PKV vs. GKV - Wie Einkommen & (Versicherungs-)Status unsere Gesundheit beeinflussen

Unsere Gesundheit hängt von vielen Faktoren ab. Einige wie unsere Ernährung oder Fitness davon können wir selbst beeinflussen, andere eben nicht oder nur bedingt. Studien zeigen: Auch der Status ist ein gesundheitlicher Faktor. Bedeutet das: Je reicher, desto gesünder? Auch in Deutschland? Und wie wirkt sich der Versicherungsstatus einer Person auf ihre Gesundheit aus? Oder kurz: Warum Privatversicherte gesünder sind als GKV-Versicherte.

Inhaltsverzeichnis

Gesundheit & Einkommen – eine Korrelation?

National wie international gilt es inzwischen als hinreichend belegt, dass Menschen mit einem höheren sozioökonomischen Status (das heißt zum Beispiel mit höherer Bildung, höherem beruflichen Status und/oder höherem Einkommen) meist eine höhere Lebenserwartung haben, gesünder sind und sich gesünder verhalten, da sie über die Gesundheitsversorgung besser informiert sind als Menschen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status.

Nicht nur die weltweite Lebenserwartung hängt maßgeblich vom Einkommen ab.

Weltweite Lebenserwartung im Verhältnis zum Einkommen

Auch in Deutschland werden Menschen, die ein höheres Einkommen erzielen älter als Menschen mit niedrigeren Einkommen.

Fast neun Jahre Unterschied in der Lebenserwartung bei den Männern und über 4 Jahre Unterschied bei den Frauen ist zwischen den untersten und obersten Einkommensgruppen zu beobachten.

Lebenserwartung nach Einkommen

„Mein Gesundheitszustand ist gut“, sagen mehr Menschen mit hohem Einkommen

Generell schätzen Menschen in der EU, die weniger verdienen, länderübergreifend ihren Gesundheitszustand schlechter ein als Menschen mit mittleren oder höheren Einkommen.

Der größte Unterschied ist hier in Malta, Tschechien Belgien und den baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland zu verzeichnen.

Aber auch in Deutschland geht die Einschätzung des Gesundheitszustands zwischen Menschen mit niedrigen und hohen Einkommen deutlich auseinander und liegt über dem EU-Durchschnitt.

Über 80 Prozent der Menschen mit hohen Einkommen schätzen ihren Gesundheitszustand hierzulande als gut ein, während nur 50 Prozent derer mit niedrigeren Einkommen das gleiche behaupten.

Gesundheitszustand EU

Ärmere rauchen häufiger

Das Einkommen scheint auch einen Einfluss auf gesundheitsschädliche Verhaltensweisen zu haben.* So rauchen in Deutschland deutlich mehr Menschen, die ein geringes Einkommen erzielen. Zwischen den untersten und obersten Einkommensgruppen besteht ein Unterschied von etwa 13 Prozent.

Einkommen (€ pro Monat)

Rauchende (in %)

Bis 1.000

36,5

1.000-2.000

29,9

2.000-3.000

29,3

3.000-4.000

25,6

4.000-5.000

26,0

5.000+

23,2

*Obwohl PKV-Versicherte 56 % mehr verdienen als GKV-Versicherte, kann hinsichtlich des Rauchens kein signifikanter Unterschied zwischen GKV- und PKV-Versicherten entdeckt werden.

Neben dem Einkommen und der wirtschaftlichen Situation eines Landes oder einer Person, spielen aber noch weitere Faktoren eine Rolle, wenn es um den Einfluss auf den Gesundheitszustand und die Lebenserwartung geht.

Aber auch etwa der Zugang zu einem fairen Gesundheitssystem. Doch wie sieht das in Deutschland und dem dualen Gesundheitssystem aus?

Durchschnittlich verdienen PKV-Versicherte 56 % mehr als GKV-Versicherte. In der privaten Krankenversicherung gibt es für Angestellte eine bestimmte Einkommensgrenze, die sie überschreiten müssen, um sich überhaupt privat krankenversichern zu können. Diese liegt bei 64.350 Euro brutto pro Jahr.

Sind die besserverdienenden Privatversicherten gesünder als die in der gesetzlichen Krankenkasse Versicherten?

PKV-Versicherte beurteilen ihren Gesundheitszustand besser als GKV-Versicherte

Der Anteil derer, die ihre Gesundheit als „sehr gut“ oder „gut“ bezeichnen, ist bei privat Versicherten mit 53 Prozent deutlich höher als bei den gesetzlich Versicherten. Nur 44,5 Prozent gaben hier „sehr gut“ oder „gut“ an.

Andersherum ist der Anteil derer, die ihren Gesundheitszustand als „weniger gut“ oder „schlecht“ bezeichnen bei GKV-Versicherten mit 21,6 Prozent höher als bei PKV-Versicherten. Hier liegt der Anteil bei nur 13,5 Prozent.

Krankenversicherung

Anteil, die ihren Gesundheitszustand „sehr gut“ oder „gut“ beurteilen

Anteil, die ihren Gesundheitszustand „weniger gut“ oder „schlecht“ beurteilen

PKV

53,0 %

13,5 %

GKV

45,5 %

21,6 %

Selbst in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen macht die Versicherung schon einen Unterschied. Gesundheitlich schlecht fühlen sich 2,0 Prozent der GKV-Versicherten, während es bei den Privatversicherten nur 0,9 Prozent sind.

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PKV-Versicherte sind seltener krank als GKV-Versicherte

Key Take-aways:

  • Privatversicherte sind durchschnittlich gesünder und müssen seltener Ärzte und Ärztinnen konsultieren
  • Gesetzlich Krankenversicherte sind deutlich häufiger chronisch krank, im Krankenhaus und pflegebedürftig als Privatversicherte
  • GKV-Versicherte sind auch häufiger erwerbsgemindert und schwerbehindert
  • Privatversicherte sind im Durchschnitt gesünder, nicht zuletzt, weil die PKV Menschen mit Vorerkrankungen oder Behinderungen durch Gesundheitsprüfung praktisch ausschließt; jedoch hat auch die Form der Krankenversicherung Einfluss auf späteres Gesundbleiben

Chronisch Kranke:

Krankenversicherung

chronisch krank (in %)

PKV

12

GKV

24

Krankenversicherung

Krankheitsrisiko für Diabetes* (in %)

Krankheitsrisiko für Asthma* (in %)

PKV

5

8

GKV

9

12

*für 65-Jährige

Durchschnittliche Anzahl der Krankheitstage*:

Krankenversicherung

Krankheitstage / Jahr

Mehr als 6 Wochen krank (in %)

PKV

3,6

2

GKV

5,6

3

*bei 25-Jährigen

Pflegebedürftige:

Krankenversicherung

Anteil der Pflegebedürftigen (in %)

PKV

1,1

GKV

1,9

Schwerbehinderung / Erwerbsminderung:

Krankenversicherung

Anteil Erwerbsminderung/Schwerbehinderung (in %)

PKV

11,2

GKV

14,8

GKV-Versicherte müssen mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen

GKV-Versicherte schneiden in all den oben gezeigten Gesundheits-Dimensionen schlechter ab als PKV-Versicherte und nehmen deshalb mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch.

GKV-Versicherte werden zudem durch Zuzahlungen zu vielen Medikamenten sowie Heil- und Hilfsmittel finanziell belastet.

Wer geht wie oft zum Arzt?

Durchschnitt der Arztbesuche:

Krankenversicherung

Allgemeinarztbesuche / Jahr

Alle Arztbesuche* / Jahr

PKV

2

3,7

GKV

2,5

6,1

*in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre

Hausarzt/Hausärztin:

Krankenversicherung

1-2 x

3-10 x

> 10 x

PKV

51 %

45 %

4 %

GKV

42 %

52 %

6 %

Facharzt/Fachärztin:

Krankenversicherung

1-2 x

3-10 x

> 10 x

PKV

43 %

49 %

8 %

GKV

44 %

49 %

7 %

Krankenhausaufenthalte:

Krankenversicherung

Anteil Aufenthalte im Krankenhaus* (in %)

PKV

17

GKV

23

*mindestens einmal im Jahr

Doch liegt der bessere Gesundheitszustand von PKV-Versicherten nur an den Zugangshürden zur privaten Krankenversicherung oder bietet die PKV einen deutlich umfassenderen Gesundheitsschutz?

PKV-Versicherte bekommen öfter patentgeschützte Arzneimittel verschrieben

Verglichen mit PKV-Versicherten erhalten GKV-Versicherte häufiger Generika und seltener innovative, patentgeschützte und damit auch teurere Arzneimittel. PKV-Versicherte zahlen demnach aber auch mehr für Arzneimittel.

Krankenversicherung

Anteil an Generika (in %)

PKV

41,1

GKV

79,7

GKV-Versicherte warteten in der Vergangenheit meist länger auf Arzttermine

Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung waren häufiger mit der Wartezeit bei Ärzten unzufrieden:

GKV: 33,5 % versus PKV: 14,7 %

Die Differenz der Wartezeit lag bei durchschnittlich 3,08 Tagen, die GKV-Versicherte länger warten müssen. Auch in der Praxis warten GKV-Versicherte sowohl beim Hausarzt als auch bei Fachärzten länger als PKV-Versicherte (32 Minuten versus 21 Minuten und 39 Minuten versus 22 Minuten).

Wartezeit auf Arzttermine gesamt (2017, in %)

Zeitraum

PKV

GKV

Sofort

30

27

1 Tag

8

7

2-3 Tage

11

9

1 Woche

15

11

Bis 3 Wochen

15

13

Über 3 Wochen

11

15

Wartezeit auf Facharzttermine (2017, in %)

Zeitraum

PKV

GKV

Sofort

19

16

1 Tag

7

4

2-3 Tage

10

6

1 Woche

20

12

Bis 3 Wochen

20

22

Über 3 Wochen

17

30

*Kein Termin notwendig herausgerechnet


Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz, das im Mai 2019 im Kraft getreten ist, wurde dieser Entwicklung vom Gesetzgeber aber entgegengewirkt und GKV-Versicherte sollen schneller Arzttermine bekommen.

Grundsätzlich sind lediglich 0,1 Prozent der Deutschen egal in welcher Krankenversicherung der Meinung, dass ihre ärztliche Versorgung durch zu lange Wartezeiten gefährdet ist, wie eine Studie des WIP aus dem Jahr 2022 ergab. Anders sieht es in anderen europäischen Ländern aus.

Wartezeiten Europa

Weitere Mechanismen, die PKV-Versicherte begünstigen


Leistungen werden bei Privatpatienten durchschnittlich 2,28-mal so hoch vergütet

Allerdings können Ärzte und Ärztinnen für Leistungen, die sie für Privatversicherte erbringen teilweise mehr als das Doppelte als bei GKV-Patient:innen abrechnen, weshalb sich eine Bevorzugung von Privatversicherten nicht ausschließen lässt.

Privatversicherte können sich zudem auch in Privatpraxen und Privatkliniken behandeln lassen.

Mehr Ärzt:innen in Gebieten, wo mehr Privatversicherte leben

Setzt man den Anteil der privat Versicherten mit der regionalen Verteilung von Ärzten und Ärztinnen in Bezug, lässt sich feststellen: Wo mehr PKV-Versicherte wohnen, gibt es auch mehr niedergelassene Ärzte und Ärztinnen.

In den Regionen, in denen es mehr Privatversicherte gibt, gibt es auch 1,7 Prozent mehr Hausärzt:innen (68,3 statt durchschnittlich 67,2 je 100.000 Einwohner) und 4,6 Prozent mehr Kinderärzt:innen (43,1 statt durchschnittlich 41,2 je 100.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren).

PKV-Versicherte scheinen bei Organtransplantationen bevorzugt zu werden

Auch bei Organtransplantationen deutet sich eine Bevorzugung von PKV-Versicherten an.

PKV-Versicherte erhielten demnach 14,96 Prozent aller transplantierten Organe, obwohl nur 10,25 Prozent der Deutschen privat krankenversichert sind.

Fazit: Je länger in der PKV, desto gesünder

Allgemein lässt sich also feststellen, dass nicht nur durch die Barriere der Gesundheitsprüfung PKV-Versicherte gesünder sind, sondern, dass ihr Gesundheitsstatus auch mit den Versicherungsstatus und der Versicherungsdauer korreliert.

Gesundheitsvorteil PKV vs. GKV

Quellen: 

(1) Etgeton, S. (2010). Risikoselektion in der Krankenversicherung. Bertelsmann Stiftung

(2) Hagemeister, S. et al (2020). Arzneimittelversorgung von Privatversicherten 2020 – Zahlen, Analysen, GKV-PKV-Vergleich. Wissenschaftliches Institut der PKV

(3) Huber, J./ Mielk, A. (2010). Morbidität und Gesundheitsversorgung bei GKV- und PKV-Versicherten. In: Bundesgesundheitsblatt. SpringerMedizin

(4) Kassenärztliche Vereinigung Bayern (2015). Wartezeiten für einen Termin. KVB

(5) Lüngen, M. et al (2005). Unterschiede in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und der Morbidität zwischen Versicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung und Privaten Krankenversicherung. In: Gesundheits- und Sozialpolitik; https://www.jstor.org/stable/2... (Aufgerufen am 10.02.2022)

(6) Nier, H. (2017): Vor allem Ärmere und weniger Gebildete rauchen. Statista; https://de.statista.com/infogr... (aufgerufen am 10.02.2022)

(7) Zok, K. (2007). Warten auf den Arzttermin. Ergebnisse einer Repräsentativumfrage unter GKV- und PKV-Versicherten. In: Wido monitor; https://docplayer.org/13531121... (aufgerufen am 10.02.2022)

(8) Kassenärztliche Bundesvereinigung (2018). Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 2018

(9) Bahnsen, L. (2022). Kostenbeteiligungen, Wartezeiten, Leistungsumfang. Ein europäischer Vergleich der Gesundheitssysteme. WIP

Marie-Theres Rüttiger
HIER SCHREIBT Marie-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin für Gesundheits- und Versicherungsthemen bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über (E-)Health und Innovation, die das Leben besser machen. 

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