01.07.2019

Vitamin-E-Mangel: Sind Vitamin-Präparate die Lösung?

Jeder kennt Vitamin D. Jeder weiß, wie es funktioniert und wie es produziert wird. Doch Vitamin E spielt eine genauso große Rolle in deinem Körper. Es schützt deine Zellen und verhindert die Verkalkung der Arterien. Was aber passiert, wenn du von einem Vitamin-E-Mangel betroffen bist? Wir verraten dir Symptome, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten.

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Bevor wir uns speziell dem Vitamin E zuwenden, müssen wir erstmal die Basics klären: Vitamine sind – mit Ausnahme des Vitamin D – Substanzen, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Wir müssen sie daher von außen zuführen – Stichwort Essen und Trinken.  

Der empfohlene Tagesbedarf an Vitamin E liegt zwischen 11 und 15 mg. Die gute Nachricht: Mit ausgewogener Ernährung deckst du deinen Bedarf gut ab – anders als beim Vitamin D ist Deutschland in Bezug auf Vitamin E kein Mangelland. Nichtsdestotrotz kann ein Mangel, wie auch eine Überdosierung, gravierende Folgen haben.

Was ist Vitamin E?

Der chemische Begriff für Vitamin E lautet Tocopherol, oder auch Tocotrienol. Es ist Bestandteil aller tierischen Zellen, wird aber nur von Pflanzen und Cyanobakterien gebildet. Entdeckt wurde es 1922 als „Fruchtbarkeits-Vitamin“. Da die Vitamine A bis D zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt waren, wurde es als Vitamin E klassifiziert. Es sind acht verschiedene Vitamin-E-Strukturen bekannt. 

Vitamin-E-Mangel: Symptome und Folgen 

Es gibt in Deutschland keine Unterversorgung. Nur in sehr seltenen Einzelfällen kann es zu einem Vitamin-E-Mangel kommen. Lediglich bei Menschen mit Erkrankungen kann es dazu kommen, auch Schwangere und Stillende sollten ihren Vitamin-Haushalt im Auge behalten. 

Bei der selten vorkommenden „Familial Isolates Vitamin E deficiency“ (FIVE) kann die Leber das Vitamin E nicht verstoffwechseln und deshalb nicht vom Körper verarbeitet werden.  

Auch bei einer Glutenunverträglichkeit oder Darmerkrankungen kann es zu Problemen bei der Aufnahme von Vitamin E kommen.  

Zeichen eines Vitamin-E-Mangels – auch Hypovitaminose genannt – sind Müdigkeit, Muskelschwäche, Tremor (Zittern), Netzhauterkrankungen des Auges oder Abbau der muskulären und geistigen Leistung. Die Reflexe lassen nach, und deine Wunden heilen schlechter. Auch trockene, faltige Haut sind die Folgen eines Vitamin-E-Mangels. Die Symptome zeigen sich aber erst nach Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten.  

Lebensmittel mit Vitamin E – wo ist Vitamin E enthalten?

Pflanzliche Öle wie Raps-, Sonnenblumen- oder Olivenöl enthalten viel Vitamin E. Es kann auch synthetisch hergestellt werden, besitzt dann aber keine antioxidativen Eigenschaften und kann im Körper nur bis zu 50 % in natürliches Vitamin E umgewandelt werden. Ein Salat mit etwas hochwertigem Olivenöl und ein paar Nüssen enthält besseres Vitamin E als Präparate – und ist auch deutlich günstiger als sogenanntes Vitamin-E-Öl. Von diesen beiden – Präparaten und Öl – solltest du nämlich die Finger lassen. Die meisten Menschen nehmen die empfohlene Menge an Vitamin E über ihre Nahrung auf und benötigen keine zusätzlichen Vitamin-Tabletten oder -Öle. Anders sieht es jedoch aus, wenn dein Arzt einen E-Mangel bei dir feststellt. Kläre deshalb jede Vitamin-Einnahme vorher mit deinem Hausarzt ab.

Olivenoel Vitamine B

Fun-Fact

Vitamin E darf in Lebensmitteln zugesetzt werden, Vitamin D hingegen nicht. Vitamin E schützt Kosmetik-Produkte und Lebensmittel vor Verderb durch Sauerstoffkontakt. Die Lebensmittelnummern E 306 bis E 309 verraten dir die Präsenz des Vitamins.

Kann man Vitamin E überdosieren? 

Anders als beim Vitamin D kann man Vitamin E in der Tat überdosieren. In hohen Dosen wirkt es auf den Körper toxisch. Studien zeigen, dass sich die Wirkung bei zu viel Vitamin E im Körper umkehrt – so stieg etwa bei hochdosierten Präparaten bei Rauchern die Tumorrate. Es gilt als wissenschaftlich bewiesen, dass eine Überdosierung das Sterberisiko erhöhen kann. 

Doch was passiert bei einer Überdosierung konkret? 

  • Es stört die Blutgerinnung: Vitamin E beeinflusst in hohen Mengen den Vitamin-K-Stoffwechsel (Transport-Vitamin) und setzt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab. Gerade im Verbund mit ASS beziehungsweise Aspirin oder bei bevorstehenden Operationen kann es hier zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen kommen. 
  • Es erhöht die Schlaganfallgefahr: In einer Studie nahmen rund 15.000 Mediziner über acht Jahre alle zwei Tage entweder 400 mg Vitamin E, 500 mg Vitamin C oder ein Placebo ein. Bei den Medizinern, die das Vitamin E einnahmen, kam es in 1.245 Fällen zu Schlaganfällen, einer Angina Pectoris oder einem Herzinfarkt. Es zeigte sich, dass die Mediziner mit dem Vitamin-E-Einnahmen ein deutlich höheres Risiko hatten. 

Fazit: Ein Vitamin-E-Mangel ist sehr selten 

Du siehst: Die Gefahr, dass du an einem Vitamin-E-Mangel leidest, ist sehr gering. Lass dich nicht von Heilsversprechen blenden. Weder wirkt Vitamin E gegen Krebs, noch schützt es vor Herzinfarkten. Die einzige erlaubte Werbeaussage für Vitamin E ist der „Schutz der Zellen vor oxidativem Stress“. Mit einer ausgewogenen Ernährung kannst du viel tun und beugst nicht nur dem Stress deiner Zellen, sondern auch deinem eigenen vor.  

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