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28. April 2021

Shared Decision Making – wie das Arzt-Patienten-Gespräch gelingt

Ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis kann sich positiv auf den Erfolg einer Behandlung auswirken. Wie du dich aktiv in die Entscheidungsfindung für deine Therapie miteinbringen kannst, zeigt Shared Decision Making – in Ansatz, der die Kommunikation verbessern soll.

6 min

Klar, niemand geht ohnehin gerne zu seinem Arzt oder seiner Ärztin: Du hast Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder dein Knie tut seit Tagen weh, du fühlst dich ohnehin unwohl und dann gelingt auch noch die Kommunikation in der Praxis nicht, weil Zeit fehlt oder du nicht ganz verstehst, was dir fehlt. Jeder von uns war wohl schon einmal in einer solchen Situation, in der er oder sie sich von seinem Arzt/seiner Ärztin nicht gut verstanden gefühlt hat.  

Außerdem gibst du wenn du dich krank fühlst oder zu Präventionsmaßnahmen das Gespräch mit deiner Ärzt*in sucht, natürlich auch ganz intime Details preis und musst im Krankheitsfall unter Umständen schwierige therapeutisch Entscheidungen treffen. Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient benötigt deshalb besonders viel Vertrauen auf Seiten der Patient*innen. Nicht umsonst auch gibt es die ärztliche Schweigepflicht.
 
Eine gute Kommunikation und eine gemeinsame Entscheidung zwischen Ärzteschaft und Patient*in ist dabei ein wirksames Mittel und kann zum Erfolg einer Behandlung maßgeblich beitragen. Experten sagen: Das gute Arzt-Patienten-Verhältnis ist wichtiger Baustein im Therapieprozess.

Was ist Shared Decision Making?

Shared Decision Making (SDM, auf Deutsch: partizipative Entscheidungsfindung) bedeutet, dass Ärzt*innen und Patient*innen eine gemeinsame und gleichberechtigte Entscheidung über die geeignete Therapie treffen. Diese orientiert sich dabei an den Bedürfnissen der Patient*innen, die sich aktiv in die Entscheidungsfindung miteinbringen. Diese Form der Kommunikation kann die Erfolgschancen einer Behandlung erhöhen. So kann Shared Decision Making der Schlüssel für eine gute Gesundheitsversorgung sein.

Doch wie schon der berühmte Soziologe Niklas Luhmann festgestellt hat: Kommunikation „ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden“. In manchen Situationen ist es gar nicht so einfach, sich mit dem Arzt bewusst über anstehende Behandlungen auszutauschen.

Gelungener Kommunikation können einige Hürden im Weg stehen und verschiedene Probleme auftreten. Es kann sein, dass Patienten Empfehlungen missverstehen oder die Empfehlung fachlich nicht verstehen. Manchmal ist die Kommunikationssituation schlecht, das Wartezimmer voll und die Zeit knapp, sodass Patient*innen die Information gar nicht oder unvollständig erreicht, weil dem wichtigen Thema nicht genug Raum gegeben wird. Natürlich kann es auch sein, dass die Information den Empfänger zwar erreicht und verstanden wird. Im Laufe der Zeit wird sie jedoch wieder vergessen oder nicht umgesetzt.

Hier kommt das Shared Decision Making ins Spiel. Dieser Kommunikationsansatz entfernt sich vom Bild des Behandlers als „Gott in weiß“ und bezieht sowohl die Therapeuten als auch die Patienten als aktive Teilnehmer in den therapeutischen Entscheidungsprozess mit ein.

Gemeinsam entscheiden: Wie du zum aktiven Patienten wirst

Gute Lösungen können nur durch Kommunikation gefunden werden. Dabei gilt es herauszufinden: Welche Therapie passt zu dir?

„Du bist der Experte für dich selbst, Ärzt*innen für das Medizinische.“

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Ein Gespräch lebt von der aktiven Teilnahme. Damit ein Gespräch zwischen dir und deiner Ärzt*in entstehen kann, musst du dich als Patient*in auch aktiv miteinbringen. Denn du als Patient*in kennst alle Infos, die für deine Entscheidung wichtig sind. Und dies umfasst auch deine Werte, Lebensumstände, Wünsche und Vorlieben.

„Die Beziehung zwischen Arzt und Patient entscheidet mit über den Erfolg einer Behandlung. Denn ein Patient, der seinem Arzt vertraut, eine Behandlung versteht und die Entscheidung für eine Therapie mitträgt, hat bessere Aussichten, wieder gesund zu werden“, erklärt Dr. med. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen.

In einem Dialog auf Augenhöhe könnt ihr gemeinsam abwägen, welche Präventionsmöglichkeiten es gibt oder entscheiden, welche Therapie im Krankheitsfall die Beste für dich ist.

Erst wenn du dich aktiv im Entscheidungsprozess beteiligst, triffst du als Patient*in eine informierte Entscheidung und teilst dir die Verantwortung mit den Behandelnden. 

Für ein gutes Gelingen ist es daher wichtig, dass auch du dich als Patient*in auf das Gespräch vorbereitest.

Wie bereite ich mich vor und führe ein Gespräch auf Augenhöhe?


Vor dem Gespräch: 

  • Überwach dich und deine Beschwerden/Symptome im Vorfeld genau: Welche treten auf? Wann treten sie auf? Wie häufig?
  • Mache dir vorher Notizen über Dinge, die du nicht vergessen darfst und Fragen an den Arzt
  • Mache eine Liste mit ggf. Arzneimitteln & Nahrungsergänzungsmitteln

Während des Gesprächs:

  • Stelle alle deine Fragen und teile Bedenken mit
  • Schildere deine Beschwerden genau 
  • Sei ehrlich: es nutzt nichts zu beschönigen oder Peinlichkeiten nicht anzusprechen
  • Teile Allergien & Krankheiten mit
  • Nimm ggf. eine Vertrauensperson mit
  • Bitte um Erklärungen, wenn du etwas nicht verstanden hast

Auch Mediziner müssen aktiv kommunizieren und Diagnosen etc. verständlich auch für medizinische Laien erklären, damit das Shared Decision Making funktioniert. Das ist sogar ihre gesetzliche Pflicht und im Patientenrechtgesetz des BGB festgeschrieben. Informiere dich auch über deine Rechte als Patient*in.

Alle Infos, die für eine Entscheidung relevant sind, müssen bei SDM sowohl vom Patienten / von der Patientin als auch den behandelnden Personen offengelegt werden.

Wichtig ist, dass du dich traust, dich ins Gespräch einzubringen, Fragen zu stellen und auch deine Bedenken, deinem Gegenüber zu offenbaren. Solltest du das Gefühl bei deiner behandelnden Ärzt*in nicht haben, sprich dies entweder an oder überlege, ob du dir den Rat von einer weiteren Therapeut*in einholst.

Welche Fragen sollte ich als Patient stellen?

Die Stiftung Gesundheitswissen rät diese Fragen im Arzt-Patienten-Gespräch zu stellen:

1. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
2. Was sind die Vor- und Nachteile dieser Möglichkeiten?
3. Wie wahrscheinlich sind die jeweiligen Vor- oder Nachteile?
4. Was kann ich selbst tun?
5. Was passiert, wenn ich nichts tue? 
6. Wie schnell muss ich mich entscheiden?
7. Wie lange wird die Behandlung dauern? 
8. Wie beeinflusst die Entscheidung meinen Alltag?

Faktor Zeit: Was gelungene Kommunikation erschwert

Ein großer Faktor dafür, dass die gleichberechtigte Kommunikation zwischen Patient*in und Ärzt*in funktioniert, ist die Zeit, die sich der oder die Behandelnde für eine Konsultation nehmen kann.

Eine Analyse der durchschnittlichen Dauer eines Arzt-Patienten-Gesprächs in 67 Ländern zeigt: In Deutschland dauert eine Konsultation im Durchschnitt nur 8 Minuten. Damit belegt Deutschland Platz 34.

Mit 22 Minuten ist Schweden Platz 1, gefolgt von den USA und Bulgarien. Bangladesch landet mit nur 48 Sekunden pro Gespräch auf dem vorletzten Platz vor Schlusslicht Pakistan.

Dauer Arztbesuch B@2X

Doch wie lässt sich das Problem mit der Zeit lösen? Veraltete und analoge Dokumentationsstrukturen in Form von Klemmbrett und Papierakten fressen einen großen Teil der Zeit eines jeden Arztes oder Ärztin. Könnten digitale und damit schlankere und schnellere Prozesse also endlich mehr Zeit für den wichtigsten Bestandteil der Arbeit von Medizinern geben: nämlich den Patient*innenkontakt?

Eine digitale Erfassung von Patientendaten wie bestimmte Diagnosen, Impfungen, Allergien oder die Einnahme von Medikamenten würde außerdem dabei helfen, dass sich auch die Ärzte und Ärztinnen besser auf die Patient*innen vorbereiten könnten. Auch die Möglichkeit, die Therapie digital zu begleiten und Erfolge und Nebenwirkungen einfach dokumentieren zu können, könnte hier die Kommunikationsqualität erhöhen.

Gemeinsame Entscheidungsfindung wirkt

In einem Video im Auftrag der Stiftung Patientenwissen erklärt Prof. Dr. med Martin Scherer, Direktor Institut für Allgemeinmedizin Hamburg, warum er der Meinung ist, dass die aktive Beteiligung der Patient*innen in der therapeutischen Entscheidungsfindung eine zentrale Rolle spielt. Er sagt dazu, aus Sicht des Patienten/der Patientin ist es so:

„Das war hier heute meine Entscheidung. Und je mehr ich beteiligt bin, als Patientin/Patient, desto mehr kann ich dann auch die Entscheidung mittragen.“ 

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Wissenschaftliche Studien untermauern dies: Gemeinsame Entscheidungen wirken, wie eine Analyse von 105 Studien zeigt. Sie belegen wissenschaftlich, dass die Partizipation des Patienten nicht nur mehr Teilhabe und einen medizinischen und präventiven Wissenszuwachs bei Patient*innen fördert, sondern auch die Überzeugung der Patient*innen für die Therapie steigert.

Eine andere Auswertung von weiteren 106 Studien zum Thema zeigt: Patienten halten sich eher an Therapie, wenn sie in die Entscheidung miteingebunden sind. Daraus resultiert:

  • Höhere Therapietreue
  • Weniger Komplikationen

Vier Patiententypen: Welcher Typ bist du? 

Natürlich gibt es die unterschiedlichsten Typen von Menschen und nicht für alle ist der gleiche Prozess auch der Beste. Welcher Patiententyp du bist, hat Auswirkungen darauf, wie die bestmögliche Entscheidungsfindung für dich aussehen kann: 

  1. Der akzeptierende Patient
    Du überlässt Entscheidungen lieber Ärzt*innen und vertraust ihrer medizinischen Expertise blind. Die Verantwortung gibst du lieber ab.
  2. Der aufgeklärte Patient
    Du bist bereit, die eigene Therapie in die Hand zu nehmen und aktiv mitzugestalten. Dabei ergreifst du auch eigenverantwortlich Maßnahmen zur Behandlung.
  3. Der involvierte Patient
    Durch deine Kenntnisse trittst du bewusst in den Arzt-Patienten-Dialog und nimmst nicht jede Therapieempfehlung ohne Diskussion an. Du interessierst dich auch in deinem Alltag für gesunden Lifestyle und Prävention und weißt, welche Gesundheitsleistungen dir zustehen.
  4. Der steuernde Patient
    Du hinterfragst und überprüfst ärztliche Empfehlungen immer. Außerdem holst du dir lieber auch eine Zweitmeinungen ein. Um deine Gesundheitskompetenz zu steigern, nutzt du die verschiedensten Medien und scheust auch vor Fachartikeln und medizinischen Details nicht zurück.

Je nach Anlass deines Arztbesuchs kann sich natürlich auch dein Patiententyp ändern. Du hast nur einen Schnupfen oder bist du zu einem Check-up in der Praxis, weil dein Blutdruck etwas hoch war in letzter Zeit und hast dich schon im Vorfeld über Präventionsmöglichkeiten für etwa einen Herzinfarkt informiert? Oder hast du Grund zur Sorge, dass du an einer ernstzunehmenden Erkrankung leidest, weil du einen Leberfleck entdeckt hast, der auf Hautkrebs hinweisen könnte und in einer Biopsie untersucht werden muss?

In diesen beiden Fällen kann ein und derselbe Mensch zwei völlig unterschiedliche Ansätze in der diagnostischen und therapeutischen Entscheidungsfindung brauchen.

Die meisten Patienten wollen gemeinsame Entscheidung

Eine Befragung der Bertelsmann Stiftung ergab, dass die Mehrheit der Patienten, eine gemeinsame Entscheidung vorzieht:

  • 55 % wünschen sich gemeinsame Entscheidungsfindung
  • 23 % wollen, dass Arzt alleine entscheidet
  • 18 % wollen lieber alleine entscheiden

Fazit: Förderung von Gesundheitskompetenz & Patientensouveränität

Wir von ottonova sind der Meinung, dass Patient*innen dazu befähigt werden müssen, so souverän und selbstbestimmt wie möglich am Entscheidungsprozess für ihre Gesundheit teilhaben zu können. Dazu ist die kontinuierliche Förderung ihrer eigenen Gesundheitskompetenz nötig, damit sie Entscheidungen besser einschätzen und sich selbstbewusst in ein Gespräch auf Augenhöhe begeben können. Denn du kennst dich selbst, deine Bedürfnisse und deine Werte am besten. Dies wollen wir fördern und dafür sorgen, dass du dich auf Augenhöhe mit deinem Behandler austauschen kannst!

Wir wollen dir dabei helfen: Dadurch, dass du dich hier in unserem Magazin informierst, hast du schon einen großen Schritt getan. 

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ÜBER DEN AUTOR

Marie-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin für Gesundheits- und Versicherungsthemen bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über (E-)Health und Innovation, die das Leben besser machen.

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