Jetzt zu unseren Infoabenden in deiner Stadt anmelden Mehr Infos

Zurück zur Übersicht "Schlafen"
Lifestyle - 9. Januar 2019

Schlafen kann ich, wenn ich tot bin? So fatal ist Schlafentzug

Work hard, play hard. Für Schlaf bleibt da keine Zeit. Die wenigsten Leistungsträger nehmen wirklich wahr, was sie ihrem Körper und Geist mit dauerhaftem Schlafentzug antun. Erfahre jetzt, warum es sich für dich lohnt, ausreichend zu schlafen.

3 Min.

Wohin Schlafentzug einen treiben kann, zeigt die japanische Hochzeitsagentur Crazy sehr anschaulich: Ihre Mitarbeiter können ihre Schlafdauer per App direkt vom Chef überwachen lassen. Für jede Stunde gibt es Punkte und für diese Punkte gibt es wiederum Essen in der Firmenkantine. Schlauer Nudge oder absurde Überwachung in Anlehnung an elterliche „Geh-aufs-Töpfchen-Anreize“?

Okay, wir geben es zu: Japan ist in vielerlei Hinsicht ein extremes Beispiel. Nirgends wird mehr gearbeitet, nirgends begehen mehr Menschen aus Schlafmangel Suizid. Und dennoch haben die Zahlen aus Asien eine erschreckende Relevanz für unsere Gesellschaft. Schlaf hat ein schlechtes Image – auch hierzulande. Er gilt als Luxus für Faulpelze; als Beschäftigung für alle, die nicht wichtig genug sind, etwas aktiv zu schaffen.

Seit Jahrzehnten geht der Trend hin zu weniger Schlaf. Dabei hat unsere Welt mit ihren komplexen Problemen kaum etwas so sehr nötig, wie ausgeschlafene, wache Menschen. Denn unter Schlafentzug bist du, genauso wie jeder andere, einfach nicht 100 % zu gebrauchen und dein Gehirn funktioniert nicht so, wie es soll.

Drei Tage wach: die Symptome von Schlafmangel

Schlafforscher haben in zahlreichen Studien an Mensch und Tier die Auswirkungen von Schlafentzug erforscht. Sie sind nicht angenehm – nicht umsonst wird Schlafentzug auch als Folter eingesetzt. Vielleicht hast du schon mal vom „russischen Schlafexperiment“ gehört, bei dem sich die Probanden nach einer Weile selbst aufaßen. Dies gehört mit Sicherheit in den Bereich der urbanen Mythen. Was wirklich mit dir passiert, wenn du drei Tage lang wach bleibst, siehst du hier:

24 Stunden wach

Spätestens jetzt zeigen sich erste Übermüdungserscheinungen: Deine Augen werden rot und brennen. Deine Reaktionszeit verlängert sich um die Hälfte, die Bewegungen werden fahrig. Du kannst dich kaum noch konzentrieren, bist im Kontakt mit anderen emotional labil und reizbar. Einfache Dinge kannst du dir immer schlechter merken. Du triffst am laufenden Band falsche Entscheidungen.

48 Stunden wach

Du leidest unter pochenden Kopfschmerzen. Urteilsvermögen? Fehlanzeige. Du fängst an zu frieren und zitterst. Noch kannst du einfache Handlungen ausführen, aber deine Gefühle fahren Achterbahn. Dir ist übel und du kannst nur noch schlecht das Gleichgewicht halten. Ohne ständige Reize würdest du augenblicklich einschlafen.

72 Stunden wach

Dein Gehirn hat jede kreative oder logische Betätigung eingestellt. Du halluzinierst und hast Wahnvorstellungen. Deine Psyche bricht zusammen. Der Stoffwechsel entgleist. Wirst du noch länger wach gehalten, kann das sogar tödlich enden. Wann genau, unterscheidet sich je nach Mensch.

Nur eine Sekunde weg – so wirkt sich Müdigkeit beim Fahren aus

Hast du schon mal Sekundenschlaf erlebt? Es ist das deutlichste Zeichen einer akuten Übermüdung. Unsere Vorfahren waren manchmal über Tage auf der Jagd. Schlafen war da nicht immer möglich. Für solche Ausnahmesituationen hat sich die Evolution den Sekundenschlaf ausgedacht: winzige Dosen Erholung, ohne, dass die aktuelle Aktivität unterbrochen werden muss.

Klingt ganz sinnvoll – nur mit Autobahnen hat die Evolution nicht gerechnet. Jeder vierte Unfall wird von übermüdeten Autofahrern verursacht, die mal eben für eine Sekunde eingeschlafen waren. Da hilft nur eines: Wenn du merkst, dass dir die Augen zufallen, fahre ab und mach einen Powernap. Das kann nicht nur dir das Leben retten!

Unser kollektiver Schlafmangel und seine Folgen

Es ist ziemlich offensichtlich, dass ein Schlafentzug ungesund ist. Ein Großteil der Menschen nimmt das punktuell in Kauf: wenn die Deadline näher rückt, eine Prüfung ansteht oder der Nachwuchs Zähne bekommt. Wird so ein Schlafmangel kurzfristig wieder ausgeglichen, bleiben die Folgen im Rahmen.

Anders ist es mit chronischem Schlafmangel. Jede Nacht ein Stündchen zu wenig schlafen, fällt erst einmal gar nicht auf. Abends bist du noch mit Kollegen etwas trinken und morgens als Erster im Büro. Ist doch selbstverständlich! Hinzukommen (meist stressbedingte) Schlafstörungen, die das Ein- oder Durchschlafen verhindern, und ein missachteter Chronotyp: Eulen, die Frühdienst schieben. Lerchen, die sich die Nächte zum Networking um die Ohren schlagen. So häufen die meisten von uns über die Arbeitswoche ein Schlafdefizit an, das sie in der Freizeit kaum noch ausgleichen können oder wollen. Schließlich soll abseits des Büros irgendwann das Leben stattfinden! Und das wollen wir nicht verschlafen.

Bar Schlafentzug B

Die Schlafdauer in der westlichen Welt sinkt seit einigen Jahrzehnten. Die Folge: Der Großteil der modernen Gesellschaft schläft Nacht für Nacht zu wenig. Forscher sehen darin auch einen der Auslöser für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes. Es ist erschreckend, was Schlafentzug mit uns macht. Die Leistung fällt ab, das Immunsystem arbeitet im Sparmodus, die Willenskraft ist geschwächt. Stress geht uns viel eher an die Nieren. Kein Wunder, dass sich die psychischen Folgen des kollektiven Schlafmangels deutlich zeigen: Deutschland verzeichnet steigende Fehltage im Beruf und eine rasant wachsende Rate an depressiven Erkrankungen. Apropos Depression: Ausgerechnet Schlafentzug kann unter Aufsicht und sehr gezielt als Therapie eingesetzt werden, um kurzfristig eine Verbesserung bei Depressionen zu erzielen. Die Betonung liegt aber auf kurzfristig.

Leidest du unter chronischem Schlafentzug?

  • Morgens hast du Probleme, aus dem Bett zu kommen
  • Tagsüber bist du dauerhaft müde
  • Du hast wenig Geduld mit deinen Mitmenschen und dir selbst
  • Obwohl du dir etwas fest vorgenommen hast, setzt du es nicht um
  • Es gibt jeden Tag Momente, in denen du nicht mehr kannst
  • Du rauchst vermehrt oder trinkst viel Kaffee
  • Du bist ständig erkältet
  • Deine Anspannung lässt dich in der Nacht nicht gut schlafen, obwohl du müde bist

Was tun bei dauerhaftem Schlafentzug?

Diese Punkte sind schon sehr deutliche Warnzeichen. Leider sind viele Symptome des Schlafmangels nicht so auffällig. Man gewöhnt sich schnell an den Zustand mit zu wenig Schlaf und denkt, er wäre normal. Du hast einen fordernden Job, Interesse am Weltgeschehen und dazu Partner, Familie, Freunde? Dann stehen die Chancen gut, dass du unter chronischem Schlafentzug leidest. Die Hauptgründe für dauerhaften Schlafentzug sind nämlich – neben Schlafstörungen – ein (zu) aktiver Lebensstil.

Du weißt jetzt zwar, dass Schlaf alles andere als verschwendete Zeit ist. Frage dich selbst: Ist es an der Zeit, deine Prioritäten zu ändern? Manchmal scheint es so, als hätten wir über unsere Lebensumstände wenig Kontrolle. Stattdessen diktiert der Stress, der Chef, die To-Do-Liste, was wir tun und lassen. Ist das wirklich so? Oder hast du die Macht über dein Leben, um es so zu gestalten, dass dein Körper und Geist ihr Potenzial voll entfalten können? Interessante Fragen. Wir sind gespannt auf deine Antworten. 

Share