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Lifestyle - 20. Februar 2019

Wie sinnvoll ist eine Zeckenimpfung?

Wer die Freiheit und die Natur liebt, möchte sich nicht einschränken. Doch nach einem Zeckenbiss wünscht man sich oft, man wäre zu Hause geblieben oder hätte sich besser geschützt. Wir zeigen dir, wie die Zeckenimpfung abläuft und was passiert, wenn du dich ungeschützt in Risikogebieten aufhältst.

5 Min.

Das Teambuilding-Event im Klettergarten hat sogar Stefan und Johannes Spaß gemacht ­– zwei, die seit der Ankündigung täglich darüber klagten, dass sie für so etwas keinen Kopf hätten. Schließlich läge ja noch ein Haufen Arbeit auf dem Tisch. Die musste allerdings noch länger warten: Stefan hat eine fiese Erkältung erwischt, trotz warmer Temperaturen. Die Geschichte kommt dir bekannt vor und du wirst sofort stutzig? Richtig, statt einer Erkältung musste Stefan nämlich mit FSME, der Frühsommer-Meningoenzephalitis kämpfen, entstanden durch einen einfachen Zeckenbiss. Etwas, das du dir eigentlich ganz leicht ersparen kannst …

Warum ist ein Zeckenbiss so gefährlich?

Zecken gehören zu den Spinnentieren, genauer zu den Milben. Als Parasiten ernähren sie sich vom Blut anderer – klingt gemein, aber bedenkt man die Größe so einer Zecke, wird schnell klar: Der Blutverlust ist nicht dramatisch. Ihr Stich ist an sich harmlos und so etwas wie ein Zeckengift gibt es auch nicht. Gefährlich wird es für dich erst dann, wenn die Zecke mit Krankheitserregern infiziert ist. Dabei handelt es sich vor allem um Borrelien (Bakterien, die eine Borreliose verursachen) und FSME-Viren (Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis).

Über die Speicheldrüsen der Zecke gelangen die Erreger in den Körper des Blutwirts. Nicht erschrecken, aber das bist du! Was außerdem noch unangenehm ist? Die kleinen Vampire suchen sich geschützte Stellen an deinem Körper aus, an denen sie einen festen Halt haben. Und das sind beim Menschen vor allem Kopf, Achseln, Kniekehlen und Bauchnabel.

Was du über FSME wissen musst

  • Infektion erfolgt von März bis Oktober, besonders im Juni und Juli
  • Zeit zwischen Infektion und Auftreten erster Symptome (Inkubationszeit): 7-14 Tage
  • Virus wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen = nicht ansteckend
  • Ablauf der Erkrankung und Symptome:
    • Erste Phase:
      Unspezifische grippeähnliche Beschwerden
      Dann: Erkrankung entweder überstanden oder symptomfreies Intervall (circa eine Woche)
    • Zweite Phase:
      Zentrales Nervensystem betroffen:
      Meningitis (Hirnhautentzündung): hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Nackenschmerzen, Lichtempfindlichkeit
      Meningoenzephalitis (Hirnhaut- und Hirnentzündung): zusätzlich Sprachstörungen, Lähmungen, Wesensveränderungen, Krampfanfälle, Koma
      Meningoenzephalomyelitis (Entzündung von Gehirn und Rückenmarkgewebe mit der insgesamt schlechtesten Prognose): zusätzlich Lähmung der Arme und Beine, Schluckstörungen, Atemlähmung
  • Oft verläuft die Infektion aber asymptomatisch oder ohne zweite Phase
  • Meldepflicht! Dem Gesundheitsamt wird eine akute Infektion namentlich gemeldet
  • Therapie: nur symptomatisch, eine spezifische antivirale Therapie ist nicht verfügbar

Was du über Lyme-Borreliose wissen musst

Nachdem sich im amerikanischen Ort Lyme Gelenksentzündungen im Zusammenhang mit Zeckenstichen häuften, wurde 1975 erstmals das Krankheitsbild der Borreliose beschrieben.

  • Infektion erfolgt von März bis Oktober, besonders im Juni und Juli
  • Nicht ansteckend
  • Häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa
  • Nach einem Zeckenstich ist in Deutschland bei 1,5 bis 6 % der Betroffenen mit einer Infektion zu rechnen
  • Zeit zwischen Infektion und Auftreten erster Symptome (Inkubationszeit): Tage bis Wochen für Stadium 1, Wochen bis Monate Stadium 2, Monate bis Jahre Stadium 3
    • Stadium 1: Ausbreitende Rötung der Haut an Stichstelle, Fieber, Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellung, Bindehautentzündung
    • Stadium 2: Ausbreitung im Organismus = brennende Schmerzen, schlaffe Lähmungen, Lähmung eines Gesichtsnerves (Fazialisparese), Herzrhythmusstörungen
    • Stadium 3: Chronisch = Entzündung der Gelenke (Arthritis), Haut wird dünner und verfärbt sich, chronische Gehirn- und Rückenmarksentzündung Therapie: Antibiotika, in der Frühphase am erfolgreichsten
  • Therapie: Antibiotika, in der Frühphase am erfolgreichsten

Was du über die FSME-Impfung wissen musst

Damit es gar nicht erst soweit kommt, gibt es zum Glück zwei Wege, wie du dich schützen kannst. Und keine Angst, du musst nicht gleich zum Stubenhocker werden oder in den Norden ziehen.

1. Impfung: Zecken – Die sichere Variante

Die in Deutschland verfügbare Zeckenschutzimpfung ist eine Impfung gegen FSME-Viren. Du impfst dich also nicht gegen Zecken, sondern gegen den Krankheitserreger. Es gibt zwar auch eine Borreliose-Impfung – diese schützt aber nur vor Borrelien, die es in den USA gibt. Weil in Europa verschiedene Arten davon vorkommen, ist hierzulande bisher noch kein Impfstoff gegen Borreliose erhältlich. Und das, obwohl die Erkrankung weitaus häufiger ist: Bundesweit erkranken im Jahr zwischen 60.000 bis 80.000 Menschen an Borreliose.

Wenn du in einem Risikogebiet wie Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen oder Thüringen lebst, kannst und solltest du dich allerdings vor den Erregern der Frühsommer-Meningoenzephalitis schützen, so empfiehlt es die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Es handelt sich dabei um eine aktive Impfung mit Totimpfstoff.

Sie muss allerdings mehrmals durchgeführt werden, die Zeckenimpfung. Wie oft? Dreimal musst du dich dafür in den seitlichen Oberarm piksen lassen und bekommst so einen Schutz für drei Jahre – ein ziemlich guter Deal, wie wir finden! Übrigens: Die zweite Dosis wird einen Monat nach der ersten und die dritte Dosis nach einem Jahr gegeben. Sind die drei Jahre abgelaufen, muss aufgefrischt werden.

Die Zeckenimpfung und Zeckenimpfung-Auffrischung bekommst du beim Haus- oder Kinderarzt und das grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt. Am besten startest du allerdings schon im Winter – da ist die Zeckengefahr am geringsten und du hast schon für die schönen sommerlichen Tage vorgesorgt. Es lohnt sich: Rund 97 % der 2017 gemeldeten FSME-Erkrankten war nicht oder unzureichend geimpft.

Zeckenimpfung: Kinder brauchen sie genauso

Bei Kindern ist die Gefahr besonders groß, von einer Zecke gestochen zu werden, da die lieben Kleinen sich gerne und viel im Freien aufhalten. Auch hier bleibt die Impfung der einzige Schutz. Daher sind die Indikationen ähnlich wie bei Erwachsenen, auch für Kinder unter 3 Jahren.

Als Indikation bezeichnet man in der Medizin den Grund für den Einsatz einer bestimmten Maßnahme, die therapeutisch oder diagnostisch sein kann. So ist hier zum Beispiel das Leben in einem Risikogebiet ein Grund (Indikation) für die FSME-Impfung. Bei Arzneimitteln spricht man in diesem Zusammenhang auch vom Anwendungsgebiet.

FSME-Impfung: Die Kosten

Personen, die in FSME-Risikogebieten leben, bekommen die vollen Kosten der Impfung von ihrer gesetzlichen Krankenkasse erstattet. Unter Umständen kannst du auch einen Zuschuss im Fall einer Reiseimpfung erhalten, wenn du z. B. in ein Risikogebiet reist. Die PKV richtet sich in der Regel nach den Empfehlungen der STiKO und erstattet tarifabhängig.

FSME-Impfung: Nebenwirkungen

Regel ist der Impfstoff gut verträglich. Doch so wie bei jeder anderen Impfung auch, können bei der Zeckenimpfung Nebenwirkungen auftreten. Meistens handelt es sich dabei um Reaktionen an der Impfstelle: Rötungen, Schwellungen oder leichte Schmerzen. Wenn du allergisch gegen Hühnereiweiß bist, kannst du unter Umständen auch gegen den Zecken-Impfstoff selbst allergisch reagieren.

2. Zeckenbiss vermeiden – Die Notfallvariante, wenn du nicht geimpft bist

Wer einen Ausflug plant und dabei Kontakt zu bodennahen Pflanzen hat (hohes Gras, Gebüsch und ähnliches), sollte abweisende Mittel auftragen und seine Körperoberfläche so gut wie möglich bedecken. Auch festes Schuhwerk zählt dazu. Nach dem Aufenthalt solltest du dir die Zeit nehmen, den Körper auf Zeckenbefall zu kontrollieren. Wirst du fündig, muss die Zecke sofort mit einer Pinzette entfernt werden. Unser Tipp: Wer helle Kleidung trägt, erkennt die kleinen Biester leichter.

App Zecke

Zeckenstich – was tun? Nutzen Sie Ratschläge zum Entfernen von Zecken.

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Solltest du dich impfen lassen? 

  1. Lebst du in einem der folgenden Bundesländer? Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen
  2. Bist du Forstarbeiter oder arbeitest in der Landwirtschaft?
  3. Gehst du gerne in der Natur joggen, spazieren, Radfahren oder wandern?
  4. Bist du ein leidenschaftlicher Camper?
  5. Reist du während der Monate März bis Oktober in eines der folgenden Gebiete?
    Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen
  6. Hast du engen Kontakt mit Tieren, die sich im Freien aufhalten?

Hast du mindestens zweimal mit „Ja“ oder bei Frage 1 mit „Ja“ geantwortet? Dann sprich mit deinem Arzt und informiere dich hier auch über weitere Impfungen, um nichts dem Zufall zu überlassen. Denn du siehst, auch wenn die Zeit knapp ist und ein Berg Arbeit auf dich wartet, die paar Minuten für eine Zeckenimpfung können dir einiges ersparen.

Hast du mindestens zweimal mit „Ja“ oder bei Frage 1 mit „Ja“ geantwortet? Dann sprich mit deinem Arzt und informiere dich hier auch über weitere Impfungen, um nichts dem Zufall zu überlassen. Denn du siehst, auch wenn die Zeit knapp ist und ein Berg Arbeit auf dich wartet, die paar Minuten für eine Zeckenimpfung können dir einiges ersparen.

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