23. Januar 2020

Innere Kündigung: Impulse, wie du sie jetzt überwindest!

Schlechte Laune am Montagmorgen im Büro kennen viele – wenn die aber die ganze Woche nicht verschwindet, kann eine innere Kündigung die Folge sein. Eine Studie des Beratungsunternehmen Gallup fand heraus, dass jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland seinen Job bereits innerlich gekündigt hat. Tipps, was du tun kannst.

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Jeden Morgen gehst du pünktlich um 9 Uhr ins Büro. Du machst deine Arbeit nach Vorschrift, gehst zwischendurch Kaffee trinken und verlängerst deine Pause etwas. Der Nachmittag zieht sich dann endlos in die Länge und du wartest sehnsüchtig darauf, um Punkt 17:30 Uhr den Stift fallen zu lassen. Kommt dir bekannt vor? Dann könnte es sein, dass du bereits innerlich deinen Job gekündigt hast und eigentlich ständig nur auf das Wochenende oder den nächsten Urlaub wartest. Wie du damit umgehst, wenn eine innere Kündigung droht und was du dagegen tun kannst.


Was bedeutet "innere Kündigung"?

Es gibt die übermotivierten Mitarbeiter, die schon morgens fröhlich das Büro betreten, freiwillig Überstunden machen und vor Ideen nur so sprudeln. In der Realität sind das aber die wenigsten:

Schon gewusst?

Laut einer Gallup-Studie von 2018 fühlen sich nur 15 % der Arbeitnehmer emotional an ihr Unternehmen gebunden. 71 % geben dagegen an, nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen, 14 % haben sogar innerlich schon gekündigt.

Mitarbeiter hingegen, bei denen eine innere Kündigung vorliegt, sind wesentlich passiver und bringen sich in Gruppen kaum ein. Es sind kaum Verbesserungsvorschläge von ihnen zu erwarten. Wer seinen Job innerlich schon gekündigt hat, kommt schnell in eine Abwärtsspirale: Eine Frustration über längere Zeit erhöht das Risiko in ein Burn-out zu rutschen oder eine Depression zu bekommen.

Wer in der Arbeit keinen Erfolg mehr verspürt und nicht motiviert ist, ist unzufrieden. Diese Unzufriedenheit kann auf das ganze Leben ausstrahlen. Unter Umständen können dann auch Beziehungen zur Familie, zu Freunden oder zum Partner darunter leiden. Neben Auswirkungen auf die privaten sozialen Kontakte hat eine innerliche Kündigung auch Effekte auf die Arbeitskontakte.

Wenig Motivation ist ansteckend. Chronisch unzufriedene Mitarbeiter beschweren sich häufig bei Kollegen, was oft auf deren Stimmung und Motivation ebenfalls abfärbt.

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All das kommt dir irgendwie bekannt vor? Dann könnte eine innerliche Kündigung auch bei dir vorliegen.

Innere Kündigung: Studie

Für den Engagement Index Deutschland fragt Gallup seit 2001 jedes Jahr 1.000 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer zu ihrer Motivation am Arbeitsplatz. Die neueste Studie von 2018 zeigt auf, dass 14 % davon so unzufrieden sind, dass sie sich bereits nach einem neuen Arbeitsplatz umschauen. Nur 15 % fühlen sich dem Arbeitgeber wirklich verbunden. Einer der häufigsten Gründe dafür sind Fehlverhalten des Chefs: Nur einer von fünf der Befragten gaben an, dass ihr Vorgesetzter sie zu hervorragender Arbeit motiviere.

Woran merke ich, dass ich innerlich gekündigt habe?

Unmotivierte Mitarbeiter sind im Schnitt öfters krank und arbeiten wesentlich unproduktiver. Häufig werden Anzeichen einer innerlichen Kündigung bei einem Mitarbeiter spät erkannt – sowohl vom Arbeitgeber als auch von dem Mitarbeiter selbst. Umso früher Probleme angegangen werden, umso besser kann ihnen entgegengewirkt und eine reelle Kündigung vielleicht sogar abgewendet werden.

Innere Kündigung: Anzeichen

  • Deutlich nachlassendes Engagement
  • Oft gelangweilt und genervt, außerdem passiv und ideenlos
  • Pausen werden oft verlängert, spätes Kommen und frühes Gehen
  • Zynisches Verhalten, Sachverhalte werden ins Lächerliche gezogen
  • Häufige Krankmeldung und viele Fehlzeiten
  • Negative Äußerungen über Arbeitsthemen
  • Man zieht sich zurück, nimmt an sozialen Events in der Arbeit wenig oder gar nicht teil

Wenn sich solche Verhaltensweisen bei dir selber oder vielleicht bei einem Kollegen zeigen, dann liegt es nah, dass eine innere Kündigung vorliegt. Um diese abzuwenden oder zumindest einzuordnen, gilt es, sich zunächst auf die Suche nach den Ursachen zu machen.


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Motivationskiller: Gründe für eine innere Kündigung

Die Folgen einer inneren Kündigung sind nicht nur für den Angestellten gravierend, sondern auch für das Unternehmen: Qualitätseinbußen, sinkende Produktivität, steigende Fehlzeiten und Konflikte im Team sind nur einige Auswirkungen davon. Dabei liegen die Gründe eines Mitarbeiters oft in einer fehlenden Struktur oder in einem schlechten Vorgesetztenverhalten. Welche Gründe noch dazu führen:

  • Keine Perspektiven:
    Der Job ist schlecht bezahlt, man wird bei Beförderungen übergangen oder immer wieder vertröstet: Oft werden Versprechungen und Erwartungen vom Arbeitgeber nicht erfüllt. Mit so einer Perspektivlosigkeit kann die Motivation schnell sinken.
  • Schlechte Führung:
    Wenn die Führung nicht gut ist, kann das ganz schön demotivierend sein. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass Bedürfnisse der Arbeitnehmer ignoriert und Ideen nicht ernst genommen werden oder man keine Wertschätzung erfährt. Die Folge: Resignation bei den Mitarbeitern.
  • Man sieht keinen Sinn in der Arbeit:
    Wenn man nicht wahrnehmen kann, warum die eigene Arbeit wichtig ist, ist es schwierig, motiviert zu sein. Ein Vorgesetzter hat die Aufgabe, dem Mitarbeiter den Sinn zu vermitteln, langfristige Ziele festzulegen oder unter Umständen sogar einen neuen Aufgabenbereich zu finden, der besser passt.
  • Mobbing am Arbeitsplatz:
    Wenn Kollegen oder Vorgesetzte Mobbing ausüben, ist bei Betroffenen die psychische Belastung meist hoch. Das kann die Arbeitsmotivation enorm beeinflussen.
  • Veränderungen:
    Wenn die gewohnte Arbeitsorganisation umstrukturiert und Abläufe verändert werden sollen, kann das für Mitarbeiter eine bedrohliche Situation sein. Oft äußert sich das in Ablehnung, Antihaltung und fehlender Motivation.

Suche das Gespräch!

Der erste Schritt eines Vorgesetzten, der merkt, dass ein Mitarbeiter innerlich gekündigt hat, sollte das Gespräch sein. Regelmäßige Mitarbeitergespräche können früh helfen, Probleme anzugehen. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement kann außerdem dazu führen, das Engagement der Mitarbeiter zu erhöhen. Aber was kannst du machen, wenn du bei dir selbst merkst, dass du innerlich gekündigt hast?


Michael Leitner von Virgin Pulse im Interview:

So können Arbeitgeber die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern


Was kannst du selbst gegen eine innerliche Kündigung tun?

Zuerst einmal: Eine innerliche Kündigung heißt nicht zwingend, dass man wirklich sofort kündigen muss. Wenn du das Gefühl hast, bei dir sinkt die Motivation in der Arbeit stetig und es droht, unüberwindbar zu werden, dann halte dich an diese Tipps:


1. Handle rechtzeitig

Wenn sich bei dir Anzeichen von Frust zeigen, solltest du schnell handeln. Sprich die Probleme rechtzeitig an und stelle dich deinen Ängsten. Mache deinem Vorgesetzten klar, dass du Unterstützung und Wertschätzung brauchst und fordere diese früh ein.


2. Sei ehrlich zu dir selbst

Was stört dich eigentlich wirklich in der Arbeit? Und was schleppst du vielleicht sogar aus deinem Privatleben mit und projizierst du nur in dein Arbeitsleben? Schreibe auf, was dich stört und was dir vielleicht sogar gefällt. Meist sind es gar nicht so schlimme Sachen. Und wenn doch: Reagiere und versuche es zu ändern!


3. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit

Wenn du unzufrieden bist, versuche das durch dein Privatleben auszugleichen. Treibe Sport, treffe Freunde, gehe Hobbys nach. Schöne Momente können frustrierende Erlebnisse in der Arbeit ausgleichen und immer unwichtiger werden lassen.


4. Sei konsequent

Wenn sich absolut keine Besserung einstellt, der Arbeitgeber keinerlei Perspektiven oder Mithilfe zeigt, dann ziehe Konsequenzen und suche dir einen neuen Job. Frage dich allerdings vorher, ob du nur einen neuen Arbeitgeber brauchst oder vielleicht sogar einen Branchenwechsel oder einen ganz neuen Beruf benötigst. Manchmal kann eine Umorientierung viel bewirken.

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