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28. Oktober 2019

Osteopathie: Anwendung und Kostenübernahme Krankenversicherung

Auf der Suche nach alternativen Behandlungsmethoden ist dir die Osteopathie sicher schon einmal begegnet, dennoch fühlst du dich noch nicht ausreichend informiert. Wie die Osteopathie funktioniert, warum Faszien dabei so wichtig sind und was die Krankenversicherung dabei übernimmt.

4 min.

Wenn sich ein Symptom nicht an der Stelle befindet, wo auch die Ursache liegt, kann die Osteopathie helfen. Geschulte Griffe und ein ganzheitlicher Ansatz sollen dir die Beschwerden nehmen und deine Selbstheilungskräfte aktivieren.

Was ist Osteopathie?

Vor über 140 Jahren entdeckte der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still
die Grundsätze der Osteopathie, seitdem hat sich diese Form der Alternativmedizin stetig weiterentwickelt und ist jetzt an einem Punkt angelangt, an dem eine breite Masse an Patienten sich für diese Art der Behandlung interessiert. Die Osteopathie dient dem Erkennen und Behandeln von Funktionsstörungen. Die Techniken, die dafür genutzt werden, werden mit den Händen durchgeführt. Ähnlich wie die Chiropraktik verfolgt auch sie einen ganzheitlichen Ansatz.


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Wie funktioniert Osteopathie?

Der Osteopath geht davon aus, dass du und dein Organismus aus unzähligen Strukturen bestehen, die miteinander verbunden sind – ob direkt oder indirekt. Die Faszien stellen dabei den Zusammenhang her.

Was ist eine Faszie?

Als Faszie bezeichnet man eine Hüllschicht aus Bindegewebe, die einzelne Muskeln, Muskelgruppen und sogar ganze Körperabschnitte umgeben kann.

Diese Faszien bestehen aus Kollagenfasern und Elastin und geben Muskeln ihre Form und Festigkeit. An den Enden eines Muskels vereinigt sich eine Faszie mit der Sehne eines Muskels. Es handelt sich dabei um passive Strukturen – im Gegensatz zum Muskelgewebe.

Während Faszien in der Schulmedizin nicht die größte Bedeutung finden, so tun sie dies jedoch in der Osteopathie. Um mit den Händen von einer Körperstruktur zur nächsten zu gelangen, folgt der Osteopath den Faszien. Aus seiner Sicht können Veränderungen über diesen Faszienweg übertragen werden, auch wenn sie funktionell eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Das ist der Grund, weswegen die Ursachen von Beschwerden an einer bestimmten Stelle oft an einer ganz anderen Region in deinem Körper gefunden werden. Da das wiederum bedeutet, dass Beschwerden nicht nur lokal zu betrachten sind, sieht der Osteopath dich als Ganzes und versucht nicht nur eine einzelne Beschwerde oder Krankheit zu behandeln.

Die vier Grundannahmen der Osteopathie:

  • Die Rolle der Arterie ist essentiell
  • Der Körper ist eine Funktionseinheit
  • Die Funktion bestimmt die Körperstruktur und umgekehrt
  • Der Körper besitzt die Fähigkeit zur Selbstregulation

Wobei kann ein Osteopath helfen?

  • Bewegungseinschränkungen in der Wirbelsäule
  • Nackenverspannungen
  • Nachbehandlung von Brüchen
  • OP-Narben
  • Schmerzen im Bereich der Lendenwirbel
  • Schmerzen in den Gelenken
  • Schulter-Arm-Syndrom
  • Chronische Erkrankungen mit Verfestigung im Gewebe
  • Tinnitus
  • Migräne
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Chronische Verdauungsbeschwerden

Was macht ein Osteopath?

Die Ausbildung erfolgt in Deutschland an privaten Schulen, Hochschulen, in Vollzeit oder berufsbegleitend. Dazu ausbilden lassen sich Ärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten. Die Osteopathie zählt in Deutschland als Heilkunde und darf deswegen nur von Ärzten oder Heilpraktikern ausgeführt werden. Bedeutet: Andere Berufsgruppen müssen zunächst die Heilpraktikererlaubnis erwerben oder sind bei der Tätigkeit auf die Ausübung in ihrem Grundberuf – wie beispielsweise die Physiotherapie – beschränkt.

Schritt 1 – Die Anamnese (Befundgespräch)

Wie auch bei allen schulmedizinischen Behandlungen steht am Anfang die Anamnese, bei der du zu deinen Beschwerden und allem, was damit in Zusammenhang stehen könnte, befragt wirst.

Schritt 2 – Untersuchen durch Abtasten

Palpation: Noch vor der eigentlichen Behandlung und nach der Anamnese findet die Palpation statt – das Untersuchen deines Körpers mittels Abtasten. Dabei werden Einschränkungen in deinem Körper meist deutlich.

Schritt 3 – Mobilisieren

Der Osteopath ertastet Verspannungen und Bewegungseinschränkungen bei dir und versucht anschließend, Muskeln und Gewebe zu mobilisieren. Dafür verwendet er verschiedene Techniken:

  • Parietale Osteopathie: Bindegewebe, Muskulatur, Sehnen und Gelenke
  • Viszerale Osteopathie: innere Organe und deren bindegewebige Aufhängung
  • Craniosacrales System: inhärente Rhythmen des Organismus

Eine osteopathische Behandlung dauert in der Regel circa 50 Minuten und der Körper kann etwa zwei bis drei Wochen darauf reagieren, es kann also auch mal zu einer kurzzeitigen Verschlimmerung der Beschwerden kommen. Die Sitzungen werden immer individuell geplant, nach viermaliger Behandlung sollte normalerweise eine Besserung zu vermerken sein.

Ergänzendes Statement der Osteopathin und Physiotherapeutin Sarah Benkmann

Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Methode mit dem Ziel, die Ursachen von Dysfunktionen aufzufinden und mit den Händen sanft zu beheben, um die Selbstheilungskräfte des Körpers im Genesungsprozess zu unterstützen.
Innerhalb der Osteopathie ist die Ursachenforschung ein wichtiger Punkt, denn der Auslöser für Dysfunktionen im Körper kann in einem ganz anderen Bereich liegen als dort, wo sich die Symptome zeigen. 

Von weiterer großer Bedeutung  ist auch Betrachtung des Zusammenhang zwischen Bewegungsapparat (Muskel-, Knochen-, Gefäß- und Nervensystem) und dem Organsystem.
Diese beiden Herangehensweisen und die darauf aufbauende osteopathische Behandlung ermöglichen den Regenerationsprozess des Körpers und kann zur Schmerzlinderung, in vielen Fällen sogar zur Schmerzfreiheit führen.

In meiner Praxis beinhaltet der erste Behandlungstermin ein ausführliches Anamnesegespräch und eine körperliche Befunderhebung. Sie stellen die Grundlage für die folgende osteopathische Behandlung dar.

Wie hoch sind die Osteopathie-Kosten und welche übernimmt die Krankenkasse?

Heilpraktiker und Ärzte rechnen nach ihrer berufsständischen Gebührenordnung ab. Eine Sitzung, die Anamnese, Untersuchung und Behandlung mit den aufgeführten Techniken umfasst, kostet zwischen 60 und 200 Euro. Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen anteilig die Kosten für eine osteopathische Behandlung. Die Rücksprache mit dem eigenen Versicherer ist unbedingt notwendig. Oft sind die Voraussetzungen für eine Erstattung nämlich sehr unterschiedlich, eine einheitliche Regelung gibt es nicht.

Sprich auch mal mit deiner Krankenversicherung, wenn du privat versichert bist. Meistens ist hier der Leistungsumfang höher.


Vorsorgeuntersuchung: Das bietet die private Krankenversicherung

So unterscheiden sie sich von gesetzlichen Behandlungen


In welchen Fällen ist die osteopathische Behandlung nichts für dich und welche Risiken birgt sie?

Die Studienlage und der Nachweis der Effektivität ist für die einzelnen osteopathischen Techniken sehr unterschiedlich. Während aussagekräftige Studien vor allem für die parietale Osteopathie bestehen, sieht es bei der viszeralen und kraniosakralen Technik etwas anders aus. Eine Evidenz gibt es für Osteopathie bei Rückenschmerzen, bei anderen Indikationen besteht noch Forschungsbedarf.

Wie so vieles ist auch die osteopathische Behandlung nicht ganz risikofrei. Gerade vorgeschädigte Körperstrukturen können weiter geschädigt werden. Suche deswegen vor der Behandlung zunächst deinen Arzt für eine umfassende und ausführliche ärztliche Behandlung auf und sprich mit ihm über deinen Wunsch, der Osteopathie eine Chance zu geben. Viele Schulmediziner befürworten einen ganzheitlichen Ansatz, wenn beide Parteien involviert sind und der Patient so die besten Möglichkeiten hat, zu genesen.

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ÜBER DEN AUTOR

Marie-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin für Gesundheits- und Versicherungsthemen bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über (E-)Health und Innovation, die das Leben besser machen. 

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Sarah Benkmann

Sarah Benkmann ist gelernte Physiotherapeutin und praktizierende Osteopathin. 2014 eröffnete sie ihre eigene Praxis. Ihre therapeutische Philosophie ist es, den Menschen in seiner Ganzheit zu sehen und zu behandeln. Wichtig dabei ist ihr, eine interdisziplinäre Beratung anzubieten, die Körper und Geist in den Blick nimmt.

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