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Interview - 26.03.2019

Interview: Daran erkennst du digitalen Stress

Die Studie „Digitaler Stress in Deutschland“ hat gezeigt, dass eine unreflektierte Digitalisierung von Arbeitsplätzen gesundheitliche Folgen für Arbeitnehmer hat – über alle Branchen hinweg. Im Interview erklärt Mitautorin Julia Lanzl, wie Arbeitnehmer damit umgehen können.

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ottonova: Julia, du hast dich in einer aktuellen Studie mit digitalem Stress an deutschen Arbeitsplätzen auseinandergesetzt. Woran kann ich als Arbeitnehmer erkennen, ob ich digital gestresst bin?

Julia Lanzl: Zunächst sollte man sich fragen, wann generell ein Stressgefühl auftritt. Dieses Stressgefühl muss gar nicht durch digitale Technologien ausgelöst sein, sondern kann auch private oder allgemeine berufliche Gründe haben. Vielleicht ist im Job gerade viel zu tun oder der Chef fordert gerade besonderen Einsatz.

Laenzl Digitaler Stress B

Julia Lanzl ist Doktorandin am Kernkompetenzzentrum Finanz- & Informationsmanagement an der Universität Augsburg und der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT

Wie kann ein dadurch ausgelöstes Stressgefühl aussehen?

In unserer Studie haben wir herausgefunden, dass digitaler Stress oft mit gesundheitlichen Beschwerden einhergeht. Hat man also öfter Kopfschmerzen, ist müde oder emotional erschöpft, sollte man die Ursachen hinterfragen: Was hat sich in letzter Zeit geändert? Gab es einen Jobwechsel und ist der neue Arbeitsplatz stark digitalisiert? Oder wurden im bestehenden Job neue Technologien eingeführt? Digitaler Stress ist in diesem Fall sehr wahrscheinlich. Trotzdem ist er aber immer nur eine Teilfacette, ein erster Anhaltspunkt.

Wie können Arbeitgeber am besten daran anknüpfen?

Man kann sich als erstes selbst mit dem Thema auseinandersetzen. Das allein hilft oft schon, gelassener mit der Situation umzugehen. Außerdem kann das helfen, Maßnahmen zu finden, um sich mit neuen Technologien stärker auseinanderzusetzen und sicherer im Umgang mit ihnen zu werden. Im zweiten Schritt ist es hilfreich, auf den direkten Vorgesetzten zuzugehen und herauszufinden, ob das Gefühl von digitalem Stress nur ein persönliches Empfinden ist oder ob es auch im eigenen Team oder im Unternehmen besteht. Nur so kann man mit dem Arbeitgeber zusammen Lösungen herausarbeiten. Wir setzen dabei stark auf die Arbeitgeber.

Die Studie ist eine offene Einladung für Arbeitnehmer und vor allem Arbeitgeber, sich zu digitalem Stress auszutauschen. Wie nimmst du die bisherige Diskussion wahr?

Wir waren von der großen Resonanz auf unsere Studie sehr positiv überrascht. Das hat uns in unserem Gefühl bestätigt, dass digitaler Stress ein wichtiges Thema ist. Und vor allem scheint es ein Thema zu sein, bei dem viele Menschen mitreden wollen und das auch können, weil sie bereits eigene Erfahrungen gemacht haben. Die Studie ist ein guter Ausgangspunkt, um den eigenen Umgang mit der Digitalisierung und das eigene Stresserleben zu hinterfragen.

Welchen Umgang mit digitalem Stress empfiehlst du für die Zukunft?

Ich glaube, wenn Arbeitgeber und andere Stakeholder, zu denen auch Krankenversicherungen gehören, sich mit dem Thema beschäftigen und bereit sind, Dinge zu verändern, dann gelingt es uns, damit umzugehen. Das ist ein Prozess, der uns über die nächsten Jahre begleiten wird, denn die Arbeitsplätze werden in Zukunft eher noch stärker digitalisiert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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