Kokosöl: Gesund oder giftig? Superfood oder Mythos?

Kokosöl wird in Südostasien schon seit mehreren tausend Jahren genutzt. In den letzten Jahren ist auch hier ein Hype darum entstanden. Nun kommen jedoch Behauptungen auf, dass Kokosöl gefährlich sei. Wir fragen: Ist Kokosöl ein Superfood? Oder war alles nur ein großer Irrtum?

In diesem Artikel erfährst du:

Ist Kokosöl giftig?

Eine provokante Frage, aber gar nicht so weit hergeholt. In einem Vortrag behauptete Professorin Karin Michels von der Universität Freiburg nämlich genau das: Dass Kokosöl giftig sei, im Wortlaut, es sei „das reine Gift“. Sicherlich meinte sie damit nicht, dass Kokosöl gefährlich ist in der Hinsicht, dass es den Körper wirklich vergiften kann. Die Aussage zielte wohl eher darauf ab, in überspitzter Form darzulegen, dass Kokosöl ungesund sei. Und damit ist sie schon näher an der Wahrheit dran – auch wenn dies beim genauen Hinschauen ebenfalls etwas kompliziert ist. Denn was gesund und ungesund ist, ist gar nicht so einfach zu sagen.

Kokosöl: Superfood? Oder nicht mal gesund?

Wie kommt die Professorin Michels nun also zu der Aussage, dass Kokosöl gefährlich für den Körper sein kann? Dazu sollte man sich zuerst einmal die chemische Struktur des Öls genauer ansehen. Kokosöl hat nämlich einen sehr hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, welche, allgemein gesprochen, nicht besonders gut für den Körper sind und als ungesünder gelten als ungesättigte Fettsäuren. Mit einem Anteil von etwa 90% ist Kokosöl sogar das natürliche Fett mit dem höchsten Anteil an gesättigten Fettsäuren. Ein übermäßiger Verzehr von diesen steht in Verdacht, zum Beispiel Folgendes zu verursachen:

Studien zeigen aber mittlerweile auch, dass nicht alle gesättigten Fettsäuren die gleiche Wirkung haben. Die mittelkettigen gesättigten Fettsäuren, die vermehrt auch in Kokosöl vorkommen, wirken sich zum Beispiel schlechter auf den Cholesterinspiegel aus, werden dafür aber leichter verdaut. Wie negativ die Auswirkungen von Kokosöl an sich auf das Cholesterin sind, lässt sich allerdings noch nicht genau sagen, denn es gibt ebenfalls Hinweise darauf, dass das Öl sich nicht so stark auf den Cholesterinspiegel auswirkt wie der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren vermuten ließe – hier ist also eindeutig noch mehr Forschung vonnöten. 

Wie du erkennen kannst, sieht es also aus gesundheitlicher Sicht nicht besonders gut aus für das Kokosöl als Superfood. Tatsächlich rät auch die Verbraucherzentrale von dem Verzehr ab, da keine der angeblich positiven Wirkungen bisher wissenschaftlich belegt werden konnte. Stattdessen empfiehlt es Rapsöl, Walnussöl (beide bis zu 90% ungesättigte Fettsäuren) und Olivenöl (ca. 80%) als gesündere Alternativen mit kürzeren Transportwegen, sprich höherer Umweltfreundlichkeit.



Die Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim hat sich dem Thema Kokosöl ebenfalls angenommen

Hier erfährst du, was sie von den überzogenen Aussagen von Professorin Michels hält


Ist Kokosöl ungesund? Das sind die Inhaltsstoffe

Wie gesund Kokosöl ist, hängt nicht nur davon ab, welchen Anteil die gesättigten bzw. ungesättigten Fettsäuren ausmachen. Denn auch bei diesen gibt es Unterschiede. So setzt sich Kokosöl unter anderem zu etwa 50% aus Laurinsäure, die zum Beispiel auch in Palmöl vorkommt, sowie etwa 19% Myristinsäure zusammen. Beide finden unter anderem Anwendung in der Herstellung von Seife. 

Der Laurinsäure werden einige positive Eigenschaften zugeschrieben: So soll sie zum Beispiel antimikrobiell wirken und damit Viren, Bakterien und Pilzinfektionen abwehren. Abgesehen davon sind vor allem einige Mineralstoffe und Aminosäuren sowie Vitamin E in dem Öl enthalten. Verglichen mit anderen pflanzlichen Ölen und selbst mit Butter (in der stecken zum Beispiel viel Kalzium, Magnesium und Eisen) ist aber auch das nicht besonders beeindruckend. Gemessen an den Inhaltsstoffen kann man also nicht von dem „Superfood“ Kokosöl sprechen.

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Kokosöl und Anwendung am Körper 

Woher kommt er denn also nun, der „Mythos Kokosöl“? Wenn Kokosöl in Lebensmitteln scheinbar eher wenige positive Eigenschaften für den Körper hat, dann bleibt nur noch die äußere Anwendung. Und hier kann das Öl endlich auch punkten: Denn die Anwendung von Kokosöl auf Haut und Haar ist weit weniger umstritten und scheint einige positive Effekte zu erzielen.

Kokosöl und Haut

Für die Haut kann das Kokosöl bedenkenlos benutzt werden – es enthält die sogenannte Laurinsäure, dank welcher es als entzündungshemmend gilt. Aufgrund dieser Eigenschaft kann Kokosöl bei Krankheiten der Haut unterstützend im Heilungsprozess wirken. Deshalb wird es zum Beispiel oft gegen Neurodermitis oder ähnliche Hautkrankheiten verwendet. Die Frage, ob das wirklich sinnvoll ist, steht aber immer noch im Raum. Denn Kritiker behaupten, dass Kokosöl die Haut eher austrocknen und damit die Beschwerden noch verstärken könnte. Das liegt daran, dass es nicht besonders gut in die Haut einzieht und so die Hautatmung behindert. Ob und wie es hilft, musst du also am besten selbst ausprobieren.


Trockene Haut? 

Das kannst du dagegen tun!


Nicht nur medizinisch, sondern auch kosmetisch ist Kokosöl auf der Haut vielversprechend. Viele schwören darauf, sich mit Kokosöl Augen und Gesicht abzuschminken. Foundation und Mascara lassen sich damit ganz einfach entfernen: Einfach das Öl in den Händen verreiben und im Gesicht verteilen. Anschließend kannst du es mit Wattepads entfernen und die Reste mit einer Seife oder einem Reinigungsgel entfernen. Weil Kokosöl entzündungshemmend wirkt, kann es außerdem gegen Pickel helfen.

Zuletzt kannst du in der Schwangerschaft Kokosöl benutzen, um Dehnungsstreifen vorzubeugen. Reibe einfach den Bauch am besten täglich damit ein - mit feuchter Haut, zum Beispiel nach dem Duschen, zieht es besser ein. Ebenso kann Kokosöl in der Schwangerschaft auf die Brustwarzen aufgetragen werden, um diese weich und geschmeidig zu halten. In dieser Zeit und vor allem während des Stillens werden diese nämlich besonders beansprucht.

Kokosöl und Haare

Neben der Wirkung von Kokosöl auf die Haut schwören viele Beauty-Gurus auf die Anwendung in den Haaren. Und da könnte etwas dran sein: Die enthaltene Laurinsäure wirkt nämlich nicht nur für die Gesichtshaut pflegend, sondern auch auf die Kopfhaut, und kann dort zum Beispiel Pilzinfektionen vorbeugen. Werden die Haare selbst mit Kokosöl behandelt, legt sich dieses jedoch wie ein Film darum und zieht (wie auch in die Haut) nicht ein. Das wiederum führt dazu, dass keine Feuchtigkeit in die Haare eindringen kann – für trockene Haare ist die Behandlung also eher kontraproduktiv. Dennoch fühlen sich sie nach dem Ausspülen des Öls, welches ein paar Stunden ins feuchte Haar einziehen sollte, weicher an und sind besser kämmbar. Nur eine langfristige Lösung ist das eben nicht.

Fazit: Was ist dran am Mythos Kokosöl?

Die Meinungen zum Kokosöl als Superfood sind gespalten. Während die einen gar nicht genug davon bekommen, sehen die anderen es sogar als potenziell gefährlich für den Körper. Eine endgültige Aussage lässt sich darüber leider nicht treffen. Denn Ernährung ist ein äußerst komplexes Thema, bei dem sich auch die Wissenschaft nicht einig wird. Dazu kommt, dass zu natürlichen Lebensmitteln vergleichsweise weniger geforscht wird. Kokosöl als gesund zu bezeichnen, wäre aber beim jetzigen Wissensstand eine Übertreibung. Klar ist jedoch, dass es wie alle anderen Fette nur im Überfluss wirklich gefährlich werden kann. Es ab und zu in der Asia-Pfanne zu verwenden, wird dir auf keinen Fall schaden - viel wichtiger ist für dein allgemeines Wohlbefinden eine ausgewogene Ernährung. 

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Marie-Theres Rüttiger
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Marie-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin für Gesundheits- und Versicherungsthemen bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über (E-)Health und Innovation, die das Leben besser machen. 

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