Funktioniert Detox wirklich? Einem Mythos auf der Spur

Detox-Tee, Detox-Kapseln, Detox-Smoothie: Zahllose Produkte versprechen, den Körper zu entgiften. Doch ist das überhaupt nötig? Was ist dran am Lifestyle-Trend und funktioniert Detox wirklich? Wir beleuchten das umstrittene Thema von zwei Seiten und lassen Befürworter und Gegner zu Wort kommen.

Detox Definition: Wie funktioniert Detox?

Nicole Staabs, Ernährungsberaterin und Buchautorin, erläutert im Gespräch mit GU Balance: „Detox kommt aus dem Englischen und bedeutet Detoxification, also Entgiftung. Wenn man für sich eine Detox-Zeit plant, wird in dieser Zeit auf alles verzichtet, was den Körper belastet. Alle filternden Organe, wie die Leber und die Nieren, werden entlastet und ihre Funktion unterstützt. Der Körper wird optimal mit Nährstoffen versorgt und kann regenerieren.“ 

Das klingt vielversprechend – und so funktioniert’s: Um mit Detox zu entgiften, verzichtest du fünf bis zehn Tage lang auf feste Nahrung. „Zunächst gibt es drei sogenannte Entlastungstage“, erklärt der Heilpraktiker René Gräber. Mithilfe von Flohsamen-Pulver, einem wichtigen Detox-Lebensmittel, wird der Darm entleert. Danach geht es mit Säften, Smoothies, Tees oder Brühen weiter – die gibt es praktischerweise schon fertig gemischt zu kaufen. Durch das Fasten soll der Stoffwechsel angeregt werden. Erst gegen Ende der Kur darfst du an drei „Aufbautagen“ wieder Obst und Gemüse in fester Form essen, bevor du langsam zu deinem gewohnten Speiseplan zurückkehrst. Alkohol, Zigaretten, Haushaltszucker, Weizenmehl und künstliche Zusatzstoffe wie Konservierungs- und Farbstoffe sind während der gesamten Detox-Diät tabu. 


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Mit Detox entschlacken: Der Weg zu mehr Energie?

Etwa drei Tage dauert es, so Detox-Expertin Nicole Staabs, bis dein Organismus sich umgestellt hat: „Sind die ersten Tage überstanden, steigt die Energie, man ist morgens vor dem Wecker wach, nachmittags nicht müde, Haut und Augen strahlen, man fühlt sich viel wohler in seiner Haut. Je häufiger man die Detox-Kur wiederholt, desto geringer fallen auch die Nebenwirkungen aus.“ 

Zu den Nebenwirkungen, die vor allem zu Beginn einer Entschlackungs-Diät auftreten können, zählen Kopfschmerzen, Durchfall und übermäßiges Schwitzen. Sanfte Yogaübungen, wohltuende Massagen, Bäder und Spaziergänge an der frischen Luft sollen dabei helfen, die Nebenwirkungen zu lindern und die gefürchteten Gifte und Schlacken aus deinem Körper zu befördern. Die Mühe lohnt sich, versichert René Gräber: „Eine solche Kur setzt positive Energie frei und führt auch zur Gewichtsabnahme.“


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Doch funktioniert Detox wirklich? Die Wissenschaft steht derartigen Aussagen kritisch gegenüber. Bisher gibt es keinerlei Studien, die die Wirksamkeit von Detox belegen konnten. Auch die Existenz der „Schlacken“, die sich angeblich durch ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung und Umweltgifte in unserem Körper ablagern, konnte bisher nicht bewiesen werden. Michael Ristow ist Professor für Energiestoffwechsel an der ETH Zürich und klärt im Gespräch mit dem Schweizer Magazin Annabelle auf:

„Detox findet im Körper prinzipiell immer statt, dafür gibt es Organe wie die Leber oder die Nieren – und die funktionieren sehr gut. Es ist ein Irrglaube zu denken, man könnte durch Wunderkuren diese Vorgänge im Körper aktivieren oder beschleunigen.“

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Dank Detox entgiften – oder doch dank Leber und Co.?

Ein gesunder Körper wird Giftstoffe in der Regel also selbst wieder los. Schafft er das nicht – etwa bei einer gefährlichen Bleivergiftung oder einer Drogen-Überdosis – braucht er professionelle Hilfe und keine Tees oder Säfte. Doch in einem Aspekt liegen die Detox-Fans gar nicht so falsch, räumt Michael Ristow ein: „Wenn die Leber damit beschäftigt ist, Alkohol abzubauen, kann sie sich nicht um andere Dinge kümmern, die sie abbauen sollte.“ Das bedeutet: Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, verzichtet auf Alkohol. Allerdings nicht nur während einer Entgiftungskur, sondern so oft wie möglich.

Weiterer Kritikpunkt: Eine radikale Detox-Kur könnte zu einem Mangel an wichtigen Proteinen und Fetten führen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Wer den Trend dennoch ausprobieren möchte, sollte daher unbedingt vorab mit seinem Arzt sprechen und sich idealerweise während der Kur ärztlich begleiten lassen. Für Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sind Entgiftungsdiäten grundsätzlich nicht zu empfehlen, sagen die Experten der DGE. 

Teure Detox-Produkte wie Tees, Kapseln und Pulver, die die Diät unterstützen sollen, sieht Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung generell kritisch: „Detox-Anhänger werben mit vielen falschen Aussagen. Im Darm lagern keine ‚Schlacken‘ ab. Den entgiftenden Effekt gibt es nicht.“ Einläufe mit Öl oder Darmspülungen, wie sie unter Detox-Fans beliebt sind, sind also unnötig – und schlimmstenfalls sogar gefährlich. Nachhaltig Abnehmen kannst du durch Detox übrigens nicht: Der Körper verliert während der Kur zwar viel Wasser, aber die Fettpölsterchen bleiben. Wer nach der Diät wieder wie gewohnt weiterfuttert, hat die Kilos sowieso schnell wieder drauf. Stichwort Jojo-Effekt.

Gesunde Ernährung – mit unseren Tipps kein Problem

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bewertet den Detox-Trend zwar eher negativ, sieht aber auch einen positiven Effekt. Menschen, die Detox ausprobieren, setzen sich mit ihren Ernährungsgewohnheiten auseinander und finden so womöglich zu einer gesünderen Lebensweise. 

Du möchtest wissen, welche Lebensmittel dir wirklich guttun? Im ottonova Magazin haben wir jede Menge Tipps zum Thema ausgewogene Ernährung für dich zusammengestellt. Wir verraten dir zum Beispiel, wie der Einstieg in den Veganismus gelingen kann, welche gesunden Inhaltsstoffe in Nüssen stecken und wie viel Kaffee pro Tag eigentlich noch okay ist.

Natalie Decker
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Natalie Decker

Natalie arbeitet seit 15 Jahren als Redakteurin. Neben Lifestyle-Themen wie Kochen und Reisen gehören Medizin & Gesundheit zu ihren Schwerpunkten. Sie schreibt unter anderem für das Online-Portal gesund-vital.de und den Ratgeber-Verlag Gräfe und Unzer.

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