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13. Juni 2019

Krank vor Langeweile: Leidest du unter einem Bore-out?

Burn-out kennt jeder. Aber hast du gewusst, dass es auch einen Bore-out gibt? Menschen, die vor lauter Langeweile im Job gar nichts mehr mit sich anfangen können, entwickeln ähnliche Symptome wie Burn-out-Patienten. Warum das so ist und was hilft, verrät dieser Artikel.

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Stell dir vor, du hast einen neuen Job angefangen. Die Stellenausschreibung klang genial: Viel Eigenverantwortung, Austausch mit internationalen Kollegen, Aufstiegschancen. Natürlich willst du richtig Gas geben und die Chance nutzen. Aber wenn nach ein paar Wochen Einarbeitung immer noch keine Herausforderung auf deinem Tisch liegt, beginnst du vielleicht, dich zu langweilen. Die angepriesene Verantwortung beschränkt sich auf Mini-Projekte, die der Abteilungsleiter penibel kontrolliert.  

Alle paar Wochen telefonierst du mit Kollegen in UK, aber nach einem kurzen Check der Zahlen ist das Gespräch vorbei. Außerdem bist du so schnell, dass deine Aufgaben innerhalb kürzester Zeit erledigt sind. Danach musst du so tun, als wärst du beschäftigt. Eine trostlose Vorstellung, nicht wahr? So ähnlich geht es Menschen, die einen Bore-out entwickeln.  

Typische Symptome und Bore-out-Strategien 

Bore-out wird oft belächelt. Was ist schon schlimm daran, sich zu langweilen? Aber die Dauerunterforderung macht vor allem den Leistungsstarken zu schaffen. Sie sitzen quasi in einem Ferrari, aber dürfen nur 30 km/h fahren. Für eine Weile mag das in Ordnung sein. Aber nach einer gewissen Zeit nervt der Job nur noch. Symptome wie Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen treten auf. Der Frust führt dazu, dass Betroffene ihr Leben nicht mehr genießen können. Im Hintergrund nagt ein Gefühl an ihnen, dass etwas nicht stimmt. Das Bore-out-Syndrom kann sogar zu einer Depression führen. 

Irgendwann gesellen sich psychosomatische Probleme dazu. Zum Beispiel Magen- oder Kopfschmerzen, Tinnitus oder Schwindel. Ständige Unterforderung führt also zu ähnlichen Stress-Symptomen wie Überforderung. Etwa 5,7 Millionen Deutsche sollen fachlich unterfordert sein, aber die Dunkelziffer könnte viel höher liegen. Wer will schon zugeben, dass er sich langweilt?  

Dazu kommt das Problem, dass keiner merken soll, wie wenig zu tun ist. Betroffene tun so, als ob sie sehr beschäftigt wären. Eine typische Bore-out-Strategie ist zum Beispiel, den Arbeitsplatz mit Dokumenten zu überhäufen. Oder durch die Gänge zu eilen, über Stress zu klagen oder Überstunden zu schieben. Das macht natürlich nichts besser, sondern verstärkt die Langeweile und den Frust nur.  

7 Tipps gegen Langeweile im Job 

Auch wenn du nicht unter einem Bore-out leidest – Langeweile im Job kann in den besten Firmen vorkommen. Meist dauert es nicht lang, bis sich die Arbeit wieder stapelt. Aber bis dahin kannst du andere Dinge erledigen. 

Was tun bei Langeweile im Job? 

Alte To-Do-Listen checken

Gibt es etwas, das du schon immer machen wolltest? Zum Beispiel Workflows überarbeiten oder Vorlagen für Dokumente und Prozesse erstellen? Auf geht’s! 

Fortbilden

Es gibt sicher auch in deinem Fachbereich viele Tutorials mit Brancheninfos, für die sonst nie Zeit ist. Nutze die Chance, um dein Wissen auf den neusten Stand zu bringen. Vielleicht sammelst du so auch neue Ideen für das nächste Projekt. Du kannst dich natürlich auch in allgemeinen Skills fortbilden und zum Beispiel Tipps für Verhandlungen oder Präsentationen lesen. 

Vorarbeiten

 Du weißt schon ungefähr, was als nächstes auf deinem Tisch landen wird? Bereite dich soweit möglich auf deine nächste Aufgabe vor. So sparst du dir später Arbeit.

Aufräumen

Dein Schreibtisch ist das reinste Chaos? Wenn gerade wenig los ist, ist das die beste Gelegenheit, um Unterlagen zu sortieren oder den Desktop auszumisten.

Wenn zwar viel los ist, die Aufgaben aber zur Routine geworden sind und du dich langweilst, kannst du:

Neue Herausforderungen suchen

Überlege, wie du deine Arbeit verbessern kannst. Wie kannst du schneller oder effizienter werdenGibt es ein Projekt, das du deinem Chef vorschlagen könntest? 

Sinn suchen

Erinnere dich daran, welchen Sinn deine Arbeit hat. Wenn du nur Teilaufgaben erledigst, schau auf das große Ganze. 

Gedanken schweifen lassen

So kannst du neue Ideen entwickeln, die dich weiterbringen. Warum lief das vorletzte Projekt schief? Wie könntest du dich besser mit dem schwierigen Kollegen aus der IT arrangieren? Langeweile kann auch Raum für Kreativität öffnen. 

Bore-out-Betroffene gehen meist noch weiter. Im Schnitt surfen sie zwei Stunden pro Tag im Netz, um sich durch Nachrichtenportale zu klicken oder sich mit Spielen abzulenken. Manche „arbeiten“ auch aus dem Homeoffice und schmeißen währenddessen den Haushalt. Spätestens jetzt muss eine Veränderung her. Denn die fehlende Anerkennung bekommt man so nicht zurück. Außerdem steigt laut einer britischen Langzeitstudie mit der Langeweile das Stress-Level und damit erwiesenermaßen das Herzinfarktrisiko!  

Was hilft bei einem Bore-out-Syndrom? 

Wer unter einer chronischen Unterforderung leidet und sich ständig klein macht (Stichwort Downscaling), muss sich neu ausrichten. Wichtig ist, das Problem zu erkennen und die Zügel in die Hand zu nehmen. Und das am besten, bevor sich ein Bore-out einstellt.  

Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Bore-out-Prävention: 

  • Anspruchsvolle Hobbys: Lerne etwas Neues, zum Beispiel Chinesisch oder Gitarre spielen. Oder suche dir eine herausfordernde Sportart wie Kite-Surfen. 
  • Gespräch mit dem Chef: Vielleicht weiß dein Vorgesetzter gar nicht, dass die Arbeit ungünstig verteilt ist? Womöglich ist eine Umstrukturierung möglich und du kannst endlich durchstarten.  
  • Weiterbildung: Eine Weiterbildung kann die Tür zu einem neuen Aufgabenbereich öffnen.
  • Jobwechsel: Lässt sich das Problem in der aktuellen Firma nicht beheben, gibt es bestimmt bessere Arbeitgeber für dich. Wenn dich nichts hält, mach die Leinen los. Ganz nach dem Motto: Love it, change it or leave it. 

Meist helfen diese Maßnahmen bereits weiter. Wenn nicht, muss professionelle Hilfe her. Eine klassische Bore-out-Behandlung gibt es allerdings nicht. Denn in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) ist das Bore-out-Syndrom nicht aufgeführt. Hausärzte und Psychologen würden die Problematik eher als Anpassungsstörung mit vorwiegend depressiver Symptomatik betrachten und eine entsprechende Therapie des Bore-outs in die Wege leiten. Gegen depressive Zustände hilft beispielsweise das pflanzliche Mittel Johanniskraut. Wenige Therapiesitzungen reichen in der Regel aus, um neue Impulse zu geben. Bei akuten Stresszuständen können Bore-out-Patienten auch krankgeschrieben werden.   

Du hast nicht das Gefühl, an einem Bore-out-Syndrom zu leiden, langweilst dich aber zu oft im Job? Dann hast du jetzt in paar Ideen erhalten, was du tun kannst. Vielleicht ist es an der Zeit, die Komfortzone zu verlassen und etwas zu verändern. Motivation beginnt im Kopf!  

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