11. August 2020

Herzinfarkt – Anzeichen, Symptome und Maßnahmen

Herzinfarkte sind eine ernste Angelegenheit. Zwar hat in den letzten Jahrzehnten das Bewusstsein für Herzinfarkte zugenommen, doch noch immer sterben zu viele Menschen daran. In diesem Artikel erfährst du, welche Anzeichen auf einen Herzinfarkt hinweisen und wie du erste Hilfe leisten kannst.

6 MIN.

Wusstest du, dass ein Herzinfarkt beziehungsweise Herzanfall, in der medizinischen Terminologie „Myokardinfarkt“ heißt? Genauso unbekannt wie der medizinische Name sind auch die Anzeichen, wenn man bei sich oder anderen einen Herzinfarkt feststellt.  

Noch immer ranken sich viele Mythen und Legenden um Herzinfarkte – der Aufklärungsbedarf ist also groß. Herzanfälle sind nicht mehr nur eine Krankheit der älteren Generationen: In den letzten Jahren haben Studien herausgefunden, dass immer mehr jüngere Menschen daran leiden. Jeder 15. Betroffene ist jünger als 45 Jahre, 80 % von ihnen sind männlich, so eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie aus dem Jahre 2015. Selbige Studie hat auch festgestellt, dass circa 85 % der Opfer Raucher waren. 

Wie erkennt man einen Herzinfarkt? 

Für sich allein betrachtet sind die folgenden Symptome nicht unbedingt ein Herzinfarkt-Anzeichen. Doch die Mischung macht’s – stellst du zwei oder mehr Symptome fest, oder treten sie plötzlich und ohne Vorwarnung auf, solltest du unverzüglich den Notarzt rufen. 

Kalter Schweiß

Kalter Schweiß ist nicht nur der Name eines Thrillers aus den 1970ern, sondern auch ein Symptom. Obwohl die Haut kalt ist, fängt der Betroffene an zu schwitzen. Der Körper zeigt mit dem Kaltschweiß, dass er unter erhöhtem Stress steht. Er kommt plötzlich zum Vorschein – wenn eine Herzattacke auftritt. Doch Achtung: Kalter Schweiß kann auch ein Symptom für andere Krankheiten sein, etwa ein Lungenödem, Unterzuckerung oder Schocks.  

Taubheitsgefühl und Kribbeln im linken Arm

Jeder kennt das Kribbeln, das ein tauber Arm oder Fuß infolge eines Bewegungsmangels ausstrahlen. Ursache dafür sind vor allem Durchblutungsstörungen. In der Regel flaut das Kribbeln ab, wenn man die betreffenden Stellen bewegt. Und was passiert bei einem Herzinfarkt? Richtig, die Durchblutung stockt und es treten Schmerzen im linken Arm auf.  

Stechen in der Brust

Im Brustkorb liegen neben dem Herzen und der Lunge auch andere wichtige Organe wie der Magen. Ein Stechen oder Ziehen in der Brust muss daher nicht unbedingt auf einen Herzinfarkt hinweisen. Auch starkes Sodbrennen oder eine Rippenprellung können Schmerzen in der Brust auslösen. Doch plötzlich auftretende Atemnot, Engegefühle sowie Stechen in der linken Brust sind deutliche Herzinfarkt-Anzeichen. 

Herzstiche

Selbst erfahrene Ärzte haben oft Schwierigkeiten, einen Herzanfall richtig zu diagnostizieren. Ein Herzstechen könnte beispielsweise auch eine psychische Ursache haben – Stichwort Liebeskummer– oder Zeichen einer Angina Pectoris, also einer Minderdurchblutung des Herzens, sein. Wenn die Herzstiche jedoch plötzlich auftreten und mit heftigen Schmerzen verbunden sind, ist es ein Zeichen, dass ein Herzinfarkt vorliegt. 

Blutdruck

Unsere Ernährung hat große Auswirkungen auf unseren Blutdruck. Bei sehr salzhaltigen Speisen steigt er, nach dem Konsum bestimmter Obst- und Gemüsesorten sinkt er. Bluthochdruck ist aufgrund von ungesunder Ernährung eine Volkskrankheit. Es verstopft die Arterien und hindert den Blutfluss. Das Herz muss stärker pumpen und vergrößert sich infolgedessen. Doch der Platz im Brustkorb ist begrenzt, es stößt sprichwörtlich an seine Grenzen. Findet kein Sauerstoffaustausch mehr statt, können Teile des Herzens absterben. Werden durch die ausbleibende Blutversorgung die Herzkranzgefäße nicht mehr richtig versorgt, kommt es zu einem Herzinfarkt. 

Blasses Gesicht

Blasse Gesichter sind nicht nur ein Zeichen einer Erkältung oder eines grippalen Effekts. In der frühen Menschheitsgeschichte zeigte Blässe den Mitmenschen, dass jemand krank ist und gemieden werden sollte. Blasse, fahle Haut ist eine Folge der mangelhaften Durchblutung – und damit auch ein Zeichen für Herzinfarkte. 

Was ist ein stiller Herzinfarkt? 

Entgegen der üblichen Annahme muss ein Herzinfarkt nicht immer plötzlich auftreten, sondern kann auch auf leisen Pfoten daherkommen. Manche Menschen leben Tage, Monate oder sogar Jahre mit einem Herzinfarkt, ohne dass sie ihn bemerken. Diese Form nennt man stillen oder stummen Herzinfarkt. Er tritt vor allem bei Hinterwandinfarkten auf. 

Wie kann man einen stillen Herzinfarkt erkennen? Menschen mit stillem Herzinfarkt fühlen sich lustlos und müde und klagen über Atemnot oder Schwindel. Meistens verschwinden die Symptome wieder, nur um kurze Zeit später stärker wieder aufzutreten. Dies kann bis zu einem Zusammenbruch geschehen. Gerade weil die Symptome nach einiger Zeit wieder verschwinden, vermeiden es die meisten, rechtzeitig zum Arzt zu gehen. Ein großer Fehler! 

So beugst du Herzinfarkten vor 

Wie du dich am besten motivierst, haben wir dir ja bereits verraten. Diese einfachen Übungen kannst du sogar zuhause machen.

Das heißt konkret: Keine geschäftlichen E-Mails oder Anrufe mehr nach Feierabend, das heißt keine Smartphones vor dem Einschlafen, das heißt aber auch: Zeit für dich. Gehe ins Fitnessstudio, mache einen Spaziergang oder nimm an einem Yoga-Kurs teil. Oder befolge unsere fünf Tipps zum Stressabbau

Wie wir dir bereits oben verraten haben, ist Rauchen die Hauptursache Nummer 1 für Herzinfarkte. Und wenn du jetzt denkst „Dann greife ich halt zur E-Zigarette“, dann müssen wir dich enttäuschen: Auch E-Zigaretten steigern das Herzinfarkt-Risiko. Mit dem Rauchen komplett aufzuhören schont nicht nur deine Gesundheit, sondern auch deinen Geldbeutel. 


Du weißt jetzt, was beim Herzinfarkt passiert und wie du ihn erkennst. Am besten ist es jedoch, wenn er gar nicht erst auftritt. Die beste Prävention für dich: Ein gesunder Lebensstil.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Du fragst dich sicher, was du tun kannst, bis die Rettungssanitäter eintreffen. Es gibt eine Pflicht, Betroffenen zu helfen. Wenn du die Anzeichen bei anderen erkennst, gilt es schon als erste Hilfe leisten, wenn du den Notruf wählst. Schon mit kleinen Dingen und Maßnahmen kannst du Großes bewirken und Leben retten.

Diese Herzinfarkt-Maßnahmen kannst du sofort durchführen

Zuerst 112 rufen

Nicht selten geraten Betroffene in Panik und vergessen das Wichtigste: den Notruf zu wählen. Die Mitarbeiter in der Notrufzentrale werden dich unter anderem nach deinem Namen und deiner Adresse fragen. Beende nicht das Gespräch, sondern bleibe in der Leitung. Die Mitarbeiter werden dir Instruktionen geben.

So setzt du mit jedem Smartphone einen Notruf ab 

In Notfallsituationen kann es immer mal zu Komplikationen kommen, da muss der Notruf so schnell und unkompliziert wie möglich funktionieren. Mittlerweile haben Apple und Google in ihren Betriebssystemen Funktionen integriert, mit denen du auch auf fremden Smartphones Notrufe absetzen kannst. Besonders nützlich: Apple-Geräte wählen direkt die landesspezifische Notrufnummer.

iPhone 7 oder älter: 

Drücke die Seitentaste fünf Mal schnell hintereinander. Schiebe anschließend den „Notruf SOS“-Schalter nach rechts.  

iPhone 8 oder neuer: 

Drücke die Seitentaste und eine der Lautstärke-Tasten so lange, bis der „Notruf SOS“-Schieberegler angezeigt wird. Wenn du die Kombination gedrückt hältst ertönt außerdem ein lauter Alarmton und es wird nach fünf Sekunden automatisch ein Notruf gestartet. 

Apple Watch: 

Drücke die Seitentaste und betätige den „Notruf SOS“-Regler. Ähnlich wie auf deinem iPhone wird auch hier ein automatischer Notruf, zusammen mit einem Alarm-Ton, gestartet wenn du die Seitentaste gedrückt hältst. 

Übrigens: Hat der Betroffene einen Notfallpass eingerichtet hast du dort auch mögliche Notfallkontakte sowie frühere Erkrankungen im Blick. 

Android: 

Drücke drei Mal schnell hintereinander auf den Power-Button. Leider kontaktiert Android nicht den lokalen Rettungsdienst, sondern sendet die Standortdaten sowie jeweils ein Bild von der Front- und Rückkamera an die Notfallkontakte. 

An Ort und Stelle bleiben – nicht zum Krankenhaus fahren

Finger weg vom Steuer, wenn du selber ein Stechen im Herz oder andere Symptome bei Herzinfarkt bei dir feststellst. Du bist in diesem Zustand nicht verkehrstüchtig und stellst eine Gefahr für den Straßenverkehr dar. Du bringst nicht nur dein Leben, sondern auch das Unschuldiger in Gefahr.

Es gibt einen Grund, warum Rettungswagen mit Blaulicht fahren können und du nicht. Die Sanitäter sind schneller bei dir als umgekehrt.

Jetzt twittern

Nicht hinlegen

Auch wenn das Herz schmerzt: Nicht hinlegen! Wenn du den Oberkörper erhöht lagerst entlastest du das Herz. Am besten setzt du dich oder den Betroffenen auf den Fußboden an das Sofa oder die Wand, die Beine ausgestreckt.

Enge Kleidung öffnen

Öffne enganliegende Kleidung, wie Gürtel oder Krawatte, Hemd- oder Jeansknöpfe und ziehe gegebenenfalls die Schuhe aus. Je besser du oder der Betroffene atmen kann, desto besser. Und je besser die Atmung, desto besser kann das Blut fließen.

Ruhe bewahren und bei dem Betroffenen bleiben

Betroffene spüren aufgrund der Atemnot eine Enge im Brustkorb und haben oft eine Todesangst. Das Beste, was du bei Herzinfarkten tun kannst: Kontrolliere die Atmung. Langsam und tief einatmen, halten, und wieder ausatmen.

Ist jemand anderes von einem Herzinfarkt betroffen, beruhige den Betroffenen und bleibe an seiner Seite. Leiste ihm psychologischen Beistand und bleibe ruhig. Viele machen den Fehler und verfallen selber in Panik.

Was du tun kannst, wenn der Betroffene das Bewusstsein verliert

Okay, du hast alle Schritte befolgt und der Betroffene hat trotzdem das Bewusstsein verloren? Oder es ist eine Wiederbelebung notwendig? Die Sanitäter brauchen gefühlt eine Ewigkeit, bis sie da sind? Verzage nicht und befolge diese Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Regelmäßig Puls kontrollieren

Die größte Gefahr bei einem Herzinfarkt geht vom drohenden Kreislaufstillstand aus. Kontrolliere deshalb regelmäßig den Puls. Bevor du ihn jedoch misst, sollte das Opfer fünf Minuten lang ruhig liegen.

Mittlerweile haben viele Menschen einen Pulsmesser zuhause. Fitness-Tracker und Smartwatches wie die Apple Watch haben einen integrierten Pulsmesser – nutze sie! Wenn du eines dieser Geräte hast, nimm es ab und bringe es am Gelenk des Betroffenen an.

Doch was ist, wenn kein solches Gerät in der Nähe ist? Dann kannst du den Puls herausfinden, indem du zwei Finger auf die Innenseite des Handgelenks drückst. Alternative Orte sind die Stelle zwischen dem Kehlkopf und der seitlichen Halsmuskulatur sowie die Innenseite des Ellbogens – dort, wo dir Blut abgenommen wird.

Herzdruckmassage

„Dreißig zu Zwei“ lautet die Formel. Lege den Betroffenen auf den Boden und knie daneben. Drücke 30 Mal – zwei Mal pro Sekunde – auf die Mitte des Brustkorbes. Die richtige Stelle liegt zwischen den Brustwarzen. Führe anschließend zwei Mal Mund-zu-Mund-Beatmung durch und halte dabei die Nase des Betroffenen zu. Gib nicht auf, wenn es beim ersten Mal nicht klappt.

Herzinfarkte müssen nicht immer tödlich enden

Mit diesen Erste-Hilfe-Maßnahmen kannst du bereits großartige Hilfe leisten für den Betroffenen und Vorarbeit für die Sanitäter. Sicherlich fragst du dich jetzt, was du noch tun kannst. Wie wäre es mit einer Auffrischung deiner Erste-Hilfe-Kenntnisse? Richte einen Notfallpass auf deinem Smartphone ein, falls du es noch nicht getan hast. Oder kaufe dir einen Fitness-Tracker oder eine Smartwatch. Mit diesen Maßnahmen und unseren Tipps bist du im Notfall bestens vorbereitet.

Share
Du nutzt einen älteren Browser, der nicht unterstützt wird.

Für eine fehlerfreie Darstellung und mehr Sicherheit empfehlen wir dir auf einen modernen Browser umzusteigen.

Unsere Empfehlungen