3. Juli 2019

Von der Industrialisierung bis zur Digitalisierung – Die Evolution der Arbeit

Fließband statt Flow-Chart – wir zeigen dir, wie sich die Arbeitswelt im Laufe der Zeit gewandelt hat und wieso wir heute von Arbeit 4.0 sprechen.

4 Min.

Fragst du dich manchmal, wie die Menschen früher gearbeitet haben, als es noch keine Computer gab? Und warum man heute in Bezug auf modernes Arbeiten immer wieder den Begriff Arbeit 4.0 hört?  

Das liegt zum einen daran, dass die Arbeitswelt sich durch die Digitalisierung in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Zum anderen ist die Art, wie Arbeit sich verändert, eng mit der industriellen Entwicklung verknüpft. Ein Blick in die vier Phasen der Industriegeschichte hilft, die Evolution der Arbeitswelt nachvollziehen zu können. 

Anfang des 18. Jahrhunderts
Erfindung der Dampfmaschine
Ende des 18. Jahrhundert
Anfang des 19. Jahrhunderts
Erfindung des Automobils
Ende des 19. Jahrhundert
1941 durch Konrad Zuse
Erster funktionsfähiger Computer
Um 1989 durch Tim Berners-Lee
Erfindung des Internets
18. Jahrhundert
Heute

Arbeiten 1.0 – Die Industrie macht Dampf

Nichts hat die Art, wie wir arbeiten, so grundlegend verändert wie die Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert. Kohlebetriebene Maschinen erobern den Arbeitsmarkt, der um nie dagewesene Berufe wächst. Während die Menschen zuvor vor allem auf den Feldern beschäftigt waren, entstanden plötzlich die ersten mechanischen Produktionsanlagen und Fabriken in Ballungsräumen und ziehen die Menschen in die Städte.

Wann? Ende des 18. Jahrhunderts. 

Was trieb diese Phase an? Kohle und die damit entstehenden kohlebetriebenen Maschinen, die den Arbeitsmarkt eroberten.  

Wie veränderte sich die Arbeit 

Grundlegend – durch: 

  • Mehr Struktur in den Arbeitsabläufen, 
  • neu entstehende Berufsfelde, und 
  • erstmals entstanden Fabriken, in denen sich Arbeit zunehmend konzentrierte. 

Gesellschaftlicher Einfluss? Immer mehr Menschen zogen für die Arbeit vom Land in die Stadt. 

Wichtige Erfindung? Die Dampfmaschine. 

Arbeiten 2.0 – Soziale Einsicht von oben

Etwa 100 Jahre später erreichte die Industrialisierung mit der Erfindung des Automobils und der beginnenden Massenproduktion eine weitere Evolutionsstufe. Infolge der Möglichkeit, Elektrizität industriell zu nutzen, wurden Maschinen nun nicht mehr nur mit Dampf angetrieben. Die arbeitende Bevölkerung erlebt jedoch immer mehr soziale Probleme: Dazu gehörten Hungerlöhne, harte Arbeit, lange Schichten und Existenzängste, zum Beispiel im Falle einer Arbeitsunfähigkeit. Das Deutsche Reich reagiert mit der Einführung der ersten Sozialversicherungen. 

Wann? Ende des 19. Jahrhunderts. 

Was trieb diese Phase an? Die Elektrizität. 

Wie veränderte sich die Arbeit?  

  • Mit dem Auto entsteht die Fließbandfertigung: Die Produktion wird in immer kleinere Schritte zerlegt. 
  • Damit einher ging die zunehmende Automatisierung der Arbeit 
  • Der Handel floriert und wird zunehmend globaler durch immer besser ausgebaute Verkehrsnetze 

Gesellschaftlicher Einfluss?  

  • Nicht alle, die in die Städte zogen, fanden auch Arbeit 
  • Entwicklung der Sozialpolitik und Einführung von Sozialversicherungen, unter anderem Kranken- und Altersversicherung, durch Otto von Bismarck 
  • Grundsteinlegung für den Wohlfahrtsstaat 

Wichtige Erfindung? Das Auto.

Arbeiten 3.0 – die Professionalisierung der Dienstleistung

In Deutschland formt sich die Idee einer sozialen Marktwirtschaft und wird immer konkreter. Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhandeln zunehmend auf Augenhöhe. Durch den verstärkten Einsatz von Informationstechnologie, insbesondere in Form von Computern, und Elektronik werden die Industrie und die Arbeitswelt weiter automatisiert. Dienstleistungen werden immer wichtiger, ebenso der transnationale Austausch. Damit verlieren Landesgrenzen an Bedeutung und die Internationalisierung der Märkte nimmt zu.

Wann? Ab den 1970er Jahren. 

Was trieb diese Phase an? Daten 

Wie veränderte sich die Arbeit?  

  • Der Computer wird zum wichtigen Arbeitsmittel 
  • Es entstehen immer mehr Bürojobs, losgelöst von Fabriken 
  • Informationstechnologie und Elektronik bestimmen die Arbeitswelt ab den 1980er Jahren immer mehr und sind die Grundlage für die Digitalisierung 
  • Globalisierung und der Anteil von Dienstleistungen nehmen zu 

Gesellschaftlicher Einfluss?  

  • Nach der Entwicklung des Sozialstaats folgt nun die Stärkung der Arbeitnehmerrechte 
  • Frithjof Bergman prägt 1976 den Begriff New Work als Gegenmodell zu Kommunismus und Kapitalismus und sagt: Tu, was du wirklich willst 

Wichtige Erfindung? Der Computer.  

Arbeiten 4.0 – Vernetzter und digitaler

Die vierte industrielle Revolution – Industrie 4.0 – hat bereits begonnen. Die Digitalisierung und die wachsende Vernetzung von Dingen in der Industrie und im Privatleben verändern seit Jahren unseren kompletten Alltag – einschließlich der Arbeitswelt. Wohin diese Reise geht, ist noch offen. Klar ist, dass Mensch und Maschine immer enger zusammenarbeiten und Staat, Unternehmen und Individuum wie bereits in den Phasen zuvor einen Weg finden müssen, um aus den Erfahrungen der derzeitigen Entwicklungsstufe zu lernen. Gelingt das, dürfen wir gespannt sein, was Arbeit 5.0 für uns bereithält.

Wann? Wir stecken mittendrin – seit Ende der 1980er Jahre das Internet das Licht der Welt erblickte, werden Prozesse in der Produktion und das Arbeiten generell immer vernetzter. Auch die Erfindung des Smartphones Anfang der 2000er Jahre trägt zu dieser Entwicklung bei.

Was treibt diese Phase an? Nach wie vor sind Daten der wichtigste Treiber der Industrie – allerdings in immer größerem Umfang. Heute sprechen wir deshalb von Big Data.

Wie verändert sich die Arbeit?

  • Globalisierung nimmt weiter zu, globaler Austausch und internationaler Handel florieren – verstärkt durch E-Commerce
  • Die Art wie wir arbeiten verändert sich stetig und wird flexibler
  • Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen immer mehr und der Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance wächst
  • Angenehmeres Arbeiten in Fabriken dank Industrie 4.0 – aber Angst, den Job an Roboter zu verlieren
  • Bürolandschaft wandelt sich – Großraum, remote, agil, Desk-Sharing ... etc.
  • Es entstehen Konzepte für „neues Arbeiten“ angelehnt an den New-Work-Gedanken von Bergmann

Wichtige Erfindung? Das Internet.

New Work verändert alles

Die Entwicklung von Arbeit 1.0 bis 4.0 hat gezeigt: Arbeiten wird immer angenehmer, aber auch komplexer. Die Frage, welchen Beruf man später einmal ausüben möchte, wird bei der schieren Masse an Möglichkeiten immer schwerer zu beantworten. Was aber immer klarer wird: Junge Generationen suchen einen Job mit Sinn. 

Kein Wunder also, dass New-Work-Konzepte immer mehr Relevanz im Job-Alltag bekommen. Der Frage, was New Work eigentlich für dich und verschiedene andere Menschen bedeutet, haben wir eine ganze Serie gewidmet, die wir ständig fortführen.

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