Lifestyle - 30. Januar 2019

Nervenbündel oder Zen-Meister: Welcher Stresstyp bist du?

Ob du bei Stress erstarrst oder unter Druck erst richtig loslegst, hängt mit deiner Persönlichkeit zusammen. Welche Stresstypen gibt es? Welcher Stresstyp bin ich? Wir geben Antworten und verraten, welche Anti-Stress-Strategie für dich funktioniert.

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Dein Herz bleibt einen Moment stehen, um gleich darauf einen Sprint hinzulegen. Gerade als du auf „senden“ geklickt hast, ist er dir ins Auge gefallen – dieser dicke Fehler im Jahresabschlussbericht. Dabei hattest du doch akribisch alles geprüft!

Völlig schwach in den Knien wägst du deine Optionen ab: Das Fiasko sofort beichten und ein Donnerwetter des Chefs riskieren? Stur weiterarbeiten und hoffen, dass niemand den Fehler bemerkt? Oder sofort ein paar Freunde zum abendlichen Weintrinken zusammentrommeln? Wäre doch gelacht, wenn es dir danach nicht besser ginge.

Reaktionsmuster: Wie gehst du mit Stress um?

Wie du auf Stressfaktoren wie den hypothetischen Fehler im Jahresabschlussbericht reagierst, ist eine Sache deiner Persönlichkeit. Bist du eher ein Pessimist? Ein Optimist? Pflichtbewusst? Konfliktscheu?

Außerdem ist die Reaktion auf Stress eng an deine subjektive Bewältigungsstrategie, die sogenannte Coping-Strategie, gekoppelt. Der US-amerikanische Psychologe Richard Lazarus hat hier drei Ansätze entwickelt:

  • Problemorientiertes Coping: Du packst den Stier bei den Hörnern. Statt bei einem Fehler den Kopf in den Sand zu stecken, wirst du aktiv und versuchst durch konkrete Handlungen eine Lösung für dein Problem zu finden.
  • Emotionsorientiertes Coping: Du weigerst sich, dem Stress ins Gesicht zu sehen. Stattdessen stellst du dich tot oder übst dich in positivem Denken – wird schon nicht so schlimm sein. Und vielleicht löst sich das Problem ja von ganz allein? Um dich besser zu fühlen, lenkst du dich ab, triffst Freunde oder suchst Zuflucht in Essen, Zigaretten, Alkohol. Wenn Gewichtszunahme durch Stress für dich ein Thema ist, neigst du vermutlich zu emotionsorientiertem Coping.
  • Bewertungsorientiertes Coping: Belastungen und Druck siehst du eher als Herausforderung, denn als Bedrohung. Dieser Ansatz verknüpft gewissermaßen das positive Denken des emotionsorientierten Copings mit dem entschlossenen Handeln des problemorientierten Copings.

Fauxpas im Job – die Top-Ursache für Stress

  1. Fehler: Bei 82 % der von Deloitte befragten Angestellten schrillen die Alarmglocken, sobald im Job etwas nicht nach Plan läuft
  2. Anstrengende Arbeitstage: 52 % fühlen sich durch eine ausufernde Arbeitslast gestresst
  3. Konflikte: 52 % werden nervös, wenn sie einen beruflichen Konflikt austragen müssen
  4. Zeitdruck: 46 % lassen sich von Terminen, knappen Fristen und Co. unter Druck setze
  5. Face-to-Face-Interaktionen: 45 % identifizierten anspruchsvolle Interaktionen, wie Vorträge als Stressfaktor Nummer eins

Um mehr über die verschiedenen Stresstypen und Bewältigungsstrategien am Arbeitsplatz herauszufinden, hat die Unternehmensberatung Deloitte 23.000 Angestellte unterschiedlicher Level aus 1.300 Unternehmen in 120 Ländern befragt. Basierend auf unterschiedlichen Persönlichkeiten und deren Reaktionsmustern hat Deloitte vier Stresstypen herausgearbeitet.

Nervenbündel oder Zen-Meister: Welche Stresstypen gibt es? 

Mit ihren vier Stresstypen hat Deloitte eine Schablone für die Stressreaktion unterschiedlicher Mitarbeiter im Unternehmen entworfen. Wir haben zudem deren Stressfaktoren ergänzt.

  • Der Guardian: Dieser Typ ist auf Sicherheit und Stabilität bedacht. Er arbeitet fleißig und engagiert, Überraschungen kann er gar nicht leiden. Vor unerwarteten Herausforderungen schreckt der Guardian zurück, lösen diese bei ihm doch massive Verunsicherung aus.
    Stressfaktor: Stressopfer
  • Der Integrator: Beziehungen sind für ihn das A und O. Unter Kollegen fühlt sich der Integrator wie ein Fisch im Wasser, er liebt es zu reden und zu netzwerken. Doch der Integrator neigt dazu, sich ablenken zu lassen und sein Ziel aus den Augen zu verlieren. Wenn er schließlich hektisch versucht, seinen wachsenden Berg an Aufgaben zu bewältigen, verfällt er leicht in Stress.
    Stressfaktor: Nervenbündel
  • Der Driver: Der Driver ist extrem diszipliniert. Konsequent verfolgt er seine Ziele und scheut dabei auch vor Risiken nicht zurück. Doch auch er gerät unter Druck – und zwar, wenn er sich bei seiner Arbeit wieder einmal in Details verliert.
    Stressfaktor: Resilienz-Anwärter
  • Der Pioneer: Für den Pioneer ist Stress eine Einladung, seine Grenzen zu erweitern, aus seiner Komfortzone zu treten und Neues zu lernen. Da er Druck nicht als Bedrohung sieht, kann dieser ihm kaum etwas anhaben.
    Stressfaktor: Zen-Meister
Zen Stresstypen B

Die besten Bewältigungsstrategien für deinen Stresstyp

Für den richtigen Umgang mit Stress gibt es kein Patentrezept. Doch wenn du deine Persönlichkeit, deine Stressursachen und deine Reaktionsmuster zu deuten weißt, kann dir das wichtige Hinweise auf deine ideale Anti-Stress-Strategie liefern. Wie wäre es also mit einer kleinen Selbsteinschätzung? Wir haben dafür die Stresstypen allgemeiner gefasst. Erkennst du dich in einem davon wieder? Dann lass dich auch von unseren passenden Tipps inspirieren

Typ: Akribischer Planer

  • Du planst gerne akribisch und am liebsten weit im Voraus. Für unvorbereitete Kollegen hast du kein Verständnis und die Überraschungspartys deiner Freunde sind dir ein Gräuel. Dein Team beschreibt dich als gewissenhaft, aber auch ein bisschen unflexibel: Wenn etwas außerhalb der gewohnten Bahnen läuft, reagierst du mit Stress und Herzrasen. Und Hilfe bei einem Last-Minute-Projekt braucht von dir keiner zu erwarten. 

Hier ist dein Anti-Stress-Rezept

Übe dich in Flexibilität! Deine Planung in allen Ehren, aber Anpassungsfähigkeit ist ein Schlüsselkriterium der modernen Arbeitswelt. Erinnere dich an Situationen, in denen Veränderungen zur Verbesserung deiner Situation geführt haben und sieh sie als Möglichkeit, daran zu wachsen.

Typ: Ja-Sager

  • Als selbsternannter Optimismus-Chef des Unternehmens übernimmst du gerne Projekte außerhalb deines Aufgabenbereichs. Du bist teamfähig und hast ein breites Interessenfeld. Wenn es darum geht, die Geburtstagsparty für einen Kollegen zu organisieren, bist du die erste Anlaufstelle – du verstehst dich einfach mit jedem im Team. Leider wächst dir deine eigentliche Arbeit regelmäßig über den Kopf. Dann stehst du tagelang unter Strom.

Hier ist dein Anti-Stress-Rezept

Setze Prioritäten und plane! Wenn du mal wieder den Fokus verlierst, helfen Organisations-Tools wie Wunderlist oder Trello. Damit kannst du dir Ziele setzen, deinem Tag mehr Struktur geben und du verhinderst, dass du dich in deinen vielen Interessen und Aufgaben verhedderst.

Verliere nicht den Überblick, auch wenn du gerade viele Themen auf dem Tisch hast. Die Apps helfen dir dabei:

App: Wunderlist

Schnelles, schickes und vor allem übersichtliches Aufgaben-Management. Ein Must-Have.

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App: Trello

Next-Level Aufgabenmanagement im Kanban Stil. Hier wird Kollaboration groß geschrieben.

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Typ: Stratege

  • Du liebst Strategien und To-Do-Listen – deine Ziele verfolgst du ausdauernd und konsequent. Ablenkung kannst du nicht leiden und auch einen gewissen Hang zur Detailverliebtheit kann man dir nicht absprechen. Dummerweise sorgt gerade der dafür, dass du dich in Projekten, Konzepten und Co. gerne mal verzettelst. Wenn du unter Zeitdruck gerätst, stockst du einfach deine Arbeitsstunden auf. Oft merkst du erst, dass du gestresst bist, wenn sich bereits gravierende körperliche Stresssymptome bemerkbar machen.

Hier ist dein Anti-Stress-Rezept

Sorge für Ausgleich! Wenn du immer nur Vollgas gibst, ist dein nächster Boxenstopp ein Dreibettzimmer im Krankenhaus. Lege beim Arbeiten regelmäßig Pausen ein, in denen du dich bewegst. Auch Entspannungsübungen wie autogenes Training können dir helfen, herunterzukommen. Dann fällt es dir auch leichter, das große Ganze in deiner Arbeit wiederzufinden.

Für alle, die das viele Nachdenken über Stress ganz unruhig gemacht hat: Nicht jeder Stress ist schlecht. Im Gegenteil! Mehrere Studien haben bewiesen, dass positiver Stress für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden sogar förderlich ist. So gaben über die Hälfte der Drivers und Pioneers aus der Deloitte-Studie an, unter Druck effektiver zu arbeiten. 

Wichtig ist es, den eigenen Umgang mit Stress zu verstehen – und gegebenenfalls anzupassen. Wie das geht? Unsere Tipps helfen dir dabei. Eine positivere Einstellung zum Stress selbst und eine gute Erste-Hilfe-Strategie helfen dir am besten, um auch unter Druck hervorragend zu arbeiten.

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