei sogenannten Zementfüllungen sein, die als kostenlose Alternative zur Amalgamfüllung angeboten werden. Sie halten nicht lange und schließen vor allem nicht dicht zum Zahn ab – die Folge: Karies bildet sich unter der Füllung. 

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3. Betäubung

Wenn nötig, bekommst du jetzt eine Betäubung für den Zahn. Ein kurzer Piks, der dir das, was danach folgt, erleichtern wird.  

4. Karies entfernen

Mit dem Bohrer wird die Karies entfernt, nichts davon darf zurückbleiben. Gar nicht so einfach, nicht immer unterscheiden sich gesunde Zahnsubstanz und Karies klar voneinander. Kariesreste unter der neuen Füllung wären allerdings fatal. Sie würden sich mit der Zeit unbemerkt ausbreiten. Und zwar in die Tiefe, da, wo dein Zahn-Nerv sitzt. 

5. Fertig fürs Füllen 

Ist alles entfernt und versäubert, wird der Zahn vorbereitet für das Füllungsmaterial. Das kann für Amalgam die entsprechende Form oder bei Kunststoff der richtige „Kleber“ sein.  

6. Schön sauber machen 

Ist die Füllung drin und alles dicht, wird anschließend versäubert. Es dürfen keine Kanten oder Ränder abstehen, es muss sich alles glatt anfühlen. Zusätzlich wird die Höhe kontrolliert: fühlt sich beim Zubeißen alles so an wie vorher? Ist es noch zu hoch? Wenn alles passt, wird die Füllung ordentlich poliert. Bei einer Kunststofffüllung sieht man im besten Fall keinen Unterschied mehr zum echten Zahn. 

7. Zum Schluss der Schutz 

Den Abschluss bildet ein schützender Fluoridlack. 

Und was, wenn das nicht ausreicht?

Ist das Loch im Zahn sehr groß – und das betrifft vor allem die Backenzähne – ist in einigen Fällen eine klassische Füllung nicht mehr ausreichend. Das Material ist nicht stabil genug, um die Kaukräfte, die hier wirken, auszuhalten. Es droht die Gefahr, der Zahn könnte noch weiter wegbrechen und das, obwohl oder gerade, weil schon so viel Substanz verloren gegangen ist. Hier kommen dann Inlays, Teilkronen und Kronen zum Einsatz.  

Ein Inlay oder eine Teilkrone bestehen meist aus Keramik, der Ablauf ähnelt am Anfang dem einer Füllung, ist aber zeitintensiver und auch teurer. Dafür ist das Material härter und langlebiger. In einigen Praxen wird das einzusetzende Keramikteilchen statt im Labor direkt am Stuhl mit einem Computerprogramm erstellt. Mit einer Kamera wird dein vorgebohrter Zahn eingescannt und anschließend passgenau ein Teilchen designt, das anschließend aus einem Block gefräst wird. Ziemlich coole Technik, die dahintersteckt! Das Ganze wird dann noch eingeklebt, versäubert und poliert. Und schon hast du es überstanden!  

Die sanfte Variante 

Je früher eine Zahn-Karies entdeckt wird, desto einfacher ist es, sie zu behandeln. Befindet sich eine Karies ganz oberflächlich in der äußeren Schicht, dem Zahnschmelz, und ist noch nicht weiter zum Dentin vorgedrungen, spricht man von einer Initialkaries. Sie erscheint meist matt-weiß, ist mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, dafür aber im Röntgenbild sichtbar.  

Die gute Nachricht hierbei ist: es muss nicht gleich gebohrt werden. Manchmal kann es ausreichen, die Wiedereinlagerung der Mineralien (Remineralisation) des Zahns zu fördern, indem ein Fluorid-Lack oder Gel aufgetragen wird. Heute wartet man eher ab, anstatt wie früher gleich rigoros vorzugehen. Es soll so viel Zahnsubstanz wie möglich geschont werden. Während der Vorsorgeuntersuchung wird der verdächtige Zahn in deiner Kartei zur Beobachtung markiert, beim nächsten Mal kann man dann gut kontrollieren, inwieweit sich die Karies weiter ausgebreitet hat oder zum Stillstand gekommen ist. Das wäre ideal! 

Fuellung Karies Behandlung B

Karies-Behandlung ohne Bohren 

Über Füllungen weiß jeder Bescheid – ohne Bohren klappt es nicht. Genau das macht dir aber Sorgen. Eigentlich wünschst du dir eine Methode, bei der das nicht notwendig ist. Die kariösen Zähne ignorieren kommt für dich aber nicht infrage. Eine neuartige Methode ist die Infiltration, eine beginnende Karies soll damit aufgehalten werden. Die porösen Stellen des betroffenen Zahnes werden mit einem hochflüssigen Kunststoff aufgefüllt, der anschließend ausgehärtet wird. Dieser wirkt dann als Blockade, als hätte man die Karies eingefroren. Die Karies wird damit zwar nicht entfernt, aber am Ausbreiten gehindert.  

Hier sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig. Alles wird genauestens dokumentiert, im Röntgenbild ist der Kunststoff nämlich nicht sichtbar. Solltest du deinen Behandler wechseln, ist es für ihn sehr wichtig, von deiner Infiltrations-Behandlung zu erfahren. Ansonsten könnte er davon ausgehen, dass es sich um eine „normale“ Karies handelt. 

Es gibt also eine Vielzahl an Möglichkeiten, Karies zu behandeln. Du weißt jetzt ziemlich gut Bescheid. Und wenn bei dir demnächst eine Karies-Behandlung ansteht, kannst du mit deinem Zahnarzt ganz informiert alle Optionen durchsprechen.  

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