05. Juni 2020

Paroxysmaler Lagerungsschwindel: Ursachen für das Karussell im Kopf

Dir wird ganz plötzlich schwindelig – zum Beispiel, wenn du dich beim Sport bückst? Dabei kann es sich um paroxysmalen Lagerungsschwindel handeln. Wir verraten dir, was die Ursachen sein können, wie die Symptome aussehen und was du dagegen tun kannst.

5 min

Was ist Paroxysmaler Lagerungsschwindel?

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel ist ein gutartiger anfallsartig auftretender Schwindel. Er wird durch Ablagerungen im Ohr ausgelöst und ist zwar unangenehm, jedoch in der Regel harmlos. Mit speziellen Übungen kannst du die Schwindelanfälle in den Griff bekommen.

Überblick & Erklärung Paroxysmaler Lagerungsschwindel

Es kann beim Aufstehen aus dem Bett passieren, beim Hinlegen, Umdrehen oder beim Bücken: Auf einmal dreht sich alles und du spürst ein kurzes, heftiges Schwindelgefühl im Kopf. Was sind die Ursachen? Ist das gefährlich? Die gute Nachricht zuerst: Wahrscheinlich handelt es sich um benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPLS), der zwar unangenehm, jedoch harmlos ist. Der medizinische Begriff „benigne“ bedeutet „gutartig“ und besagt, dass diese Form des Schwindels keine unmittelbaren körperlichen Schäden nach sich zieht. 

Das kompliziert klingende Wort „paroxysmal“ bedeutet, dass die Schwindelanfälle anfallsartig und in Zusammenhang mit einer Veränderung der Kopfposition auftreten. In Ruhe ist der Schwindel nicht zu spüren. Es handelt sich also um einen gutartigen anfallsweisen Lagerungsschwindel. Andere Bezeichnungen für dieses gesundheitliche Problem sind benigne paroxysmale positionale Vertigo (BPPV) und benigner peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel.

Es ist eine häufige Form des Schwindels, die umgangssprachlich auch Drehschwindel bzw. Schwankschwindel genannt wird. Experten gehen davon aus, dass ein Drittel aller Schwindelformen, die auf eine Erkrankung des Innenohrs zurückgehen, auf den paroxysmalen Lagerungsschwindel entfallen. Typischerweise tritt paroxysmaler Schwindel erst im höheren Alter auf – am häufigsten betroffen sind Frauen zwischen 60 und 80 Jahren. Doch auch Männer und jüngere Patienten können darunter leiden. Sogar bei Kindern wurde der Lagerungsschwindel schon beobachtet. Bis zum 70. Lebensjahr erlebt durchschnittlich jeder Dritte diese Form des Schwindels mindestens einmal. 

Gut zu wissen:

Bei 30% bis 50% der Patienten tritt der paroxysmale Lagerungsschwindel innerhalb von zwei Jahren erneut auf.

Ursachen Schwindel: Woher kommt der paroxysmale Lagerungsschwindel?

Das Schwindelgefühl entsteht, weil sich die Ohrsteine im Innenohr ablösen. Die sogenannten Otolithen bestehen aus feinen Kalziumkarbonat-Kristallen und befinden sich in einer gelartigen Membran im Schwerkraftorgan des Innenohrs. Sie helfen dabei, Beschleunigungen des Körpers zu erfassen. Wenn sich diese Steinchen aus ihrer „Halterung“ lösen, können sie in die Bogengänge des Innenohrs gelangen – dort werden normalerweise Drehbewegungen registriert. Wenn die frei herumschwimmenden Ohrsteine die Sensorzellen des Gleichgewichtsorgans reizen, erhält das Gehirn eine falsche Information über die Körperhaltung. Diese Info passt nicht zum Lageempfinden des Körpers und zu den Sinneseindrücken, welche die Augen liefern. Der paroxysmale Lagerungsschwindel ist die Reaktion deines Körpers auf diese widersprüchlichen Eindrücke.

Warum sich die Otolithen ablösen und in den hinteren, vorderen oder seitlichen Bogengang gelangen, ist noch nicht abschließend geklärt. Bei manchen Patienten ist es wohl eine Alterserscheinung. Doch auch Operationen, Kopfverletzungen oder heftige Erschütterungen – etwa bei einem Verkehrs- oder Sportunfall – können die Ohrsteine aus ihrer Verankerung reißen. Darüber hinaus kann Lagerungsschwindel eine Folge von Entzündungen des Innenohrs oder des Gleichgewichtsorgans sein. Experten vermuten, dass Durchblutungsstörungen eine Rolle spielen, weil paroxysmaler Lagerungsschwindel oft in Zusammenhang mit Bluthochdruck, Migräne und einem vorangegangenen Schlaganfall auftritt.

Nicht zuletzt scheint auch Stress anfällig für Schwindel zu machen. In psychisch belastenden Situationen tritt er mitunter zusammen mit Angststörungen, Depressionen oder Ohnmachtsgefühlen auf. In diesem Fall sprechen Ärzte von einem phobischen Schwankschwindel.

Symptome Lagerungsschwindel: Wie fühlt sich das an?

Der Name Lagerungsschwindel verrät es bereits: Diese Art des Schwindels ist abhängig von der Lageposition des Körpers. Das unangenehme Gefühl kommt auf, wenn du deinen Kopf schnell hin und her bewegst, zum Beispiel beim Umdrehen im Bett oder beim Bücken, etwa um deine Schuhe zu binden. Die Dauer des Schwindels reicht von wenigen Sekunden bis zu etwa einer Minute. Danach steht das „Karussell im Kopf“ wieder still. Typisch bei paroxysmalem Lagerungsschwindel ist, dass er nicht in Ruhe auftritt, sondern nur bei bzw. nach einer Bewegung des Kopfes. Da dein Kreislauf nicht betroffen ist, bleibt das Schwarzwerden vor den Augen normalerweise aus, welches bei anderen Formen des Schwindels häufiger vorkommt.

Zu den Symptomen des Lagerungsschwindels können Übelkeit und Erbrechen gehören. Bei manchen Patienten kommen Schweißausbrüche und Gleichgewichtsprobleme hinzu. Außerdem kann die plötzliche Schwindel-Attacke Unsicherheit und Angst auslösen. Grund genug, um einen HNO-Arzt aufzusuchen und die Beschwerden abklären zu lassen.

Diagnostik & Therapie bei paroxysmalem Lagerungsschwindel

Zunächst wird dich der Arzt genau zu deinen Problemen befragen: In welchen Situationen tritt der Schwindel auf? Wie lange hält er an? Deine Antworten geben bereits erste Hinweise und können zur Verdachtsdiagnose „benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel“ führen. Um die Diagnose zu untermauern, führt der Arzt ein bestimmtes Lagerungsmanöver durch: Der Patient sitzt dabei zunächst aufrecht auf der Untersuchungsliege. Dann wird der Kopf um 45 Grad gedreht und der Patient schnell zum Liegen gebracht. Dieser Provokationstest löst den Lagerungsschwindel aus, welcher oft von unwillkürlichen Augenbewegungen und unkontrollierbarem Muskelzucken begleitet wird. Dieses Phänomen wird Nystagmus genannt und ist für den Arzt ein weiterer wichtiger Hinweis für einen paroxysmalen Lagerungsschwindel.

Und was hilft nun gegen das fiese Schwindelgefühl? Es gibt zwei Übungen, die den Lagerungsschwindel lindern können. Ziel jedes Manövers ist es, die herumschwimmenden Otolithen von den Sensorzellen im Innenohr wegzubewegen. Beachte bitte: Zwar lösen diese beiden Übungen kurzzeitig Schwindelgefühle aus, wenn du sie jedoch regelmäßig durchführst, helfen sie dabei, den Schwindel innerhalb weniger Tage zu stoppen.

2 Übungen gegen den Lagerungsschwindel:

Epley-Manöver: 

  1. Setz dich zunächst aufrecht hin und dreh den Kopf um 45 Grad. Zu welcher Seite ist abhängig davon, welches Ohr den Lagerungsschwindel auslöst: Der Kopf wird zunächst in Richtung des betroffenen Ohrs gedreht.
  2. Leg dich dann zügig hin, ohne die Kopfposition zu verändern. Der Kopf ist leicht überstreckt. Bleib etwa 30 Sekunden lang so liegen, bis der Lagerungsschwindel nachgelassen hat. 
  3. Dreh den Kopf dann um 90 Grad zur anderen, gesunden Seite, ohne ihn dabei anzuheben. Warte auch hier etwa 30 Sekunden, bis der Schwindelanfall nachlässt. 
  4. Dann drehst du deinen Körper in die Richtung, in die nun dein Kopf zeigt. Die Kopfposition wird dabei nicht verändert.
  5. Dreh dich nun von der Rückenlage in die seitliche Liegeposition, das betroffene Ohr zeigt nach oben. Nach etwa 30 Sekunden kannst du dich wieder hinsetzen. Wiederhole die Übung insgesamt dreimal.

Semont-Manöver:

  1. Setz dich aufrecht hin, lass die Beine baumeln und dreh den Kopf um ca. 45 Grad zur gesunden Seite. Das Kinn zeigt zur Schulter.
  2. Leg deinen Körper nun rasch in Richtung des betroffenen Ohrs ab, ohne dabei die Kopfposition zu verändern. Warte etwa 30 Sekunden, bis der Schwindel wieder verfliegt.
  3. Dreh dich dann schnell zur gesunden Seite, ohne dabei deine Kopfhaltung zu verändern. Warte wieder etwa 30 Sekunden, bis der Schwindel spürbar nachgelassen hat.
  4. Setz dich langsam auf und bleib noch zwei bis drei Minuten ruhig sitzen. Wiederhole die Übung insgesamt dreimal.

Vorbeugen: So kannst du paroxysmalem Lagerungsschwindel entgehen

Noch wissen wir nicht genau, warum sich die Ohrsteine ablösen und in die Innenohrflüssigkeit gelangen. Als Auslöser infrage kommt zum Beispiel ein Erschütterungstrauma des Kopfes. Möglicherweise führt auch ein Flüssigkeitsmangel dazu, dass die Gelmembran austrocknet, in der die Steinchen sitzen. Nicht nur deshalb ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Auf unserem Blog verraten wir, wie die ideale Trinkmenge pro Tag aussieht

Außerdem findest du wertvolle Tipps zu Yoga, Meditation und anderen Entspannungstechniken. Denn wenn du dein Stress-Level aktiv senkst, verringerst du nicht nur die Gefahr eines phobischen Schwankschwindels. Du beugst dadurch auch vielen anderen stressbedingten Krankheiten vor. 

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