23. Oktober 2019

Kognitives Training – Mach deinen Kopf fit!

Längst ist klar: Wer fit sein will, muss seinen Körper regelmäßig trainieren. Aber auch unser Gehirn ist eines der Organe, welches es liebt, benutzt zu werden. Wir brauchen also geistige Herausforderung – lies hier, wie kognitives Training im Alltag deine Leistungsfähigkeit erhöhen kann.

4 min.

Das menschliche Gehirn kann Erstaunliches: Es lernt, es steuert unsere Motorik, es merkt sich Dinge über längere Zeit. Aber es möchte auch gefordert werden – denn wie andere Muskeln in unserem Körper, kann auch das Gehirn trainiert und damit leistungsfähiger gemacht werden. Aber wie funktioniert kognitives Training und wie integrierst du es in deinen Alltag?

Was bedeutet kognitiv?

Das Wort kognitiv heißt „das Denken, Verstehen oder Wissen betreffend“. Kognitive Prozesse sind also all die mentalen Vorgänge, die bei uns im Kopf ablaufen. Die kognitive Wahrnehmung umfasst Hören, Sehen, Riechen, Tasten und Schmecken als sinnliche Informationsquellen und die Art, wie wir sie dann erfassen und verarbeiten. Erfahrenes generiert neue Gedächtnisinhalte und unsere Kognition ordnet die Situation ein und bewertet sie. Vergangenheit wird mit Gegenwart und Zukunft verknüpft und logische Schlussfolgerungen entstehen.

Wer gute kognitive Fähigkeiten hat, kann sich gut konzentrieren, lässt sich wenig ablenken und kann sich Dinge gut merken. Schlechte Fähigkeiten führen zum Beispiel zu langsamer Informationsverarbeitung und Vergesslichkeit.

Kognitive Funktionen: Die Arten

  • Aufmerksamkeit: Das Gehirn muss täglich entscheiden, welche Eindrücke und Informationen relevant sind und welche nicht.
  • Wahrnehmung: Die bewusste Informationsaufnahme, bei der die verschiedenen Sinnesorgane des Menschen zum Einsatz kommen.
  • Lernen: Die Lernfähigkeit beschreibt die Fähigkeit des Menschen, sich Verhaltensweisen anzueignen, sie ist eng verbunden mit der Merkfähigkeit.
  • Erinnern, Merken: Das ist die Fähigkeit von Menschen, Informationen im Gedächtnis zu speichern, um sie später wieder hervorzurufen.
  • Abstraktion: Hier kann das Gehirn Situationen oder Erlebtes auf allgemeingültige Eigenschaften reduzieren.

Kognitives Training im Alltag: Wie verwenden wir Gehirnfunktionen?

Jeder Mensch trainiert sein Gehirn täglich unbewusst im Alltag: Wenn du versuchst, dir Telefonnummern zu merken oder an Termine denken musst, ist das beispielsweise eine Leistung unseres Gedächtnisses. Aber auch, wenn du dir neue Namen merkst, denn hier verknüpft das Gehirn ein Bild mit einem Wert.

Im Laufe eines Tages verwenden wir also quasi ununterbrochen unsere Gehirnfunktionen. In diesen Situationen setzt du zum Beispiel deine kognitiven Fähigkeiten ein:

  • Beim Kochen: Wenn du für Gäste kochst, musst du verschiedene Töpfe bewachen, die Rezepte lesen und richtig umsetzen, dich gleichzeitig aber auch um deine Gäste kümmern.
  • Besprechungen: Gerade im Berufsleben müssen wir oft Besprechungen organisieren und leiten. Eine komplexe Aufgabe für unser Gehirn, bei der verschiedene neuronale Funktionen aktiviert werden - Konzentration, Aufmerksamkeit, aktive Zuhörfähigkeit, Reaktionszeit und mehr.
  • Autofahren: Auch, wenn du ein erfahrener Autofahrer bist, brauchst du bestimmte kognitive Fähigkeiten, damit du ohne Unfall zum Ziel kommst – darunter Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionszeit.
Kochen B
Meeting B
Autofahren B

Jetzt kommt allerdings der Knackpunkt: Erst wenn wir unserem Gehirn neue Herausforderungen geben, also solche, die es nicht sowieso jeden Tag vollführen muss, wird es geschult und eine Leistungssteigerung wird erreicht. Vergleichbar zum Sport, bei dem der Körper auch nur mehr Muskel und Ausdauer erlangt, wenn er an seine Grenzen getrieben wird. Mental kann das durch zielgerichtete Übungen passieren, die du wunderbar in deinen Alltag integrieren kannst.

Versuche zum Beispiel mal, im Büro auf deinen Schreibtisch zu schauen und dir fünf Gegenstände zu merken. Gehe dann in einen anderen Raum und zähle die Gegenstände auf. Das ist schon eine erste Übung. Mehr Übungen findest du weiter unten.

Kognitive Entwicklung: Warum verlieren wir unsere kognitiven Fähigkeiten?

Unsere kognitive Leistungsfähigkeit wird durch mehrere Faktoren begrenzt. Wenn du zum Beispiel müde, abgelenkt oder unmotiviert bist, ist deine kognitive Leistung geringer. Auch, wenn wir über einen längeren Zeitraum konzentriert sein müssen, nimmt die kognitive Fähigkeit für einen begrenzten Zeitraum ab. Gleichzeitig werden unsere kognitiven Leistungen generell im Laufe unseres Lebens immer schlechter.

Durch gezieltes kognitives Training kannst du die Leistung steigern und Konzentration, logisches Denken, Informationsverarbeitung und Problemlösung trainieren. Das kann präventiv gegen den Verlust der kognitiven Fähigkeit im Alter wirken, aber auch gegenwärtig für eine Leistungssteigerung sorgen.

Kognitive Übungen für zwischendurch

Im Grunde ist unsere Gedächtnisleistung unbegrenzt, wir müssen wieder lernen zu lernen. Experten sagen, dass nur 10 Minuten gezieltes Training schon große Effekte haben kann. Um sein Gehirn zu trainieren, gibt es jede Menge kognitive Übungen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen und zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit, im Auto oder in der Pause durchgeführt werden können.

5 Übungen, die verschiedene kognitive Fähigkeiten schulen:

  1. Buchstaben streichen – fördert die Konzentrationsfähigkeit

    Nimm eine Tageszeitung oder Zeitschrift, einen Stift und einen Timer zur Hand. Schlage eine beliebige Seite der Zeitung auf und streiche einen festgelegten Buchstaben in jedem Wort durch. Um zu sehen, ob du Fortschritte gemacht hast, stoppe deine Zeit – je länger du die Übung machst, desto schneller wirst du werden.

  2. Schnelle Antworten – fördert das Erinnerungsvermögen und die Konzentration

    Stelle dir im Alltag verschiedene Fragen, die Alltagssituationen betreffen, die schon weiter zurücklegen. Beantworte sie schnell. Als Beispiel: „Was gab es vorgestern zu Abend?“ „Welches Geschenk habe ich vor zwei Jahren von meinen Eltern zum Geburtstag bekommen?“

  3. Rückwärtssprechen – fördert das Sprachzentrum und die Konzentrationsfähigkeit

    Denke dir einen beliebigen Satz aus und versuche diesen rückwärts zu sprechen – beginne mit dem letzten Wort und ende beim ersten.

  4. Zuhören und wiederholen – schult das Kurzzeitgedächtnis

    Stelle das Radio oder den Fernseher für fünf Minuten sehr leise. Versuche das Gesprochene zu verstehen und etwas zeitversetzt zu wiederholen – wie eine Art Simultandolmetscher.

  5. Gehirntraining durch Bewegung

    Auch einfaches Spazierengehen kann ein kognitives Training sein. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Bewegung nicht nur den Körper trainiert, sondern auch die Leistungsfähigkeit des Gehirns fördert. Wer das noch zusätzlich fördern will, kann zum Beispiel die Übung „Rückwärtssprechen“ währen dem Spazierengehen durchführen.


Du hast das Gefühl, du wirst immer vergesslicher?

Fünf Übungen, die dein Kurzzeitgedächtnis trainieren


Auch Apps können dein kognitives Training unterstützen. Eine der populärsten ist Lumosity. Sie ist in drei Spiele aufgeteilt, die sich auf Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Problemlösung, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Flexibilität des Denkens fokussieren.

App: Lumosity

Tägliche Gehirnspiele, mit denen du auf unterhaltsame Art deine kognitiven Fähigkeiten trainieren kannst.

Download

Du willst mehr darüber erfahren, wie du dein Gehirn trainieren kannst?

Alles über Gehirnjogging


Exkurs: Therapiemethode „5 Säulen des kognitiven Trainings“

Die fünf Säulen des kognitiven Trainings sollen zur Therapie und Rehabilitation von Hirnleistungsstörungen dienen. Sie basieren auf Forschung der internistischen Chefärztin, Psychologin und Soziologin Dr. med. Franziska Stengel, die erkannte, wie wichtig geistiges Training für die Gesunderhaltung älterer Menschen ist. Hieraus entwickelte sie Mitte der 90er Jahre eine ganzheitliche Methode des Gedächtnistrainings, welches heute Teil des Therapiekonzepts „Fünf Säulen des kognitiven Trainings“ ist.

Wer also nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit bleiben möchte, der kann sein Gehirn ganz einfach im Alltag trainieren. Und gleichzeitig können wir jetzt schon unsere Gehirnleistung optimieren und im Berufs- und Privatleben Herausforderungen besser meistern. Wäre doch schade, nicht unser ganzes Potenzial zu nutzen, oder?

Share
Du nutzt einen älteren Browser, der nicht unterstützt wird.

Für eine fehlerfreie Darstellung und mehr Sicherheit empfehlen wir dir auf einen modernen Browser umzusteigen.

Unsere Empfehlungen