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03. Juli 2020

Pandemieplanung: Was wir aus Corona gelernt haben

Eine weltweite Katastrophe planen – das klingt fast schon ironisch. Doch tatsächlich kann eine Krise wie die Corona-Pandemie durch Präventivmaßnahmen abgeschwächt werden. Wie eine solche Pandemieplanung aussieht und welche neuen Erkenntnisse wir gewonnen haben.

6 min

Die letzte Pandemie (abgesehen von der SARS-Pandemie 2002/03, bei der nur 8.100 Erkrankte gemeldet wurden) war die AIDS-Pandemie Anfang der 80er Jahre. Seitdem ist viel Zeit vergangen – fast 40 Jahre, um genau zu sein! Wenn du dich jetzt alt fühlst, dann bist du nicht allein. Denn für viele ist die Möglichkeit einer Pandemie bereits wieder aus dem Bewusstsein verschwunden. Unter anderem diese falsche Sicherheit führte dazu, dass das Corona-Virus so verheerende Auswirkungen mit sich brachte. 

Doch kam die Krankheit wirklich so überraschend? Nicht wirklich, denn diese Art der Massenerkrankung gab es in der Geschichte immer wieder – und jedes Mal lernen wir mehr über Prävention und Eindämmung. Was sich in der Pandemieplanung der Regierung seit Corona verändert hat und was die Gesellschaft zur Vorbereitung tun kann, haben wir uns einmal angesehen.

Nationaler Pandemieplan – die neuen Erkenntnisse

Das Eintreten einer Pandemie ist gar nicht so unwahrscheinlich, wie man denkt – und war es auch vor der Corona-Pandemie nicht. Schließlich traten in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder Infektionskrankheiten auf, die sich schnell verbreiten. Laufend warnten Experten vor einem Eintreten und setzten sich für eine umfassende Vorbereitung ein. Aus diesem Grund gab es bei der Bundesregierung selbstverständlich schon vor Corona einen Plan für mögliche Schutzvorkehrungen und Virusprävention in Form eines nationalen Pandemieplans. Dieser entstand 2005 als Antwort auf die SARS-Pandemie und umfasst zwei Teile: Teil 1 beschäftigt sich mit Strukturen und Maßnahmen zum Umgang mit Pandemien, während in Teil 2 die wissenschaftlichen Grundlagen dafür beschrieben werden. 

Der nationale Pandemieplan ist jedoch in keiner Weise schon voll ausgereift. Mit jeder Pandemie lernt man dazu und so wurde der Plan mithilfe der Erkenntnisse aus der Corona-Pandemie ergänzt, um in Zukunft ein noch besseres Notfallmanagement und ausgereiftere Schutzvorkehrungen möglich zu machen. Angepasst wurde aufgrund der Erkenntnisse der letzten Monate das Konzept von „Containment, Protection und Mitigation“, also die Eindämmung, der Schutz und die Abmilderung.

So sehen die Ergänzungen im Detail aus:

  • Containment:
    Ein wichtiger Teil des Containments und damit des Notfallmanagements ist – du vermutest es wahrscheinlich schon – die Quarantäne. Dadurch, dass Kontakte mit erkrankten oder möglicherweise erkrankten Personen eingeschränkt werden, verlangsamt sich die Ausbreitung des Virus. So lässt sich das gewinnen, was bei der Virusprävention am wichtigsten ist: Zeit. Denn die braucht es, um Konzepte wie einen Influenzapandemieplan überhaupt erst umzusetzen und Medikamente und Impfstoffe zu erforschen.
  • Protection:
    Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Pandemie nicht gleich zu Beginn ihres Auftretens eingedämmt werden kann, ist hoch. Vor allem, wenn es sich um eine neuartige Erkrankung wie Corona handelt. Deshalb müssen bei der Pandemieplanung Prioritäten gesetzt werden. Dazu gehört, dass sogenannte Risikogruppen, wie ältere Menschen oder Personen mit Grunderkrankungen, besonders geschützt werden. Möglich ist dies zum Beispiel durch Schutzmaßnahmen, dazu gehört die vorübergehenden Schließung von Geschäften oder das Verbot von Großveranstaltungen.
  • Mitigation:
    Die Schadensminderung tritt in Kraft, wenn alles andere keinen Erfolg hat. Jetzt muss alles getan werden, um die Erkrankten gut zu behandeln und weiterhin Ansteckungen zu vermindern. Ein wichtiges Ziel in diesem Schritt ist es beispielsweise, mehr Beatmungsgeräte und Betten auf den Intensivstationen bereitzustellen.

Pandemie, Epidemie, Endemie … Was ist was?

Allen Formen der Massenerkrankung liegt eine meist sehr ansteckende Krankheit zugrunde, die sich schnell ausbreitet. Da es zeitliche und räumliche Unterschiede im Verlauf gibt, unterscheidet man jedoch drei Arten:

Epidemie: Als Epidemie wird eine Infektionskrankheit bezeichnet, die in einem begrenzten Gebiet auftritt. Sie kann sich entweder sehr schnell verbreiten und dann auch recht schnell wieder abflachen (Explosivepidemie) oder langsam beginnen und dann auch langsam wieder abflachen (Tardivepidemie). Beispiel: Cholera

Pandemie: Eine Epidemie, die weltweit auftritt, wird als Pandemie bezeichnet. Beispiel: Corona / Covid-19

Endemie: Wenn eine Epidemie räumlich begrenzt, aber nicht zeitlich begrenzt ist, dann spricht man von einer Endemie. Beispiel: Gelbfieber

Betriebliche Pandemieplanung: Schritt für Schritt

Wer im Ernstfall nicht vorbereitet ist, den trifft es am schlimmsten – das haben die letzten Monate gezeigt. Unternehmen, die sich bereits im Voraus Gedanken über Notfallmanagement gemacht haben, fiel es weniger schwer, Schutzvorkehrungen schnell in die Tat umzusetzen und so auch wirtschaftlich vorteilhafter zu agieren. Um Unternehmen in ihrer Planung zu unterstützen, hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ein Handbuch zur betrieblichen Pandemieplanung veröffentlicht. Diese wichtigen Tipps gibt sie unter anderem an Firmen weiter:

1. Wer ist der Ansprechpartner?

Vorsorge muss sein: Bereits vor dem Pandemiefall sollten alle Zuständigkeiten festgelegt sein. Dazu gehört es auch, einen Krisenstab einzurichten und Entscheidungswege festzulegen.

2. Der betriebsinterne Pandemieplan

Genauso wie es einen nationalen Pandemieplan gibt, sollte es also auch eine betriebliche Pandemieplanung geben, in welche alle Mitarbeiter einbezogen werden. Damit das möglich ist, muss das Notfallmanagement an alle kommuniziert und schon frühzeitig Vorkehrungen getroffen werden. Nur, wer gut informiert ist, handelt auch sachlich und überlegt!

3. Unterstützung von außen

In den meisten Unternehmen sind keine Ärzte angestellt – das ist auch gar nicht schlimm, denn dafür gibt es Betriebsärzte, Unfallversicherungsträger und Fachkräfte für Arbeitssicherung, die die Firma von außen unterstützen können. Die Gesundheit der Mitarbeiter sollte in der Pandemieplanung immer an erster Stelle stehen. Deshalb sollte man unbedingt Experten von außen zuziehen.

4. Grippeprävention

Keine Angst vor Spritzen: Vor allem Mitarbeiter mit Vorerkrankungen oder ältere Kollegen können von einer Impfung profitieren – insofern diese bereits verfügbar ist. Zur Grippeprävention empfiehlt sich also im Rahmen eines Influezapandemieplans eine von dem Betrieb organisierte Impfung.

Pandemienotfallplan Büro B@2X

5. Arbeitsplatzhygiene

Händewaschen, physische Distanz, gute Lüftung und Co. sind nach wie vor die besten Mittel zur Virusprävention. Auch der Arbeitgeber kann einen wichtigen Beitrag zum Arbeitsschutz leisten, indem er zum Beispiel Home-Office Regelungen einführt. Natürlich sollte auch das Verhalten im Fall einer Erkrankung gut geplant sein. Wie wird der kranke Mitarbeiter betreut, wenn er sich noch im Büro befindet? Was, wenn ein Familienmitglied erkrankt ist? Alle Eventualitäten sollten bereits im Vorfeld abgeklärt sein.

6. Personalplanung

Ein wichtiger Bestandteil der betrieblichen Pandemieplanung ist das Personalmanagement. Sollten vorübergehend Mitarbeiter ausfallen, muss für Vertretungen gesorgt sein – zur Not durch die Einstellung von Aushilfen, Werkstudenten oder Teilzeitkräften.

7. Dienstreisen organisieren

Im besten Fall sollte auf Dienstreisen während einer Pandemie natürlich ganz verzichtet werden. Vielleicht ist ja stattdessen eine Videokonferenz möglich? Falls nicht, muss sichergestellt werden, dass während der Reise und des Treffens selbst alle Hygienemaßnahmen getroffen werden.

8. Ist noch alles aktuell?

Eine Pandemieplanung muss dynamisch bleiben und an aktuelle Erkenntnisse und Informationen angepasst werden. Deshalb sollte bereits zur Virusprävention und nicht erst im Ernstfall regelmäßig überprüft werden, ob der Plan noch den aktuellen Empfehlungen entspricht.


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Katastrophenhilfe in der Zukunft: Wie entwickelt sich die Pandemieplanung?


Aus der Corona-Pandemie haben wir einiges gelernt – und wir werden vermutlich auch noch einiges lernen. Denn für viele Rückschlüsse ist es jetzt noch zu früh. Klar ist aber, dass Technologie in Zukunft in der Pandemieplanung eine große Rolle spielen wird. Ob Influenza oder Corona, wir haben heute technische Möglichkeiten, die die Verfolgung von Krankheitsausbreitung und damit die Risikoanalyse viel einfacher macht als noch vor einigen Jahren. 

Besonders künstliche Intelligenz wird in der Zukunft eine große Rolle spielen. In der Risikoanalyse und der Katastrophenhilfe kann sie eingesetzt werden, um nachzuvollziehen, wo und wie schnell sich ein Virus ausbreitet. Das hilft nicht nur bei der Analyse des Ist-Zustands, sondern kann vor allem Prognosen einfacher machen. Algorithmen und künstliche Intelligenz können zum Beispiel mithilfe von Flugbewegungen eine Ausbreitung vorhersagen oder anhand von Aufnahmen der Lunge einschätzen, ob ein Mensch erkrankt ist.

Wichtig ist dafür vor allem eines: Jede Menge Daten. Diese zu sammeln ist, besonders vor dem Hintergrund des Datenschutzes, eine Herausforderung. So stoßen zum Beispiel Tracking-Apps, welche unter anderem vom RKI entwickelt wurden, auf Kritik und werden von vielen Menschen abgelehnt. Diese Services der Bevölkerung näher zu bringen und vor allem so sicher zu stellen, dass ein Datenmissbrauch praktisch ausgeschlossen werden kann, wird ein wichtiger Fokus in der zukünftigen Pandemieplanung sein. 


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Das sind die Chancen und Risiken der Tracking-Apps


Pandemieplanung ist kein neues Konzept, doch besonders seit der Corona-Pandemie ist offensichtlich geworden, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist – und dass wir trotz technischen Fortschritts manchmal noch immer den Launen der Natur ausgesetzt sind. Trotzdem kann jeder Einzelne durch informiertes Handeln und die richtige Vorbereitung einen wichtigen Beitrag leisten.

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Blog Autor
ÜBER DEN AUTOR

Jeanette Stowasser

Jeannette ist Online-Redakteurin für Gesundheit und schreibt seit 2011 Artikel, E-Books und Whitepaper zu den verschiedensten medizinischen Themen.

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