25. April 2019

Glutenunverträglichkeit hat viele Namen

Zöliakie, einheimische Sprue oder glutensensitive Enteropathie – sie alle beschreiben das gleiche: Eine Erkrankung, die immer häufiger vorkommt. Ihre Behandlung ist nicht einfach. Wenn die Ernährung dein Leben bestimmt.

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In der Mittagspause entdeckst du mittlerweile bei jedem zweiten Kollegen eine Verpackung auf der „glutenfrei“ steht. Egal ob Brot oder Nudeln. Klar, Klebereiweiß klingt schon so, als würde man davon Bauchschmerzen bekommen. Aber vor ein paar Jahren sahen die Lunch-Mitbringsel schon anders aus. Woran liegt das und sind jetzt wirklich alle glutenunverträglich?

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Eiweiß und in Getreiden wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel vorhanden. Zu Mehl gemahlen und mit Wasser gemischt, ergibt sich eine zähe Masse. Das liegt am Gluten, das teigbildend und deswegen beim Backen so hilfreich ist. Seine Bestandteile sorgen außerdem dafür, dass Brot und Co. locker werden und aufgehen.

Was passiert bei Zöliakie? 

Das Eiweiß Gluten ist normalerweise völlig harmlos. Leidest du jedoch an einer Glutenunverträglichkeit, auch Zöliakie genannt, kann der Verzehr von Getreide sehr unangenehm werden. Um die Zöliakie zu verstehen, muss man den Darm verstehen. Im Dünndarm wird die Nahrung aufgenommen und in ihre Bestandteile zerlegt, über die Dünndarmschleimhaut werden die Nährstoffe anschließend aufgenommen. Bei einer Glutenunverträglichkeit reagiert deine Abwehr auf die kleinen Stücke wie auf feindliche Eindringlinge (Bakterien), es schätzt sie irrtümlich als gefährlich ein – die Dünndarmschleimhaut entzündet sich. 

Die Zöliakie ist also eine entzündliche Darmerkrankung! Was besonders verheerend ist: mit der Zeit wird die Schleimhaut durch die chronische Entzündung so stark geschädigt, dass die Nahrung nicht mehr über den Darm normal ins Blut gelangt. Du fragst dich, wie das zusammenhängt? Ganz einfach, deine Darmschleimhaut ist in Falten gelegt, die sogenannten Zotten, wodurch sich die Oberfläche des Darms vergrößert. Nahrungsbestandteile können so noch schneller vom Darm ins Blut übertreten. Bei einer Glutenunverträglichkeit zerstören Autoantikörper die Ausstülpungen, es kann zu Mangelerscheinungen kommen, weil durch die abgeflachten Zotten nicht mehr so viel Oberfläche zur Aufnahme der Nährstoffe zur Verfügung steht. 

Glutenfreie Ernährung ist also kein Trend oder eine besondere Diät zum Abnehmen – die Erkrankung Zöliakie ist sehr ernst. Das Besondere: Experten streiten darüber, ob die Glutenunverträglichkeit eine Allergie oder Autoimmunerkrankung ist. Denn sie hat Elemente von beidem. Der Begriff Glutenallergie konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Nicht verwechselt werden darf die Glutenunverträglichkeit übrigens mit der Weizenallergie oder Glutensensitivität.

Glutenunverträglichkeit: Symptome

Zöliakie-Symptome äußern sich in erster Linie durch Bauchschmerzen, fettige Durchfälle und Blähungen. Durch die oben erwähnte Entzündung der Darmschleimhaut kann es aber auch zu Eisenmangel oder anderen Mangelzuständen kommen. Wasser lagert sich im Gewebe ein, es kommt zu Ödemen. Langfristig geht auch Gewicht verloren. Die sogenannten atypischen Symptome haben nicht direkt etwas mit der Darmfunktion zu tun, können aber ebenso auftreten. Dazu zählen unter anderem Aphten, Blutarmut, Müdigkeit, Osteoporose und Hautentzündungen.

Wie kommt es zu einer Glutenunverträglichkeit und welche Formen gibt es?

Die Zöliakie wird in unterschiedliche Formen unterteilt:

Klassische Zöliakie

Sie zeigt sich im Kleinkindalter beim Verzehr von glutenhaltiger Nahrung, unter glutenfreier Kost verschwinden die Beschwerden (aufgetriebener Bauch, Verhaltensänderung, Wachstumsstörungen, Durchfälle) wieder.

Symptomatische Zöliakie

Sie verläuft dezenter und wird deswegen oft erst spät entdeckt. Die atypischen Symptome stehen manchmal im Vordergrund, glutenfreie Ernährung führt zum Abklingen.

Subklinische Zöliakie

Hier gibt es keine Krankheitszeichen, dennoch finden sich die für Zöliakie typischen Antikörper im Blut und die genannten Veränderungen der Dünndarmschleimhaut sind erkennbar. Obwohl die Patienten keine Symptome haben, müssen sie sich glutenfrei ernähren.

Refraktäre Zöliakie

Beim Typ 2 treten Symptome trotz glutenfreier Ernährung über mindestens ein Jahr auf oder kommen erneut. Diese Form betrifft vor allem Erwachsene über 50. Hierbei ist das Risiko für einen seltenen Darmkrebs erhöht.

Potenzielle Zöliakie

Bei starker Glutenbelastung kann sich hier eventuell eine Zöliakie ausbilden, sie ist meist ein Zufallsbefund. Beschwerden sind kaum vorhanden. Antikörper lassen sich nachweisen, die Dünndarmschleimhaut zeigt aber noch keine Veränderungen.

Für die Entstehung einer Glutenunverträglichkeit spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Dazu gehört neben der genetischen Veranlagung die Autoimmunreaktion, eine Darminfektion oder ein massiver Glutenkontakt bei genetisch veranlagten Kindern. Auch ein Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Diabetes, Down-Syndrom und Schilddrüsenerkrankung wurde festgestellt.


Glutenunverträglichkeit: Behandlung

Bist du an Zöliakie erkrankt, begleitet dich das ein Leben lang. Heilen kann man sie nämlich nicht. Stattdessen müssen sich Betroffene dauerhaft glutenfrei ernähren.

Glutenhaltige Lebensmittel: diese solltest du bei Zöliakie strikt meiden

Glutenhaltige Getreidesorten

Hersteller sind zwar verpflichtet, glutenhaltige Lebensmittel zu kennzeichnen, der Begriff Gluten muss aber nicht erwähnt werden. Du solltest dir deswegen ein breites Wissen über Nahrungsmittel anlegen. Hier ist beispielsweise fast immer Gluten enthalten:

Glutenhaltige Lebensmittel

Was bedeutet glutenfrei? Diese Nahrungsmittel sind glutenfrei:

Glutenfreies Getreide: Reis, Mais, Hirse, Quinoa, Buchweizen, Amaranth sowie Obst und Gemüse, Kartoffeln, Fleisch, Eier, Milch, Kaffee, Tee, Honig, Butter und natürlich viele mehr.

Bei Mangelerscheinungen können fehlende Vitamine und Spurenelemente künstlich hinzugefügt werden.

Übrigens: Zöliakie ist eine häufige Erkrankung in Deutschland, Frauen sind öfter betroffen als Männer und die Zahl nimmt weiter zu. Das kann aber auch daran liegen, dass die Krankheit bekannter ist und besser diagnostiziert werden kann als zuvor. Jeder 200. Mensch soll an einer Glutenunverträglichkeit leiden.


Glutenunverträglichkeit ist also keine Trenddiät und sollte auch nicht so verstanden werden.

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Die Betroffenen leiden unter den unterschiedlichen Formen, besonders, wenn die Erkrankung unerkannt ist. Viele Gerichte kann man aber mittlerweile ohne Gluten bestellen und auch einige Apps sorgen dafür, dass Essen wieder Spaß macht. Mit der Code-Check-App findest du zum Beispiel schon im Supermarkt oder vor der Restaurant-Bestellung heraus, ob du das Lebensmittel verträgst. 

App: Codecheck

Einfach den Barcode bzw. die EAN-Nummer von Deinen Lebensmitteln oder Deiner Kosmetik scannen: In wenigen Sekunden erfährst Du, was die Inhaltsstoffe bedeuten.

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