Feste Zahnspange: Behandlung, Kosten, Vor- & Nachteile

Die feste Zahnspange ist eine der am meisten verbreiteten Behandlungsformen bei Kiefer- und Zahnfehlstellungen. Sie eignet sich nicht nur zur Zahnkorrektur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch erwachsene Patienten können die Position ihrer Zähne mit der Spange optimieren. Im Folgenden wird über alles Wissenswerte rund um das Thema feste Zahnspangen, die Behandlung, Vor- und Nachteile sowie die Kosten aufgeklärt.

Inhalt des Ratgebers

In welchen Fällen ist eine feste Zahnspange sinnvoll?

Eine feste Zahnspange eignet sich grundlegend für Zahnkorrekturen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Durch das System aus Brackets, Drahtbögen und Befestigungsgummis kann der gesamte Zahn inklusive Wurzel bewegt und auch aufwendige Anpassungen vorgenommen werden (1). Eine wichtige Voraussetzung für die Behandlung mit einer festsitzenden Zahnspange ist der abgeschlossene Zahnwechsel.

Wichtig zu wissen: Das Korrigieren von Zahn- und Kieferfehlstellungen hat nicht nur eine ästhetische Wirkung, sondern ist eine „langfristige Investition in die Gesundheit und kann helfen Zahnprobleme und Zahnersatz zu vermeiden.“ (2)

Mögliche Gründe für die Therapie mit einer festen Zahnspange können sein:


Wie viel kostet eine feste Zahnspange?

Die Kosten fester Zahnspangen liege zwischen 2.500 Euro und 8.000 Euro und hängen unter anderem vom Schweregrad und der Art der Fehlstellung, dem gewählten Material sowie dem Bedarf an Zusatzleistungen und Nachbehandlungen ab.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Regelversorgung mit einer festen Zahnspange in folgenden Fällen:

Die Kosten für höherpreisiges Material, Bracketvarianten außerhalb des Leistungskatalogs oder eine Zahnspangenbehandlung im Erwachsenenalter werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Sie müssen in den meisten Fällen vom Patienten selbst getragen werden. Eine Zahnzusatzversicherung kann hier äußerst sinnvoll sein. Je nach Tarif werden Kosten für kieferorthopädische Leistungen teilweise übernommen. Informieren Sie sich jetzt über die Tarife der ottonova Zahnzusatzversicherung.


Feste Zahnspange: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Bei einigen Zahn- und Kieferfehlstellungen ist bereits eine Behandlung im Kindesalter sinnvoll. Grundsätzlich gilt: Ein Kontrolltermin in der Praxis des Zahnarztes kann kaum „zu früh“ stattfinden. Bei einigen Fehlstellungen kann es schon im Alter von sechs bis neun Jahren sinnvoll sein, dass Eltern ihre Kinder erstmalig beim Kieferorthopäden vorstellen, um geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen.

Das hat folgende Gründe:

Reguläre Behandlung für Kinder und Jugendliche

Regulär beginnt man mit der Behandlung mit einer festen Zahnspange für Kinder abhängig von der individuellen Zahnstellung und -entwicklung in etwa ab dem 10. Lebensjahr. Laut den Richtlinien für kieferorthopädische Behandlungen (3), die für Zahnärzte gelten, sollte ein Behandlungsbeginn erst ab der zweiten Phase des Zahnwechsels erfolgen. Das bedeutet konkret: Der Patient hat ein Alter von 10 bis 13 Jahren und seine Milchmolaren und Milcheckzähne sind schon durch ihre Nachfolger ersetzt (4).

Das Kindes- und Jugendalter eignet sich ideal für kieferorthopädische Eingriffe, da sich die Ober- und Unterkieferknochen noch im Wachstum befinden. Kurzum: Die Kieferknochen von Kindern sind zellreich und faserarm, wodurch der Vorgang der Zahnbewegung beschleunigt wird. Bei zellarmen und faserreichen Knochen von Erwachsenen stattdessen ist mehr Zeit bis zum finalen Behandlungsergebnis einzuplanen. (2)

Feste Zahnspange für Erwachsene

Der Wunsch nach einer Zahnkorrektur im Erwachsenenalter ist nicht unüblich. Oftmals wurden Fehlstellungen an den Zähnen im Kindesalter nicht angemessen behoben. In anderen Fällen ist keine angemessene Nachbehandlung erfolgt, was zu erneuten Zahnverschiebungen führen kann. Grundsätzlich gilt: Die Behandlung mit einer festen Zahnspange ist auch für Erwachsene noch möglich und sinnvoll. Neben der Optimierung der Zahnästhetik, haben feste Zahnspangen auch positive Auswirkungen auf die Mundgesundheit:

Eine feste Zahnspange kann insbesondere vor dem Einsatz von hochwertigem Zahnersatz sinnvoll sein. (2)

Bei Erwachsenen ist zu beachten, dass das Kieferwachstum abgeschlossen und die Gewebereaktion altersbedingt eingeschränkt ist. Das kann dazu führen, dass eine Behandlung länger dauert als bei Kindern.


Behandlung mit der festen Zahnspange

Feste Zahnspangen sind aus sogenannten Brackets, Drahtbögen und Gummis aufgebaut. Sie verbleiben für den gesamten Behandlungszeitraum im Mundraum des Patienten. Während der einzelnen Termine in der Praxis werden die Drähte je nach Bedarf ausgetauscht und die Einstellungen angepasst. So erzielt man schrittweise eine Optimierung der Position der Zähne im Mund.

Wichtig zu wissen: Zahnbewegungen im Sinne der Kieferorthopädie sind grundsätzlich erst möglich, weil Zähne nicht fest im Kiefer sitzen. Die Zahnwurzel wird von einem Faserbündel, den sogenannten Sharpey-Fasern, im Kiefer gehalten. Sie federn zum Beispiel Stöße effektiv ab, ohne dass sofort ein Zahnverlust droht. Die Sharpey-Fasern sind von winzigen Blutgefäßen und Nerven durchzogen. Druck auf die Zähne, der durch die feste Zahnspange ausgelöst wird, führt zur Entstehung von Druck- und Zugzonen im Fasergewebe.

So gelingt eine schrittweise Verbesserung der Stellung der Zähne im Mund von bis zu einem Millimeter pro Monat (2).

Brackets: Die verschiedenen Arten

Brackets sind kleine Halterungen der festen Zahnspangen, die mit einem Spezialkleber auf die Zähne geklebt werden. Sie dienen dazu den Drahtbogen und die Bänder der Spange zu fixieren. Dazu befinden sich auf den Brackets Schlitze (sog. Slots), durch die der Bogen aus Draht gespannt wird. Grundsätzlich sind Brackets in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Patienten können in Absprache mit ihrem Kieferorthopäden die verschiedenen Möglichkeiten abwägen und eine Wahl bezüglich des Materials und der Größe treffen.

Metallbrackets

Lingualbrackets

Keramikbrackets

Selbstligierende Brackets


Bögen: Die verschiedenen Varianten

Bögen verlaufen durch die Brackets und dienen als Verbindungs- und Führungselement einer festen Zahnspange. Abhängig von der Art der Brackets werden sie zusätzlich mit Gummis oder Drahtligaturen am Bracket fixiert. Der Bogen baut Druck auf, der auf die Zähne wirkt, um sie in ihre Endposition zu bewegen. Gummis zwischen den Brackets des Ober- und Unterkiefers (wie Gummizüge) können bei einer Kieferfehlstellung Anwendung finden, um auch ihn durch Druck und Zug in die gewünschte Position zu bringen. Im Laufe der Behandlungen in der Praxis werden die Bögen einer festen Zahnspange immer wieder nachgespannt, justiert und ausgewechselt.

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Bögen:

Festsitzende Zahnspange: Die Vorteile auf einen Blick

Die feste Zahnspange verspricht in der Praxis der Kieferorthopädie folgende Vorteile:

Welche Nachteile bringt eine feste Zahnspange mit sich?

Mögliche Nebenwirkungen (3):


FAQ zum Thema "Feste Zahnspange"

Ob eine Zahnspangenbehandlung notwendig ist, kann letztlich nur der Kieferorthopäde eindeutig klären. Grundsätzlich gilt: Ist die Funktionsfähigkeit von Zähnen und Kiefer und/oder die Mundgesundheit durch die Fehlstellungen beeinträchtigt, ist eine Zahnspange sinnvoll. Dazu zählen unter anderem Probleme der Kaumuskulatur und des Kiefergelenks, Fehlbelastungen einzelner Zähne oder verschachtelte Zähne mit begünstigtem Kariesrisiko. Bei Kindern ist eine feste Zahnspange zudem notwendig, wenn die Fehlstellungen das Wachstum des Ober- und Unterkieferknochens behindern.

Nach dem Einsetzen der festen Klammer treten in der Regel leichte Schmerzen oder ein Spannungsgefühl auf. Für gewöhnlich reduzieren sich diese innerhalb weniger Tagen. Mögliche Druckstellen durch die Brackets klingen meist ebenso bereits nach kurzer Zeit ab. In Akutfällen bietet sich spezielles Wachs an, das auf die betroffenen Stellen am Bracket aufgetragen werden kann. So werden Reizungen des Zahnfleischs und der Zunge vermieden. Da die Zahnspange zur Behebung der Zahnfehlstellungen in regelmäßigen Abständen angepasst wird, ist die Tage danach mit einem erneuten Druckgefühl zu rechnen. Sind die Spannungen nicht auszuhalten, sollte in jedem Fall ein Termin in der Praxis vereinbart werden.

Quellen

(1) Dr. Mindermann, G. (2009): Kieferorthopädie zwischen medizinischer Notwendigkeit, wünschenswerter Behandlung und ästhetischem Anspruch. In: Pädiatrix - Das Magazin für Kinderheilkunde 1 (2009). 26-27. URL: www.paediatrix.de/pdfs_articles/jahr2009_ausgabe01_231_e54eadbb3696f083277a275a18ed927b.pdf (aufgerufen am 17.02.2022)

(2) Brückmann, Barbara (2015): Kieferorthopädie – Zahnspange ja oder nein? Stiftung Warentest. URL: books.google.de/books?hl=de&lr=&id=ylZ3DwAAQBAJ&oi=fnd&pg=PT2&dq=zahnspange+&ots=n5SqIlPc3H&sig=JpckcYdqnVEhJMwu_jHgfGWOWuE#v=onepage&q=zahnspange&f=false (aufgerufen am 17.02.2022)

(3) Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (2010): Optimaler Zeitpunkt für die Durchführung kieferorthopädischer Maßnahmen (unter besonderer Berücksichtigung der kieferorthopädischen Frühbehandlung). URL: www.dgkfo-vorstand.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/Stellungnahme_Behandlungsbeginn.pdf (aufgerufen am 18.02.2022)

(4) Verbraucherzentrale (2021): Wann zum Kieferorthopäden? URL: www.kostenfalle-zahn.de/projekt-kostenfalle-zahn/kieferorthopaedie/wann-zum-kieferorthopaeden-12809 (aufgerufen am 18.02.2022)

(5) Dr. Hölscher, I./Dr. Lindel, I. (2021): Selbstligierende Brackets. URL: www.kfo-am-dammtor.de/teens/feste-zahnspangen/selbstligierende-brackets#:~:text=Die%20Vorteile%20von%20selbstligierenden%20Bracketsystemen%3A%201%20Die%20Brackets,Behandlungsdraht%20ist%20wesentlich%20flexibler%20als%20die%20herk%C3%B6mmlichen%20B%C3%B6gen (aufgerufen am: 18.02.2022)

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