Retainer: Kosten, Arten & Behandlung

Nach einer vollendeten kieferorthopädischen Behandlung empfehlen Kieferorthopäden oft die Zahnstabilisation durch einen sogenannten Retainer. Er gilt als optimale Folgebehandlung der zuvor meist kosten- und zeitintensiven Zahnkorrektur, um die nun geraden Zähne in ihrer Position zu halten. Im Folgenden wird über alles Wissenswerte, die Vor- und Nachteile sowie die Kosten rund um das Thema Retainer aufgeklärt.

Medizinisch geprüft - Siegel
Medizinisch geprüft. von Zahnarzt Dr. Jens Gottschalk.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist ein Retainer?

Der Begriff „Retainer“ leitet sich von dem englischen Verb „to retain“ - festhalten, stabilisieren ab.

Als Retainer bezeichnet man eine Art Zahn-Stabilisator, der im Anschluss an eine Zahnspangen-Behandlung aufgrund einer ursprünglichen Fehlstellung der Zähne eingesetzt wird. Er verhindert, dass sich die Zähne wieder in ihre ursprüngliche Position zurück verschieben.

Diesen zu vermeidenden Rückfall nennen Zahnexperten „Rezidiv“. Durch den Einsatz des Retainers werden die Zähne im Ober- sowie Unterkiefer in der Stabilisierungszeit (Retentionsphase) zunächst gestützt und in ihrer neuen Position gehalten. So wird das Behandlungsergebnis langfristig gesichert.

Die unterschiedlichen Retainer-Arten für die Zähne

Zur Stabilisierung der Zähne nach einer kieferorthopädischen Behandlung bieten sich verschiedene Arten von Retainern an.

Grundsätzlich wird in der Kieferorthopädie unterschieden zwischen:

  1. festsitzenden Retainern (Lingual-Retainer)
  2. herausnehmbaren Retainern (Retentionsschienen oder -platten)

Fester Retainer

Ein festsitzender Retainer ist ein dünner Draht, der mit Kunststoff an den Zahnrückseiten der Frontzähne des Ober- und Unterkiefers befestigt wird (1). Er wirkt rund um die Uhr stabilisierend und ist von außen nicht sichtbar.

Festsitzende Retainer verbleiben in der Regel langfristig über mehrere Jahre hinter den Zähnen bevor der Kieferorthopäde sie entfernt. Insbesondere nach der Begleichung starker Zahnfehlstellungen durch eine Zahnspange bietet sich ein fester Retainer an, da das Risiko eines Rückfalls (Rezidiv) hier besonders hoch ist.

Als feste Retainer können je nach Korrekturfeld folgende Modelle zum Einsatz kommen:

  1. Der 3-3-Retainer: In den meisten Fällen findet die Befestigung mittels des 3-3-Retainers von Eckzahn zu Eckzahn statt.
  2. Der 4-4-Retainer: Bei der Verwendung des 4-4-Retainers werden die ersten kleinen Backenzähne zur Zahn-Stabilisation mit einbezogen.


Herausnehmbarer Retainer

Bei herausnehmbaren Retentionsgeräten unterscheidet man zwischen dem Platten-Retainer und der Schiene aus Kunststoff, die der Patient selbstständig in den Mund einsetzen kann. Beide Apparaturen sind somit vergleichbar mit losen Zahnspangen/Haltespangen und werden individuell im Labor angefertigt. Unmittelbar nach der kieferorthopädischen Behandlung werden sie verhältnismäßig lange getragen (ca. 22 Stunden täglich).

Nach einer zumeist empfohlenen Tragezeit von sechs Monaten begrenzt sich der Einsatz in der Regel nur noch auf die Nacht. Mit Fortschreiten der Behandlungsdauer darf der Retainer immer häufiger herausgenommen werden.

Herausnehmbare Retainer erlauben zwar eine unkomplizierte Reinigung, doch durch die Beeinträchtigungen beim Essen und Sprechen während des Tragens sind sie tagsüber mit Einschränkungen verbunden.

Ein weiterer Nachteil: Nach einer ohnehin schon langwierigen kieferorthopädischen Behandlungszeit kann die Motivation des Patienten zur aktiven Mitarbeit bei der Nachbehandlung mit der Zeit durchaus sinken. Das Risiko einer unzureichenden Stabilisierung der Zähne im Gegensatz zu einem festen Retainer ist demnach in jedem Fall höher.

Wichtig zu wissen:

Geht das Einsetzen des Retainers mit einem Spannungsgefühl im Kiefer und Zahnbereich einher, ist dies ein erstes Indiz für eine unerwünschte Verschiebung der Zähne. Ein Termin beim Kieferorthopäden und das konsequentere Einsetzen der Apparatur sind jetzt besonders wichtig!

Welche Arten und Funktionen von Retainern gibt es konkret?

In der Kieferorthopädie werden aktuell drei differente Varianten von Retainern unterschieden. Während der Lingual-Retainer die festsitzende Variante der Retentionsgeräte ist, sind die Schiene aus Kunststoff und der Platten-Retainer vom Patienten herausnehmbar.

Der Lingual-Retainer (festsitzender Retainer)


Die Kunststoffschiene (herausnehmbarer Retainer)


Der Platten-Retainer (herausnehmbarer Retainer)

Ist ein Retainer wirklich notwendig?

Im Rahmen einer Zahnspangen-Behandlung werden die Zähne aus ihrer Ausgangsposition schrittweise und gezielt in eine optimierte Position bewegt. Dieser Verschiebungsprozess der Zähne führt zur Lockerung der Knochenlamellen und Dehnung der Bindegewebsfasern.

Das Resultat: Über die Zeit der Behandlungsdauer hinweg sowie kurz darauf stehen die Zähne minimal lockerer im Knochen vom Kiefer als zuvor.

Das Risiko einer unerwünschten Zahnbewegung zurück in die Ursprungsposition (Rezidiv) ist ohne einen Zahn-Stabilisator in der Phase nach Abschluss der Therapie folglich erhöht. Die Kieferorthopädie betrachtet eine Stabilisierung der Zähne nach der aktiven Zahnspangen-Behandlung daher als äußerst sinnvoll und sogar notwendig, um den Behandlungserfolg langfristig zu sichern.

Auch Studien zu Behandlungen mit festen Retainern im Unterkiefer-Frontzahnbereich bestätigen: Eine erneute Fehlstellung entstand im Verlauf von 20 Jahren nur bei ca. zwei Prozent aller untersuchten Patienten, wohingegen die Rezidiv-Quote sich bei Patienten ohne Stabilisierung der Zähne im Unterkiefer auf über 85 Prozent belief (2).


Zahn-Stabilisator: Der Behandlungsablauf

Der Behandlungsablauf hängt in erster Linie mit der Wahl des Retentionsgeräts zusammen. In der Regel beschränken sich die Anpassung sowie der Einsatz auf zwei bis drei Termine beim Kieferorthopäden. Alle Zahnstabilisatoren – feste sowie herausnehmbare - werden grundsätzlich individuell für den jeweiligen Kiefer und die Zahnstellung in einem zahntechnischen Labor angefertigt.

Der Ablauf der Behandlung unterteilt sich in folgende zwei bzw. drei Phasen:

  1. Ersttermin zum Erstellen eines Kieferabdrucks: Auf Basis des Abdrucks biegt der Zahntechniker den Retainer-Draht vor bzw. stellt die Kunststoffschiene oder -platte her.
  2. Einsetzen und Anpassung des Retainers: Der feste Retainer wird nach einer gründlichen Zahnreinigung auf die Innenseiten der Frontzähne geklebt. Der Draht wird für die optimale Stabilität mit einem Spezialkleber aus Kunststoff befestigt. Bei Kunststoffschienen oder Platten-Retainern sind oft nur minimale Anpassungen nötig bevor der Zahnstabilisator unkompliziert eingesetzt werden kann.
  3. Entfernen der festen Zahnspange: Bei der Wahl eines festen Retainers erfolgt die Entnahme der festen Spange oft erst nach dem Einsatz des Retainers aus Draht, um eine durchgehende Stabilität der Zähne im Frontbereich gewährleisten zu können.

Vor- und Nachteile von Retainern

Nach einer kieferorthopädischen Behandlung ist der Einsatz eines Retainers fast ausschließlich mit Vorteilen für das Endergebnis der Behandlung verbunden. Trotz dessen ist abzuwägen welche Vor- und Nachteile individuell mit der Therapie verbunden sein können.

Die Vor- sowie Nachteile in Kürze auf einen Blick:


Pro-Argumente:

  1. nicht sichtbar
  2. schränken nicht ein
  3. erfordern keine Mitarbeit des Patienten
  4. entfalten ihre Funktion 24h täglich


Contra-Argumente:

  1. beeinträchtigt das Essen sowie Sprechen beim Einsetzen am Tag
  2. Risiko der sinkenden Tragemotivation des Patienten

Was kostet ein Retainer?

Abhängig von der Wahl des Retainers, der Form und dem verwendeten Material können die Kosten für ein Retentionsgerät stark variieren. Außerdem ist entscheidend, ob der Retainer nur für einen Kiefer oder den Ober- sowie Unterkiefer angefertigt wird.

In der Regel belaufen sich die Kosten auf rund 300 Euro pro Kiefer.

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Übernehmen Krankenkassen die Kosten für einen Retainer?

Zwei Jahren nach einer Aligner-Therapie werden die Kosten für eine Folgebehandlung mit herausnehmbaren Retainern bei medizinischer Notwendigkeit von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Aber Achtung: Nach dem Ablauf der zweijährigen Nachbehandlung hat der Patient den gesamten Umfang der Kosten für etwaige Reparaturen oder Neuanfertigungen selbst zu tragen. Je nach Praxis ist eine Gewährleistung der Kosten für anfallende Reparaturen eventuell in den Konditionen enthalten.

Wichtig zu wissen: Eine Kostenübernahme muss unbedingt im Vorhinein bei der gesetzlichen Krankenversicherung beantragt werden! Die Behandlung kann erst erfolgen, wenn die Genehmigung der Kasse vorliegt. Bei einer privaten Krankenversicherung hingegen ist die Kostenübernahme tarifabhängig. Eine PKV bei ottonova deckt je nach Voraussetzung bis zu 100% der Kosten für Kieferorthopädie.

Feste Retainer sind im Gegensatz zu den herausnehmbaren Varianten regulär eine Privatleistung. Hier findet nur bei einem Engstand dritten Grades im Unterkieferzahnbereich eine Kostenübernahme statt.

Unser Tipp: Für Versicherte in einer gesetzlichen Krankenkasse kann sich eine private Zahnzusatzversicherung auch aufgrund ihrer kieferorthopädischen Leistungen lohnen. Für Kinder wird hier regulär ein Großteil der Kosten übernommen. Im First Class Tarif von ottonova werden auch Kosten für die Kieferorthopädie bei Erwachsene übernommen, sofern sich die GKV an den Kosten beteiligt. Eine Zahnzusatzversicherung entlastet hier mit einer anteiligen Kostenübernahme, die sich nach der Tarifwahl richtet.

FAQs zum Thema Retainer

Nach beendeter kieferorthopädischer Behandlung ist die Stabilisierungszeit (Retention) äußerst wichtig, um das Gebiss so weit in seiner neuen Position zu festigen, dass eine Rückverschiebung in die ursprüngliche Position vermieden wird. Wie lange ein Retainer getragen werden sollte, ist dabei individuell sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sind ca. 12 bis 24 Monate Tragezeit einzurechnen (1). Ein grober Richtwert: Die Retentionsphase sollte mindestens die gleiche Zeitspanne haben wie die vorherige Behandlung durch die Zahnspange. In Einzelfällen sind Retainer zur Stabilisierung der Zähne sogar dauerhaft von Nöten. Studien zufolge ist eine „dauerhafte und festsitzende Retention aus parodontologischer und kariologischer Sicht bedenkenlos umsetzbar.“ (2)

Grundsätzlich gilt: Ein Retainer bedarf der gleichen täglichen Reinigung wie die Zähne. Herausnehmbare Modelle sind prinzipiell leichter zu reinigen. Vergleichbar mit einer losen Zahnspange bietet sich hier nach der Nutzung eine Säuberung mit der Zahnbürste und Zahnpasta an. Ergänzend dazu können Reinigungstabletten die Entfernung letzter Rückstände unterstützen. Feste Retainer aus Draht hingegen müssen sorgfältig geputzt werden. Um den Retainer-Draht zu reinigen, empfiehlt sich statt Zahnseide eine Interdentalraumbürste. Mit ihr lassen sich die Zahnzwischenräume unterhalb sowie oberhalb des Drahtes in Kürze gründlich säubern und Essensreste vollständig entfernen.

Ohne einen Zahnstabilisator kommt es mit erhöhter Wahrscheinlichkeit erneut zu einer unerwünschten Zahnstellung im Bereich der Frontzähne. Nach zehn Jahren spricht man von einer 90-prozentigen Rezidivwahrscheinlichkeit. Jahrelange zeitintensive Behandlungen an den Zähnen und ein Leben mit schönem Lächeln stünden somit auf dem Spiel.

Quellen:

(1) Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik (GZFA): Retainer: Stabilisierung der KFO-Behandlung. URL: www.gzfa.de/diagnostik-therapie/kieferorthopaedie/retainer/ (aufgerufen am: 29.11.2021)

(2) Raphael Patcas (2010): Wie viel Retention braucht die Unterkieferfront? In: Zahnarzt Praxis 2010 (6). S.9-12. URL: www.researchgate.net/publication/280810288_Langzeitbetreuung_nach_kieferorthopadischer_Behandlung_Wie_viel_Retention_braucht_die_Unterkieferfront/link/561971ce08aea80367203229/download (aufgerufen am: 29.11.2021).

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Dr. Jens Gottschalk ist seit 1997 Zahnarzt und praktiziert seit 2003 in seiner eigenen Praxis im Herzen Münchens. Er betreut seine Patienten in allen Belangen der Zahnheilkunde und ist spezialisiert auf die ästhetische und funktionelle Versorgung komplexer Zahnsituationen.

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