Klimakrise als Gesundheitskrise: Health for Future fordert Klimaschutz

Das Aktionsnetzwerk Health for Future hat ein Positionspapier zur Bundestagswahl 2021 veröffentlicht. Darin fordern Mitglieder des Gesundheitssystems umgehend Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Und dies schnell. Denn die Gesundheit der Menschen hinge auch davon ab, den Klimawandel zu stoppen.

„Die Klimakrise stellt die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit im 21. Jahrhundert dar“, sagt Internistin Dr. Lisa Pörtner. Sie ist Mitautorin von „Dein Klima. Deine Gesundheit. Deine Wahl“. Ein Positionspapier zur Bundestagswahl 2021 des Aktionsnetzwerks Health for Future, in dem sich Ärzt*innen, Pflegekräfte, Therapeut*innen und Angehörige weiterer Berufe aus dem Gesundheitssystem organisieren.

Alleine in Deutschland könnten durch konsequente Klimapolitik 150.000 vorzeitige Tote pro Jahr verhindert werden.

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Die Klimakrise ist eine Gesundheitskrise

Hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle nähmen seit der Jahrtausendwende zu. Und auch zu Allergien, von durch Zecken übertragene Erkrankungen oder neuartige Erreger wie das Coronavirus bestünde ein Zusammenhang mit steigenden Temperaturen und Veränderungen der Umwelt, so die Autor*innen. Deshalb müsse die Politik rasche und weitreichende Veränderungen herbeiführen.

Wer ist Health for Future?

Das Netzwerk Health for Future ist in Deutschland und Österreich in über 50 Ortsgruppen organisiert und setzt sich für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ein. Es bietet Beschäftigten des Gesundheitssystems die Möglichkeit, sich aktiv an politischer Gestaltung zu beteiligen und sich stark für Klimaziele zu machen, indem es Aktionen organisiert oder den Austausch zu diesen Themen fördert.

Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Luftverschmutzung, zunehmende Wasserverschmutzung und Allergene sowie die veränderte Übertragung von Krankheitserregern würden durch den Klimawandel begünstigt. Dies führe zu den verschiedensten Beschwerden. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Infektionserkrankungen und sogar psychische Erkrankungen ließen sich darauf zurückführen und würden in Zukunft, wenn die Politik nicht gegensteuere und Verantwortung übernehme, zunehmen.

Klimakrise als Gesundheitskrise

Was fordert Health for Future?

Zunächst müsse die Klimakrise als gesundheitlicher Notfall benannt werden, fordern die Mitglieder des Netzwerks. Außerdem müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine klimagerechte Gesellschaft geschaffen werden. Wie soll das konkret aussehen?

Health for Future fordert:

  1. Kohleausstieg und die Luftverschmutzung durch fossile Energien senken
  2. Autoverkehr reduzieren und auf Fahrrad und öffentlichen Nahverkehr setzen
  3. Klimafreundliche und gesunde Ernährung fördern (vegetarisch, vegan, ökologisch, regional)
  4. Erkrankungen & Todesfälle durch Klimabelastungen verhindern, indem klimafreundliche Städte geschaffen werden
  5. Ziel: Klimaneutralität im Gesundheitswesen bis 2035 (Energieverbrauchen & Emissionen senken)


Diese Maßnahmen sollen sich sowohl positiv auf das Klima als auch auf die Gesundheit der Menschen auswirken. So führe die Verbesserung der Luftqualität zu weniger Atemwegserkrankungen. Ein aktiverer Lebensstil und der Wechsel zu einer pflanzenbasierteren Ernährung würden Krankheiten wie Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.

Der ökologische Fußabdruck des Gesundheitssystems verursacht 5,2 % der deutschen Treibhausgas-Emissionen.

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Das Gesundheitssystem muss klimaneutral und krisensicher werden

Es müssten zeitnah Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine emissionsfreie Gesundheitsversorgung aktiv fördern und das System wettbewerbsfähig machen. Im Positionspapier heißt es dazu, dass sich durch Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien bereits ein Teil dieser Emissionen vermeiden ließe.

„Hier sind politische Maßnahmen für die Umsetzung eines klimaneutralen Gesundheitssektors dringend geboten.“, so Prof. Dr. Edda Weimann, Kinderärztin und Klinikleiterin. 

Alle Bereiche, insbesondere die Lieferketten, müssen dabei beachtet werden. Denn ein Großteil der Treibhausgase und Umweltbelastungen entstehe bei Produktion, Transport und Entsorgung medizinischer Güter.

Zudem sei das Gesundheitssystem weder auf Krisensituationen noch auf eine Veränderung des Klimasystems ausreichend vorbereitet und müsse krisensicherer gemacht werden. „Dazu ist es notwendig, von einer reinen Profitorientierung abzurücken und Patient*innen und Personal in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen“, heißt es von Prof. Weimann weiter. Die Verbesserung der Versorgungsqualität und Arbeitsbedingungen vor allem in den Pflegeberufen ist deshalb ein weiterer Faktor, den das Positionspapier anschneidet.

Für eine gerechte und gesunde Zukunft braucht es Klimaschutz

Ohne konsequentes Handeln rücke das Ziel des Pariser Klimaabkommens die Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, zu dem sich auch Deutschland verpflichtet hat, in unerreichbare Ferne. Die Auswirkungen nicht nur auf den Planeten, sondern auch auf die Gesundheit wären verheerend.

Mit dem Positionspapier wird die Politik wiederholt angestoßen, den Zusammenhang zwischen Klimaschutz und gesundheitlichen Folgen ernst zu nehmen. Damit Taten schnell folgen können, haben bereits zahlreiche Akteure aus dem Gesundheitssystem selbst Maßnahmen ergriffen, um ihren Beitrag für den Klimaschutz zu liefern. 

Auch wir von ottonova stehen für die konsequente Reduzierung von Treibhaus-Emissionen und einen bewussten Umgang mit unserer Umwelt. Denn nur auf einer gesunden Erde ist eine gesunde und gerechte Zukunft möglich.

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Marie-Theres Rüttiger
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Marie-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin für Gesundheits- und Versicherungsthemen bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über (E-)Health und Innovation, die das Leben besser machen.

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