19. August 2019

Kann agile Autonomie gelingen?

Wir sind uns doch im Grunde einig: Arbeit soll auch Spaß machen und das Büro ein Ort sein, an dem sich jeder wohlfühlt. Kommunikation ist das A und O dabei. Warum das nicht immer funktioniert, erklärt Joona Bradtke im New-Work-Interview.

3 min.

New Work bricht Silos auf und bringt Teams innerhalb einer Organisation näher zusammen. Die Karten werden neu gemischt. Damit jetzt kein Chaos ausbricht, sind Transparenz, Kommunikation und Feedback notwendig, um Anknüpfungspunkte zu schaffen und jeden Mitarbeiter abzuholen. Wenn Probleme dann auch noch konstruktiv angesprochen werden können, entsteht etwas, das Joona Bradtke als psychologische Sicherheit bezeichnet. 

Den Psychologen, New-Work-Scout und Agile-Coach treibt die Frage an, wie eine Arbeitswelt entstehen kann, in der diese psychologische Sicherheit einen festen Platz hat und in der immer weniger Menschen wegen ihrer Arbeit leiden müssen.

Wie dringend das nötig ist, zeigt ein aktueller Artikel im Wallstreet Journal, der besagt, dass Sonntagabend der neue Montag ist. Laut einer LinkedIn-Umfrage geben 80 % der arbeitenden Erwachsenen zu, bereits am Sonntag arbeitsbezogenen Stress zu verspüren.

Warum New Work so schwer umzusetzen ist

Um dem entgegenzuwirken reicht es nicht, E-Mail-Server am Wochenende abzuschalten. Vielmehr sollten der Arbeitnehmer und sein Wohlbefinden stärker im Fokus stehen. Agilität und Scrum sind eine Möglichkeit, damit Entscheidungsprozesse aus den Team selber entstehen und diese auch eigenständig umgesetzt werden können. Im Umkehrschluss bedeutet das auch: Top-down ist überholt, Entscheidungen dürfen also nicht ausschließlich von oben aufoktroyiert werden. Klingt plausibel – warum ist die Umsetzung dann so schwierig?

„Psychologische Sicherheit ist der Schlüssel für New Work.“

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Weil beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Erwartung haben, dass der andere sich verändert. Deshalb ist Kommunikation so wichtig und das Ablegen von Schubladendenken. Um die Grundlage dafür zu schaffen, bietet Joona in seinen Trainings und Coaching unter anderem die Unterstützung an, wie individuelle Wünsche bei den Vorgesetzten angebracht werden können. Mit Führungskräften erarbeitet er, bei welchen Themen es ihnen leichter fällt, loszulassen und Verantwortung abzugeben.

Scrum schafft den Rahmen für neu organisierte Teams

Kleine Schritte, iteratives Vorgehen – und damit verbunden zu lernen, auch loslassen zu können, um die Selbstorganisation und Autonomie stetig zu stärken. Das ist der Weg zu funktionierenden New-Work-Konzepten.

Weitere wichtige Punkte dabei sind Selbstorganisation, Selbstreflexion und Eigenverantwortung. In klassischen Organisationen wird das gefordert, aber selten gelebt. Das Scrum-Prinzip schafft dafür einen Rahmen und sorgt auch dafür, dass Teams sich in ihren neuen oder veränderten Arbeitsstrukturen nicht verrennen.

Scrum Joona Bradtke B Das SCRUM-Framework

Was die Zukunft angeht ist Joona optimistisch. Er hofft, dass New Work in kleinen Schritten vorangeht. „Ich hoffe, die Menschen merken, dass auch kleine Schritte viel voranbringen und dazu führen, dass man sich wohler fühlt und alle auf Dauer leistungsfähiger sind.“ 

Mehr dazu erfährst du im Video, unter anderem zu folgenden Themen:

  • Effizienz entsteht durch effektives Handeln. Wenn man merkt, dass man das richtige tut und sich dabei wohlfühlt, wird man effizienter.
  • Ganzheitlichkeit und „evolutionary purpose“ müssen gelebt werden und sich stetig weiterentwickeln.
  • In großen Konzernen sind Subkulturen entstanden, in denen Agilität funktionieren kann. Das muss aber nicht zwingend für den kompletten Konzern gelten.
  • Intrinsische Motivation ist elementar. Man kann nicht von außen motivieren, man muss einen Raum schaffen, in dem Mitarbeiter und Führungskräfte sich motivieren können.
  • Unternehmen müssen sich für Gen Y nicht verbiegen, sondern vielmehr versuchen, Neues zuzulassen. 
  • Wie informelle Hierarchien entstehen und warum diese für agiles Arbeiten wichtig sind.
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