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Distress und Eustress: Nutze Druck und komm in den Flow

Er ist motivierend, leistungssteigernd, ein direkter Weg in den Flow-Zustand – die Rede ist vom Stress. Doch zwischen negativem Distress und positivem Eustress liegt ein großer Unterschied. Finde heraus, wie du Stress zu deinem Vorteil machst – und was du dabei von Big-Wave-Surfern lernen kannst.

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Mit Stress verbinden die meisten eine Symphonie des Elends. Eine Komposition aus akutem Herzrasen und nächtlichem Zähneknirschen, begleitet von Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Doch nicht jeder Stress ist negativ! Untersuchungen belegen, dass eine bestimmte Stressart, der Eustress, sogar gut sein kann und zu Höchstleistungen anspornt – wenn wir richtig reagieren.

Stell dir das folgende Beispiel vor: Zwei Männer schwimmen im Meer, als eine große Welle heran rollt. Der eine, ein mittelmäßiger Schwimmer, verfällt beim Anblick der bedrohlich wogenden Wassermasse in blanke Panik – er versucht an Land zu paddeln. Den anderen, einen Surfer, packt ein absolutes Hochgefühl. Er beobachtet die im Sonnenlicht glitzernde Welle konzentriert – genau im richtigen Moment lässt er sich mitreißen, um sie zu reiten.

Distress und Eustress – zwei ungleiche Stressarten

Rein körperlich lief in beiden Personen dasselbe Reiz-Reaktionsmuster ab. Muskeln haben sich angespannt, das Herz pumpte schneller, Stresshormone wie Adrenalin wurden freigesetzt. Dennoch haben beide die Situation verschieden bewertet und damit völlig gegensätzlich erlebt. Genau hier liegt der Unterschied zwischen negativem Stress, Distress, und positivem Stress, Eustress.

Distress – die Definition

Die lateinische Vorsilbe „dis“ ist verneinend – frei übersetzt ist Distress also „negativer Stress“. Er entsteht immer dann, wenn deine Bewältigungsstrategien nicht ausreichen, um bestimmte Anforderungen und Belastungen des Lebens zu meistern. Stressoren, also äußere Reize, wie eine bedrohliche Welle beim Schwimmen oder ein heranrasendes Auto können ihn ebenso auslösen wie innere Reize, etwa Versagensängste im Job. Negativer Distress wirkt sich unvorteilhaft auf Körper, Psyche und Seele aus. Beschwerden wie Muskelverspannungen, Schlafstörungen oder Bluthochdruck sind oft die Folge, bei chronischer Belastung kann es sogar zu Herzproblemen oder Burnout kommen.

Eustress – die Definition

Dem entgegen steht der sogenannte Eustress, ein Power-Stress, der unser System leistungsfähiger macht und uns in stressigen Situationen hilft. Die griechische Vorsilbe „eu“ heißt so viel wie „gut“. Statt zu belasten oder zu lähmen, bringt der positive Stress dein System auf Hochtouren und kann dessen Leistungsfähigkeit sogar ankurbeln.

Im positiven Stress bist du, wenn du

  • vor einer Herausforderung stehst und weißt, dass du sie bewältigen kannst
  • leidenschaftlich an einer Aufgabe arbeitest
  • Sport im Team machst
  • einen spannenden Film anschaust
  • Achterbahn fährst

Auch bei positivem Stress stehst du unter Druck, doch dieser Druck stimuliert und motiviert dich. So kannst du in der Arbeit stundenlang an einem Marketing-Konzept feilen, bis in die Nacht deinen Sales-Pitch vorbereiten oder völlig versunken Excel-Tabelle um Excel-Tabelle bearbeiten.

Die ultimative Stress-Erfahrung ist der Flow.

Concentrated Distress Eustress B@1X

So unterscheiden sich Distress und Eustress

Eustress

In der Regel kurzfristig

Stimulierend und oft leistungsfördernd

Wird als zu bewältigend wahrgenommen

Macht optimistisch und stark

Kann zu einem Flow-Gefühl führen

Distress

Meist langfristig oder stetig wiederkehrend

i.d.R. leistungshemmend

Wird als überfordernd erlebt

Erschöpft, macht ängstlich

Hat negative Folgen auf Körper, Geist und Seele

Positiver Stress – der direkte Weg zum Flow

Flow bezeichnet ein Gefühl völliger Hingabe an eine Tätigkeit – einen Zustand, in dem du hochkonzentriert und gleichzeitig wie im Rausch agierst oder arbeitest. Der Psychologe und Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi, der als Erfinder der Flow-Theorie gilt, beschreibt den Flow etwas konkreter als einen freien Ausdruck kreativen Schaffens,

  • der dir mühelos von der Hand geht,
  • mit klarer Zielsetzung,
  • ohne Erwartungs- oder Erfolgsdruck,
  • in voller Konzentration und in Kontrolle der Tätigkeit, und
  • jenseits von Langeweile.

Einen besonders intensiven Flow erleben Menschen, die bis an die Grenzen ihrer körperlichen und mentalen Möglichkeiten gehen. Extremsportler – zum Beispiel Big-Wave-Surfer, Freerider oder Kletterer – berichten von einem Zustand hypnotischer Konzentration, in dem sie völlig mit ihrem Tun verschmelzen und so Höchstleistungen erzielen. 

Du tust dich schwer mit der Sportmotivation? Die gute Nachricht: Um in den Flow zu kommen, musst du dich nicht zwangsläufig mit Skiern einen verschneiten Steilhang hinunterstürzen oder ungesichert mit einem Arm an einer Klippe baumeln. Denn nicht nur im Sport, sondern auch im Privatleben oder im Rahmen deines Jobs kann der leistungsverbessernde Flow auftreten – immer dann, wenn du völlig im Einklang mit dir, deinen Fähigkeiten und den Anforderungen einer Aufgabe stehst.

Work Distress Eustress B@1X

Was brauchst du, um im Job einen Flow zu erleben?

  • Ein klares Ziel

  • Eine Tätigkeit, die dich begeistert

  • Ein gewisses Maß an Herausforderung

  • Die Möglichkeit, deine Fähigkeiten zu erweitern

Negativen Stress in positiven Stress verwandeln: So funktioniert’s!

Jeder Mensch geht anders mit Stress um. Ob er dich stimuliert oder zur Belastungsprobe wird, ist letztlich eine Frage deiner Einstellung. Siehst du dich in der Lage, die Herausforderung zu bewältigen? Oder sind es eher negative Gefühle, die dich beherrschen?

Diese 3 Tipps helfen dir, Distress ganz einfach in guten Stress zu verwandeln.

  1. Sieh Stress als das, was es ist: Ein Gefühl
    „Nicht der Stress macht krankt, sondern unsere Reaktion darauf“, sagte Hans Seyle, der Erfinder des modernen Stresskonzepts einmal. Mache dir bewusst, dass dir der Stress per se nichts anhaben kann – er ist bloß ein Gefühl, sozusagen deine Antwort auf eine belastende Situation. Und die kannst du jederzeit steuern.
    Frage dich: Will ich mich von meinen Reaktionen behindern oder anspornen lassen? Wie kann ich positiv auf Stress reagieren?


  2. Erkenne die Botschaft hinter dem Stress
    Stress ist ein Indikator dafür, dass dir eine Aufgabe oder Situation wichtig ist. Doch welche Werte und Motivationen stecken dahinter? Hast du wirklich nur Angst davor, eine Frist zu verpassen? Oder hast du in Wahrheit das Gefühl, deinen Chef zu enttäuschen? Deine Kollegen hängen zu lassen? Arbeite den Ursprung deiner Stressreaktion heraus und versuche Lösungsstrategien herauszuarbeiten.
    Frage dich: Worum geht es hier eigentlich? Welche Fähigkeiten kann ich mir aneignen, um mit Stress künftig besser umzugehen?


  3. Finde eine positive Perspektive
    Der Psychologe und Bestsellerautor Sean Achor hat jahrelang zum Thema Glück geforscht. Er bewies, dass das Hirn Aufgaben mit einer positiven Einstellung besser bewältigt als mit einer neutralen oder negativen. Statt deine Hirnkapazitäten im „Kampf oder Flucht“-Modus verharren zu lassen, kannst du ganz einfach auf einen Wachstumsmodus umschalten. Wie? Indem du die Herausforderung annimmst und dich darauf freust, an einer Aufgabe zu wachsen.
    Frage dich: Welchen Sinn hat diese Situation für mich? Was kann ich aus der Herausforderung lernen?

Unser Stress-Fazit: Atme durch und reite die Welle!

Positiver Stress kann dich motivieren, deine Leistungsfähigkeit steigern und sorgt Studien zufolge für mehr Zufriedenheit im Leben und mehr Freude im Berufsalltag.

Um Distress in positiven Eustress zu verwandeln, musst du ihn annehmen und ins Handeln kommen. Positiv denken! Negative Gedanken und Gefühle haben hier keinen Platz. Lass dich nicht von ihnen ins Bockshorn jagen, sondern übernimm aktiv die Kontrolle über deine Reaktionen. Sieh Stress als Einladung, aus deiner Komfortzone zu treten. Lass dich von der Strömung nicht unterkriegen, sondern reite die sprichwörtliche Welle – dann wirst du langfristig daran wachsen.

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