Blinddarmentzündung: Was du wissen musst

Schmerzen im rechten Unterbauch können auf eine akute Blinddarmentzündung hindeuten. Was die Ursachen sind, wie weitere Symptome aussehen können und warum du bei Verdacht auf Blinddarmentzündung in jedem Fall zum Arzt gehen solltest, haben wir hier für dich zusammengestellt.

Auf einen Blick

Blinddarmentzündung ist die häufigste Ursache für plötzlich auftretende starke Bauchschmerzen. Der ziehende oder stechende Schmerz sitzt meist im rechten Unterbauch, kann allerdings auch auf die linke Bauchseite und bis in den Rücken ausstrahlen. Auf bestimmte Druckpunkte reagieren Menschen mit Blinddarmentzündung besonders empfindlich. Laufen und Hüpfen können ebenfalls schmerzhaft sein.

Wichtig: Der Verdacht auf Blinddarmentzündung sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Unbehandelt drohen lebensgefährliche Komplikationen wie ein Darmdurchbruch mit anschließender Bauchfellentzündung.

Eine Blinddarmentzündung kann gefährlich werden

Meist beginnt es mit unklaren Bauchschmerzen. Ein stechender oder ziehender Schmerz in Magen- oder Bauchnabelnähe. Was könnte das sein? Zu viel gegessen? Verdauungsstörungen? Regelschmerzen?

Wenn der Schmerz innerhalb weniger Stunden nach rechts unten wandert, solltest du stutzig werden – denn das könnte ein Anzeichen für eine Blinddarmentzündung sein. Ohne medizinische Behandlung der Blinddarmentzündung kann es zu schweren Komplikationen wie einem Darmdurchbruch und einer Bauchfellentzündung kommen, die sogar tödlich enden können. Doch wie genau entsteht eigentlich eine Blinddarmentzündung? Wie sieht die Therapie aus? Das und mehr verraten wir dir im Folgenden.

Erst einmal müssen wir mit einem Missverständnis aufräumen. Denn obwohl wir umgangssprachlich von einer „Blinddarmentzündung“ sprechen, bereitet bei dieser Erkrankung nicht der Blinddarm selbst Probleme, sondern sein kleines Anhängsel. Der Wurmfortsatz, auch Appendix genannt, ist etwa zehn Zentimeter lang und spielt für die Verdauung keine Rolle. Neuere Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass das Gewebe nicht komplett funktionslos ist, wie man lange annahm: Offenbar ist der Wurmfortsatz die Heimat nützlicher Darmbakterien, wodurch ihm eine wichtige Aufgabe bei der Immunreaktion zukommt. Zu finden ist diese beutelförmige Ausstülpung des Darms normalerweise im rechten Unterbauch – sie kann aber auch verrutschen und abknicken, etwa in der Schwangerschaft. Dadurch kann die Diagnose einer Blinddarmentzündung erschwert werden.

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Die Ursachen einer Blinddarmentzündung

Was passiert nun bei einer Blinddarmentzündung im Körper? Meist ist es der Übergang zwischen Blinddarm und Wurmfortsatz, der durch verhärteten Kot oder Fremdkörper wie Obstkerne verstopft. Dann stauen sich Sekrete in der Darmausstülpung an, Bakterien vermehren sich darin und es entsteht eine schmerzhafte Entzündung. Seltener sind Darmwürmer, Tumore oder ein ungünstig abgeknickter Appendix schuld an der Entzündung. Wer unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leidet, hat ein erhöhtes Risiko für eine Blinddarmentzündung: Denn die Entzündung kann von ihrem Ursprungsort aus auf den Wurmfortsatz übergreifen.

Zu den typischen Symptomen einer Blinddarmentzündung gehört der eingangs beschriebene „Wanderschmerz“, der innerhalb von Stunden vom Ober- in den rechten Unterbauch wechselt. Die Bauchdecke fühlt sich verhärtet an und selbst leichte Berührungen führen zu Schmerzen. Diese können auch auf die linke Bauchseite sowie in den Rücken ausstrahlen. Charakteristisch ist, dass die Schmerzen beim Laufen und Hüpfen schlimmer werden, da sich der entzündete Wurmfortsatz dann in der Bauchhöhle hin und her bewegt.

Die Symptome einer Blinddarmentzündung

Neben Bauchschmerzen können weitere Beschwerden kommen, wie etwa:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • Fieber
  • erhöhter Puls
  • starkes Schwitzen

Blut im Urin spricht eher nicht für eine Blinddarmentzündung, sondern deutet auf Probleme mit den Nieren oder Harnwegen hin.


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Kann eine Blinddarmentzündung von alleine weggehen?

Das Tückische an einer Blinddarmentzündung ist: Nur selten treten die Symptome gemeinsam auf, häufig verspürt der Patient einfach nur diffuse Beschwerden, die sich auch über Tage hinweg entwickeln können. Man spricht dann von einer schleichenden Blinddarmentzündung. Kleine Kinder klagen oft über besonders starke Schmerzen im gesamten Bauchraum, während bei älteren Menschen Symptome wie Bauchschmerzen, Erbrechen und Fieber mitunter weniger stark ausgeprägt sind – oder gar nicht auftreten.

Gewusst?

Eine akute Blinddarmentzündung ist die häufigste Ursache für plötzliche starke Bauchschmerzen. Etwa 7 % der Menschen leiden einmal in ihrem Leben daran – am häufigsten sind Kinder und junge Erwachsene betroffen.

Vermutest du, eine Blinddarmentzündung zu haben, solltest du dies in jedem Fall ärztlich abklären lassen. Es ist zwar möglich, dass die Beschwerden von selbst wieder abklingen. Doch das Risiko für gefährliche Komplikationen ist hoch, wenn du nichts unternimmst. Wenn der entzündete Wurmfortsatz durchbricht, gelangen Kot und Bakterien in die Bauchhöhle. Dies kann zu Eiterbildung und einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung führen. Breitet sich die Entzündung auf das umliegende Gewebe aus, können eine Darmlähmung oder ein Darmverschluss die Folge sein. Zudem kann eine unbehandelte Blinddarmentzündung zu Narben und Verklebungen im Gewebe führen, was eine erneute Entzündung begünstigen kann.


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Blinddarmentzündung: So läuft die OP ab

Wenn du mit Verdacht auf Blinddarmentzündung zum Arzt gehst, wird dich dieser zunächst zur Art und Dauer deiner Beschwerden befragen. Anschließend kann der Mediziner einige Tests durchführen, um die Diagnose Blinddarmentzündung zu untermauern. Wahrscheinlich wird dein Arzt deinen Unterbauch abtasten und dabei bestimmte Schmerzpunkte leicht drücken. Bei gesunden Menschen löst dieser sanfte Druck normalerweise keine Schmerzen aus – bei Patienten mit Blinddarmentzündung schon. Zudem kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden: Sind die Anzahl der weißen Blutkörperchen im Blut sowie die Blutsenkungsreaktion erhöht, deutet dies auf eine Entzündung im Körper hin. Wo die Entzündung sitzt, lässt sich dem Blutbild allerdings nicht entnehmen.

Grundsätzlich kann eine Blinddarmentzündung auch medikamentös behandelt werden. Dann bekommt der Patient Antibiotika, Bettruhe und Nahrungsverzicht verordnet. Diese Form der Therapie birgt aber immer das Risiko, dass sich die Blinddarmentzündung verschlimmert und es zu Komplikationen kommt. Deshalb raten die meisten Ärzte direkt zur Operation.

Welche OP-Methoden gibt es?

Bei der klassischen Appendektomie wird der rechte Unterbauch mit einem etwa fünf Zentimeter langen Schnitt geöffnet und der entzündete Wurmfortsatz wird herausgeschnitten. Ebenfalls möglich ist eine Laparoskopie, bei der drei kleine Schnitte gemacht werden und ein spezielles Endoskop zum Einsatz kommt. Beide OP-Methoden werden unter Vollnarkose durchgeführt. Danach bleibst du noch für einige Tage zur Beobachtung im Krankenhaus und wirst im Anschluss für zwei bis drei Wochen krankgeschrieben, um dich zu erholen.

Blinddarmentzündung vorbeugen: Geht das?

Zwar kannst du einer Blinddarmentzündung nicht gezielt vorbeugen – doch es gibt durchaus Maßnahmen, um deine Darmgesundheit zu unterstützen. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit viel frischem Gemüse, Obst und Vollkornprodukten regt die Darmbewegung und die Verdauung an. Das senkt nicht nur das Risiko für Entzündungen im Darm, sondern beugt vielen weiteren gesundheitlichen Problemen wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Krankheiten vor.

Im ottonova Magazin findest du jede Menge Tipps für eine gesunde Ernährung. Wir verraten dir zum Beispiel, wie du dein eigenes Gemüse auf der Fensterbank anbauen kannst, was es mit dem Food-Trend Fermentieren auf sich hat und welche Pflanzen dein Immunsystem stärken.

Natalie Decker
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Natalie Decker

Natalie arbeitet seit 15 Jahren als Redakteurin. Neben Lifestyle-Themen wie Kochen und Reisen gehören Medizin & Gesundheit zu ihren Schwerpunkten. Sie schreibt unter anderem für das Online-Portal gesund-vital.de und den Ratgeber-Verlag Gräfe und Unzer.

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