18. November 2019

Neurodermitis: So linderst du den Juckreiz

Du hast Neurodermitis und willst ständig kratzen, um den Juckreiz zu lindern? Das ist keine gute Idee. Wir verraten dir Hausmittel und Tricks, die gut für deine Haut sind und die Symptome lindern können.

5 min.

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, ist eine rätselhafte Krankheit. Sie hat viele Gesichter und erfordert eine individuelle Therapie. Wir sind der Hautkrankheit auf der Spur und nennen Mittel und Wege, um im Alltag besser mit den Hautentzündungen klar zu kommen.

Symptome – so erkennst du Neurodermitis

Das Beschwerdebild im Überblick:

  • Erste Symptome: Es entstehen Hautentzündungen mit nässenden Rötungen, die zur Krustenbildung neigen. Die restliche Haut wirkt trocken.
  • Hauptsymptom: Die Haut juckt. Das ständige Kratzen kann die Hautschichten verletzen und damit Krankheitserregern Tür und Tor öffnen. So kann beispielsweise Herpes entstehen. Juckende Haut nervt außerdem und kann zu Gereiztheit führen.
  • Weitere Symptome: Knötchen, Schuppungen, Verhornungen, Hautrisse und weiße Hautverfärbungen können entstehen.

Die Symptome treten meist phasenweise auf: Mal treten sie stark in den Hintergrund, mal verschlechtern sie sich. Manche Neurodermitis-Patienten leiden außerdem an einer Allergie, wie Asthma und Heuschnupfen oder haben eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Bei ihnen sind die Hautprobleme oft besonders stark. Allergisches Asthma tritt vor allem dann auf, wenn die Neurodermitis unbehandelt bleibt.


Du hast nicht nur Neurodermitis, sondern auch Heuschnupfen?

Hier erfährst du, was hilft.


Neurodermitis befällt oft das Gesicht und tritt bei Kindern häufiger auf als bei Erwachsenen. Laut Leitlinie sind etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen betroffen. Wenn du bereits als Kind Neurodermitis hattest, kann die Erkrankung im Erwachsenenalter erneut ausbrechen. Dann fangen häufig vor allem die Hände aufgrund der Neurodermitis zu jucken an.

Was sind die Ursachen für Neurodermitis?

Laut Bundesverband Neurodermitis sind Forscher immer noch damit beschäftigt, die Ursachen der Erkrankung zu finden. Man vermutet, dass mehrere Faktoren zusammenkommen.

Wenn bereits deine Eltern an Neurodermitis erkrankt sind, hast auch du ein erhöhtes Risiko. Aber nicht nur die Gene bestimmen, ob deine Haut zu jucken beginnt. Man vermutet, dass auch Umweltverschmutzung oder eine penible Hygiene eine Rolle spielen. Bei Kindern, die viele Geschwister haben oder deren Familie ein Hund hat, bricht die Erkrankung nämlich seltener aus. Das Immunsystem ist von Anfang an gut trainiert.

Impfgegner munkeln übrigens, dass Impfungen Neurodermitis auslösen können. Wissenschaftler haben aber keinen Zusammenhang festgestellt.

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Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die schlechte Nachricht zuerst: Neurodermitis ist bis jetzt nicht heilbar. Zum Glück sind die Symptome aber gut behandelbar. Mit verschiedenen Präparaten kannst du die Hautveränderungen und den Juckreiz eindämmen, damit die Neurodermitis deinen Alltag kaum beeinträchtigt. An welchen Stellen du ansetzt und wie die Therapie aussiehst, ist sehr individuell und hängt von deinen Symptomen ab. Am besten sprichst du mit deinem Arzt darüber. Vor allem bei schweren Schüben verschreibt er dir rezeptpflichtige Tabletten.

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Cremes und Medikamente

  • Trockene Haut pflegen: Die richtige Hautpflege gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei Neurodermitis. Du brauchst rückfettende und feuchtigkeitsspende Präparate, denn Hauttrockenheit kann Entzündungen und Juckreiz auslösen. Laut Leitlinie sind sie auch dann anzuwenden, wenn deine Haut gerade nicht entzündet ist. Am besten zweimal täglich. Wenn deine Haut sehr trocken ist, kannst du spezielle Seifen, Bodylotions und Shampoos verwenden. Urea ist der am häufigsten verwendete Inhaltsstoff in Pflegeprodukten für trockene Haut. Er ist aber nicht geeignet, wenn du gerade einen Schub hast, da Urea dann ein brennendes Gefühl verursachen kann.
  • Juckreiz dämpfen: Gerbstoffhaltige Cremes lindern den Juckreiz. Antihistaminikatabletten werden mittlerweile nicht mehr verschrieben.
  • Entzündungen lindern: Kortisoncremes wirken gegen Hautentzündungen und kommen zum Einsatz, wenn du gerade einen Schub hast. Auch danach kann dir der Arzt raten, die Produkte ein- bis zweimal pro Woche anzuwenden, um auch latente Entzündungen zu bekämpfen. Zwar sind Kortisoncremes eher unbeliebt, aber bei sachgemäßer Anwendung kommt es nur selten zu Nebenwirkungen.

Jenseits der Medikamente gibt es noch mehr Möglichkeiten, wie du die Symptome im Alltag lindern kannst.

Nicht kratzen!

Natürlich möchtest du sofort kratzen, wenn die Haut juckt. Aber dieser Impuls ist trügerisch. Kurzzeitig mag er Erleichterung bringen, kann aber zu Komplikationen führen. Wenn Kratzwunden entstehen, dringen Krankheitserreger leicht ein. Wer möchte schon, dass beispielsweise Herpes-Viren in den Körper gelangen? Aber nicht zu kratzen, ist gar nicht so einfach.

Deshalb haben wir ein paar Anti-Kratz-Tipps für dich:

1. Schritt: Balle deine Hände 30 Sekunden lang zu Fäusten.
2. Schritt: Knete die juckende Stelle leicht.
3. Schritt: Presse deine Fingernägel in die juckenden Hautareale.

Diese Erste-Hilfe-Maßnahme ist sogar wissenschaftlich erprobt. Sie schädigt die Haut nicht, aber hilft effektiv, den Juckreiz besser auszuhalten. Laut Allergieinformationsdienst bessert sich so das Hautbild, denn der Haut tut das ständige Kratzen nicht gut. Es ist mit den Anti-Kratz-Tipps sogar möglich, eine schwere bis mittelschwere Neurodermitis in eine leichte Form zu verwandeln. Und das in drei Wochen!

7 natürliche Hausmittel gegen Neurodermitis zur äußerlichen Anwendung

Milde Formen der Neurodermitis kannst du mit natürlichen Hausmitteln lindern. Am besten immer in Absprache mit deinem Hausarzt. Damit kannst du den Juckreiz eindämmen und die Regeneration der Hautzellen beschleunigen.

  • Kochsalzumschlag: Koche 9 Gramm Kochsalz in 11 Liter Wasser auf. Dann tunke ein sauberes Baumwolltuch hinein, das du für 10 bis 15 Minuten auf die betroffenen Hautareale legst. Danach cremst du deine Haut am besten ein. Dieses Hausmittel ist nur geeignet, wenn dein Ausschlag nicht nässt!
  • Cleopatra-Bad: Gib einen Liter Milch und 100 Milliliter Olivenöl in ein Vollbad, um deiner Haut Feuchtigkeit zuzuführen. Tupfe sie nach dem Bad nur leicht ab.
  • Nachtkerze: Als Öl oder als Creme kannst du dieses Heilkraut nutzen, damit sich deine Haut regeneriert. Es soll vor allem bei regelmäßiger Anwendung helfen.
  • Ringelblumensalbe: Ringelblumen sollen entzündungshemmend wirken. Teste aber aus, ob du sie gut verträgst, denn sie kann auch allergische Reaktionen auslösen.
  • Aloe-Vera-Gel: Aloe Vera soll Feuchtigkeit spenden, lindert Juckreiz und hat einen antimikrobiellen Effekt.
  • Propolis: Die von Bienen hergestellte harzartige Masse soll Wunden schneller heilen lassen. Darin sind Pollen enthalten – somit also weniger geeignet für Allergiker.
  • Arnika: Das traditionelle Heilkraut soll gegen Entzündungen helfen und wird daher von manchen Neurodermitis-Patienten als Begleittherapie angewandt.
  • Kaltgepresstes Kokosöl: Kokosöl kannst du täglich zur Feuchtigkeitspflege einsetzen, der Hauptheilstoff Laurinsäure wirkt entzündungshemmend.
  • Schwefel/ Schwefelbad: Schwefel desinfiziert und soll die Wundheilung fördern. Deshalb werden Schwefelbäder manchmal in Kliniken angewandt.

Die Wirkung von Hausmitteln ist oftmals allerdings nicht gut erforscht. Probiere also aus, was bei dir funktioniert und was nicht.

Mögliche Trigger sind laut Bundesverband Neurodermitis:

  • Allergene wie Tierhaare oder Pollen
  • Chemikalien
  • Stress
  • bestimmte Reinigungsmittel
  • Schweiß
  • bestimmte Textilien wie synthetische Stoffe oder Wolle

Ein Tagebuch kann dir helfen, deinen persönlichen Triggern auf die Spur zu kommen. Wenn wieder ein Schub auftritt, gehe die letzten Tage durch. Hattest du viel Stress oder hast du deine Wohnung mit einem bestimmten Reinigungsmittel geputzt? Wenn sich nach einiger Zeit Muster abzeichnen, kannst du die Trigger gezielt meiden und prüfen, ob sich die Symptome bessern.

​So vermeidest du Trigger

Beobachte, welche Trigger bei dir Schübe auslösen. Wenn du das weißt, kannst du sie gezielt vermeiden und deiner Haut etwas Gutes tun.


Stress ist immer wieder ein Thema für dich?

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Welche Rolle spielt die Ernährung bei Neurodermitis?

Laut unabhängiger Gesundheitsberatung leiden 20 Prozent der Neurodermitis-Patienten unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Was den Patienten nicht bekommt, ist ganz unterschiedlich. Manche reagieren zum Beispiel auf Milch und Milchprodukte, Ei, Fisch, Nüsse, Soja, bestimmte Obstsorten oder Weizen. Da die Bandbreite groß ist, gibt es keine allgemeingültige „Neurodermitis-Diät“. Jeder muss austesten, ob sich seine Symptome bessern, wenn er bestimmte Lebensmittel weglässt.

Jetzt weißt du, was du alle ausprobieren kannst, um die Symptome deiner Neurodermitis zu lindern. Falls du gleichzeitig an einer Allergie leidest, kämpfst du an zwei Fronten. Wir haben Informationen für dich, welche Behandlungsmethoden bei Allergien helfen.

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