Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz: Wird alles digital?

Gesundheits-Apps und Arzt-Video-Calls werden immer beliebter. Jetzt sollen digitale Helfer auch die Pflege vereinfachen – so sieht es das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) vor. Was steht in dem Gesetz und warum sind nicht alle davon überzeugt?

„Die Pandemie hat gezeigt, wie sehr digitale Lösungen die Versorgung verbessern. Mit dem neuen Digitalisierungsgesetz machen wir unser Gesundheitswesen zukunftsfester“

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– mit diesen Worten formulierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn das Ziel, das sein Ministerium mit dem Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz erreichen will.

Was ist das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG)?

Während die Pflegereform 2021 Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zeitlich und finanziell entlasten soll, zielt das DVPMG auf ein digitales Update der Pflege ab: Das Gesetz soll die begonnene Digitalisierung des Gesundheitswesens ausweiten und die Pflege und Versorgung der Menschen in Deutschland flächendeckend verbessern.

Viele Angebote wie Telemedizin und elektronische Patientenakte (ePA) etablieren sich immer mehr und werden jetzt ausgebaut und weiterentwickelt. Mit dem DVPMG knüpft das Bundesgesundheitsministerium an das digitale Versorgungsgesetz und das Patientendaten-Schutzgesetz an und behebt Schwachstellen, die sich während der Corona-Pandemie zeigten.


Wie funktioniert der Arzt-Video-Call?

Dr. med. Braga von eedoctors erklärt es dir


Was ändert sich mit dem DVPMG und wann?

Im Mai hat der Bundestag das DVPMG verabschiedet, am 9. Juni 2021 ist es in Kraft getreten. Ab jetzt werden die Maßnahmen nach und nach umgesetzt. Neben der Stärkung bestehender Angebote stehen auch Neuerungen an.

Der DVPMG-Zeitplan sieht vor, dass bis 2023 alle Versicherten und alle Akteure, die Leistungen erbringen, digitale Identitäten erhalten. Das soll die Authentifizierung bei Videosprechstunden oder digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) – also Medizinprodukte, die auf digitalen Technologien beruhen – vereinfachen. Bis 2023 wird auch eine nationale E-Health-Kontaktstelle entstehen, damit Versicherte ihre Gesundheitsdaten EU-weit nutzen können.

Noch bis Ende dieses Jahres wird der Gemeinsame Bundesausschuss Regelungen festlegen, damit Ärzt:innen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch nach einer ausschließlich digital durchgeführten Fernbehandlung ausstellen können.

Analog zu den erstattungsfähigen DiGAs wird nun außerdem die DiPA (digitale Pflegeanwendung) eingeführt. Wer eine solche Anwendung für Smartphones, Tablets oder Webbrowser anbietet, kann diese prüfen und in ein Verzeichnis aufnehmen lassen, damit die Pflegekasse sie erstattet.

Was sind digitale Pflegeanwendungen? Beispiele:

Kompakt zusammengefasst: Die wichtigsten DVPMG-Regelungen

Wenn du Interesse hast, kannst du das komplette Gesetz online nachlesen. Für Eilige haben wir die wichtigsten Regelungen von 53 Seiten auf fünf wesentliche Eckpunkte komprimiert:

  1. Gesundheits-Apps für alle: DiPAs stehen künftig auch in der Pflege zur Verfügung und werden nach erfolgreicher Prüfung erstattungsfähig. Die bereits eingeführten DiGAs sollen bald mit der ePA kommunizieren können. Gleichzeitig werden Datenschutz und Informationssicherheit bei Digital-Anwendungen verschärft. Der Gesetzgeber übernimmt dafür die Erstellung einer Datenschutz-Folgenabschätzung, um Ärzt:innen bürokratisch zu entlasten.
  2. Push für Telemedizin: Für ottonova Versicherte ist es schon heute ganz einfach, Arzt-Video-Calls zu nutzen. Bald wird es auch für alle anderen Versicherten noch komfortabler. Über eine Online-Plattform kannst du freie Termine finden und dann erstmals sogar Leistungen von Heilmittelerbringenden und Hebammen telemedizinisch nutzen. Auch für die psychotherapeutische Akutbehandlung darf es jetzt Videosprechstunden geben.
  3. Update der Telematikinfrastruktur (TI): Neben der E-Health-Kontaktstelle und der digitalen Identität gibt es zahlreiche weitere TI-Anpassungen. Der E-Medikationsplan bekommt innerhalb der Telematikinfrastruktur eine eigene Anwendung, Erklärungen zur Organspende kannst du per Versicherungs-App anpassen, die Gesundheitskarte der Krankenkassen dient nur noch als Versicherungsnachweis und auf Gesundheitsdaten kannst du künftig nicht nur per App, sondern auch über deinen Laptop zugreifen.
  4. News zu E-Rezept und ePA: Elektronische Verordnungen wird es bald für mehr Bereiche geben, etwa die häusliche Krankenpflege, die Soziotherapie, Heil- und Hilfsmittel und auch für die DiGAs. Versicherte sollen in ihrer ePA eine Arzneimittelhistorie führen und E-Rezepte in deutschen und europäischen Apotheken einlösen können. Hebammen werden außerdem umfangreiche Daten zur Schwangerschaft und Mutterschaft in der ePA dokumentieren können.
  5. Förderung digitaler Gesundheitskompetenz: Die Flut digitaler Updates bringt für dich viele Freiheiten. Damit du sie sicher nutzen kannst, will der Gesetzgeber mit dem DVPMG die Kompetenz von Patient:innen fördern. Das Nationale Gesundheitsportal wird erweitert, damit du dort verlässliche Gesundheitsinformationen findest und diese auch in E-Rezept und ePA abrufen kannst.

Pflege von Angehörigen:

So klappt die Finanzierung


Wie nützlich und sicher sind die Neuerungen für Versicherte?

Eine umfassende Digitalisierung von Versorgung und Pflege ist dringend notwendig. Das hat das Jahr 2020 eindrücklich gezeigt. Mit dem DVPMG liegt nun eine lange To-do-Liste vor, die endlich auch die Pflege fit für die Zukunft machen soll. Doch was bringen die zahlreichen Veränderungen den Versicherten?

Dank der Rundum-Vernetzung deiner Gesundheitsdaten kannst du geprüfte Apps für mehr Wohlbefinden noch einfacher nutzen. Die gleichen Vorteile werden auch Pflegebedürftige haben. Für ihre Angehörigen und Pflegekräfte bringen digitale Angebote zusätzliche Entlastung und erleichtern den Austausch mit der zu pflegenden Person.

Angebote wie E-Rezepte und Arzt-Video-Calls werden ebenfalls einfacher nutzbar. Wenn du Kinder haben möchtest, kannst du bald mit deiner Hebamme videochatten und der Geburt noch entspannter entgegensehen. (Bei ottonova kannst du übrigens schon bereits heute digitale Geburtsvorbereitungskurse belegen.) Positiv ist auch, dass bei vielen Maßnahmen internationale Lösungen vorgesehen sind.

Damit es du all diese Vorteile unbeschwert nutzen kannst, setzt die Regierung sich für mehr Datensicherheit im Gesundheitswesen ein. Um dieses Ziel zu erreichen, bekommt sie unter anderem Unterstützung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

DVPMG-Kritik: Das sagen Experten zum Digitalisierungsgesetz

Ein neues Gesetz bleibt selten ohne Gegenwind. Auch zum Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz haben sich kritische Stimmen zu Wort gemeldet. Wir haben drei Beispiele für dich:

  1. PKV-Verband: Im Fokus der Kritik der privaten Krankenversicherungen steht die fehlende Gleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten. Der PKV-Verband fordert deshalb den Zugang zur Telematikinfrastruktur und zum E-Rezept auch für Privatpatient:innen.
  2. Bitkom: Der Verband befürchtet Einschränkungen für Innovation und Wettbewerb in der digitalen Gesundheitswirtschaft. Außerdem werde die Telemedizin zwar gestärkt, trotzdem sei sie noch immer nicht mit Vor-Ort-Sprechstunden gleichgestellt. Bitkom-Präsident Achim Berg fordert: „Deutschlands Gesundheitssystem braucht nicht nur ein weiteres Update – es braucht einen digitalen Neustart.“
  3. Deutscher Hausärzteverband: Der Verband sieht die Gefahr, dass Ärzt:innen durch die Masse an Neuerungen an den Rand der Erschöpfung getrieben werden und mit Blick auf die Digitalisierung der Versorgung resignieren könnten. Kritisch sehen die Mitglieder auch das Nationale Gesundheitsportal, denn Gesundheitsinformationen aus dem Internet können tendenziell zu Verunsicherung führen.

Unser Fazit:

Das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz bringt viele positive Veränderungen. Die DVPMG-Kritik und rege Diskussionen zeigen, dass immer mehr Menschen sich eine Meinung zum digitalen Gesundheitswesen bilden. Damit du weißt, wie es mit der Digitalisierung der Gesundheit weitergeht, halten wir dich dazu im ottonova Magazin stets auf dem Laufenden.

Sabrina Quente
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Sabrina Quente

Sabrina ist freie Autorin für Versicherungs- und Digitalisierungsthemen. Sie war Redakteurin bei Fachzeitschriften und lernte als Content Editor bei ottonova die vielen Facetten der Versicherungswelt kennen.

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