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Lifestyle - 14. Januar 2019

Wenn Schafe nicht mehr reichen. Was tun gegen Schlafstörungen?

Man sagt, wer um drei Uhr früh noch wach ist, ist entweder verliebt, einsam oder betrunken. Oder hat, wie 35 % aller Erwachsenen, eine Schlafstörung. Zählst auch du Nacht für Nacht vergeblich die Schäfchen? Wir zeigen dir, welche Schlafstörungen es gibt und was du tun kannst, um deinen Ruhemodus doch noch zu aktivieren. 

4 Min.

Es ist mitten in der Nacht und deine Gedanken drehen immer wieder dieselbe Runde. Sie beginnen beim Streit mit deinem Vermieter, wandern kurz über die Einkaufsliste und enden beim morgigen Pitch. Den du besser gewinnen solltest, weil sonst … Ach, Mist! Da geht es wieder von vorne los. Du weißt genau: Wenn du nicht bald schläfst, bist du morgen so richtig im Eimer. Nicht, dass dieser Gedanke helfen würde …

Jeder kennt solche Nächte, in denen man sich von rechts nach links wälzt, einfach nicht einschlafen kann und immer wieder aufwacht. Richtig bedenklich wird schlechter Schlaf aber erst, wenn er mindestens drei Mal die Woche über einen Zeitraum von vier Wochen vorkommt. Dann attestiert der Arzt offiziell eine Schlafstörung. Mediziner kennen 88 verschiedene Schlafstörungen, manche davon richtig gefährlich, wie Narkolepsie oder Schlafapnoe, andere eher lustig wie Reden im Schlaf. Keine Sorge, du musst sie nicht alle kennen. Wir haben die häufigsten Beschwerden und Ursachen für dich zusammengefasst. 

  • Einschlafstörungen: Du bist müde, aber kannst nicht einschlafen.
  • Durchschlafstörungen: Du wachst nachts (mehrmals) auf und brauchst länger als 30 Minuten, um wieder einzuschlafen.
  • Frühmorgendliches Erwachen: Ohne erkennbaren Grund wachst du jeden Morgen um Stunden zu früh auf.

Insomnien – Störungen, die dich nicht schlafen lassen

  • Schlafwandeln: Während der Tiefschlafphase stehst du auf und läufst umher, ohne dass du dich am Morgen daran erinnern kannst.
  • Reden im Schlaf: Du gibst unzusammenhängende Laute und Satzfetzen von dir.
  • Schnarchen: Erschlaffte Muskeln im Rachenraum verursachen unangenehme Geräusche, die hauptsächlich den Bettnachbarn stören.
  • Zähneknirschen: Seelische Konflikte oder einfach die Zahnstellung lassen dich nachts mit den Zähnen knirschen.
  • Alpträume: Nächtliche Verfolgungsjagden und andere Schreckensbilder bringen dich um den Schlaf.

Parasomnien – Störungen während des Schlafs

  • Beim Autofahren, im Meeting und mitten im Gespräch – du schläfst plötzlich ein.
  • Zusätzlich können Muskellähmungen und Halluzinationen auftreten.
  • Ursache: Dem Gehirn fehlt der Botenstoff, der den Schlaf-Wachrhythmus steuert.
  • Narkolepsie kann gefährlich werden und sollte unbedingt ärztlich behandelt werden.

Narkolepsie – Schlafattacken am Tag

  • Schlafapnoe: Du hast Atemaussetzer beim Schlafen.
  • Tagesschläfrigkeit: Obwohl du ausreichend schläfst, bist du tagsüber schläfrig.

Hypernomie – Störungen durch „zu viel“ Schlaf

  • Jet-Lag-Syndrom: Deine innere Uhr ist nach dem Überqueren von zwei Zeitzonen aus der Spur geraten.
  • Unregelmäßiges Schlaf-Wach-Muster: Dein Schlafrhythmus ist desorganisiert und willkürlich; der Grund kann Schichtarbeit sein.

Schlafrhythmusstörungen – machen die Nacht zum Tag

  • Sobald du im Bett liegst, fangen deine Gliedmaßen an zu kribbeln.
  • Muskelschmerzen und -krämpfe lassen dich aufstehen, wodurch die Symptome sofort verschwinden.
  • Es kann sich anfühlen, als wären Hände und Finger eingeschlafen. Für das Kribbeln gibt es meist eine harmlosere Ursache: abgedrückte Nerven durch eine ungünstige Schlafposition.

Restless-Legs-Syndrom – unruhige Beine (seltener Arme und Hände)

Mit Schlafstörungen zum Arzt?

Was tun, wenn du schlecht schläfst? Die erste Anlaufstelle bei Schlafproblemen ist der Hausarzt. Er verweist dich zum Neurologen oder ins Schlaflabor. Du solltest spätestens dann einen Arzt aufsuchen, wenn

  • du schon seit einem Monat oder länger nahezu jede Nacht Probleme mit dem Schlafen hast,
  • du tagsüber erheblich unter der gestörten Nachtruhe leidest,
  • du am Tag gegen deinen Willen einschläfst, oder
  • du schon vieles ausprobiert hast, aber nichts wirklich hilft.
Schlafloses Deutschland

Häufigkeit von Schlafproblemen bei den Befragten in den vergangenen 4 Wochen

Legende Schlafstörungen B@1X
Schlaflos 2009 Schlafstörungen B@1X Schlaflos 2016 Schlafstörungen B@1X
Quellen Schlafstörungen B@1X

Die häufigsten Gründe für schlechten Schlaf

Die Gründe für Schlafstörungen sind so zahlreich wie die Menschen, die unter ihnen leiden. Einige oft vorkommende Schlafräuber findest du hier:

  • Stress: Schlafen bedeutet loslassen, das Sinken in eine vorübergehende Bewusstlosigkeit. Stress hingegen signalisiert deinem Körper, dass eine Gefahr besteht. Da ist Loslassen natürlich das Letzte, was auf dem Plan steht. Bei Anspannung und Nervosität schüttet dein Körper Stresshormone aus. Möglicherweise ist der Puls erhöht und du schwitzt im Schlaf. Das Gedankenkarussell dreht sich. In der Folge kommst du nur schlecht zur Ruhe.
  • Mangelnde „Schlafhygiene“: Damit meinen Mediziner nicht etwa die abendliche Dusche, sondern alle Verhaltensweisen und Umstände, die sich auf den Schlaf auswirken. Scheint der Vollmond zum Fenster hinein, liegt der Zeitpunkt des Abendessens zu spät oder stoppt grelles Licht die Produktion des müde machenden Hormons Melatonin?
  • Medikamente: Manche Medikamente lösen als unerwünschte Nebenwirkung Schlafstörungen aus, darunter paradoxerweise auch Schlafmittel. Hier gilt: Nie ohne ärztlichen Rat einnehmen!
  • Krankheiten: Körperliche und psychische Krankheiten können starken Einfluss auf die Schlafqualität nehmen. In Frage kommen etwa Virusinfekte und Depressionen sowie Erkrankungen der Lunge, des Herzens und des Nervensystems. Aber auch Hormonstörungen und -schwankungen, wie sie bei Schwangeren und in den Wechseljahren vorkommen, können Auslöser sein.

Schlafentzug: die Folge von Schlafstörungen

Manchmal ist das Leben einfach nur genial: beim Joggen eine neue Bestzeit erreichen, endlich die Lösung für das Problem im Job finden … Schlechter Schlaf hingegen kann dir dein Leben ziemlich vermiesen. Wer ständig müde ist, bringt weniger Leistung, ist weniger kreativ und weniger belastbar. Unter dauerhaftem Schlafentzug leiden nicht nur deine Energie und Lebensfreude, sondern auch deine Gesundheit. Lass es nicht soweit kommen!

Was tun gegen Schlafstörungen: Behandlung

Leidest du selbst unter Schlafstörungen und fragst dich, was du dagegen tun kannst? Dann haben wir eine gute Nachricht für dich: Schlafstörungen kann man gut behandeln – in vielen Fällen auch ohne Medikamente. Am besten folgst du unserem Drei-Stufen-Plan.

3 Schritte gegen Schlafstörungen

  1. Selbsthilfe: Nimm als erstes deine Schlafkultur und deinen Lebensstil unter die Lupe. Bewegst du dich tagsüber genug, damit du abends müde bist? Folgst du deinem natürlichen Schlafrhythmus? Gibt es bestimmte Umstände, die dich stressen und grübeln lassen? Hast du eine angenehme Schlafumgebung mit passender Matratze, Temperatur, etc.?
  2. Professionelle Hilfe: Kommst du alleine nicht weiter, hol dir Unterstützung von Experten. In schlafmedizinischen Zentren und sogenannten Schlafschulen wird dein Schlaf analysiert, um die beste Therapie für dich zu finden. Du bekommst konkrete Verhaltenstipps und erlernst Methoden zur Entspannung. 
  3. Medikamente: Verschreibungspflichtige Schlafmittel wie Benzodiazepine sind der dritte Schritt. Sie sorgen zuverlässig für Schlaf, haben aber auch gravierende Nachteile. Der künstliche Schlaf ist weniger erholsam und die Dosis muss für denselben Effekt immer weiter erhöht werden. Da Schlafmittel bereits nach wenigen Tagen abhängig machen, sind sie nur eine kurzfristige Lösung. Immer mehr Ärzte setzten auch auf alternative Methoden wie Akkupunktur, Lichttherapie oder pflanzliche Präparate.

Die Schäfchen sind gezählt, aber du liegst immer noch wach? Hol dir unsere praxiserprobten Tipps zum Einschlafen, Stress abbauen und Ziele erreichen, dann klappt es bestimmt bald wieder mit dem Durchschlafen.

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