Im Spannungsfeld: Work-Hard vs. Work-Life-Balance

Ein 9-to-5-Job mit Stempeluhr – für einige eine solide Sache, für andere das Gegenteil eines erfüllten Arbeitslebens. New Work will das ändern: Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit im Job lösen starre Strukturen und kapitalistische Belohnungsmodelle ab. Doch es entstehen auch Spannungsfelder: Wie verträgt sich ein menschenzentriertes System der Freiheit mit dem Ziel der Optimierung und der Karriere von High-Performern?

Inhalt des Ratgebers

Digitalisierung, Globalisierung und der demografische Wandel verändern die Sicht auf eine effiziente Arbeitswelt und die Einstellung der Menschen gegenüber der Arbeit. Wie sieht in dieser vom Wertewandel der jüngeren Generation geprägten Zeit eine Arbeitswelt aus, in der gutes, effizientes Arbeiten möglich ist? Wie können wir unser Potenzial optimal ausschöpfen, ohne uns selbst zu vergessen?

Der Mensch im Mittelpunkt des Unternehmens: Was bedeutet das für Produktivität und Effizienz?

Eine menschenzentrierte Arbeitsweise soll der Schlüssel zum Erfolg sein. Längst ist der Job nicht mehr nur reine Einkommensquelle. Materielles rückt in den Hintergrund, viel wichtiger ist Anspruch auf Freizeit und Selbstbestimmung. Wenn der Mensch sich selbst in den Mittelpunkt stellt, leiden damit aber die Produktivität und der Erfolg der Firma? Überraschenderweise sagen viele genau das Gegenteil.

New Work krempelt unseren Berufsalltag um, soll Work-Life-Balance ins Gleichgewicht bringen und klassische Hierarchien abschaffen. Co-Working-Spaces und Homeoffice lösen das klassische Büroarbeiten ab oder ergänzen es. Die Führungsetage gibt weiterhin die Richtung vor, lässt aber den Mitarbeitern viel Raum für persönliche Entwicklung.
Work-Life, Work-Hard

Diese Freiheit hat erwiesenermaßen positive Auswirkungen auf die Produktivität. Längst gilt für viele der Leitspruch „Wir arbeiten, um zu Leben und wir leben nicht, um zu arbeiten“. Und davon profitiert auch der Arbeitgeber: Beschäftigte, denen es im Unternehmen gut geht, sind motivierter und damit produktiver als diejenigen, die frustriert sind und Dienst nach Vorschrift verrichten.

Tatsächlich kostet der Wunsch nach Selbstbestimmung und Weiterbildung den Arbeitgeber im Regelfall zunächst Geld. Das zahlt sich am Ende aber meist aus, denn erwiesenermaßen arbeiten Mitarbeiter effizienter und sind weniger oft krank, wenn sie zufrieden sind. Der Invest in den Mitarbeiter wird dabei nicht unbedingt höher, sondern wandelt sich: Längst zählt für einen Großteil der Angestellten nicht mehr ein gutes Gehalt oder der nächste Bonus als Motivationsspritze – die Sinnhaftigkeit, Mitbestimmung und das Gefühl, etwas lenken zu können, sind für die Generation Y und Z immer wichtiger.

Gehalt vs. Verwirklichung: Erfolg wird nicht mehr nur in Geld gemessen

New Work bedeutet nicht nur, dass wir arbeiten können, von wo wir möchten oder wann wir möchten: Es bedeutet viel mehr, dass unser Job nicht mehr nur den Lebensunterhalt sichert, sondern sinnhaft sein soll. Dabei geht es um die Frage, was wir wirklich tun wollen. Dann können die eigene Persönlichkeit und das Talent in die Arbeit eingebracht und diese als erfüllend empfunden werden – nicht mehr nur, wenn die nächste Gehaltserhöhung wartet. 

Die Frage ist, was wir wirklich wollen.

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Es geht weniger darum, den eigenen Profit zu erhöhen, wie das kapitalistische System lange vorzugeben schien. Vielmehr steht im Vordergrund, die eigene Erfüllung anzustreben und das persönliche Wertesystem mit dem Job zu verbinden.

Wichtig ist hier, dass Mitarbeiter ihre Anreize mitbestimmen können. Denn Flexibilität heißt auch, auf den Wandel der Bedürfnisse von Mitarbeitern einzugehen. In Phasen, in denen man beispielsweise vor allem nach dem Vorankommen strebt, werden möglicherweise eher ein neuer Titel oder die nächste Gehaltsstufe angestrebt. Wenn aber die eigene Familie in den Mittelpunkt rückt, sind Möglichkeiten wie Sabbatmonate oder kurzfristig mehr Freizeit oft interessanter. Viele Unternehmen passen sich jetzt schon diesen Bedürfnissen an: Statt Boni werden alternative Anreize geschaffen, statt Gehaltserhöhungen werden Freizeit und Flexibilität geboten.

Flexibilität - Work-Hard

Freiheit steht bei vielen Menschen mittlerweile vor Sicherheit durch Gehalt – gleichzeitig erfordert diese Freiheit auch viel Selbstdisziplin. Die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verwischt im New-Work-Konzept immer mehr und es erfordert eine gute Struktur, um hier nicht genau das Gegenteil von Selbstverwirklichung zu erreichen.

Das Verhältnis von Freizeit und Arbeit: Von der Work-Life-Balance zum Work-Life-Blending

Gleitzeit, selbstbestimmte Arbeitszeit und Homeoffice sollen Job und Familienleben besser vereinbaren. Aber stimmt das wirklich? In den neuen Arbeitskonzepten kann der Mitarbeiter nahezu von jedem Ort aus arbeiten. Und auch die Arbeitszeiten verändern sich: Bei New Work arbeitet man nicht nach Plan, sondern dann, wenn es für einen am passendsten ist. Ruhephasen sind daher nicht automatisch nach Feierabend oder am Wochenende eingeplant. Gerade High-Performer und Workaholics müssen sich selbst gut koordinieren und auch einmal bremsen, damit die Work-Hard-Einstellung nicht für überdurchschnittlichen Stress sorgt.

Dabei bedeutet eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit nicht immer, dass die freie Zeit überwiegt. Es geht dabei eher um die Frage, wie man Work-Life-Balance definiert: Wenn man sich beispielsweise selbstständig macht und Nachtschichten einlegt, hat man zwar wenig Freizeit – man ist aber möglicherweise ausgeglichener, weil die Arbeit, die man verrichtet, sinnstiftend ist. Es geht also auch hier wieder um den Punkt der eigenen Sinnhaftigkeit.

Und damit hat der Begriff der Work-Life-Balance eigentlich schon längst wieder ausgedient. Um eine gesunde und gelungene Symbiose aus Arbeiten und Leben zu schaffen, geht es viel mehr um Work-Life-Blending. 

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Work-Life-Blending

Im Gegensatz zur Work-Life-Balance, die auf die Trennung von Arbeits- und Privatleben abzielt, meint Work-Life-Blending die kluge Verbindung von Privat- und Berufsleben, beispielsweise durch Home-Office-Modelle oder arbeiten on-the-go.

Beim Work-Life-Blending soll nicht mehr krampfhaft versucht werden den Spagat zwischen Arbeit und Freizeit zu schaffen, Leistung und Entlohnung darf nicht mehr so eng an den Zeitfaktor gekoppelt werden. Man pendelt nicht mehr zwischen Arbeit und Privatleben und wiegt es miteinander auf – sondern man schafft einen Arbeitstag, in dem beides seinen Raum hat.

Wer als Unternehmen also Wert auf motivierten und kompetenten Nachwuchs legt, muss sich auf die neuen Bedürfnisse einstellen. Viele Arbeitgeber tun das längst – wer wissen möchte, welche Unternehmen hier Vorreiter sind, sollte sich die Preisträger des New Work Awards 2019 anschauen. Als Arbeitnehmer ist Agilität und Wandlungsfähigkeit ein absolutes Muss – und es gilt bei New Work, das passende Modell herauszufinden und umzusetzen.

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