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23. Juli 2020

Wie das deutsche Gesundheitssystem mit Corona umgeht

Aus dem Ausland gibt es viel Lob für die deutsche Pandemie-Bekämpfung, denn die täglichen Neuinfektionen konnten schnell gesenkt werden. Außerdem sterben hierzulande vergleichsweise wenige Covid-19-Patienten. Was diese Erfolge mit dem deutschen Gesundheitssystem zu tun haben, erklären wir dir hier.

5 min

Deutschland hat sich bei der Pandemie-Bekämpfung im internationalen Vergleich gut geschlagen. Hierzulande sterben deutlich weniger Menschen an Covid-19 als beispielsweise in Italien, Großbritannien oder in den USA. Ein wichtiger Grund hierfür ist unser leistungsfähiges Gesundheitssystem: Dank der hohen Anzahl an Intensivbetten pro 100.000 Einwohnern und der hohen Testkapazitäten konnte die Sterberate niedrig gehalten werden.

Erfolgreiche Pandemie-Bekämpfung in Deutschland

Die Corona-Pandemie hält die Welt nach wie vor in Atem. Während das Virus derzeit vor allem in den USA und in Südamerika grassiert, nehmen die Infektionszahlen in Deutschland ab. Wird es zur befürchteten „zweiten Welle“ kommen? Oder werden sich die neuerlichen Ausbrüche auf lokale Hotspots beschränken, wie das Beispiel des Tönnies-Schlachthofs im Kreis Gütersloh gezeigt hat? Mit absoluter Gewissheit kann das derzeit niemand sagen. Dennoch dürfen wir momentan ein wenig durchatmen und eine erste Bilanz ziehen. 

Mit Blick auf das Infektionsgeschehen und die Zahl der Corona-Toten in Deutschland lässt sich feststellen: Wir sind bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Mitte Juli 2020 gab es hierzulande gut 200.000 bestätigte Corona-Fälle mit etwa 9.000 Toten. Natürlich ist jeder Corona-Tote einer zu viel, dennoch hat Deutschland die Covid-19-Pandemie im internationalen Vergleich bisher gut gemeistert. So melden die USA bislang über 3,5 Millionen Infizierte und knapp 140.000 Corona-Tote, in Großbritannien gibt es bei knapp 300.000 Infizierten über 45.000 Tote.

Vorteile des dualen Gesundheitssystems

Bei diesen erstaunlichen Zahlen ist es kein Wunder, dass die Welt anerkennend, aber auch ein wenig verwundert nach Deutschland blickt. Schließlich ist die Bevölkerung hierzulande vergleichsweise alt, Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes sind weit verbreitet. Für unsere gesunde Ernährung sind wir auch nicht gerade berühmt. Aufgrund dieser Risikofaktoren müsste Deutschland eigentlich wesentlich mehr Corona-Tote zu beklagen haben. Woran liegt es also, dass wir relativ glimpflich davongekommen sind? Ein Grund dafür ist mit Sicherheit unser gut aufgestelltes Gesundheitssystem, das weltweit einzigartig ist.

In Deutschland gibt es im Gesundheitswesen ein Nebeneinander von zwei Systemen: die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) und die privaten Krankenversicherungen (PKV). Durch die allgemeine Versicherungspflicht wird gewährleistet, dass jeder Bundesbürger Zugang zur medizinischen Versorgung hat. Während die gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich allen offenstehen, ist der Wechsel in die PKV an bestimmte Bedingungen geknüpft. Aufgenommen werden unter anderem Angestellte mit einem monatlichen Bruttoeinkommen ab 5.362,50 € sowie Beamte, Selbstständige und Studenten.

Doch das duale Gesundheitssystem ist nicht unumstritten. Immer wieder werden Rufe nach einer staatlich organisierten Bürgerversicherung laut, wie es sie zum Beispiel mit dem „National Health Service“ in Großbritannien gibt. Dabei hat sich gerade während der Corona-Pandemie gezeigt, wie leistungsfähig das deutsche Gesundheitssystem dank seiner Dualität ist: GKV und PKV stehen zwar im Wettbewerb zueinander, investieren aber gemeinsam in medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser und Labore. Unsere gut ausgebaute Versorgungsinfrastruktur kommt unterm Strich allen Bundesbürgern zugute – und das nicht nur während einer globalen Gesundheitskrise.

„Die glimpfliche Corona-Bilanz ist auch ein Erfolg privatwirtschaftlicher Strukturen im Gesundheitssystem“ 

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Sagt Dr. Jochen Pimpertz, Gesundheitsökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft. Eine stärkere Rolle des Staats lehnt er in seinem gerade veröffentlichen Thesenpapier ab: „Mit dem Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung lässt sich deshalb unter den Vorzeichen der Pandemie kein Reformbedarf begründen.“

Mehr Intensivbetten, mehr Testkapazitäten

Keine Frage: Das deutsche Gesundheitssystem steht insgesamt ziemlich gut da – materiell wie finanziell. In keinem anderen EU-Mitgliedsstaat sind die Pro-Kopf-Ausgaben für die Gesundheitsversorgung so hoch wie in Deutschland. Das zeigt sich unter anderem in der Ausstattung unserer Krankenhäuser. Hierzulande gibt es je 100.000 Einwohner durchschnittlich 29,2 Intensivbetten, in Italien sind es nur 12,5 und in Spanien sogar nur 9,7. Beide südeuropäischen Länder hatten während der Eurokrise drastische Sparmaßnahmen in ihren Gesundheitssystemen vorgenommen und wurden deshalb von der Pandemie besonders hart getroffen. 

Laut Experten hat die hohe Anzahl an Intensivbetten in Deutschland wesentlich dazu beigetragen, dass unser Gesundheitssystem nicht kollabiert ist, als sich das neuartige Coronavirus Anfang des Jahres unkontrolliert verbreitet hat. Dies wird besonders deutlich, wenn wir uns die Sterberate ansehen: In Italien stirbt etwa jeder achte Corona-Infizierte an der Lungenkrankheit Covid-19, in den USA jeder 24. und in Deutschland nur jeder 42.

Corona Deutsches Gesundheitssystem B@2X

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor im Kampf gegen die Pandemie sind die hohen Testkapazitäten in Deutschland. Bereits im Januar wurde der erste verlässliche Covid-19-Test an der Berliner Charité entwickelt. Anschließend wurden deutschlandweit Tests durchgeführt – und zwar in erster Linie ambulant, nicht im Krankenhaus. Auf diese Weise konnten wichtige Kapazitäten freigehalten werden. Und: Nur 20 % der Infizierten wurden hierzulande im Krankenhaus behandelt, in Frankreich waren es 67 %. 

Durch die Vielzahl an privaten Laboren, die über das gesamte Land verteilt sind, lagen die Testergebnisse relativ schnell vor. Das half den Gesundheitsämtern dabei, die Infektionsketten nachzuvollziehen. „Man muss schnell die Kontaktpersonen erkennen und isolieren“, fasste Gesundheitsminister Jens Spahn das deutsche Erfolgsgeheimnis im Kampf gegen Covid-19 in einem amerikanischen TV-Interview zusammen. Nur so lasse sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen wirkungsvoll reduzieren.

Die Zustimmung zum deutschen Gesundheitssystem wächst

Corona war der ultimative Stresstest für das deutsche Gesundheitssystem – und es hat ihn bestanden. Das wissen auch die Bundesbürger zu schätzen: Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach bewerten 89 % der Deutschen unser Gesundheitssystem mit der Note „gut“ oder „sehr gut“ – das ist der höchste Wert seit 20 Jahren. Scheint so, als hätten die verehrenden Bilder aus den überlasteten Krankenhäusern in Norditalien und New York das Bewusstsein dafür geschärft, wie dankbar wir für die medizinische Versorgung in unserem Land sein können.

Trotz aller Erfolge hat die Corona-Pandemie auch Schwachstellen des deutschen Gesundheitssystems freigelegt: Pflegekräfte sind häufig überlastet und verdienen neben öffentlicher Anerkennung auch eine bessere Bezahlung. Darüber hinaus ist die Ausstattung vieler Krankenhäuser und Arztpraxen reformbedürftig. Prof. Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Essen, schreibt in seinem Gastbeitrag bei Focus Online:

„Die Coronakrise wird zu einem Wendepunkt bei der Modernisierung und Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens, sofern die hierzu notwendigen Handlungen bis Ende 2021 unumkehrbar angestoßen sind.“

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Und weiter: „Ein hervorragendes Gesundheitssystem erfordert im Jahre 2020 eben auch einen hervorragenden Digitalisierungsgrad.“ 

Themen wie Telemedizin, Gesundheits-Apps, E-Rezepte und digitale Krankenakten werden in Zukunft also noch wichtiger werden. Bei ottonova erfährst du alles, was du über die Digitalisierung des Gesundheitswesens wissen musst.

Blog Autor
ÜBER DEN AUTOR

Marie-Theres Rüttiger

Marie-Theres ist Online Redakteurin bei ottonova. Sie konzipiert den Redaktionsplan, recherchiert und schreibt vor allem über E-Health, InsurTech und digitale Innovation, die das Leben besser machen.

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