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LIFESTYLE - 24. Januar 2019

Work-Life-Balance – Wie du dein Gleichgewicht findest

Dir ist klar, wie wichtig Work-Life-Balance ist – theoretisch. Aber Hand aufs Herz: Kümmerst du dich deshalb wirklich um dein persönliches Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit oder Beruf und Familie? 

4 Min.
Contrast Work Life Ai@1X

Wann warst du das letzte Mal offline? Und wann hast du zuletzt ganz einfach Zeit mit dem besten Freund oder der besten Freundin verbracht – ohne an Termine und Verpflichtungen denken zu müssen? Wenn du jetzt scharf nachdenken musst, gibt es in deinem Leben womöglich ein Ungleichgewicht.

Die Dinge, die dich glücklich machen und die dein Wohlfühl-Level anheben, kommen zu kurz zwischen den Anforderungen, die du in deiner Rolle als Unternehmer, Selbstständiger oder Angestellter erfüllen musst – deine Work-Life-Balance ist irgendwann aus dem Ruder gelaufen.

Work-Life-Balance in 3 Minuten

Was ist Work-Life-Balance überhaupt?

Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu schaffen. Eigentlich ganz einfach. Bei der Umsetzung wird es dann aber schwierig, denn eine, für jeden passende Work-Life-Balance gibt es nicht. Das richtige Maß ist reine Typenfrage.

Es zu finden ist übrigens nicht nur ein Wunsch der angeblich so spaß- und freizeitorientierten Generation Y. Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft hat mehrere Studien verglichen: Demnach ist Work-Life-Balance eine der Top-5-Anforderungen, die junge Bewerber an Arbeitgeber haben, denn für die Generation Y zählt die Familie zu den wichtigsten Werten – genauso wie für ältere Generationen, denn durch den demografischen Wandel steigt beispielsweise die Anzahl pflegebedürftiger Angehöriger.

Für 87 Prozent der Gen-Y-Vertreter ist Work-Life-Balance eines der wichtigsten Merkmale eines attraktiven Arbeitgebers.

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Warum Work-Life-Balance heute so schwierig ist

Es geht also um Werte. Neben der Familie und dem Partner können das auch der Freundeskreis, sportliche Ziele oder der Wunsch sein, möglichst viel von der Welt zu sehen. Aber warum wird es scheinbar immer schwieriger, im Alltag genug Zeit für die eigenen Werte freizuschaufeln?

Ein Grund dafür ist die Digitalisierung. Sie durchdringt nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens und Arbeitens. Wo der Mensch früher am Fließband schuftete, arbeitet er heute beispielsweise mit Kollege Roboter in vernetzten Produktionsstätten effizient zusammen.  Und wo einst Papierwüsten herrschten, regiert heute die Arbeit am PC. Und sein wir ehrlich: Wer würde schon gerne auf Excel als seinen Freund und Helfer verzichten?

Viele Aufgaben lassen sich so zwar heute schneller und effizienter erledigen. Der Preis dafür ist allerdings eine wachsende Flut an Daten, die ununterbrochen auf uns einprasselt. Hinzu kommt die wachsende Gefahr, immer mehr Arbeit in die Freizeit zu verlagern – schließlich wird das durch die fortschreitende Technik und die permanente Erreichbarkeit immer einfacher. Dank Apps, der Cloud und mobilen Geräten ist die Arbeit überall da, wo du bist – wenn du es zulässt. Die wichtigste Frage lautet deshalb: Was ist deine persönliche Work-Life-Balance, mit der du dich wohl fühlst?

Work-Life-Balance als Challenge

Wir haben bereits festgestellt: Eine gesunde Work-Life-Balance ist den meisten Arbeitnehmern wichtig, das richtige Maß hängt aber vom Typ und den persönlichen Werten ab. Hier sind drei Beispiele, die das veranschaulichen.

Als Selbstständiger bist du dein eigener Boss. Es macht dir nichts aus, für einen neuen Kunden eine Nachtschicht einzulegen. Deine persönliche Entscheidungsfreiheit ist dir im Zweifel wichtiger als geregelte Arbeitszeiten. Um kein spannendes Projekt zu verpassen, bist du ständig erreichbar. Gerade deshalb passiert es dir immer wieder, dass die Grenzen zwischen Leben und Arbeit verschwimmen.


Deine Herausforderung: Du hast deine Work-Life-Balance in doppelter Hinsicht in der Hand – aus Arbeitnehmer- und aus Arbeitgebersicht. Doch der ständige Kampf mit deinem inneren Schweinehund ist vorprogrammiert.

Selbststaendig Work Life B@1X
Familienmensch Work Life B@1X

Als Familienmensch stehen deine Liebsten für dich immer im Vordergrund. Die Zeit mit ihnen ist für dich unbezahlbar, am liebsten wärst du rund um die Uhr für sie da. Um ihnen all ihre Wünsche zu erfüllen, bist du bereit, bei der Arbeit ranzuklotzen. Ist der Nachwuchs mal krank und steht gleichzeitig ein wichtiges Meeting an, kommst du allerdings ins Schwimmen.

Deine Herausforderung: Um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, brauchst du einen Arbeitgeber, der dir entgegenkommt und gleichzeitig viel Selbstdisziplin.

Als Berufseinsteiger bist du von der Familienplanung wahrscheinlich noch weit entfernt. Du legst erst einmal mehr Wert darauf den anstehenden Marathon von deiner To-Do-Liste zu streichen und den nächsten Festivalbesuch mit deinen besten Freunden zu planen. Und in deinem ersten Job willst du alles richtig machen, dafür nimmst du auch Überstunden in Kauf.

Deine Herausforderung: Du musst deinen Platz im Arbeits- und Berufsleben erst noch finden. Dazu gehört auch, Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem zu ziehen – und das kann ganz schön schwierig sein.

Einsteiger Work Life B@1X

5 Tipps für deine Work-Life-Balance, die du sofort umsetzen kannst:

  1. Plane: Lege dir – gerade als Selbstständiger – Routinen zu und plane so viel wie möglich im Voraus – auch die Life-Seite deiner Work-Life-Balance. Das setzt Disziplin voraus, kann aber unglaublich viel bewirken.
  2. Trenne: Ziehe klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben, das betrifft sowohl die Arbeitszeit als auch – wenn du als Selbstständiger viel im Homeoffice arbeitest – die räumliche Dimension.
  3. Gleiche aus: Schaffe einen Ausgleich zu deinem arbeitsreichen Lebensstil – mit regelmäßigen Besuchen im Fitnessstudio oder fest geplanten Urlauben, in denen du idealerweise offline bist.
  4. Sag nein: Lerne, Grenzen zu ziehen und auch einmal nein zu sagen. Gerade als Berufseinsteiger ist das wichtig, um nicht in Muster zu verfallen, die später schwer wieder aufzuheben sind.
  5. Lausche: Höre auf deinen Körper – so banal es klingt. Wenn du ständig müde und antriebslos bist und häufiger krank wirst oder dir deine Kollegen öfter sagen, dass du nicht so frisch aussiehst, solltest du mehr Acht auf dich geben.

Was passiert, wenn du nichts unternimmst?

Viele Arbeitnehmer merken oft gar nicht, dass der Stress am Arbeitsplatz ihr Privatleben nicht nur hin und wieder mal, sondern dauerhaft negativ beeinflusst, und langfristig an ihrer Gesundheit nagt und zugleich ihr Privatleben negativ beeinflusst. Die Folgen sind Antriebslosigkeit, ein anfälliges Immunsystem und im schlimmsten Fall Symptome des Burnout-Syndroms. 

Da jeder Mensch unterschiedlich mit Stress umgeht, ist es schwer, allgemeingültige Tipps für die Work-Life-Balance zu geben. Deshalb ist es wichtig, auf deinen Körper zu hören und dich bewusst zu fragen: Ist meine momentane Arbeitsbelastung langfristig tragbar für mich?

Auch dein Umfeld kann dir Warnsignale geben: Selbst, wenn du dich ausgeglichen fühlst und freiwillig in der Freizeit arbeitest, kann deine Work-Life-Balance leiden und sogar dein Umfeld belasten. Dr. Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung hat herausgefunden: Für deinen Partner ist es egal, warum du deine Mails nach Feierabend beantwortest; allein die Tatsache, dass du es tust, kann bei deinem Partner die Zufriedenheit mit der Beziehung und sogar der eigenen Work-Life-Balance signifikant senken.

Work-Life-Balance-Maßnahmen von Arbeitgebern

Bei der Work-Life-Balance spielen zwei Seiten eine Rolle: Dein Leben und deine Arbeit. Einen Ausgleich zu schaffen ist deshalb nicht allein deine Aufgabe. Eingangs ging es um die Generation Y. Ein Grund, warum viele Work-Life-Balance-Studien dieser Frage nachgehen, ist dass Unternehmen sich schon heute mit der Arbeitswelt der Zukunft beschäftigen. Dabei spielt auch Work-Life-Balance eine große Rolle.

Diese Maßnahmen zur Gestaltung der Work-Life-Balance wünschen sich Arbeitnehmer

  1. Flexible Arbeitszeiten
  2. Klare Trennung von Arbeit und Privatleben
  3. Integration persönlicher Interessen
  4. Homeoffice
  5. Auszeiten/Sonderurlaub
Quelle: Splendid Research

Neben bekannten Modellen wie Teilzeit, Sabbaticals und Job-Sharing oder flexiblen Arbeitszeiten bieten immer mehr Unternehmen auch Gesundheitsmanagement, Fitnesskurse, Ernährungsberatung oder auch Kinderbetreuung an. Einige Start-ups testen noch radikalere Ansätze und stellen ihren Mitarbeitern unbegrenzte Urlaubstage zur Verfügung.

Ganz uneigennützig sind solche Maßnahmen nicht: Das Beratungsunternehmen Prognos hat im Jahr 2005 untersucht, welchen wirtschaftlichen Einfluss Work-Life-Balance-Konzepte haben. Für die Zeit zwischen 2006 und 2020 wurden zwei Szenarien skizziert: Eine Trendfortschreibung der aktuellen Wirtschaftslage als Basisszenario und ein Work-Life-Balance-Szenario auf Basis von empirischen Ergebnissen aus Betrieben, die Work-Life-Balance-Maßnahmen durchführen, und aus Studien. Das Ergebnis:

Bip Work Life B@1X Wirtschaftlicher Impact: Laut einer Studie aus dem Jahr 2006 hätte die sofortige Umsetzung von Work-Life-Balance-Maßnahmen das deutsche Bruttoinlandsprodukt bis 2020 kontinuierlich und um 1,3 % erhöht.

Wie du siehst ist Work-Life-Balance keine Modeerscheinung, sondern ein Trend, den selbst Arbeitgeber längst auf dem Schirm haben. Und auch deine Kollegen haben sich sicher schon einmal mit der Frage beschäftigt, wie sich Job und Freizeit ihren Bedürfnissen entsprechend in Einklang bringen lassen. Hör dich einfach in der nächsten Kaffeepause um – ganz bestimmt bist du überrascht, welche Impulse sich dabei ergeben und vielleicht den Grundstein für die Optimierung deiner Work-Life-Balance ergeben.

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