27. Juni 2019

Angst vorm Zahnarzt überwinden

Der Geruch beim Betreten der Praxis, das leise Bohren im Hintergrund – am liebsten würdest du jetzt schon umkehren. Wer eine Zahnarztphobie hat, hat oft schon große Angst, sich auf den Stuhl zu setzen. Für die Mundpflege ist der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt aber extrem wichtig, also was tun?

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Schon dreimal hast du den Termin verschoben und ja, es gab irgendwie auch immer einen guten Grund – für dich zumindest. Immerhin bist du beruflich gerade echt eingespannt ... Morgen ist es wieder soweit, der Eintrag in deinem Outlook-Kalender hat mehrere Reminder. Es geht um den Zahnarztbesuch. Eigentlich steht nur ein Vorsorgetermin an, aber seit ein paar Monaten ist der eine Zahn besonders empfindlich. Du fragst dich, ob du deinem Zahnarzt überhaupt davon berichten sollst. Nicht, dass er noch etwas entdeckt und bohren muss.

So wie dir geht es vielen, die Angst vorm Zahnarzt haben. Allein der Gedanke sorgt schon für Schweißausbrüche und Albträume. Man zögert und zögert den Termin heraus, bis es nicht mehr geht. Und dann wird es besonders unangenehm. Wie erkläre ich meinem Zahnarzt, dass ich Angst vor ihm habe? Und was macht er da überhaupt immer in meinem Mund? Zwei Drittel aller Menschen kennen diese Gedanken, überwinden sich am Ende aber doch. 6 bis 14 % der Bevölkerung hingegen schaffen es nicht. Sie haben eine echte Zahnarztphobie.

Woher kommt diese Zahnarztangst eigentlich?

In der Regel basiert die Angst vor dem Zahnarzt auf negativen Erfahrungen und schmerzhaften Behandlungen, die oft schon in der Kindheit entstanden sind. Daraus kann sich auch eine spezifische Angst entwickeln, zum Beispiel die Angst gegenüber Spritzen. Heute gibt es spezielle Kinderzahnärzte, die vor allem darauf achten, dass der Zahnarztbesuch zu einem „schönen“ Erlebnis wird. Viele Behandlungsentscheidungen finden unter genau diesem Gesichtspunkt statt. Hat man früher oft noch erzählt, es würde gar nicht weh tun, obwohl man genau wusste, dass es das wird – so spielt Ehrlichkeit heute eine wichtige Rolle

Das Vertrauen darf unter keinen Umständen missbraucht werden. Ist es erst einmal weg, kommt es auch nicht wieder. Auch nicht im Erwachsenenalter. Aber nicht immer müssen es die eigenen Erfahrungen sein, die Einfluss auf unsere Ängste haben. Die Angst vorm Zahnarzt überträgt sich in vielen Fällen über Generationen, nicht etwa aus genetischen Gründen, aber berichten deine Eltern bereits ängstlich über den Zahnarztbesuch und allem, was damit zusammenhängt, bleibt das auch in deinem Gedächtnis. Auch wenn bei dir selbst eigentlich immer alles gut war.

Zahnarzt Angst B

Hinzukommt, dass sich viele Menschen auf dem Zahnarztstuhl ausgeliefert fühlen. Sie sind leicht zurückgelehnt, können nicht „fliehen“ und wissen dabei nicht so genau, was gerade in ihrem Mund passiert. Sie sehen es nicht, sondern hören nur. Das gleicht einem totalen Kontrollverlust. Und dann ist da noch die ständige Angst vor Schmerzen. Ein Teufelskreis bahnt sich an: die Folge des Nicht-zum-Zahnarzt-Gehens sind schlechte Zähne. Die Scham wiederum, schlechte Zähne zu haben, fördert die Angst.

Habe ich Zahnarztphobie oder Zahnarztangst?

Die Begriffe beschreiben tatsächlich nicht das gleiche. Vielmehr nennt sich das Phänomen Zahnbehandlungsphobie oder Dentalphobie. Schließlich hat man ja nicht Angst vor der Person Zahnarzt, sondern vor der Behandlung, die er ausführt. Bei der Phobie handelt es sich um eine Krankheit, die übersteigerte Angst führt fast immer zu einer jahrelangen Vermeidung zahnärztlicher Behandlungen, selbst bei Schmerzen. Die Zahnbehandlungsangst hingegen ist nicht krankhaft.

Symptome Zahnarztangst

Angstpatienten haben mitunter Schweißausbrüche, Herzrasen, Übelkeit oder verstärkten Stuhlgang. Dieser Zustand macht eine Zahnbehandlung nahezu unmöglich.

Zahnarztangst überwinden mit Hypnose 

Auch wenn es sich im ersten Moment nach Hokuspokus anhören mag: Die Hypnose ist für viele DIE Therapieform überhaupt, um ihre Angst zu überwinden und eine Behandlung beim Zahnarzt erst möglich zu machen. Einige Zahnmediziner verfügen über eine Zusatzausbildung in diesem Bereich und können ihre Patienten in Trance versetzen. Das funktioniert weniger über ein klassisches Pendel, sondern mehr über indirekte Methoden wie die der Gesprächsführung. Hierbei wirst du fast unmerklich innerhalb des Gesprächs in einen veränderten Bewusstseinszustand geführt.

Du spürst während der Behandlung keine Schmerzen, aber weißt dennoch, dass der Zahnarzt gerade irgendetwas macht – das Ganze fühlt sich mehr wie ein dumpfer Druck, eine Berührung oder ein Temperaturunterschied an. Kleines Manko: Es lässt sich nicht jeder hypnotisieren. Allgemein gilt: 10 % aller Menschen sind sehr gut hypnotisierbar, 80 % gut und 10 % schwer.

Du suchst einen passenden Arzt?

Auf der Seite des DGZH findest du eine Auflistung von Hypnoseärzten in deiner Umgebung.

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Wenn gar nichts mehr geht: die Vollnarkose 

Eine Vollnarkose macht die Behandlung von Angstpatienten zwar möglich, lässt eine Phobie aber nicht verschwinden. Für viele Behandlungen sind außerdem mehrere Sitzungen nötig, was auch mehrere Vollnarkosen erfordern würde. Eine Vollnarkose bringt auch immer ein gewisses Risiko mit sich und sollte nicht leichtfertig durchgeführt werden. Manchmal genügt es jedoch, diese Möglichkeit für den Notfall im Hinterkopf zu haben. Einfach zu wissen, dass es da noch etwas gibt. 

Die Angst unterdrücken mit Lachgas

Lachgas sorgt für eine Unterdrückung der Angst, du bleibst dabei aber bei Bewusstsein und bist in der Lage, auf Anweisungen des Zahnarztes wie „Einmal bitte zusammenbeißen“ zu reagieren. Vor der Behandlung inhalierst du über eine Nasenmaske ein Gasgemisch, du kommst in einen Schwebezustand, alles ist reduziert. Eine Kommunikation ist noch möglich und auch dein Würgereiz kann damit gemindert werden. Die Dosierung wird individuell bestimmt, Puls und Sauerstoffgehalt stehen während der ganzen Zeit unter professioneller Kontrolle.

Lachgas Zahnarzt Angst B
Pillen Zahnarzt Angst B

Den Schmerz ausschalten mit Analgosedierung

Sie beschreibt die kombinierte Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln, die dich in eine Art Dämmerschlaf versetzt. Die Methode ist eher für kurze Eingriffe geeignet, da der Schluckreflex dadurch eingeschränkt ist.

Hacks für den Alltag 

Manchmal sind es Kleinigkeiten wie beruhigende Musik im Wartezimmer, Ablenkungsstrategien, das Vermeiden langer Wartezeiten oder gezielte Entspannungsübungen, die dir helfen können, deine Zahnarztangst zu überwinden. Ein ausführliches Gespräch mit deinem Behandler trägt dazu bei, Unsicherheiten zu nehmen. Du kannst dabei auch immer ehrlich sein und zugeben, wenn du eine Präferenz beim Behandler hast oder dich unwohl fühlst.

Einige gehen eben lieber zu einer Frau und andere zu einem Mann, der eine Zahnarzt erklärt jeden Behandlungsschritt ganz ausführlich, der andere macht einfach. Geh zu dem Zahnarzt, der zu dir passt. Es gibt da diese eine Zahnarzthelferin, die immer deine Hand hält und beruhigend auf dich wirkt? Sag das bei der Terminvergabe! Solche Stützen machen viel aus. Die Praxis hilft dir gerne dabei, sie muss nur wissen, wie sie sich richtig auf dich vorbereitet. Kündige deine Ängste also ruhig an, wenn du das erste Mal zu einem neuen Zahnarzt gehst. Vergiss aber nicht, dass eine echte Phobie nur mit einer Psychotherapie zu behandeln ist.

Übrigens: auch autogenes Training oder ein selbst kreiertes Belohnungssystem können helfen, deine Zahnarztangst zu überwinden. Tu dir nach deinem Besuch etwas Gutes!

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