Plastikmüll vermeiden: Schluss mit der Verpackungsflut

Im Durchschnitt produziert jeder Deutsche 76 Kilogramm Kunststoffabfall pro Jahr – Tendenz steigend! Du willst etwas gegen die Plastikflut unternehmen? Wir zeigen dir, wie du Plastikmüll vermeiden kannst und haben jede Menge nachhaltige Tipps für dich.

Auf einen Blick

Plastik schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit. Verschiedene Kunststoff-Bestandteile wie Weichmacher und Bisphenol A (BPA) stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Wenn du in Zukunft Plastikmüll vermeiden möchtest, hast du verschiedene Möglichkeiten. Du kannst zum Beispiel von Plastik- auf Glasflaschen umsteigen, Stoffbeutel statt Plastiktüten verwenden und eine Bambuszahnbürste benutzen. Ein spezielles Problem ist feines Mikroplastik, das beispielsweise in Peelings und Sonnencremes steckt. Hier lohnt sich ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe, um Plastik zu vermeiden. 

Was Plastik so schädlich macht

Ob im Joghurtbecher, in der Shampooflasche oder in der Tragetüte: Plastik ist überall. Das ist ein Problem – für uns, aber auch für die Umwelt. Was wir umgangssprachlich „Plastik“ nennen, sind genau genommen verschiedene Kunststoffe mit komplizierten Namen wie Polyethylen (PE), Polyethylenterephthalat (PET) und Polyurethan (PUR). Manche Kunststoffe entstehen durch die Umwandlung natürlicher Rohstoffe wie Zuckerrohr oder Mais. Die meisten Plastiksorten werden allerdings synthetisch hergestellt, ihre Grundlagen sind zum Beispiel Erdöl oder Kohle. Zusatzstoffe wie Weichmacher, Stabilisatoren und Flammschutzmittel sorgen dafür, dass sich das Material gut verarbeiten lässt und seine Form behält. Nicht umsonst sind Plastik-Verpackungen so beliebt: Sie sind langlebig, leicht und günstig. 

Der Plastik-Boom macht sich in der Mülltonne bemerkbar. Laut dem Naturschutzbund Deutschland nehmen Kunststoffabfälle hierzulande kontinuierlich zu: Inzwischen ist unser jährlich produzierter Kunststoffberg über sechs Millionen Tonnen schwer. Pro Kopf entspricht das einer Plastikmüll-Produktion von 76 Kilogramm innerhalb eines Jahres. Nur knapp die Hälfte davon kann recycelt werden – der Rest wird verbrannt oder ins Ausland exportiert. So kann es passieren, dass ein deutscher Einweg-Kaffeebecher im tropischen Meer landet. Das Problem dabei: Anstatt vollständig zu verrotten, zerfällt Plastikmüll in immer kleinere Teile, welche von Fischen, Meeresvögeln oder Schildkröten gefressen werden. Nicht selten verenden diese Tiere qualvoll – sie verhungern mit vollem Magen. 

Doch auch für uns Menschen ist Plastik nicht ungefährlich: Durch Abrieb oder Ausdünstung können sich einzelne Bestandteile aus dem Kunststoff lösen und über die Luft, die Haut oder die Nahrung in unseren Körper gelangen. Insbesondere Weichmacher und die Chemikalie Bisphenol A (BPA) werden mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Brust-, Prostata- und Hodenkrebs. Es gibt also viele gute Gründe, Plastik im Haushalt zu reduzieren. Doch wie sehen die Alternativen zu Joghurtbecher, Shampooflasche und Co. aus? Wir haben für dich die besten Lösungen gegen Plastik zusammengetragen.

Plastikmüll Vermeiden Grafik

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Plastik vermeiden Beispiele: Nachhaltige Tipps für deinen Einkauf

Wer einen Supermarkt betritt, dem wird schnell klar: Plastik zu vermeiden, ist ein schwieriges Unterfangen. Beinahe alles ist in Kunststoff verpackt erhältlich: Von Margarine über Gummibärchen bis hin zu Waschmittel. Umso mehr lohnt es sich, die Augen nach Plastik-Alternativen offen zu halten. Wenn du Plastikmüll vermeiden möchtest, solltest du auf Getränkekartons und Einwegflaschen verzichten und auf Saft, Milch und Mineralwasser aus wiederverwendbaren Glasflaschen umsteigen. 

Wurst, Fleisch, Fisch und Käse gibt es nicht nur fertig abgepackt als SB-Ware, sondern auch frisch an der Bedientheke: Dort kannst du dir in manchen Supermärkten deine Bestellung von der Verkäuferin in einen mitgebrachten Behälter einpacken lassen. Fertiggerichte, salzige Snacks und Süßigkeiten solltest du sowieso weitgehend aus deinem Speiseplan streichen – dadurch produzierst du nicht nur weniger Müll, sondern tust gleichzeitig deiner Gesundheit etwas Gutes. Oder probier es doch einfach mal aus Kartoffelchips selbst im Ofen auf dem Blech zu machen.


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Du merkst schon: Der Einkauf im Supermarkt kann zum Spießrutenlauf werden, wenn du Plastikmüll vermeiden willst. Stressärmer verläuft das Shopping im Biomarkt, denn dort bekommst du viele Lebensmittel in umweltfreundlicher Papier-, Papp- oder Glasverpackung. Unverpackt-Läden, die Nudeln, Müsli und andere Waren zum Selbstabfüllen anbieten, sind natürlich eine große Hilfe, wenn du weniger Plastikmüll verursachen möchtest. Aber bislang auch noch eher die Ausnahme. Auch der Bummel über den Wochenmarkt lohnt sich: Dort gibt’s Obst, Gemüse, Eier, Käse und weitere Nahrungsmittel komplett verpackungslos – und ein nettes Schwätzchen obendrauf. Nach dem Bezahlen landen deine Einkäufe, na klar, im mitgebrachten Korb oder Beutel. Den Belohnungs-Kaffee nach der Shopping-Tour schlürfst du genüsslich aus deinem wiederverwendbaren To-go-Becher.

Plastikmüll Vermeiden

Blick ins Badezimmer: Tipps für weniger Plastik

Nicht nur Lebensmittel sind häufig in Kunststoff verpackt, sondern auch die meisten Pflegeprodukte. Doch auch hier lassen sich plastikfreie Alternativen finden. Duschgel und Shampoo gibt es inzwischen in fester Form, ganz ohne Plastikflasche drum herum. Beides erinnert ein wenig an Stückseife: Der Duschgel- bzw. Shampoo-Würfel wird in der Hand leicht aufgeschäumt und der Schaum anschließend auf der Haut bzw. im Haar verteilt. Einfach abspülen – fertig. Wenn du dann aus der Dusche steigst und nach deinem Deodorant greifst, kannst du ebenfalls Plastikmüll vermeiden: und zwar, indem du Creme-Deo aus der Metalldose verwendest. 

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Gewusst?

Die Recycling-Bilanz von Aluminium sieht laut Umweltbundesamt deutlich besser aus als die von Plastik: 90,1% vs. 47,1%. Sogar die Plastikzahnbürste lässt sich ersetzen – durch ein nachhaltig hergestelltes Modell aus Bambus.


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Neben den offensichtlichen Plastikmüll-Verursachern wie Duschgel- und Shampooflaschen gibt es im Badezimmer ein weiteres Problem: Mikroplastik. Dabei handelt es sich um feine Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie stecken zum Beispiel in Peelings, Sonnencremes und Reinigungsmitteln. Dort fungieren sie als Schleifpartikel, sollen für eine weiche Textur oder für die Bindung der einzelnen Inhaltsstoffe sorgen. Unsere Kläranlagen können die teils mikroskopisch kleinen Plastikstückchen nicht vollständig aus dem Abwasser herausfiltern. Dadurch gelangt das Mikroplastik ungehindert ins Meer oder in Form von Klärschlamm auf unsere Felder – mit bisher unabsehbaren Folgen für unsere Gesundheit. 

Glücklicherweise gibt es immer mehr Kosmetikhersteller, die auf den Einsatz von Mikroplastik verzichten. Schau mal auf die Liste der Inhaltsstoffe: Tauchen dort Begriffe wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) oder Nylon auf, heißt es „Finger weg!“, wenn du Plastik vermeiden willst. Gute Nachrichten gibt’s aus dem Bereich Mundhygiene: Aus Zahnpasta wurde Mikroplastik inzwischen komplett verbannt.

Impulse für ein gesundes, nachhaltiges Leben

Du möchtest auf Nummer sicher gehen, was die Inhaltsstoffe und die Verpackung deiner Kosmetikprodukte angeht? Dann verwende reine Öle wie Mandel-, Kokos- oder Arganöl aus Glasflaschen, um dein Gesicht nach der Rasur mit Feuchtigkeit zu versorgen. Als Ersatz für die Bodylotion aus der Plastikverpackung lassen sich diese natürlichen Allrounder ebenfalls nutzen. 

Fehlt nur noch eine plastikfreie Option fürs Waschmittel. Hier empfehlen sich die Früchte des Seifenbaums: Waschnüsse! Sie sehen ein wenig wie Kastanien aus und enthalten biologisch abbaubare waschaktive Substanzen, die Fett und Flecken zuverlässig aus deiner Kleidung entfernen. Übrigens: Für Allergiker und Neurodermitis-Geplagte sind Waschnüsse eine besonders schonende Alternative zu herkömmlichem Waschmittel.

Hast du nun Lust bekommen, deinen Alltag einem Nachhaltigkeits-Check zu unterziehen? Im ottonova Magazin findest du viele kleine Impulse für einen gesunden, umweltfreundlichen Lebensstil. Wir verraten dir zum Beispiel, wie die Planetary Health Diet funktioniert. Du erfährst außerdem, was beim Wechsel zur veganen Ernährung wichtig ist und was die verschiedenen Bio-Siegel bedeuten.

Natalie Decker
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Natalie Decker

Natalie arbeitet seit 15 Jahren als Redakteurin. Neben Lifestyle-Themen wie Kochen und Reisen gehören Medizin & Gesundheit zu ihren Schwerpunkten. Sie schreibt unter anderem für das Online-Portal gesund-vital.de und den Ratgeber-Verlag Gräfe und Unzer.

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