Schmerzhafte Sportverletzung? Diese solltest du im Auge behalten

Ganz Deutschland ist im Sportrausch. Motiviert kaufst auch du dir neue Sportkleidung und meldest dich im Fitnessstudio an. Doch Achtung! Wenn du nicht aufpasst können dich üble Sportverletzungen treffen. Wie du Muskelrisse und Co. vermeidest, erfährst du hier.

Die Sport- und Fitnesslandschaft wird immer vielfältiger. Neue Konzepte, Events und Fitnessstudios erobern den Markt. Neue Konzepte wie Hyrox, das den Fitness-Sport mit Wettkämpfen verbindet, senken die Hürden enorm. Noch nie war es so leicht, Sport zu machen. Unser Orthopädie-Experte Dr. Markus Wurster sagt: „Regelmäßiger Sport ist lebensverlängernd.“

Doch wie so oft gibt es eine Schattenseite. Falsch durchgeführt können nach den Übungen böse Sportverletzungen auf dich warten, die dich nicht nur körperlich und psychisch, sondern auch beruflich zurückwerfen können. Einige Verletzungen richten so viel Schaden an, dass nur noch eine OP hilft.

Von Schulterluxation bis Fußprellung – ein Überblick über mögliche Sportverletzungen

Im Artikel über Knieverletzungen sind wir bereits auf Meniskus- und Kreuzband-Schäden eingegangen. Daneben gibt es noch andere Regionen in den Beinen, die beim Sport in Mitleidenschaft geraten können. Sportverletzungen treten auch gerne in der Schulter auf, vor allem bei Sportarten wie Gewichtheben, oder Ballsport wie Handball, da hier Arm und Schulter ruckartig und mit viel Kraft bewegt werden.

Bänderriss

Etwa 20 % aller Sportverletzungen entstehen durch Bandverletzungen des oberen Sprunggelenkes. Stelle dir die Bänder wie normale Gummibänder vor: Überdehnst du sie, können sie reißen – plötzlich und ohne Vorwarnung. In deinem Körper verbinden Bänder deinen Fuß mit deinem Unterschenkelknochen. Knickst du beim Sport um, können die Bänder überdehnt werden oder gar reißen. In ganz schlimmen Fällen können sogar Knochenstücke rausgerissen werden. Begleitet wird die Verletzung meist mit einem knallenden Geräusch, starken Schmerzen und einer Schwellung.

Sportverletzung Bänderriss
ottonova First Aid

Was muss in den Erste-Hilfe-Kasten?

Lade dir hier unsere Übersicht herunter, was auf keinen Fall in deinem Erste-Hilfe-Kasten fehlen darf, damit du auf den Notfall vorbereitet bist.

Wie wird behandelt?

Für eine kurzfristige Linderung der Schmerzen sorgen kühlende Salben und Gele. Eis, Kühlkompressen oder Tiefkühlware sorgen dafür, dass sich deine Muskeln straffen. Schmerzmittel können ebenfalls kurzfristig eingenommen werden, beachte aber die Nebenwirkungen und nimm das Mittel nicht länger als nötig. 

Bei starken oder länger andauernden Schmerzen solltest du dich unbedingt bei einem Facharzt vorstellen. Dieser wird dich untersuchen und dir ggf. eine Gehschiene, auch Orthese genannt, geben, mit der du deinen Fuß wieder abrollen kannst. Mit der Zeit sorgen die wunderbaren Selbstheilungskräfte deines Körpers für ein erneutes Zusammenwachsen der Bänder. In der Regel dauert es sechs Wochen, bis die Bänder wieder zusammengewachsen sind.

Orthopäde Dr. Wurster rät, früh zum Arzt zu gehen:

„Eine Umknickverletzung im Sprunggelenk kann viele Gesichter haben. In der Regel kommt es zu Zerrungen oder Band(an-)rissen, selten kann es aber auch mit einem knöchernen Schaden oder Instabilitäten einhergehen. Diese Verletzung müssen frühzeitig erkannt und der entsprechenden Therapie zugeführt werden, um langfristig Probleme zu vermeiden.“

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Fußprellung

Eine Prellung am Fuß kennen vor allem Fußballer und Eishockey-Spieler. Sie treten auf, wenn man zum Beispiel den Ball falsch abfeuert oder gegen das Tor stürzt. Das Gewebe wird gequetscht, zeigt aber keine sichtbare Hautverletzung und hat keinen Knochenbruch zur Folge. Symptome einer Prellung sind Blutergüsse und Schmerzen der betreffenden Stelle. Auch Schwellungen sind ein Zeichen. Geschlossene Brüche, also Brüche ohne sichtbare Wunde, haben zwar ähnliche Symptome, zeichnen sich aber zusätzlich durch Reibegeräusche aus und machen das Gehen nahezu unmöglich

Sportverletzung Fußprellung

Wie kann sie behandelt werden?

Eine Fußverletzung in Form einer Prellung ist in der Regel harmlos. Es reicht, wenn du die Stelle kühlst und ruhigstellst. Nach etwa zwei bis drei Wochen ist die Prellung verheilt, leichte Prellungen sogar in ein paar Tagen. Solltest du hingegen keine Besserung feststellen oder besonders starke Schmerzen beim Gehen haben, ist ein Arztbesuch notwendig. Unter Umständen könnte dein Fuß gebrochen sein – das lässt sich manchmal nur operativ behandeln.

Meniskusriss

Die Menisken in deinem Knie vergrößern die Kontaktfläche zwischen Oberschenkelknochen und Schienbeinkopf und verteilen damit gleichmäßig das Körpergewicht im Gelenk. Sie dienen als Stoßdämpfer und Stabilisator. Es wird ein „innerer“ und „äußerer Meniskus“ unterschieden, je nach Lage im Gelenk. Der innere Meniskus ist größeren Belastungen ausgesetzt und ist deshalb häufiger von Rissen und Schäden betroffen als der Außenmeniskus.

Bei einem Meniskusriss beziehungsweise einem Meniskusschaden zeigen sich die Schmerzen entweder über einen langen Zeitraum, oder treten plötzlich auf. Ein hörbares Knacken sowie Schwierigkeiten, das Knie nach hinten zu beugen oder in die Hocke zu gehen begleiten einen Meniskusschaden.

Sportverletzung Meniskus

Wie kann er behandelt werden?

Der Meniskusschaden heilt von alleine nicht ab, kann aber je nach Ausmaß nur wenig Probleme bereiten. Zunächst sollte das geschwollene Bein geschont, hochgelegt und mit Eis gekühlt werden. Wenn die Schmerzen jedoch anhalten, beziehungsweise über einen langen Zeitraum auftreten, ist ein Gang zum Arzt notwendig. Ist der Meniskusschaden zu weit fortgeschritten hilft nur noch eine Meniskusoperation. Hier wird er entweder anteilig entfernt oder genäht. In seltenen Fällen kann der eingerissene Meniskusanteil auch im Gelenk einklemmen – das ist äußerst schmerzhaft und führt unweigerlich zu einem Eingriff.

Dr. Wurster ergänzt dazu: „In Abhängigkeit von Alter, sportlichem Anspruch und Schadensausmaß ist die Behandlung einer Meniskusverletzung sehr selektiv. Die richtige Therapie muss dabei individuell, in Absprache mit dem Patienten, getroffen werden.“

Muskel(faser)riss

Gleich vorweg: Muskelfaserrisse und Muskelrisse sind nicht das gleiche. Bei einem Muskelfaserriss reißen einzelne Muskelfasern, der Muskel bleibt aber noch funktionsfähig, wenn auch mit Einschränkungen. Blut strömt in das Gewebe ein, es kommt zum Bluterguss. Vor allem bei mangelhaftem Aufwärmen und Überbelastungen wie Sprints oder schnellen Richtungswechseln können Fasern reißen. Muskelfaserrisse lassen sich ertasten und sind mit starken, messerstichartigen und plötzlich auftretenden Schmerzen verbunden.

Bei Muskelrissen ist hingegen ein größerer Anteil bis hin zum gesamten Muskel durchtrennt und kann nicht oder kaum noch bewegt und belastet werden. Die Schmerzen sind noch stärker als bei einem Faserriss, die Verletzung ist deutlich schwerwiegender.

Sportverletzung Muskelfaserriss

Wie sieht die Behandlung aus?

Sowohl Muskelfaserrisse als auch Muskelrisse sind eine Sache für deinen Arzt. Dieser wird die Stelle auf Beulen oder Dellen untersuchen und abtasten. Hundertprozentige Sicherheit können jedoch nur Ultraschall oder Magnetresonanztomographie bieten. Bei Muskelfaser- oder Muskelbündelrissen muss in der Regel nicht operiert werden, je größter aber der Schaden ist, desto länger dauert die Heilung. Bei Muskelrissen ist es anders: Ist der Riss besonders stark ausgeprägt muss operiert werden. Deine Muskelpartien werden mit einer Naht genäht, die sich mit der Zeit selbst auflöst. Sport bleibt dann für die nächsten drei Monate jedoch tabu.

Egal ob Faserriss oder Muskelriss: Bis du den Gang zum Doktor antrittst solltest du die Stelle gut kühlen und ruhigstellen. Schwellungen können zudem mit einer Lymphdrainage behandelt werden.

Unser Experte Dr. Wurster hat folgenden Rat:

„Bei Muskelverletzungen empfiehlt es ich die sportliche Aktivität sofort einzustellen, um den Schaden in Grenzen zu halten. Die Rückkehr in den Sport orientiert sich an der Verletzungsschwere, der erforderlichen therapeutischen Maßnahmen und der Rekonvaleszenzzeit.“

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Schulterluxationen

Schulterluxationen passieren häufiger als man denkt. Die Schulter ist im Gegensatz zu anderen Gelenken sehr anfällig für Sportverletzungen. Das liegt an der Anatomie der Schulter. Durch das große Bewegungsausmaß herrscht hier eine größere Instabilität. Das Ausrenken der Schulter ist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit und kann bei einem Sturz sehr schnell passieren. Deine Schulter und dein Oberarm ergeben zusammen eine Art Kugelgelenk. Bei einer Schulterluxation springt der Oberarmknochen aus dem Schultergelenk, die Bewegung ist stark eingeschränkt. Meistens springt der Kopf des Oberarmknochens Richtung Brustkorb, es ist aber auch schon vorgekommen, dass er nach hinten oder zur Seite rausspringt. 

Sportverletzung Schulterlataxion

Wie werden sie behandelt?

Versuche nicht, die Schulter selbst wieder einzurenken. Eine Schulterluxation ist in der Regel ein Fall für die Notaufnahme oder einen Facharzt. Selbst wenn der Knochen wieder eingerenkt ist, im Inneren können trotzdem Bänder und Sehnen gerissen oder Luxationsfrakturen aufgetreten sein. Im Falle einer Fraktur oder einer verbliebenen Instabilität muss operiert werden. Dabei werden nicht nur die Schulter eingerenkt, sondern auch Brüche versorgt und durch Korrektur der Weichteile die Stabilität wieder hergestellt. Schulterlastige Sportarten wie Schwimmen oder Volleyball solltest du für die nächsten Wochen vermeiden.

„Das Ausrenken eines großen Gelenkes ist immer ein Notfall!“

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So bereitest du dich optimal auf deine Sport-Session vor


Spare nicht bei Sportklamotten und Ausrüstung

Es ist nur allzu verständlich, dass wir bei Vorsätzen, von denen wir wissen, dass wir schnell wieder die Lust an ihnen verlieren werden, nicht viel Geld ausgeben möchten. Aber hier geht es um deine Gesundheit: Und dabei solltest du nicht sparen. Konkret heißt das: Gib ruhig etwas mehr Geld für Sportutensilien aus. Informiere dich über die einzelnen Sportmarken und beschäftige dich im Voraus damit, wo dich deine Sportausrüstung besonders unterstützen soll.

Gerade die richtigen Sportschuhe können vielen Verletzungen vorbeugen. Unzählige Verbraucher-Tests bestätigen es immer wieder; mit günstigen Tretern wird das Laufen zur Qual. Aufgrund des niedrigen Preises wird am Material gespart, mit der Folge, dass die Schuhe schlecht gepolstert und gefedert sind. Lass dich lieber in einem professionellen Sportgeschäft beraten – dort kannst du zum Beispiel eine Laufanalyse machen und die Sportschuhe auf dein Fußprofil anpassen. Durch die Stabilität im Schuh lassen sich lästige Sportverletzungen wie Prellungen, Überdehnungen und Risse in den Fussgelenken um einiges mindern.

Dehne und wärme dich auf

Dein ehemaliger Sportlehrer hat dich nicht ohne Grund im Sportunterricht über den Sportplatz gescheucht. Durch die Bewegung kommt dein Körper in Fahrt – deine Körpertemperatur erhöht sich, die Durchblutung wird angeregt. Das Aufwärmen hat auch einen psychischen Effekt: Dein Körper wird auf das, was gleich kommt, vorbereitet. Vergiss das Dehnen nicht, ein gedehnter Muskel bringt mehr Leistung. Optimales Aufwärmen dauert etwa 20 bis 45 Minuten und sollte auf die jeweilige Sportart ausgerichtet sein.

Gut gedehnte Muskeln und Bänder reduzieren das Risiko dass du dir bei einer unkontrollierten Bewegung etwas reisst. Wenn du dich regelmäßig dehnst, tust du Dir auch langfristig etwas Gutes. Außenbänder beispielsweise an Knien sind so strapazierfähiger. Unterschätze also nie das Aufwärmen vor dem Sport. 20 Sekunden Oberschenkel dehnen vor der nächsten 10-Kilometer Runde reichen übrigens nicht. Baue die Routine vor jeder Sportsession ein, du wirst bald Unterschiede - auch in deiner Flexibilität - bemerken. Auch nach dem Sport ist dehnen eine gute Idee um den Muskelkater zu reduzieren. Hier kann auch eine Blackroll helfen. Regelmäßig angewendet kann diese den Muskelkater sogar gänzlich reduzieren. 
Sportschuhe Sporverletzungen

Senke dein Verletzungsrisiko

Du siehst: Sport ist sicher kein Mord, kann aber in ziemlich üblen Schmerzen enden. Bei vielen Verletzungen hilft dir die PECH-Regel weiter: Pause – Eis – Compression – Hochlagern. Pausiere die Sportart, kühle die Stelle, lege einen Druckverband an und lagere das verletzte Körperteil hoch. Mit Ausnahme einer Fußprellung kommst du um einen Arztbesuch nicht herum. Auch wenn es dir schwerfällt: Gönne deinem Körper ausreichend Ruhe. Deine Gesundheit geht vor! 

„Ganz wichtig ist gerade bei Sportanfängern oder Wiedereinsteigern, den sportlichen Anspruch seinem Fitnesslevel anzupassen, um Verletzungen zu vermeiden. Falscher Ehrgeiz ist hier fehl am Platz", sagt Dr. Wurster.

Ja, eine Sportverletzung ist schmerzhaft. Richtig durchgeführt macht Sport aber mehr als nur Spaß. Du triffst tolle Menschen, stärkst dein Immunsystem und wirst deswegen seltener krank.

Wenn du unsere Tipps befolgst, dich ausreichend aufwärmst und in gute Sportkleidung investierst, kannst du dein Verletzungsrisiko deutlich minimieren. Dir fehlt die Motivation? Wir haben die passenden Motivations-Tipps, wie du dich zu mehr Bewegung motivieren kannst.

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Wer ist Dr. Markus Wurster

Dr. Markus Wurster ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und arbeitete an mehreren renommierten Kliniken in München und Umgebung. Nach 20 Jahren chirurgischer Tätigkeit, zuletzt in leitender Funktion, ist er mittlerweile in eigener Praxis in München niedergelassen. Als Notarzt begleitete er mehrjährig die Schwalbe Tour Transalp im Rescue Team und betreute 2014 die BR Aktivkreuzfahrt. Zudem sammelte er umfangreiche sportmedizinische Kenntnisse durch seine Mitarbeit in der Schönklinik München (Olympiastützpunkt und FIFA Medical Center).

Mehr Infos zu orthopädischen Themen findest du auf seiner Website.

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Jeanette Stowasser
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Jeanette Stowasser

Jeannette ist Online-Redakteurin für Gesundheit und schreibt seit 2011 Artikel, E-Books und Whitepaper zu den verschiedensten medizinischen Themen.

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