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LIFESTYLE - 29. April 2019

Histaminintoleranz, die Qual der Feinschmecker

Etwa 1 % der Bundesbürger soll von ihr betroffen sein, größtenteils Frauen. Für einige ist selbst das noch zu viel. Was hinter dem Rätsel Histaminintoleranz steckt und was das Ganze mit Allergien zu tun hat. 

5 Min.

Französischer Käse, feinster Schinken und ein Glas Rotwein – das klingt für dich nach einem entspannten Abend mit ein paar kulinarischen Highlights obendrauf. Für die meisten ist das auch so, einige Menschen reagieren auf diese Speisen allerdings mit Übelkeit, Hautrötungen und weiteren Beschwerden. Was diese Lebensmittel gemeinsam haben und wie sie es schaffen, einen eigentlich schönen Abend zu verderben. 

Was steckt hinter dem Übeltäter Histamin? 

Die Substanz Histamin ist ein Botenstoff und Gewebshormon. Natürlicherweise kommt es im Körper vor, steckt aber auch in vielen Lebensmitteln. Wer nach dem Genuss von gereiftem Käse, Wein und Co. mit Symptomen wie Juckreiz, Nesselsucht, Kopfschmerzen, Asthma, Durchfall und Hautrötungen mit Hitzegefühl reagiert, könnte an einer Histaminunverträglichkeit leiden.  

Doch was genau ist Histamin? Das sogenannte biogene Amin wird in verschiedenen Zellen des Körpers, wie Nervenzellen, Mastzellen oder Blutplättchen, aus der Aminosäure Histidin gebildet und dann in diesen Zellen gespeichert. Seine Aufgaben bestehen unter anderem darin, die Magensaftsekretion anzuregen, die Blutgefäße zu erweitern und so den Blutdruck zu senken. Und das ist noch nicht alles: Histamin ist ein Nervenbotenstoff und reguliert den Appetit, die Lernfähigkeit, das Gedächtnis und den Schlaf-Wach-Rhythmus des menschlichen Körpers.  

Du hast das Gefühl, Histamin schon öfter gehört zu haben, kommst aber nicht darauf, in welchem Zusammenhang? Das kann gut sein, denn was Histamin vor allem ist: ein Vermittler von Entzündungsprozessen bei allergischen Reaktionen. Es löst all die typischen Allergie-Symptome aus, die du vielleicht von dir selber oder aus deinem Bekanntenkreis kennst. Und genau diese können auch bei einer Histaminintoleranz vorkommen.  

Bedeutet das, ich habe eine Histamin-Allergie?

Nein, bei der Histaminunverträglichkeit handelt es sich um keine Allergie, also keine Reaktion des Immunsystems. Was passiert dann bei einer Histaminintoleranz? Experten vermuten, dass es sich um eine erworbene Störung im Histaminabbau handelt. Durch eine histaminreiche Nahrung fällt bei den Betroffenen also mehr Histamin an, als von ihnen abgebaut werden kann. Wird ein bestimmter Grenzwert – der bei jedem unterschiedlich ist – überschritten, kommt es zu den genannten Beschwerden.

Cetirizin Histamine B Antihistamine zur Allergiebekämpfung

Für den Histaminabbau sind verschiedene Enzyme verantwortlich: Eines davon ist die Diaminooxidase (DAO). Es baut das Histamin ab, das sich außerhalb der Zellen (zum Beispiel im Blut) befindet. Es ist deswegen vor allem für den Abbau von Histamin aus Lebensmitteln verantwortlich. Ein Mangel an bestimmten Vitaminen sowie ein paar Medikamente können die Funktion dieses Enzyms beeinflussen. Manchmal überfordert auch ein Histaminanstieg im Körper zum Beispiel bedingt durch Heuschnupfen den Abbau. 

Nicht immer ist das Essen schuld 

Dann handelt es sich meistens um Medikamente, die zu einer vermehrten Freisetzung oder einem verminderten Abbau von Histamin führen können.

Dazu zählen unter Anderem: 

Histaminintoleranz: Ernährung im Auge behalten 

Wer an einer Histaminintoleranz leidet, hat oft Schwierigkeiten, klare Ernährungsempfehlungen zu finden. Wir erklären, warum und geben dir eine Übersicht von histaminhaltigen und histaminarmen Lebensmitteln, die über Wein und Käse hinausgeht. 

Histaminhaltige Lebensmittel 

Biogene Amine kommen in geringen Mengen in fast allen Lebensmitteln vor. Sie entstehen beim Abbau und Umbau von Eiweiß. Da der Gehalt aber von der Herstellung und Lagerung der Lebensmittel abhängt, wirst du im Internet vergeblich nach genauen Werte oder gar einer Histamin-Tabelle suchen. Grundsätzlich lassen sich große Mengen Histamin in Lebensmitteln finden, die mit Hilfe von Bakterien- oder Hefekulturen hergestellt wurden. Dazu gehören etwa Salami, Käse, Sojasauce, Sauerkraut, Bier, Wein oder Sekt. Histamin wird hier als Nebenprodukt des Reifeprozesses gebildet. Vorsicht also auch bei unsachgemäßer Lagerung von Nahrung: Fischvergiftungen sind oft auf einen extrem hohen Histamingehalt zurückzuführen. 

Histaminarme Lebensmittel 

Wenn du auf eine histaminarme Ernährung achten möchtest, haben wir hier ein paar Tipps für dich:  

  • Statt geräuchertem, getrocknetem, gesalzenem oder konserviertem Fisch besser tiefgefrorenen oder frischen verzehren.  
  • Außerdem lieber Frischkäse und Butterkäse statt Camembert und Hartkäse verwenden (eher jung statt gereift, der höchste Histamingehalt steckt im Bereich der Rinde).  
  • Bananen, Ananas, Nüsse und Schokolade meiden und Alkoholkonsum einschränken – Alkohol, aber auch Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Tomaten und Meeresfrüchte können das im Körper gespeicherte Histamin freisetzen und aktivieren.
  • Geschmacksverstärker können außerdem den Histaminabbau behindern.  
  • Allgemein solltest du gerade bei Fleisch und Fisch auf Frische achten, Speisen direkt aus dem Kühlschrank verwenden und nicht auf Zimmertemperatur erwärmen sowie deine Einkäufe statt lange zu lagern, lieber direkt einfrieren. 

Diagnose Histaminunverträglichkeit 

Eine Histaminintoleranz festzustellen ist nicht ganz einfach, oft haben die Patienten schon einige Arztbesuche hinter sich, die Symptome sind unspezifisch. Nach einem ausführlichen Gespräch zur Krankengeschichte werden andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausgeschlossen. Mit einer Ernährungsumstellung oder einem Provokationstest kann dann genauer getestet werden, ähnlich wie bei einem Test zur Laktoseintoleranz.  

Des Weiteren können die DAO-Aktivität im Blutserum und die Histaminmenge im Blutplasma oder Stuhl geprüft werden. Beim sogenannten Pricktest zeigt sich eine Quaddel auf der Haut an der Stelle, an der Histamin aufgetragen wurde. Eine Histaminintoleranz-Behandlung besteht vor allem darin, die Ernährung umzustellen und auf Lebensmittel mit Histamin so gut es geht zu verzichten. Aber Histaminintoleranz heilen? Das ist leider nicht möglich. 

Umstrittenes Krankheitsbild: Histaminintoleranz 

Was jedoch wichtig ist: keiner der momentan verfügbaren Tests kann eine Histaminintoleranz gesichert nachweisen – zumindest nicht für von außen zugeführtes Histamin. Viele Experten halten die Krankheit für umstritten, sie würde oft für Beschwerdebilder genutzt werden, für die sich ansonsten keine Ursache finden lässt. Man tappt außerdem quasi im Dunkeln, es gibt kaum wissenschaftliche Daten und Studien zu dem Thema. Zudem ist nicht ganz klar, welche Einflussfaktoren den Histaminabbau sonst noch verlangsamen können und ob tatsächlich ein Enzymdefekt oder -mangel vorliegt. Andernfalls wäre die Bezeichnung Histaminintoleranz nämlich falsch. 

Nicht jeder, der die beschriebenen Symptome aufweist, hat auch eine Histamainintoleranz. Schau dich einmal bei unseren Allergie-Artikeln um, vielleicht bekommst du damit ein besseres Gefühl dafür, welche Allergie oder Intoleranz dich plagen könnte. 

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